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It‘s Wedding-Time

Veröffentlicht: 11.08.2025

Taxi
Ninh Binh → Flughafen Hanoi
Vietnam
Flug
HAN → HKG
Cathay Pacific · Economy
Taxi
Hong Kong International Airport → … → Hong Kong International Airport
Hong Kong, China
Flug
HKG → FRA
Lufthansa · Business
Tour
Hochzeit von Mai und Patrick
Aktivität
Essen
Rooftop-Bar des Hotels
$ · Abendessen

Nguyễn Trãi (vietnamesischer konfuzianischer Gelehrter - 1380-1442) sagt: „Bei einer vietnamesischen Hochzeit ist der Lärm der Feier nur der Klang des Glücks, der die Seele des Paares erfüllt.“

31.07.:

Es hat sich im Laufe der letzten Urlaube zwecks Optimierung und besserer Verfolgbarkeit für uns durchgesetzt, den Blog tageweise zu schreiben! Das führt dazu, dass auch ein Tag wie der heutige im Blog landet, an dem im Prinzip wenig bis gar nichts passiert. Wobei…so ganz stimmt das nicht. Zu erzählen gibt es ja immer irgendwas.

Wir füllen den Vormittag mit Sport, Pool und dem ungeliebten Packen der Taschen und Rucksäcke, da es am Freitag (Spoileralarm) auf große Sightseeing-Tour mit der Hochzeitsgesellschaft geht und am Samstag der Hotelumzug samt dann offizieller Hochzeit ansteht. Also kurzum: keine Zeit mehr für lästiges Packen!

Nachmittags gehts (mal wieder per Roller) nach Tam Coc zu Mani- und Pediküre für alle, auch für den Fux!

Während Lena und Ida allerdings eher die Wohlfühl-Nagellackiererei genießen dürfen, bekomme ich das Hardcore-Programm. Auf die Frage „Footscrub?“ hätte ich besser nicht nicken sollen, denn plötzlich sehen sich meine Zehen einer Flex gegenüber, die sich mit locker 10000 Umdrehungen und Schleifpapier-Stärke 20 meinen zarten Hobbitfüßen nähert!

Und dann hobelt sie los, als gäbs kein Morgen, bzw eher bald keinen Fuß mehr! Nach reichlich Abrieb und mindestens ebenso viel Gelächter unter den Mitarbeiterinnen (zumindest fühlt es sich so an) muss ich aber gestehen, dass aus Hobbit- tatsächlich eher Elbenfüße geworden sind, die so seicht und glatt sind, dass die Birkenstock-Latschen Probleme haben, mich in ihnen festzuhalten!

Ironischerweise fällt kurz nach Beendigung unserer „Kosmetik“-Behandlung im Salon und einigen umliegenden Häusern der Strom aus!

Ob es am überlasteten Stromnetz und überhitzter Flex lag? Wird sich wohl nicht abschließend klären lassen…

So fahren wir zum späten Nachmittag nach Ninh Binh, um uns mit Familie Bräutigam (Patrick, David, Mutter Petra und Davids Freundin Charleen) und Petras Dolmetscherin für die Zeit der Feierlichkeiten, Gam zu treffen!

Wenn wir bedenken, dass wir Patrick knapp 4-5 Jahre, Petra bei unserer eigenen Hochzeit 2013, David 2010 zur Eishockey-WM in Köln zum letzten Mal gesehen haben und Charleen überhaupt erst heute kennen lernen, fühlt es sich an wie ein wöchentliches und regelmäßiges Treffen. Auf verschwitzte Umarmungen folgen reichlich Lacher, Anekdoten und das übliche „was habt ihr die letzten Jahre gemacht?“.

Ein wirklich schöner und entspannter Abend, den wir zwecks Dunkelheit und unverändert schlechter Rollerbeleuchtung eigentlich zeitig abbrechen müssen, führt uns aber doch noch zum „Ninh Binh Legend Hotel“, wo die Feierlichkeiten stattfinden werden und wir auf Bitte des Bräutigams unsere theoretisch angepasste Hochzeitskleidung anprobieren sollen.

Sollten sie nicht passen, müsse ein Schneider nochmal Hand anlegen!

Vor Ort schlüpfen wir also in die traditionelle Kleidung und stellen fest, dass der Schneider wohl nicht seinen besten Tag bei der Erstellung unserer Kleider hatte.

Während meine Garderobe bis auf deutlich zu kurze Ärmel noch einigermaßen passt, hat Lena eine Hose erwischt, die eher einer Größe 32 entspräche und Ida einen Zweiteiler, in den sie wohl auch zweimal reinpassen würde. Erinnerungen an Zwerg Gimli im Kettenhemd („es ist ein wenig eng um die Brust“) kommen hoch, sind doch sowohl Beine als auch Oberteil knappe 40 cm zu lang geraten!

Da hilft auch keine Sicherheitsnadel mehr, um das hochzustecken. Bleibt nur, die Kleidung zurück zu Patrick zu fahren, um es noch in abendlicher Bearbeitung dem Mantel St. Martins gleich in zwei Hälften zu trennen!

Bei der Gelegenheit treffen wir auch noch Manuel, der gerade erst aus Abu Dhabi angereist war und den Lena knapp zwanzig Jahre nicht gesehen hat, so dass ihre Dreiergruppe (Patrick, Lena, Manuel) zum ersten Mal seit zwei Dekaden wieder vereint ist!

Nach einem dann doch deutlich längeren Abend gehts zurück ins Hotel und schnell ins Bett, da morgen ja der oben bereits erwähnte Ausflugstag ansteht und wir uns um 8:45 Uhr zur Roller-Abfahrt am Legend-Hotel treffen wollen.

01.08.:

Noch zweimal Toast und Marmelade! Dann ist nicht Weihnachten, aber die Freude ist wohl ähnlich groß, denn kein Mitglied der Reisegruppe steigt noch mit irgendeiner Freude die Treppen zum Essensraum hinunter.

Auch der Ca Phé löst eher nur noch Blitzkriege im Verdauungstrakt aus, als dass er wach und energiegeladen macht.

Egal und nicht zu ändern. Wir müssen los. Hupend und deutlich weniger bremsend knüppeln wir unsere Roller Richtung Treffpunkt, sind wir doch schon etwas spät dran!

Unser Fehler, bedenken wir doch die obligatorischen „Five Minutes“ nicht. So geht es statt 9 Uhr erst um 9:30 Uhr los und das auch nicht zur geplanten Bootstour in Trang An, sondern zur nächsten Tankstelle. Und zwar dringend und direkt, da wirklich sämtliche Roller fast nur noch mit Luft und Liebe angetrieben werden. Von Benzin ist nur noch im Promillebereich ein Spürchen zu erahnen!

Nachdem alle Gefährte halbwegs gut gefüllt sind, gehts endlich die knapp 20 Minuten raus in den „Trang An UNESCO Ecocomplex“ zur zweistündigen Bootstour durch die Kalksteinfelsen!

Strahlendes Kinderlachen erfüllt sämtliche Roller, denn aus allen Erwachsenen werden urplötzlich wieder Kinder, als es im Korso zum ersten Ziel geht.

Es stirbt sofort, als es auf den Rollerparkplatz geht, den (Polemik an) nur ein Grüner gebaut haben kann (Polemik aus), besteht er doch aus riesigen wabenähnlichen Betonplatten, auf denen Fahren zum Rodeo wird und das Abstellen zum Spiel mit der nicht vorhandenen Versicherung. Trifft man Beton oder eines der drölfzigtausend Löcher, um mit seinem und den anderen 17428 Rollern den Domino-Day nachzustellen?!

Es geht dann aber doch gut aus, kostet nur Schweiß und Rangierkunst allenthalben.

An den Booten angekommen, fühlt man sich aufgrund der schieren Menge kurz an den D-Day oder optional die Kieler Woche erinnert. Ein Meer aus Holzschaluppen, die immer zu Viert oder max. zu Fünft gefüllt werden sollen, tummeln sich an den Einstiegsstufen. Wir teilen uns eines der Boote mit David und Charleen und erfreuen uns an den Rettungswesten, die wir bei angenehm kühlen 36 Grad tragen müssen.

So gehts also los durch die faszinierende und an jeder Biegung neu spektakuläre Landschaft.

Bedenklich tief im Wasser liegend und von jedem der vielen Boote abgehängt werdend beginnen wir wechselnd, den armen Bootsmann beim Rudern zu unterstützen. Kaum zu glauben, dass man für diesen Job eine Prüfung machen muss und sich erst eine Zeit lang beweisen muss, bevor man irgendwelche Weissnasen über den Fluss jüppeln darf!

So jagen wir also dem Cambridge-Achter gleich übers Wasser, vorbei an kleinen Pagoden und durch ebenso flache Höhlen, wo sich unser Tiefstand bezahlt macht und kommen nach knapp 2 1/2 Stunden wieder am Anleger an. Deutlich früher als alle anderen…uns scheint, wir haben ein wenig übertrieben mit dem Unterstützen. Kurz glauben wir, der Bootsmann möchte uns Trinkgeld geben, aber er bittet doch nur um die Schwimmwesten!

Völlig erschlagen vom ungeplanten Paddeltraining (gilt für uns, während die anderen eher vom Nichtstun ko sind) knattert der Hochzeitsclan zum Mittagessen. Mai hat uns DAS Lokal der Region Ninh Binh versprochen, bekannt für die regionale Küche. Wir ahnen Böses und schustern Ida in weiser Voraussicht schnell ein kalorienreiches Croissant zu.

Regionale Küche klingt erst mal harmlos, doch auf dem Weg zum Tisch auf der restauranteigenen Terasse geht es durch die Küche, die fein getrennt in Gemüse (links) und Ziegenschlachterei (rechts) ist. Aber der Anblick von ganzer Ziege, halber Ziege, viertel Ziege usw. macht die Vorfreude aufs Mittagessen ehrlich gesagt ein wenig zu nichte.

Nützt ja nichts, der Hunger wirds schon richten!

Da es sich bei der Menükarte um eine rein vietnamesische Version handelt, holen wir uns Google Lens zur Hilfe, um die vielen Spezialitäten auf dem Tisch einordnen zu können. Doch bei „Ziege hört wieder“, „Ziege dampft Bier“, „Ziege in Fischfett gewickelt“, „Ziege kompostiert Heuschrecke“ und dem Highlight „Spermaeintopf“ werden wir ein wenig skeptisch.

Insbesondere der Spermaeintopf macht seinem Namen alle Ehre und kommt diesem rein optisch und konsistent sehr nahe!

So bleibt es bei ein wenig Ziegenfleisch in verschiedenen Varianten, welches uns Drei leider nicht so abholt, was aber wohl mehr an uns und einer gewissen Übersättigung asiatischen Essens liegt als am eigentlichen Ziegenfleisch. Oder irgendwie dazwischen…

Weiter geht es zum Núi Ngoạ Long (Lying Dragon Mountain), einem der Kalksteinberge, an dessen Flanke sich 500 Stufen den Berg hochschrauben. Oben wartet dann eine Statue, der Mutter Gottes gleich, und ein liegender Drache, der zu schönen Fotos und Klettereien einlädt!

Wenn man es überhaupt hochschafft, denn bei erneuten 37 Grad und knallender Sonne steht man bereits bei Stufe 100 im eigenen Saft und spielt Paul Panzers „Katzen zum Dünsten“ nach. Bei Stufe 200 schwimmen die Füße in den Birkenstock-Latschen und wir denken uns: wie dumm kann man sein, hier in Birkenstocks hochzulaufen?!

Auf Stufe 300 erscheint vor dem geistigen Auge Rocky Balboa „Adrian“ schreiend, provozierend leicht die Stufen hochtänzelnd, als wären wir in Philadelphia!

Bei Stufe 400 kommt uns die Idee, Birkenstock anzurufen, um mit unseren Schwimmschuhen Werbung fürs Bergsteigen und Tiefseetauchen in Sandalen machen zu können. Könnte sich finanziell für beide Parteien lohnen.

Nach der finalen der 500 Stufen erscheint uns die oben stehende Buddha-Statue tatsächlich wie die Mutter Gottes, welche uns nass, pumpend und glühend in ihr Reich aufnehmen möchte!

Da sich die gesamte Gruppe den Berg (wir reden hier übrigens von 121m!!! über NN) hochquält, warten wir auch auf den letzten Teilnehmenden für das Gruppenfoto vor dem Lying Dragon. Und zugegebenermaßen ist sowohl die Aussicht, als auch die Drachenstatue sehr beeindruckend und die Plackerei durchaus wert.

Später am Abend fragen wir Mai, wie oft sie als Kind die Stufen hochkraxeln musste. Zunächst hat sie uns etwas verständnislos angesehen, dann hat sie schallend gelacht. Nie! So etwas beklopptes täten nur Touristen. Sie sei nur einmal im vergangenen Jahr mit Milo oben gewesen, und hätte kein Verlangen danach diese Erfahrung zu wiederholen.

Clever wie die Vietnamesen übrigens sind, wurde auf halber Höhe ein kleiner Kiosk installiert, der einfach alles, dass es 250 Stufen tiefer gibt, hier oben zum doppelten Preis verkauft!

Donald Trump wäre vermutlich stolz auf so viel Verkaufsgenie…

Wieder unten warten wir darauf, dass unsere Körper das Schwitzen einstellen, was aber irgendwie nicht passiert. Die Suppe läuft unaufhörlich, sämtliche Kleidung ist durchweg nass, so dass der Tagesausflug mangels Wechselkleidung und Zeit um 17 Uhr abgebrochen wird.

Denn ab 18 Uhr steht das „informelle“ Abendessen an Mai’s Elternhaus statt!

Dazu und zur tagsdrauf folgenden Tee-Zeremonie wurde auf ca. 50 Meter Länge vor dem Haus die Straße gesperrt und ein riesiges Zelt aufgebaut!

Wir erfreuen uns aber erstmal einer Dusche und schlüpfen dann in trockene Kleidung, die uns fast schon zu adrett für ein informelles Abendessen scheint und fahren mit unseren Rollern zurück ins Stadtzentrum. Dort angekommen stellen wir etwas entsetzt fest, dass dieses Abendessen in unseren Augen alles ist, nur nicht informell. Es wirkt, als würde die Hochzeit bereits heute Abend stattfinden, alles ist geschmückt, es wird wahnsinnig viel Essen aufgetischt, ein Moderator führt mal redend, mal singend durch den Abend und im Zelt befinden sich an die 100 Personen.

Bereits beim Parken werden wir von Familiemitgliedern Mai‘s begrüßt und ins Zelt gezogen, wo wir Platz nehmen sollen und auch direkt zum Essen aufgefordert werden!

Alle, die wir begrüßen, sind unglaublich freundlich und herzlich und endlich dürfen wir auch Mai selbst kennenlernen. Zur Rollertour war sie nämlich nicht mitgekommen, da sie noch mitten in Planungen und Vorbereitungen verwickelt war.

Bei dem, was uns hier bereits am Vorabend der Hochzeit geboten wird, wundert das in keinster Weise!

Nachdem wir gestärkt und schon leicht angeduselt (sind ja auch schon 20 Minuten da) sind, da insbesondere Mai‘s Onkel scheinbar mit jedem Gast einzeln einen vietnamesischen Apfelschnaps verschnabulieren möchte, beginnt der doch recht laute Teil des Abends und der Moderator macht Platz am Mikro für Karaoke!

Hier offenbar nicht minder beliebt wie in Japan, stürzen sich nach und nach Familienmitglieder oder Nachbarn Mai‘s nach vorne und schmettern vietnamesische Klassiker (glauben wir) durchs Zelt.

Auch wir Europäer werden ins Visier genommen und auch hier zeigt sich Mai‘s Onkel als federführend, bittet er uns doch immer wieder lautstark auf die Bühne. Nach zähen Verhandlungen knickt dann der erste ein und zaubert „Aber bitte mit Sahne“ ins Mikro! Clever, weil furchtbar einfach.

So geht der Abend mit viel Gesang, noch mehr Lachen und reichlich Essen dahin. Um weitere Runden Schnaps und das Mikro mogeln wir uns geschickt herum, so dass wir müde, aber unbeschadet zurück zum Hotel fahren.

Morgen dann endlich steht die große Hochzeit an.

Wenn das heute nur der Vorgeschmack ist, was wird das dann morgen erst werden?

02.08.:

Der Tag der Hochzeit steht an und wir verlassen mit doch recht leichtem Herzen das Hotel, welches uns die letzten sieben Tage als Zu Hause diente!

Durch die komplizierte Teilzahlung unserer ersten Tage, zeigt sich die Rezeptionistin extrem überfordert mit dem Rest der Rechnung, was uns noch den gesamten Tag beschäftigen wird.

Erstmal gehts aber nach Ninh Binh ins Legend-Hotel, wo wir allerdings noch bis 13 Uhr warten müssen, um einchecken zu dürfen.

Da wir uns um 13:45 Uhr fix und fertig in der Hotel-Lobby mit der angereisten Hochzeitsgesellschaft treffen wollen, ist also Eile geboten. Gott sei Dank hat die Schneiderin in einer rasch anberaumten Nachtschicht Idas Kleidung gekürzt und aus dem Rest noch Zeltplanen für Hochzeiten ab ca 200 Personen genäht!

Bevor es jedoch gestriegelt und gebügelt losgeht, klingelt unser Telefon und nach drei verzweifelten und gewcheiterten Versuchen, erahnen wir, wer da am Apparat hängt!

Die mittlerweile extrem verzweifelte Rezeptionistin aus dem vorherigen Hotel.

Es habe eine Fehlzahlung gegeben und sie hätten irrtümlich eine Nacht vergessen. Wo wir denn seien, um die restlichen Kosten zu begleichen?

Was wir kurzzeitig für einen Scherz halten, ist in ihrer Stimme jedoch purer und für sie wohl sehr unangenehmer Ernst. So kommt sie knapp 10 Minuten später ins Café des Hotels, wo sie uns zitternd nochmal die Gesamtrechnung, die zugegebenermaßen niemand mehr nachvollziehen kann, vorlegt und sich ca. 259 Mal bedankt, da sie die fehlende Summe sonst hätte von ihrem Lohn bezahlen müssen. 

Da lässt sich die Sorge und Hektik ihrerseits schon etwas mehr verstehen.

(Selbst am Abend folgt noch eine Nachricht per WhattsApp mit einer Entschuldigung und dem Dank, dass wir direkt haben zahlen können. )

Kurze Zeit später gehts also mit passender Kleidung und nach einigen Fotos in sämtlichen noch so dezemt peinlichen Posen durch den gebuchten Fotografen in die diversen Autos Richtung Elternhaus von Mai zur traditionellen Tee-Zeremonie!

Dort werden neun der männlichen Besucher vom Bräutigam ausgewählt, zusammen mit Freundinnen der Braut den Eltern und Ahnen der Braut überdimensionale und bis zu 20 kg schwere Geschenke zu übergeben.

Da erst noch eine Reihenfolge der Geschenkträger gefunden werden muss, stehen wir also eine knappe Viertelstunde mit den Geschenken in den Händen in der Sonne vor dem gekühlten Zelt und warten auf Einlasszeichen durch den erneut anwesenden Moderator.

Es sind keine Tränen der Freude ob der anstehenden Zeremonie, es ist einfach Schweiß, der da das Gesicht hinabläuft! Und keine Hand frei, um etwas dagegen zu tun…

So freuen wir uns umso mehr, als es dann losgeht und wir nacheinander Richtung Bühne laufen, wo die Geschenke podestgleich drapiert werden. Leider können wir der Anmoderation nicht folgen, da es lediglich in vietnamesischer Sprache abläuft!

Die anschließenden Reden von Brautvater und Bräutigamsmutter finden dann aber eine Übersetzung ins Englische und umgekehrt ins Vietnamesische!

Die Zeremonie läuft dabei für unser Empfinden einfach und unspektakulär ab. Hauptaugenmerk liegt scheinbar auf den Geschenken an die Ahnen und den damit verbundenen Segen der Verstorbenen und der anwesenden Familie!

Viel zu schnell scheint all dies abzulaufen, denn nachdem die Geschenke zum Schrein der Familie ins Haus getragen werden, leert sich das Zelt doch recht schnell und wir wissen so gar nicht, wie es nun weitergeht und ob wir noch eine Aufgabe haben.

Leider weiß auch der Bräutigam dies nicht und nach ein wenig Nachforschung bei Braut und Dolmetscherin sieht der weitere Fahrplan die Rückkehr ins Hotel und anschließenden Kleiderwechsel für das anstehende Essen im großen Saal vor!

Zu diesem geht es gegen 19 Uhr und zu verfehlen ist der Saal auch auf keinen Fall, wird die Hochzeit doch durch eine riesige Leuchtreklame über dem Eingang angekündigt!

Durch einen Vorraum geht es in den opulent geschmückten Feierraum, in dessen Mitte mit rotem Teppich ausgeschmückt eine Art Laufsteg den Weg zur Bühne ebnet. Auch hier wird durch gigantische Leuchtreklame deutlich gemacht, was hier heute gefeiert wird.

Falls sich jemand zufällig hier hinein verirren sollte durchaus hilfreich.

Nachdem sich der Saal nach und nach auf die 900 Gäste füllt, beginnt die eigentliche Feier samt erneuter Anmoderation, einiger Reden (diesmal sogar von Patrick in fleißig gelerntem Vietnamesisch) und des Ringtauschs. Während unser Tisch, der überwiegend aus Deutschen besteht, gebannt dem Ablauf auf der Bühne folgt, beginnen sämtliche Vietnamesen um uns herum mit dem Essen. Es erweckt den Anschein, als sei die Festivität am Kopfende des Saals zweitranging bis egal, denn durch das Klirren von Besteck und Geschirr kommt kaum ein Ton an den bereits schlemmenden Tischen an. Einzig der deutlich lautere Moderator dringt mit seiner an Harry Wijnvoort und „Der Preis ist heiß“ erinnernden Intonation zu den Essenden durch. Während ich mich also innerlich zwischen rotem Umschlag und Tor Drei entscheiden möchte, beendet der Ringtausch zwischen Mai und Patrick mehr oder weniger abrupt die gesamte Szenerie, als unser Tisch sich doch endlich entscheidet, die Stäbchen zu wetzen und mit dem Essen zu beginnen.

Keine Sekunde zu früh, denn während wir den ersten Bissen zu uns nehmen, steht um uns herum ein Großteil der Gäste auf und verlässt den Raum und die Feierlichkeiten.

Einen weiteren Bissen später startet die Putzkollone ihre Arbeit, räumt Tische ab und schmeißt den Staubsauger an! Alles geht für unsere Verhältnisse so rasant schnell, dass wir es gerade eben schaffen, ein Bier, drei Schnaps und eine Flasche Rotwein untereinander aufzuteilen.

Druckbetankung aus Zeitmangel…

Nach kurzem Plausch und Fotos mit dem nun vollends frisch vermählten Brautpaar geht es zum westlichen Teil des Abends an die Rooftop-Bar des Hotels, wo ein DJ Musik auflegt und der Hochzeitstanz die Party einläutet. Spannend zu sehen, dass dieser Teil der für uns festen Tradition einer Hochzeit bei den Vietnamesen wenig Anklang findet.

Da uns durch den raschen Wechsel der Location ein wenig Grundlage fehlt, werden kurzerhand reichlich Pommes und Frühlingsrollen zu Gin Tonic, Bier und Kokosnuss-Wasser gereicht.

Und so feiern wir zappelnd auf der Tanzfläche, quatschend in den Sesseln und lachend an der Bar die Hochzeit von Mai und Patrick auf drei so unterschiedliche Arten innerhalb eines Tages mit Tee-Zeremonie, 900 Gästen bei einem pompös beeindruckenden Essen und DJ-Musik auf dem Dach des Hotels mit Blick über die Stadt!

Etwas wehmütig sind wir dann schon, als wir uns verabschieden und allen liebgewonnenen Menschen der letzten 48 Stunden „Adieu“ sagen müssen. Eines haben alle Verabschiedungen gemein. Dass wir uns wiedersehen wollen und auch werden. Ob nun in London, Frankfurt, Unna oder Iserlohn…

Dankbar für die letzten zwei Tage und die Tatsache, an dieser Feier teilgenommen haben zu dürfen, gehts ins Hotelzimmer, wo uns eine, wenn auch selbstgewählt, aber trotzdem äußerst kurze Nacht erwartet.

03.08.:

Nachdem wir in den letzten Tagen wieder reichlich Flüge durchforstet haben und die Reisegruppe von leichtem Heimweh gepackt wurde, entscheiden wir uns nämlich für eine Harakiri-Rückreise am Sonntag mit einem klingelnden Wecker um 4 Uhr morgens. Drei Stunden Schlaf sollten auch reichen.

Es geht per Taxi von Ninh Binh zum Flughafen nach Hanoi, wo wir um 10:55 Uhr einen Flug mit Cathay Pacific nach Hong Kong erwischen wollen.

Im Vorfeld davor gewarnt, frühzeitigst am Flughafen zu erscheinen, merken wir jetzt warum!

Die Passkontrolle macht jeder Behörde in Deutschland eiskalte Konkurrenz, so dass wir, glücklicherweise mit reichlich Puffer, fast 1 1/2 Stunden benötigen, um überhaupt die Passkontrolle/Ausreise zu durchschreiten.

Der Passkontrolleur blättert gleichzeitig gelangweilt und interessiert jeden Pass durch auf der Suche nach spannenden Stempeln, während die Zeit dahinrinnt und einige Reisende um uns herum ernsthafte Sorgen um ihren Flug bekommen.

Der Flug nach Hong Kong, wo am Abend um 23:25 Uhr unser Rückflug gen Frankfurt mit der Lufthansa starten soll, ist wunderbar ruhig. Es gibt tolles On Board-Entertainment und sogar etwas zu essen! Für einen knapp zweistündigen Flug durchaus selten!

In Hong Kong angekommen, lassen wir unser Gepäck bis auf einen kleinen Rucksack in der Gepäckaufbewahrung und fahren per Airport Express in die Stadt.

Schon von weiten lassen sich die gigantischen Ausmaße der Stadt erkennen, wie sie sich beidseits des Victoria Harbour mit gefühlt unendlich vielen Hochhäusern in die Berglandschaft drückt!

Am Bahnhof Central auf Hong Kong Island steigen wir aus, von wo aus wir nach vielfacher Empfehlung eine der deutlich in die Jahre gekommenen Fähren rüber nach Tsim Sha Tsui, dem pulsierenden Zentrum der Stadt nehmen!

So hat man während der knapp fünfminütigen Überfahrt einen tollen Blick auf die Skylines beidseits der Meerenge.

Und ja, beeindruckend und faszinierend ist der Eindruck definitiv. Die tiefhängenden Wolken tragen aber dazu bei, dass uns ein Gefühl von Enge und Beklemmung stets im Nacken sitzt.

Doch nicht nur die Wolken und die -kratzer lösen dieses Gefühl aus. Die für uns wirklich unglaubliche Masse an Menschen erschlägt uns vollends, denn bis auf die ersten Meter nach Verlassen der U-Bahn und dann kurze Zeit später der Fähre, ist man ständig in einer Traube Menschen gefangen. Gegen den Strom laufen oder sogar nur das Wechseln der Straßenseite ist schier unmöglich. Wir dachten, dass uns Hanoi mit seinem Lärm und Chaos zur Verzweiflung bringen würde. Aber das hier ist zumindest für uns Drei der ultimative Overkill. Es gibt Menschen und das sei ihnen auch gegönnt, die diese Art Stadt und Eindruck lieben und genießen können. Uns reichen 10 Minuten, um festzustellen, dass so ein Zelt in der Bretagne echt was für sich hat.

Nichts desto trotz versuchen wir, das Beste draus zu machen und saugen so viel wie möglich dieser Metropole auf, schaffen es sogar in zwei Lädchen, wobei einer davon ein 7/11 ist, in dem Umdrehen und langes Überlegen nicht möglich ist und der andere ein KFC-Fastfood, in dem wir mit viel Dusel einen Tisch mit drei Stühlen ergattern können. Einfach überall Menschen, Menschen uuuuund Menschen.

Nach rascher Stärkung gehts also ohne lange Umschweife zurück Richtung Flughafen. Da ist es wenigstens etwas kontrollierter voll!

Damit wir aber doch noch etwas länger wass von dem herrlichen Gefühl reichlichen Körperkontakts bekommen, streiken kurzzeitig die Ticketautomaten für die Fähren, so dass die dann folgende nach Behebung des Problems überaus voll wird. Und schon das Warten auf die Fähre fühlt sich an wie in einem Pferch. Witzigerweise führt der Weg auf die Fähre dann auch über eine Rampe, die durch ein automatisches Gatter von der Wartehalle getrennt ist!

Zurück im leeren (!) Airport Express atmen wir erstmal tief durch und schweigen uns an. Ruhe tut gut!

Wir sind dennoch froh, den Ausflug in die Stadt gemacht zu haben, denn Hong Kong sieht uns vermutlich nicht so schnell wieder!

So sitzen wir denn etwas länger als erwartet am Gate, hören Hörbücher und freuen uns auf einen zwar langen, aber bequemen Rückflug, der uns drei Plätze in Business Class ermöglicht!

04.08.:

Und so landen wir 13 Stunden später um 6:45 Uhr in der Früh in Frankfurt, nach einem extrem langen Tag, der am Vortag um 4 Uhr morgens in Ninh Binh begann, uns von dort nach Hanoi und über Hong Kong zurück in die Heimat bugsiert!

Wahnsinn eigentlich, wenn man bedenkt, innerhalb von nicht mal 24 Stunden in drei verschiedenen Ländern gewesen zu sein und dazu fast auf der anderen Seite der Welt!

Was bleibt uns zu sagen?

Wir haben die Zeit in Vietnam definitiv sehr genossen! Sei es Hanoi als Stadt, die sich für uns zwar erst beim zweiten Eindruck liebenswert und attraktiv zeigte, dafür dann aber umso spannender wurde und einfach unglaublich viel zu bieten hat!

Die Ha Long Bucht, die wir mit völlig fremden, aber sehr netten und interessanten Menschen erkunden und kennen lernen durften!

Dann Ninh Binh, welches landschaftlich ganz weit oben auf der Rangliste des bisher Erlebten landet. Wo sich alle 20 Meter ein anderes Bild und ein anderer Eindruck ergibt und man aus dem Staunen und Knipsen gar nicht mehr raus kommt.

Wir haben mit Fahrrädern und Rollern die Straßen unsicher gemacht, wobei das eigentlich gar nicht unsicherer geht…

Haben diverse Spezialitäten probiert und uns an teils undefinierbare Lebensmittel herangetraut. Nicht immer erfolgreich und auch jetzt wissen wir noch nicht, was bspw der „Spermaeintopf“ eigentlich war!

Wir sind dankbar, durch die Hochzeit von Mai und Patrick die Möglichkeit bekommen zu haben, (Nord-)Vietnam kennen zu lernen und werden noch sehr lang an diesen Urlaub zurückdenken!

Doch trotz der vielen tollen Erfahrungen, Lacher, lustigen Irritationen in der Verständigung, der Landschaft und der Menschen, die wir kennen lernen durften, bei einem ist sich unsere Reisegruppe auch sicher: eine Fernreise brauchen wir erstmal nicht mehr!

Aber wer weiß, wie lange wir das durchhalten… 

Auf einen Blick

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  • Hochzeit von Mai und Patrick
  • Teezeremonie und großes Festessen
  • Rooftop-Bar mit DJ und Hochzeitstanz
  • Taxi von Ninh Binh nach Hanoi
  • Zwischenstopp in Hongkong vor dem Rückflug
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Antworten (1)

M.-I. Billvor 11 Monaten
Sehr schöne Berichte! Kompliment! Darf ich Sie jedoch bitten, Ihr Profilbild umgehend zu ändern. Dieses Bild wurde extra für mich erstellt und ich habe dafür bezahlt - Sie nicht, Sie haben es .... Bitte entfernen Sie das Bild bis spätestens 20.9.25 - ansonsten sehe ich mich gezwungen, meinen Anwalt einzuschalten. Besten Dank! Ich bitte Sie deshalb, auch

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