Heimreise Tag 6 (Zug 1): Bukarest - Brasov
Die erste der vier Zugfahrten zurück nach Basel ist recht kurz, von Bukarest bis Brasov sind es knapp 200 km, Dauer 2h30min.
Als wir am Morgen am Bahnhof ankommen, sind schon viele Leute am Bahnsteig und bei der Einfahrt des Zuges stehen die Leute dicht gedrängt. Offensichtlich fahren viele in die Ferien, ins Bucegi-Gebirge, wo eine Reihe von Bergen auf über 2000m liegen und es im Winter auch ein Skigebiet gibt. Gleich am Bahnsteig spricht uns ein Rumäne an, der auf angebliche Probleme mit dem Transport von Fahrrädern im Zug hinweist. Ich habe schon davon gelesen, dass diese Helfer einem bei der Organisation des Fahrradtransports behilflich sind, gegen ein kleines Entgelt natürlich. Da wir aber zwei Fahrradkarten genau für diesen Zug haben, gehe ich davon aus, dass wir das ohne fremde Hilfe schaffen. Dem ist auch so, im Waggon, für den wir reservierte Plätze haben, hat es auch einige Fahrradstellplätze. Die Fahrt beginnt also ganz entspannt. Zunächst ist es flach, nach einer Stunde steigt es langsam an, von der Walachei nach Transsilvanien und man sieht rechts und links der Strecke die 2000-er der Südkarpaten. Die meisten Fahrgäste steigen dann in Sinaia aus, offensichtlich einem beliebten Ferienort in den Bergen. Es gibt dort auch eine Seilbahn, die bis auf 2000 m führt. Es folgen noch einige Halts in den Bergen bevor die Landschaft sich wieder weitet und wir Brasov, das frühere Kronstadt und Zentrum der Siebenbürger Sachsen erreichen. Es gibt dort eine große, gut erhaltene Altstadt mit der berühmten Schwarzen Kirche und dem beeindruckenden Rathaus am großen Platz. Kronstadt war über Jahrhunderte neben Hermannstadt das kulturelle, geistige, religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Siebenbürger Sachsen, die seit dem 12. Jahrhundert auf Einladung des ungarischen Königs in der Region siedelten und bis ins 19. Jahrhundert hinein die Mehrheit der Stadtbevölkerung bildeten. Die historische Altstadt ist geprägt von spätmittelalterlichen Bürgerhäusern und großzügigen, stilvollen Bauten des 19. Jahrhunderts. Entsprechend groß ist das touristische Interesse, was wir so nicht erwartet hatten. In der autofreien Innenstadt gibt es ein Restaurant oder Café am anderen, die Dichte an Einkehrmöglichkeiten ist kaum zu beschreiben.
Heimreise Tag 7 (Zug 2): Brasov - Budapest
Im Zug sind es etwas mehr als 800 km, für die es 15 Stunden braucht. Wichtig für uns: die Fahrräder sind in einem Extraabteil gut untergebracht und die reservierten Sitzplätze sind einigermaßen bequem. Bis Cluj fährt der Zug durch enge Flußtäler und bergige Landschaft in gemächlichem Tempo. In den Dörfern und Kleinstädten steigen Leute zu, dass die drei Waggons gut gefüllt sind. In Cluj leert sich der Zug. Übrigens: Der FC Basel war in der Champions League zwei Mal in Cluj (2010 und 2012) und hatte beide Mal verloren. Wer jetzt Interesse an einem Besuch von Cluj hat, kann bspw am Donnerstag, 27. August einen Direktflug von Basel für 10 SFr buchen. Das Kontingent ist begrenzt. Am Abend nochmals Grenzkontrolle, die letzte, denn nun sind wir im Schengen-Raum. Als wir um 21.30 Uhr im berühmten Budapester Ostbahnhof Keleti ankommen, ist dieser wie ausgestorben. Einst galt er als einer der modernsten Bahnhöfe, da er über elektrische Beleuchtung und ein zentrales Stellwerk verfügte. Im Rahmen der Flüchtlingskrise stand der Bahnhof Ende August/Anfang September 2015 im Blickpunkt der Öffentlichkeit, als sich zeitweise mehrere Tausend Flüchtlinge in und um das Bahnhofsgelände aufhielten, um einen Zug nach
Österreich oder
Deutschland zu erreichen.
Heimreise Tag 8 und 9: Budapest
Wir nehmen uns das übliche Touristenprogramm vor und nutzen dazu auch unsere Fahrräder. Budapest hat sein Radwegesystem sehr gut ausgebaut, so dass wir die meisten Strecken auf Radwegen und -streifen fahren. Da das Stadtwäldchen, ein aus Anlass der Feiern zum Millenium des ungarischen Reichs 1896 erweiterter Stadtpark nicht weit ist, radeln wir dorthin. Die Zahl 96 begegnet uns im Laufe des Tages noch häufiger, hat sie doch für die
Ungarn große symbolische Bedeutung. So sind sowohl das Parlamentsgebäude als auch die Basilika 96 m hoch. Im Park befinden sich die verschiedene ungarische Baustile vereinende Burg Vajdahundad und das Heldendenkmal, beide 1896 erbaut. Im nördlichen Teil befindet sich das berühmte Szechenyi-Bad, das heute wegen der hohen Eintrittspreise fast ausschließlich von Touristen besucht wird. Wir fahren hinunter zur Donau und werfen einen ersten Blick auf das Parlamentsgebäude. Welch ein Wahnsinn für die Versammlung einer Volksvertretung. Am Nachmittag machen wir eine geführte Stadtrundfahrt mit einem deutschen Führer, der 1996 in den wilden Zeiten nach Budapest kam, als Dokumentarfilmer, Fotograf und Übersetzer arbeitet und uns die Stadt auf besondere Weise nahe bringt. Er erläutert uns eindrücklich in welchem Spannungsfeld Ungarn und seine Bevölkerung durch Orbans Politik und Regierungsstil lebt, welche sozialen Probleme verdeckt und ungelöst bleiben. Am Abend geht es bei einer Donaufahrt weiter mit dem Touristenprogramm.Wir sind gleichwohl sehr überrascht, wie viele Touristen es in der Stadt hat. Aber irgendwie muss die Renovierung und der Unterhalt der vielen schönen Gebäude ja finanziert werden - Tourismus, EU-Gelder und inzwischen auch arabische und chinesische Geldtöpfe. Wie ideal Budapest inzwischen mit dem Fahrrad zu erkunden ist, erleben wir auch am zweiten Tag. Auf gut ausgebauten Strecken, teilweise auch beschildert, fahren wir über eine Eisenbahn- und Radbrücke zur rechten Donauseite, wo es viele schöne Lokale zum Einkehren gibt. Von dort aus kommen wir auf dem EV 6 (Donauradweg) durch Alt-Buda zur Touristenattraktion Budaviertel mit Burgpalast, Fischerbastei und Matthiaskirche. Im Café Roszwurm genießen wir Tiroler Mohnstrudel und
Ruszwurmkuchen, eine Art Cremeschnitte. Später nehmen wir noch an einer Führung durchs Felsenhospital teil, welches sich in einem der Höhlensysteme direkt unter dem Burgviertel befindet und während des Zweiten Weltkriegs sowie des Ungarischen Volksaufstands genutzt wurde. Während der viermonatigen Belagerung von Budapest 1944/45 wurden im Felsenkrankenhaus bis zu 700 Patienten behandelt, obwohl es nur für 200 Personen ausgelegt war. Eindrücklich erfahren wir wieder einmal von der Unmenschlichkeit des Krieges. Insgesamt forderte die Schlacht um Budapest 160.000 Tote!
Heimreise Tag 10: Budapest - Zürich (Zug 3) - Basel (Zug 4)
Im komfortablen Railjet RJX 162 der ÖBB verlassen wir pünktlich um 6.40 Uhr Budapest und fahren über Wien, Salzburg und Innsbruck nach Zürich. Eine Stunde Verspätung verzögert das Ankommen, doch mit unserem letzten Zug nach Basel kommen wir noch rechtzeitig, um uns mit Rhea, Luigi, Larissa und Philippe am Tellplatz zu treffen. Groß ist die Freude des Wiedersehens!