Irlands Nordwesten
Tag 12 (17. Juni): Derry - Glenvaugh - Sleepy Hollow (90 km - 1000 hm / Σ 1005 km - 8860 hm) Wir radeln die ersten 10 km am River Foyle entlang und verlassen dann UK in die...


Veröffentlicht: 22.06.2025


















Von Sligo geht es südlich, wenig spektakulär. Dann durch Colloney wieder gen Westen. Unterwegs treffen wir drei junge Franzosen auf dem Weg von Cork nach Derry, kurzer Austausch unter Experten. Die nächsten 25 km führen uns wieder durch eine ganz einsame zu Gegend. Die Frage ist, wovon die Menschen hier leben. Vermutlich sind die Subventionen der EU und Zuschüsse der Regierung in Dublin für viele die Existenzgrundlage. Nördlich sehen wir die Bergkette der Ox Mountains mit Bergen bis 600 m (sind das für Schweizer Berge oder doch eher Hügel?). Heute ist es für irische Verhältnisse sehr heiß - bis zu 30 Grad. Die Verkäuferin in einem kleinen Laden entlang der Strecke meint, dass ihre Kühlmaschinen bei diesem Wetter die Getränke nicht mehr angemessen kühlen können. Kurz vor Foxford befindet sich plötzlich ein schwarzer Hund kläffend an meiner linken Seite. Bevor er zuschnappen kann, wird er durch die dicken Packtaschen in den Graben gedrängt und verschwindet jaulend. Nach 60 km kommen wir in Foxford wieder in eine größere Ortschaft, die ein Café für die verdiente Kaffeepause hat. Außer dem Café und zwei Hauptstraßen hat der Ort nichts zu bieten. Wir sind schnell wieder auf einsamen Straßen und radeln um Lough Cullin. Danach geht es links ab und wieder stetig nach oben. Es ist heiß und anstrengend. Auf der Höhe befindet sich Turlough mit Resten eines Klosters, der Turm ist aus dem Jahr 900. Wenig später erreichen wir Castlebar, wie fast immer in den irischen Städtchen an der Küste herrscht auch hier reger Verkehr. Auf den nächsten 20 km erwarten uns nochmals einige Steigungen, es will gar nicht aufhören. In Westport haben wir einen Warmshower gefunden, der bereit ist, uns bei sich aufzunehmen. Es stellt sich vor Ort aber als etwas schwierig dar, da wir wegen seiner Mitbewohnerin nicht in der Wohnung übernachten können sondern in der Weinbar, die er betreibt. Wir müssten warten bis die letzten Gäste gegangen sind und uns dann eine Ecke suchen. Duschmöglichkeit gibt es auch nicht. Alles andere als ideal! Wir schauen im Internet nach einer Unterkunft. Es ist Wochenende und sonnig, nahezu alles ausgebucht, der Rest unverschämt teuer. Ein Anruf beim Campingplatz hilft weiter, wir können dort auf dem gut gefüllten Platz unser Zelt aufstellen und verbringen eine ruhige Nacht.
Nach dem Frühstück radeln wir an der Küste entlang, rechts der Blick auf Achill Island, links ragt Croagh Patrick in die Höhe. Seit Hunderten von Jahren ist der 753 m Höhe Croagh Patrick zu Ehren des heiligen Patrick eine Wallfahrtsstätte. Im Jahr 441 stieg der Patron Irlands der Legende nach auf diesen Berg, fastete dort 40 Tage lang und erbaute eine Kapelle. Wir schauen ehrfürchtig nach oben und machen noch einen Halt am National Famine Memorial, das an die eine Million Toten und zwei Millionen Flüchtenden während der großen Hungersnot zwischen 1845 und 1850 erinnert. In Louisbourg biegen wir nach Süden auf die R335 in ein ständig enger werdendes Tal ab. Das Bergpanorama wird mit fast jedem Tritt beeindruckender. Die kahlen Berge steigen in dem engen Tal atemberaubend steil an. Der Eindruck verstärkt sich noch mit unserem Einsatz gegen den Gegenwind. Auf der Passhöhe von 75 Metern an einem See ( DooLogh) steht eine Erinnerungstafel zu Ehren der während der großen Hungersnöte ums Leben gekommen Menschen, die sich auf Suche nach Nahrung auf den Weg über die Berge gemacht hatten und hier im Schneesturm erfroren sind. Das Tal wird nun wieder weiter und senkt sich hinab zum Killary Harbour, einem schmalen, von 800 Meter hohen Bergen umgebenen Fjord, an dessen nördlicher Seite wir die Ortschaft Leenaun erreichen, wo es endlich einen Kaffee gibt. Unterwegs begegnen uns auf der Straße viele frei laufende Schafe, die sich vom Verkehr nicht stören lassen. Nun geht es auf der N 59 mit mehr Verkehr 15 km bis zur Kylemore Abbey nach oben. Die heutige Benediktinerabtei wurde 18 von einem reichen Textilfabrikanten aus Manchester gebaut und 1920 vom Benediktinerorden als Zufluchtsstätte für die Nonnen aus Ypern in Belgien übernommen, deren Abtei im I. Weltkrieg zerstört worden war. Heute ist der Ort eine Touristenattraktion. Bis Clifden ist es nicht mehr weit, was aber nicht heißt, dass uns die späten Steigungen nicht noch fordern. Auch heute stellen wir unser Zelt auf einem Campingplatz auf. Und wieder erwischt uns nachts eine Regenfront mit heftigem Wind, die dann am späten Morgen durchgezogen ist .
Das Zelt bekommen wir einigermaßen trocken zusammengelegt, was gut ist, haben wir doch für die nächsten drei Tage schon feste Unterkünfte gebucht. Schnell sind wir wieder in der kargen, einsamen Landschaft Irlands. Die ersten 20 km entsprechen unseren Vorstellungen von Irland: viel Grün, kahle Berge, kleine Seen, Moorlandschaft, vereinzelt Schafe und leichter Regen. Der wird dann zwischendurch stärker, so dass wir die komplette Regenausstattung einsetzen. Dennoch fasziniert uns dieses Zusammenspiel von Wetter und Landschaft in Kombination mit dem gleichmäßigen Treten auf dem Rad: Voll im Flow! Wir sind erstaunt, dass durch diese Gegend eine gut asphaltierte Straße führt, für wen wird die so unterhalten? Wenig später erreichen wir wieder die Atlantikküste, es ist gerade Ebbe, so dass man das viele Seegras sieht und riecht. In Irland wurde Seegras historisch für eine Vielzahl von Zwecken genutzt, darunter Dacheindeckungen, Dämmung, Polstermaterial und sogar als Heilmittel. Wir radeln weiter durch Torfmoore und sehen wie Leute große Torfziegel vor ihrem Haus stapeln. Es ist ein traditioneller Brennstoff und wird seit Jahrhunderten zum Heizen verwendet. Allerdings ist Torfabbau und -verbrennung klimaschädlich, da dabei große Mengen CO2 freigesetzt werden. Obwohl der kommerzielle Torfabbau in Irland seit 2022 verboten ist, wird der Abbau für den privaten Gebrauch weiterhin praktiziert. Wir fahren nun wieder auf dem Wild Atlantic Way, was bedeutet, dass auch wieder mehr Autos unterwegs sind. Erst nach 55 km gibt es Gelegenheit für eine Kaffeepause, die wir gerne nutzen. Danach sind es noch 40 km auf der Küstenstraße nach Galway. Nun zeigt sich das irische Wetter von seiner besseren Seite mit Sonnenschein und Rückenwind. Galway ist mit seinen mehr als 80.000 Einwohnern ein Zentrum an der Westküste. Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale, die Stiftskirche, Spanish Arch und Eyre Square. Alle diese Orte besuchen wir bei unserem abendlichen Rundgang bei Wind und leichtem Regen.
Danke für all eure Kommentare, schön von euch zu hören. Es geht uns gut und wir sind glücklich , dass wir das zu zweit gemeinsam erleben dürfen und unsere Kräfte und Gesundheit dies zulässt.