„Good morning Vietnam!“
19.-20.07. Hanoi Madness - das ist nix für schwache Nerven Seit im Mai der Anruf von Milo, Lenas bestem Freund aus der Schulzeit, unsere Urlaubspläne durcheinander gewirbelt...


Veröffentlicht: 24.07.2025




























Nguyễn Trãi (vietnamesischer konfuzianischer Gelehrter - 1380-1442) sagt:“Passe die Geschwindigkeit deines Rollers immer der Schriftgröße deines Handys an!“
22.07.:
Als wir 2018 zum ersten Mal mit dem Zelt auf großer Reise im Norden Schottlands unterwegs waren, traf uns der Wettergott mit doch recht immenser Härte und einem der stärksten Sommerstürme der letzten Jahrzehnte. So wurden wir gezwungen, unsere Reiseplanung zu ändern und der Küste den Rücken zu kehren, um im Landesinneren die schlimmsten Tage abzuwarten und dann weiterzuziehen!
Fanden wir damals schon relativ suboptimal so als stets vorausplanende und wenig dem Zufall überlassende Menschen…
Und auch dieses Mal zeigt sich, dass striktes Durchplanen eines Urlaubs manchmal seine Nachteile hat. Taifun Wipha steht ja bekanntlich vor der Tür und rüttelt unseren Reiseplan ordentlich durch.
Zu ändern ist es nicht und auch das Jammern des männlichen Teils der Reisegruppe, der ähnlich der Reiseleitung einer Rheumadeckennutzerarmee auf dem Weg nach Bernkastel-Kues sämtliche Ausflüge, Hotels und Transfers bereits durchgetaktet hat, hilft letztendlich nichts.
Statt dessen, und nun zeigt sich, dass Plan B manchmal auch wahrlich was Gutes haben kann (kann ich als Schalke-Fan ja jetzt nicht unbedingt behaupten in den letzten Jahren), finden wir eine Stunde nördlich von Hanoi in Sôc Son ein wahres Paradies. Ein Fahrer, organisiert vom Hotel, holt uns um 11 Uhr in Hanoi ab und setzt uns eine Stunde später mitten im Grünen in einem Traumhotel ab. Normalerweise sind wir ja keine Hotelgänger, aber hier machen auch die Camper mal eine Ausnahme und checken in einem Zimmer mit eigenem Mini-Pool als Balkon und nahezu 360 Grad Rundumblick über die am Hang gelegene Anlage, die vor Palmen und Nadelbäumen nur so strotzt, ein. Wir sind absolut begeistert, schmeißen unsere Sachen aufs Zimmer und hüpfen in den verwaisten Pool. Denn bis auf eine Familie mit deutlich älterem Sohn stoßen wir auf keinen anderen Gast. Dafür aber auf Unmengen Mitarbeiter, die sich sichtbar die Beine in den Bauch stehen vor lauter nicht vorhandener Arbeit. Fühlt sich alles etwas fehlkalkuliert an. Wobei wir auch Nebensaison haben. In der Hauptsaison sei das Hotel schon recht stark belegt und würde auch gelegentlich für Hochzeiten gebucht. Können wir uns bei der Gartenlandschaft tatsächlich gut vorstellen.
Nach einer ausgiebigen Massage für die gesamte Reisegruppe geht es ins zum Abschluss des Tages ins hauseigene Restaurant, wo wir kurz vor Küchenschließung noch etwas zu Essen bekommen und den Abend Karten spielend ausklingen lassen.
Plan B, du gefällst uns!
23.07.:
Was soll man groß schreiben, wenn man nichts macht außer zwischen Pool, Whirlpool, Bett und Couch hin und her zu springen?! Eben…nichts!
Der Tag verläuft so entspannt wie nur möglich und bis auf einen Spaziergang zu einem Café in der Nähe und etwas Sport fürs Gewissen und den Ida‘schen Trainingsplan sind die Highlights die selben wie am Vortag…
—> SO wars geplant und aus Faulheit bereits am Vorabend vorgetippert. Verlaufen ist der Tag dann aber doch abwechslungsreicher als gedacht und deswegen gehörts eben auch aufgeschrieben ;-)
Nach einem bombastischen Frühstück mit Rührei, gutem Kaffee und frischem Brot (es ist erstaunlich, wie schnell man das vermisst), laufen wir recht spontan zu einem Heimatmuseum („Thành Chương's Viet Palace“), das wir auf dem gestrigen Hinweg im Vorbeifahren erspäht haben. In diesem Museum werden von einem einheimischen Künstler und Antiquitätensammler seit 2001 vietnamesische Kunst, Skulpturen und sogar ganze Häuser und Pagoden zusammengetragen, woraus mehr und mehr fast ein kleines Dorf voller Einzigartigkeiten zusammengekommen ist. Darunter Tongefäße und Vasen, die bis ins 1.Jahrhundert zurückreichen. Wir hätten diese Dinge auch gern fotografisch festgehalten, nur leider wurde komplett auf die Beschriftung sämtlicher Exponate verzichtet! Dennoch ist dieser Ort wirklich faszinierend und wenngleich auch recht wahllos zusammengemischt, vermittelt er einen mysthischen und sehr traditionellen Charakter und zeigt, wie hier vor einigen Hundert Jahren gelebt wurde und wahrscheinlich auch noch heute in Teilen gelebt wird!
Besonders schön an diesem Ausflug ist die Tatsache, dass wir komplett allein durch die Häuser und Tempel streifen können und nur „gestört werden“, als der Sicherheitsmann uns drei Regenschirme vorbeibringt! Super aufmerksam und nett, denn keine zwei Minuten später ergießt sich ein heftiger Schauer über uns.
Nach dem kulturellen Teil steht ein Café-Besuch in der Nähe des Hotels an. Wir versuchen uns hier ein wenig an Google-Bewertungen zu orientieren, um einschätzen zu können, ob sich ein Besuch in einem ausgewählten Etablisment lohnt. In touristischeren Regionen (bspw. Hanoi oder Ninh Binh) nutzen auch Instagram oder Youtube, hier verirrt sich aber scheinbar kaum ein Tourist hin.
Um zum Café zu gelangen, muss man lediglich 450 Meter Hauptstraße und zwei Kreuzungen überleben, denn Fußweg ist nicht. Wofür auch, wenn selbst kleine Kinder bereits Roller fahren…
Der Luftfeuchtigkeit von mindestens 110% trotzend…stehen wir vor einem verschlossenen Tor. Café samt Campingplatz haben zu. Google lügt uns zum ersten Mal an. Etwas frustriert drehen wir um, als ein Roller um die Ecke biegt (wer hätts gedacht) und die Tore öffnet. Wir fragen, ob sie das Café aufmacht und ob Kartenzahlung ginge. Wir haben nämlich nur noch umgerechnet 1,70€ dabei. Vietnam ist zwar günstig, aber soooo günstig dann auch nicht.
Sie nickt jedenfalls zweimal, was darauf schließen lässt, dass beide Fragen mit „Ja“ beantwortet wurden. Etwas verwirrt schauen wir uns an und suchen nach Kameras in den Bäumen, die unsere Ankunft angekündigt haben könnten. Denn ist das wirklich Zufall, dass sie ausgerechnet in dem Moment am Ende eines Feldweges ankommt, als wir dieses Café betreten wollen?
Wir gehen ihr jedenfalls erfreut hinterher in eine Art Glascontainer, wo sie nonverbal auf die Karte tippt, um uns damit zu fragen, was wir wollen. Dumm nur, dass wir eine englische Version nicht finden. Sie schaut uns dennoch (nicht zum letzten Mal während unseres Besuchs) mit Dobby-großen Augen erwartungsfroh an, wir verwirrt und überfordert zurück. Also Handy raus und jedes Wort einzeln übersetzen. Gut immerhin, dass Kaffee im vietnamesischen Ca Phe heißt. So bestellen wir nach einiger Übersetzungsrecherche zwei Kokosnuss-Ca Phe und eine Limetten-Limonade, die wirklich gut schmecken und betreiben etwas Landeshistorie, in dem wir den Vietnamkrieg durchdiskutieren (nicht mit der schweigsamen Bedienung, obwohl sie Vietcong-gleich aus den Bäumen aufgetaucht ist). Zwar kein wirkliches Kinderthema, aber wie wir finden durchaus notwendig, um das Land ein Stück weit zu verstehen. Zudem zeigt sich Ida sehr interessiert, was das Thema erleichtert.
Irgendwann reicht es aber auch und wir wollen zahlen. 205.000 Dong (6,70€) sibd wir schuldig, doch alles, was uns die nette Dame hinhält, ist ein QR-Code. Doch auch nach mehrmaligem Scannen und dem immer wiederkehrenden Google-Fischer auf unseren Handys, der keinerlei Idee hat, was er suchen soll, kommen die Dobby-Augen wieder. So wirklich verstanden hat sie uns bei Öffnung des Tores wohl nicht, denn die Kartenzahlung ist nur mit einer vietnamesischen Zahlungs-App, vietnamesischem Bankkonto und verknüpftem Online-Banking möglich! Konnte man absolut von ausgehen, dass wir alle drei Säulen des vietnamesischen Banksystems auf dem Smartphone haben…nicht!
Auch nach Anruf ihres Vorgesetzten, der mit Lena die zahllosen Möglichkeiten („Cash oder Card“) durchkaut, stehen wir immer noch mit 6,70€ in der Kreide.
Bleibt uns nur, zum Hotel zurück, Bares holen. Sicherheitshalber lasse ich Lena und Ida als Pfand oder Schuldschein zurück und gehe los. Zehn Meter hinterm Tor beginnt es erneut zu regnen, nein, es birst vom Himmel. Nun weiß ich, wie sich die arme Eckfahne im Waldstadion 2005 beim Confed-Cup-Finale gefühlt haben muss…
Mit durchnässtem Leinenhemd und -hose sehe ich aus, wie ein Mitglied von Caught in the Act, während sie ihr Video zu „Love is everywhere“ in die Kamera jauchzen. Nur der Lippgloss fehlt…
„We have umbrellas“ lächelt mich die Rezeptionistin des Hotels völlig wertfrei und ohne Häme, sondern mit reichlich Mitleid an, als ich eintrete und trotz des Regens auch noch schwitze wie nach einem 10-km Lauf. Ich lächle zurück und sage, „nun ist es egal, wird schon die nächste halbe Stunde trocken bleiben und nass sei ich eh schon wie man sieht“ (natürlich in bestem Sita Gupta-English G2000-Englisch)
Mit deutlich mehr Geld als 205.000 Dong verlasse ich wieder das Hotel, um erneut zehn Meter später im nächsten Wasserfall zu stehen. Ich bilde mir ein, dass sämtliche Hotelangestellte ihre nicht vorhandene Arbeit kurzzeitig stehen lassen und mich von Weitem auslachen. Glaube aber, dass ihre Kultur das nicht erlaubt.
Egal, ich löse Frau und Kind gegen die Zahlung des fälligen Betrags aus, so dass wir (und vermutlich die Bedienung auch) das Café und den Campingplatz verlassen und abschließen können.
Im Hotel angekommen gehts erstmal wieder in den Pool. Waren ja alle lange nicht nass und ein wenig Sport steht ohnehin auf dem Programm und wird ohne Murren durchgeführt.
Im Anschluss vertrauen wir wieder Google Maps und finden eine kleine Garküche 500 Meter die lebensbedrohende Hauptstraße runter, die geöffnet haben soll!
Die Dame an der Rezeption (und fünf weitere Mitarbeiter) empfehlen uns zwar ein anderes sehr authentisches Restaurant, welches uns aber mit 45 Minuten Fußweg zu weit ist.
Aufdringlich freundlich bekommen wir noch drei Regenschirme mit…
Auf dem Weg zur Garküche werden wir von sämtlichen Menschen am Straßenrand äußerst fasziniert begutachtet, denn scheinbar sehen sie hier nicht oft Touristen oder Idioten, die keinen Roller besitzen und zu Fuß gehen.
Die Garküche hat leider ebenfalls geschlossen und diesmal hält keine edle Rollersfrau an, um uns zu retten!
Statt dessen gibts drei Garagen weiter erstmal weiter ein Frust-Eis, das zusätzlich zum merkwürdigen Geschmack auch eine gumminöse Konsistenz hat.
Dankbarerweise hält unvermittelt ein Taxi neben uns an, das drei verwirrte eisessende Weißbrote nur zu gern einsammeln möchte. Wir geben klein bei und lassen uns für 50.000 Dong (ca. 1,60€) dann doch zum empfohlenen Restaurant fahren.
Dieses hat immerhin geöffnet, so dass wir direkt an einen Tisch begleitet werden und eine Karte zur Auswahl erhalten.
Leider erneut nicht in englischer Sprache! Ca Phe bestellen und auf der Karte erkennen geht ja noch so einigermaßen, aber hier ist sowohl unser Hirn, als auch die Technik komplett überfordert. Dazu spricht und versteht die Bedienung wirklich nicht das geringste Wort englischer Sprache und verneint dazu erstaunlicherweise das Dasein jedes per Übersetzungs-App angefragten Essens. „Dumplings“, „Frühlingsrollen“, „Pho Ga“, „Pho Bo“,……“Reis“???
Alles nicht!
Wir zeigen verwirrt und entnervt auf die Karte und bekommen kurze Zeit später ein kaltes und ein warmes Bier, eine Art Gatorade („Lime-Juice“) für Ida, ein Gericht mit Mi-Nudeln, Karotten, Bohnen und Shitaake-Pilzen, was bis auf die Pilze ganz lecker schmeckt und einen Teller gebratenen Reis mit eingelegtem Kohl (nicht gut) und Rind obendrauf! Von wegen, es gäbe keinen Reis…
Zwanzig Minuten später kommt ein Tablett mit einer großen Schüssel Naturreis, Brühe und einem ganzen Huhn, das uns zerteilt auf einem Bett aus Zitronengras anschaut. Ja, es schaut uns an, denn der Kopf samt Hals wurde vielleicht zur Orientierung beim Verzehr mit gegrillt und auf den Teller drapiert! Wann wir das im interlingualen Chaos bestellt haben sollen, kann und wird uns wohl niemand an diesem Abend sagen können.
Schön, widmen wir uns also dem Naturreis. Denn das Huhn zeigt sich geschmacklich fad, zäh und ähnlich gummiartig wie das Garagen-Eis zuvor.
Satt zwar, aber auch ein wenig frustriert zahlen wir (DAS geht auf einmal ohne Verwirrung…) und rufen uns ein Grab (Hihi…)
Leider zu früh gelacht, denn der erste Bestatter, ähm Fahrer hat vier Kilometer entfernt einen Platten und fragt uns um Hilfe! Spannend, denken wir! Offenbar hat er das System „Taxi“ noch nicht so ganz verstanden!
Der zweite reagiert nicht auf die Anfrage und gedanklich gehen wir schon den dunklen Heimweg ab, denn auch der Akku des Smartphones zeigt sich nach dem tagfüllenden Versuch, das gesamte Lexikon vom Vietnamesischen ins Deutsche zu übersetzen, nahezu leer und wäre uns leuchttechnisch keine große Hilfe mehr!
Da hält, natürlich hupend, doch noch ein Taxi an. Zumindest knipst der Autofahrer kurz nach dem Zumstehenkommen ein Schild in der Windschutzscheibe an, welches dies besagt! Wir nennen ihm wissentlich, dass die Hnfahrt mit 50000 Dong recht erschwinglich war, unser Hotel als Ziel. Er überlegt kurz, als müsse er rechnen, obwohl er weiß, dass er hier den Tagesschnitt mal eben ordentlich nach oben treiben kann und sagt 100.000 Dong! Für die nahezu selbe Strecke wie auf dem Hinweg. Spinnt der?
Ich halte mich zurück und hebe nicht den Mittelfinger (…zur Stirn), sondern zeige ihm einem Eishockeyschiri gleich mit der Hand eine Fünf, was er mit einem gequälten Lächeln quitiert und abnickt.
Hat er wohl nicht erwartet, dass ein neuer Sheriff in der Stadt ist! „Pew Pew, Maddaf***“
Zurück im Hotel endet der für uns wesentlich ereignisreicher als erwartete Tag mit einem Bad im Balkon-Pool, ehe es ins Bett geht.
Morgen steht der nächste Transfer an und es geht nach dem Frühstück über Hanoi nach Cat Ba!
Wir werden berichten
