Bretagne - Nordfinistère
Tag 25 (29. Juni): Roscoff / Bretagne - Limpaul Camping 100 km - 850 hm / Σ 1915 km - 17870 hm) Auf dem Schiff konnten wir nochmals die Freude der Iren an ihrer traditionellen...


Veröffentlicht: 08.07.2025























Am Morgen fahren wir auf guten Straßen meistens nahe der Küste. Dominique schimpft, dass dies eine Flachetappe sein soll und es dennoch ständig auf und ab geht. Für die ersten 30 km hat sie tatsächlich recht. Danach wird es deutlich flacher und angenehmer. Das erste Stück fahren wir an vielen schönen Ferienhäusern in der typischen bretonischen Bauweise, mit den Seitenkaminen, den Sprossenfenstern, den hellen Farben für Fassade und den kräftigen Farben für Fensterläden und Zäune. Derzeit sind die Läden bei den meisten noch geschlossen, doch wird sich dies ändern, wenn am Samstag in Frankreich die großen Ferien beginnen. Wir machen erst nach 40 km Pause, in Saint-Guénole, wo es in der Boulangerie leckeren Flan gibt. Nun geht es flach in Küstennähe in Richtung Osten auf einem Radweg bis Le Guilvenec. Auf der meerabgewandten Seite der Dünen gelangen wir auf einer gut befahrbaren Sandpiste bis kurz vor Loctudy. Im Sommer gibt es Fährverkehr zur nahe gelegenen Ile de Tudy, so dass uns ein längerer Weg um die Bucht herum erspart bleibt. Gleiches gilt für die Verbindung von Sainte Marine nach Bénodet. Wie sind dann bald am Campingplatz und können nochmals waschen. Ein letztes Mal, jetzt sollte es bis nach Hause reichen.
Es geht nun los mit 'das letzte Mal' - Dominique packt zum letzten Mal das Zelt ein. Die nächsten vier Nächte in der Bretagne haben wir Hotels gebucht. Das erste Stück bis Concarneau ist nicht sehr attraktiv, da wir viele Richtungswechsel haben und von der Küste wenig zu sehen kommen. Schön wird es, wenn man an die Küste kommt, nach Porte Mousterlin oder Raguenez, wo es Hafen und weiße Sandstrände gibt. Nach 30 km erreichen wir Concarneau, Dienstsitz des bekannten bretonischen Kommissars Dupin (Leseempfehlung). Wir nehmen uns Zeit für die Besichtigung der Ville Close, einer Inselfestung in einem geschützten Hafenbecken, die von Mönchen im 10. Jahrhundert besiedelt und im Mittelalter zu einer militärischen Befestigungsanlage umgebaut wurde. Die zwischen 2,50 m und 3 m dicke Stadtmauer aus Granit umgibt die Altstadt auf einer Gesamtlänge von etwa 980 m und zählt zu den Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen von Concarneau. Entsprechend groß ist das Interesse der Touristen. Wir können mit unseren Rädern über die einzige Brücke in die Altstadt gelangen, durch die belebte Rue Vauban an das andere Ende und mit einer kleinen Fähre wieder raus aus dem Trubel. Wie schön und ruhig ist es doch nur 10 Radkilometer weiter am Porte de Trevignan. Schöner Hafen, einsame Sandstrände und ein wundervoller Ausblick auf das Glénan-Archipel, zum Genießen bei einem Glacé. Wir haben es nicht mehr weit bis zum Künstlerdorf Pont-Aven, das durch regelmäßige Besuche von Paul Gauguin in den 80-er-Jahren des 19. Jahrhunderts und die hier begründete Entwicklung des Synthetismus bekannt und berühmt wurde. Gauguin kam in diese Gegend wegen finanzieller Schwierigkeiten, es war einfach viel günstiger als in Paris. Und er traf auf Gleichgesinnte. Außerdem war Pont-Aven mit der Eisenbahn über den Bahnhof Quimperle gut zu erreichen. Heute versuchen viele Galerien von diesem Ruf zu profitieren. Wir besuchen das Musée de Pont Avon, das im ehemaligen Hotel Julia untergebracht ist, in dem viele Künstler logierten. Viele Bilder aus der Blütezeit von Pont-Aven sind dort ausgestellt und die historischen Abläufe werden übersichtlich dargestellt. Unter anderem sehen wir ein Bild von der Pointe du Raz , wo wir vor einigen Tagen vorbei gefahren sind und dies „in natura „ gesehen haben. Bilder von Gauguin und den beiden anderen wichtigen Malern dieser Gruppe, Emile Bernard und Paul Sérusier, gibt es nur einige wenige. Sie hängen in den großen Museen.
Der Tag beginnt wieder sonnig, nicht ganz so warm wie die letzten Tage aber ideal für eine Radtour. Dominique rast gleich voran und erfreut sich an dem leichten und gleichmäßigen Anstieg am Morgen. Ich sehe sie nur von weit hinten. Es geht gut voran im Hinterland bis wir in Le Pouldu die Küste erreichen. Dort herrscht bei Ferienbeginn viel Betrieb, doch nach zwei Abzweigungen und einem kurzen Anstieg sind wir in Port Pouldu, wo die Fähre nach Guidel-Plages abfahrbereit dasteht. Auf der anderen Seite der Bucht fahren wir an der Küste mit vielen Sandstränden entlang. Daran ändert sich auf den nächsten 20 km wenig, bis wir in Lorient auf die Fähre nach Port-Luis treffen. Die Buchten in dieser Gegend sind schmal und lang, so dass sich ein Fährbetrieb für Fußgänger und Radfahrer zumindest in den Sommermonaten lohnt. Uns bleiben einige km und hm erspart. Nur 10 km später bringt uns die nächste Fähre über die Bucht von Magouer nach Étel. Nur noch 20 km entlang von Dünen und feinsten Sandstränden sind es bis Carnac-Plage. Dort herrscht reges Treiben, Carnac ist schon seit den 1920-er-Jahren bei den Franzosen als Urlaubsort beliebt. Dies liegt an dem guten Klima, den schönen Stränden und auch an den prähistorischen Stätten in der Umgebung. Da wir ein Hotel direkt am Strand haben, nutze ich die Gelegenheit zum ersten Bad während unser EV1-Tour - das musste jetzt sein!
Ganz zum Ende der Tour gönnen wir uns einen Ruhetag, was auch immer das bei uns heißt.(!!) Dieser Tag ist im Hinblick auf die Planung der Heimreise ein Puffer, da es etwas schwierig war die Tour an die Fortsetzung in der Bretagne anzupassen. Das war nicht vorgesehen und deshalb auch nicht vorbereitet. Wir mussten dann schnell die Etappen, die Fahrt nach Paris und dann nach Basel in Einklang bringen. Da schien uns ein Tag Puffer hilfreich, den wir nun gut nutzen können, um die Alignements, die Steinreihen von Carnac zu besuchen und noch einen Ausflug auf die Halbinsel Quiberon zu machen. Es werden dann halt doch wieder 65 km, nicht schlecht für einen Ruhetag. Die Alignements, bestehend aus Steinreihen, Dolmen, Cairns, Tumuli und einzelnen Menhiren, mir wohl als die Menhire aus dem Französischunterricht in Erinnerung, sind Teil einer megalithischen Landschaft aus der Zeit zwischen dem 5. und 3. Jahrtausend v. Chr. und wurden von sesshaft gewordenen Gemeinschaften errichtet, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. Die unzähligen Steinblöcke erstrecken sich auf mehreren Kilometern und bilden parallel laufende Reihen mit Steinen, die in recht regelmäßigen Abständen stehen. Das Berühmteste der Menhirfelder erstreckt sich über eine Länge von einem Kilometer. Mit dem Rad können wir uns einen guten Überblick verschaffen und sind sehr beeindruckt. Es wurde ein enormer Aufwand betrieben, um die vielen Steine aufzustellen und bis heute konnte deren Bedeutung nicht entschlüsselt werden.
Nach diesem interessanten Besuch treten wir in die Pedale und fahren bis zur Südspitze der Halbinsel Quiberon. Auf der westlichen Seite, dem offenen Meer zugewandt, zeigt sich uns eine spektakulär wilde Küste mit hohen Wellen. Von dort sieht man auch die Belle-Île, die man mit der Fähre von Quiberon erreichen kann. Auf der Ostseite, windgeschützt, gibt es schöne Sandstrände. Und überall kommt man gut mit dem Fahrrad voran.
Am Morgen rufen wir uns zu: Ois goht noh! Das Motto von Passenhalden trifft heute für uns zu - die letzte Etappe. Wie bei jeder großen Tour gilt auch hier 'Ausrollen' - es ist dementsprechend die kürzeste Etappe. Sie hat trotzdem noch einmal fast alles zu bieten, was unsere Reise ausgemacht hat: leichter Nieselregen (fast nicht der Rede wert), Gegenwind, einige kurze, knackige Anstiege, eine letzte bei Garmin qualifizierte Steigung, Küstenwege mit schöner Aussicht und rücksichtsvolle Autofahrer. Das war es dann also mit unserer Tour auf dem Rad, 2500 km bergauf und bergab, EV 1 abgeschlossen! In Vannes erwartet uns noch eine schöne mittelalterliche Altstadt mit schönen Häusern und gut erhaltener Stadtmauer. Und am Abend nochmals Moules marinières und Café Gourmand, das perfekte Dessert - kann ich allen nur wärmstens empfehlen.
Ja, ois goht imma noh! 70 km bis St Nazaire, und das Band der beiden Touren von Porto und von Aberdeen wäre geschlossen. Doch, wie heißt es so schön - Mut zur Lücke!