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Zuletzt in Österreich

Europa 2.0 Sommer 2024

Veröffentlicht: 14.01.2025

Flug
KTM → IST
Economy
Radtour
Istanbul → Bulgarien
Türkei → Bulgarien
Radtour
Burgas → … → Serbien
Bulgarien → Serbien
Unterkunft
Baggersee-Campingplatz
Zelt
Radtour
Kroatien → … → Österreich
Kroatien → Österreich
Tour
Woche Urlaub am Baggersee
Aktivität
Radtour
Österreich → Bad Radkersburg
Österreich
Tour
Wanderungen im Salzkammergut
Wanderung
Flug
VIE → HAN
Economy

Fast zwei Jahre sind vergangen, seit wir im Juni 2022 Steyr und irgendwann auch Österreich und der EU den Rücken gekehrt haben um mit den Rädern in die Welt zu fahren.

Immer weiter in den Osten vorzudringen war der Plan. Indien das erste große Ziel. Nepal bot sich irgendwann auch an. Und wie weiter? Von Vietnam wollen wir einige Länder Südostasiens beradeln. Doch der Monsun steht kurz bevor. Regen im Allgemeinen und Starkregen im Speziellen mögen wir nicht so sehr. Daher entsteht die Idee, den Sommer in Europa zu verbringen.

Und so vergehen an einem Montag Anfang Juni kaum mehr als 12 Stunden zwischen dem Fortfahren von einem Guesthouse in Kathmandu/Nepal bis zum Ankommen am Flughafen in Istanbul/Türkei. 

Es ist später Nachmittag, als wir nach dem Flug die Räder auspacken, zusammenbauen und in frühsommerlicher Hitze Richtung Europas Westen radeln. 

Die Luft ist klar, die Farben der Landschaft und des Himmels kräftig - ein Umstand, der uns in den kommenden Tagen und Wochen noch öfter ein tiefes Durchatmen und Schmunzeln bereiten wird. 

Die erste Nacht wieder im Zelt, verbringen wir, nach nur etwa 20 km, am Rand eines gemähten Feldes. Das Herz lacht laut auf, als sich irgendwann auch ein Streunerhund zu uns gesellt um die Nacht am Lagerplatz mit uns zu verbringen. 

Es ist aufregend, sich, nach dem luxuriösen Reiseleben in Zentralasien, mit täglicher Dusche und Wäschewaschen, nun wieder dem wahrlichen Vagabundieren hinzugeben. 

Ist der geeignete Schlafplatz erstmal gefunden, sind die Handgriffe schnell wieder routiniert, die Aufgaben zwischen uns beiden gut verteilt. Die täglichen Etappen bleiben von der Länge in etwa gleich (im Schnitt 75 km), sie ziehen sich lediglich nun wieder über den ganzen Tag, mit längeren Pausen während der Mittagszeit.

Wie schon in unserem ersten Reisejahr, sind wir auch diesmal angetan und gerührt von der Türkei als Radreiseland. Die Landschaft ist wunderschön und vielfältig. Die Menschen einladend und freundlich. Das anfängliche Misstrauen der Hunde, denen wir begegnen, löst sich schnell auf. Eine wohlwollende, einladende Haltung reicht aus um freudig ihren Platz mit uns zu teilen.

Der Verkehr auf den Straßen, die wir wählen ist spärlich und die Abstände von größeren Fahrzeugen zu uns werden gut eingehalten. 

Die Route führt uns auf direktem Weg zum erstmöglichen Grenzübergang nahe dem Schwarzen Meer. Hügel um Hügel radeln wir auf und ab. Nach nur drei Tagen zeigen wir erneut die Pässe und rollen nach Bulgarien.

Dieses Land präsentiert sich uns in unglaublicher Schönheit. Die Wälder leuchten satt und grün. Die Felder heben sich kontrastreich in Gelbschattierungen vom Blau des Himmels ab. Die Reserviertheit der Menschen, denen wir begegnen wirkt vertraut.

Kurz radeln wir an der Küste des schwarzen Meeres entlang. Der Küstenstreifen zwischen Zarewo und Burgas ist großteils den Reichen und „Schönen“ vorbehalten. Schmucke Wohnanlagen, Hotels und noble Clampingplätze beanspruchen die Landschaft für sich. An der Küstenstadt Burgas verlassen wir das Meer, radeln in nordwestlicher Richtung um die Donau zu erreichen. Sie soll uns der Heimat näher bringen.

Alle paar Kilometer fahren wir durch Dörfer, die ihre besten Zeiten hinter sich haben. Viele Häuser sind verlassen. Manchmal scheint es als wäre das gesamte Dorf aufgegeben, bis man an gepflegten Gemüsegärten erkennt, dass hier doch jemand wohnt. Absiedelung dürfte hier ein großes Thema sein. Wenn dann und wann ein Kind zu sehen ist, das uns verstohlen hinterherblickt oder uns lächelnd zuwinkt, fällt ebenjenes als Seltenheit auf. Die meisten Menschen, denen wir begegnen haben ihre Lebensmitte bereits überschritten.

Bulgarien ist landschaftlich sowas von schön. Die Fahrt über Hügel und ihre Täler dazwischen lassen uns ordentlich schnaufen. Die Räder schwanken und ächzen unter dem vielen Gepäck, das in den letzten zwei Jahren eher mehr statt weniger geworden ist. Eine Poststelle soll dabei Abhilfe schaffen. Ganze 20kg werden voraus nach Österreich geschickt.

Als wir die Donau erreichen, haben wir zwar noch immer um die 1000 km vor uns, doch der Anblick des Flusses lässt schon sehr starke Heimatgefühle aufkommen. Auf Güterwegen und Landstraßen erreichen wir schließlich Serbien.

Anders als im ersten Reisejahr, nehmen wir dieses Land und seine Leute offen und fröhlich wahr. Es fällt diesmal vielmehr die Schönheit und Gepflegtheit ins Auge als irgendein vermeintliches Defizit.

Die Landschaft am Eisernen Tor, einem Durchbruchstal der Donau, ist überwältigend. Eine fast neue Straße mit kaum Verkehr bringt uns schnell weiter in den Westen. Auf der anderen, rumänischen Seite des Flusses sehen wir auf der Flussstrasse den regen Transitverkehr und so bleiben wir an dieser Uferseite bis die Donau gänzlich durch serbisches Gebiet fließt.

An einem Baggersee, den wir schon vom ostwärts Radeln kennen, machen wir eine Woche Urlaub. Baden, Yoga, kochen, essen steht am Plan.

Nach dieser Woche des Müßiggangs geht’s plötzlich ganz schnell. Wir erreichen Kroatien, folgen hier dem Flusslauf der Drau um schließlich an die Mur zu kommen. An deren Uferstraßen werden wir wenig später das Heimatland erreichen.

In diesen Tagen begegnen wir immer öfter anderen Reiseradler:innen.

In Erinnerung bleiben ein 70 jähriger Zeitgenosse, der mit außergewöhnlicher Fitness in die Pedale tritt und seit Wochen unterwegs ist.

Außerdem eine bemerkenswerte Frau, die ihreszeichens unsportlich ist und nun den Donauradweg radelt. Nachdem sie vor kurzem während mehreren Monaten 10.000 km entlang des ehemals Eisernen Vorhangs geradelt war. Darüber hat sie ein empfehlenswertes Buch geschrieben, das berührend und witzig die Reise und ein Stück Geschichte beschreibt:

http://www.rebecca-salentin.de/buecher


Neben vielen liebenswerten Menschen begegnen uns natürlich auch immer wieder Hunde. Wovon eine kleine Hündin selbst nach Monaten nicht vergessen ist. Wir nannten sie Büschi. Weil wir sie irgendwo im Nirgendwo verletzt aus den Büschen des Straßengraben gezogen haben.

Eine hiesige Tierschutzorganisation kommt uns zu Hilfe und holt sie ab. Sie wird versorgt und gesund gepflegt.

Die kommenden Tage der Reise zählen zu den anstrengendsten bisher. Es ist heiß und durch die Nähe zum Fluss sind Mücken und anderes Kleinstgetier vorort wann immer wir stehen bleiben. Eine Abkühlung im Fluss wird uns meistens verwehrt. Aufgrund von Unwettern wenige Wochen zuvor sind Mur und Drau reißende, braune Ströme, die an Baden nicht denken lassen.

Das Reiseleben erlebe ich zu dieser Zeit als sehr beschwerlich.

Je näher wir Österreich kommen, desto geordneter scheint alles. Die Häuser werden größer, die Gärten auch. Immer mehr Zäune stehen um die Gärten und immer mehr Schilder weisen darauf hin was zu machen oder zu unterlassen ist.

Ja und dann, nur etwas mehr als einen Monat nach der Ankunft in Istanbul radeln wir über die Grenze nach Österreich.

Wir freuen uns.

Wir freuen uns, bald unseren Freund Martin zu treffen, der ab Bad Radkersburg mit uns radeln wird.

Wir freuen uns auf die Familie und Freund:innen und auf die Pause in der Heimat.

Ich freue mich mit Fremden einfach so plaudern zu können, ohne sprachlichen Barrieren oder kulturellen Missverständnissen. Gleichzeitig steigert sich eine ungewohnte Nervosität und Aufregung vor dem Ankommen im Gewohnten. Die verfliegen sobald die ersten vertrauten Menschen ihre Arme um uns schließen.

Den Sommer verbringen wir schließlich damit, Familie und Freund:innen zu sehen und zu erleben. Mit Wanderungen in den Bergen des Salzkammergut, mit gelegentlichen Läufen durch die Hügel um Steyr. Mit Flussbaden und einsamen Tagen am Wochenendhaus der Familie. Mit Änderungen und Überarbeiten unseres Equipments und dem Aufbau anderer Räder für die Weiterfahrt. 

Als der Herbst Einzug hält, es kalt wird und Regen und Nebel die Tage bestimmen, macht sich eine Unruhe in uns breit. Das Fortfahren wird herbeigesehnt.

Schließlich ist es endlich soweit. Die Räder werden für den Flug gepackt, Freund Gerhard fährt uns zum Flughafen nach Wien und der Flieger bringt uns Anfang November nach Hanoi/Vietnam.

Es war schön, das Gewohnte teils als Reisende, teils als Heimkommende zu erleben.

Es war schön, die großzügige Gastfreundschaft von Freund:innen und Familie zu erleben.

Es war schön, einmal mehr zu erleben, aus welcher Fülle heraus wir unsere Reise erneut antreten dürfen. 

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Zu zweit (2)
AbenteuerlichEntspannendKulturell
  • Ankunft in Istanbul und Weiterfahrt mit dem Rad Richtung Westen
  • Grenzübertritt von der Türkei nach Bulgarien
  • Radreise entlang von Donau, Drau und Mur
  • Sommer in Österreich mit Familie, Freund:innen und Wanderungen
  • Weiterflug von Wien nach Hanoi im November
FahrräderZeltPacktaschenRadreiseausrüstung
RoadtripTransitNaturFamilie
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Antworten (1)

mariovor mehr als 1 Jahr
Schön!

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