Westport, Clifden und Galway
Tag 15 (20. Juni): Sligo - Westport ( 115 km - 850 hm / Σ 1285 km - 11610 hm) Von Sligo geht es südlich, wenig spektakulär. Dann durch Colloney wieder gen Westen. Unterwegs...


Veröffentlicht: 25.06.2025





















Die ersten 10 Kilometer raus aus Galway hat es viel Verkehr und zahlreiche Ampeln. Die nächsten 25 km bis Kinvara sind unspektakulär, entweder wir radeln auf Nebenstraßen oder auf einem Radweg neben der Hauptstraße. In Kinvara kommen uns schon die ersten Busgruppen auf dem Weg zum Dunguaire Castle, einem sogenannten Tower House aus dem 16. Jahrhundert, entgegen. Wir ziehen der Besichtigung einen Kaffee vor. Nach Kinvara kommen wir bald in den Burren Nationalpark, einer beeindruckenden Karstlandschaft mit ausgedehnten Felsformationen. Für uns Radfahrer ist die Umgebung wegen der Steigungen und des zunehmenden Gegenwinds eine Herausforderung. Heute lässt sich die Etappe besser einteilen, so dass wir eine zweite längere Pause bei Gemüsesuppe und Tea for two einlegen können. Nun ist es nicht mehr weit bis zu den Cliffs of Moher, doch erwarten uns auch noch Steigungen. Ganz schlimm sind die letzten beiden Kilometer vor dem Visitor's Center, der Wind bläst mit enormer Stärke von der Höhe, und wir müssen alles geben, um es bis zur Höhe zu schaffen. Oben angekommen genießen wir den beeindruckenden Blick auf die Klippen, die bis über 200 m senkrecht aus dem Atlantischen Ozean ragen und sich über mehr als acht Kilometer erstrecken. Der Weg entlang der Klippen ist nach drei Todesfällen im Jahr 2024 gesperrt. Zu unserem B&B lassen wir es nun abwärts rollen. Da es kühl und regnerisch ist, fährt uns die Vermieterin zum nächsten Restaurant - toller Service.
Am Morgen brauchen wir wegen der Kleidung nicht zu überlegen - Regenkleidung komplett, die während des ganzen Tages unverändert im Einsatz ist. Drizzle - all day long. Dominique meint gegen Ende der Tour, dass sich der heutige Tag im Blog ganz kurz zusammenfassen lässt. Und damit hat sie recht. Es war ein Kampf gegen Regen und Wind und die Zweifel , die einen zwischendurch einholen…..
Landschaftlich ist es die am wenigsten interessante Etappe unserer Tour, es ist zumeist grünes Weideland mit relativ vielen Häusern entlang der teilweise einspurigen Wege. Und wie jeden Tag geht es ständig bergauf und bergab. Wir kriegen den Koller, haben dieses ständige Treten an den kurzen Steigungen und den teilweise heftigen Gegenwind satt. Doch wir müssen und wollen weiter. An einer Tankstelle gibt es einen Kaffee im Stehen, in nasser Regenbekleidung. Der Tankstellenbesitzer entschuldigt sich für das schlechte Wetter - recht hat er. Mit der Fähre überqueren wir in 20 Minuten den Shannon und kurbeln dann noch 25 km zu unserem B&B Seaview. Und oh Wunder - nach der heißen Dusche sehen wir tatsächlich den Atlantik. Belohnung für einen harten Tag!
Der kurze Tagesbericht heute bietet Gelegenheit, einmal unseren Tagesablauf kurz zu beleuchten: Nach der Morgentoilette gibt es Frühstück, zumeist in der Unterkunft. Auch wenn man nicht das große schottische oder irische Frühstück mit sausage, bacon, eggs and beans nimmt, kann man unter verschiedenen Eizubereitungen, Cerealien, Toast und einigem mehr wählen. In jedem Fall kann man den Tag gestärkt beginnen. Wir schauen dann, wann und wo es unterwegs ein Café gibt. Wünschenswert ist unser erster Halt nach 30 bis 40 Kilometern. Einige Male waren es nun auch schon mehr als 50 km, weil es in der einsamen Gegend nichts gab. Kommt man dann zu einem Café, hat man eine große Auswahl an Kuchen und Sandwiches oder auch günstige Lunch-Angebote. Fast überall gibt es 'Soup of the day', ein sehr beliebtes Essen. Nach der Pause brauchen wir jedes Mal wieder eine Weile bis die Pedale richtig rund laufen. Je nach Gelegenheit und Länge der Etappe machen wir Pause für den afternoon tea. Während dieser Tour sind die Etappen durchschnittlich 90 km lang mit reichlich Höhenmetern. Die Möglichkeit für einen Ruhetag haben wir eingeplant, doch noch nicht darauf zurückgegriffen. Bis wir an der Unterkunft ankommen ist es fast immer schon 17 Uhr. Ausräumen, Körperreinigung, Austausch mit zu Hause, Rückblick auf den Tag und Ausblick auf den nächsten nehmen die nächste Stunde in Anspruch. Danach gibt es in einem Pub das verdiente Bier, hier in Irland meistens ein Guinness. Anschließend Abendessen in einem Pub oder Restaurant. Zurück in der Unterkunft planen wir für den nächsten Tag oder die nächsten Tage. Wir haben nun unsere Planung dahingehend geändert, dass wir auf den Südosten Irlands verzichten und stattdessen am Samstag mit der Fähre von Cork nach Roscoff fahren und dann unsere Tour in der Bretagne fortsetzen. Den Tag schließen wir ab mit Einträgen im Blog oder mit Lesen, wobei da des öfteren die Augen bald zufallen. Es dreht sich den ganzen Tag alles ums Rad und die vielen Eindrücke von unterwegs.
Nach 10 km müssen wir nun auch heute die Regenkleidung anziehen, obwohl die Wettervorhersage zumindest für den Morgen trockenes Wetter prognostiziert hatte. Doch wir wissen inzwischen, dass es regional deutliche Unterschiede gibt und Regen unser häufiger Begleiter sein kann. Garmin meldet seinen Kategorien entsprechend acht Steigungen, die uns insgesamt alles abverlangen. Dominiques Aussage nach dem letzten Anstieg auf 265 m nach 90 km fasst das treffend zusammen: "Jetzt kann ich nicht mehr!" Gut, dass zu diesem Zeitpunkt nur noch 10 km Abfahrt nach Kenmare vor uns liegen. Ein Teil der vorausgegangen 90 km haben es in sich, genau genommen die letzten 25. Nach 38 eher flachen km sind wir in Tralee, ideal für eine Kaffeepause. Dann wird es gleich sehr steil, mit bis zu 13% gerade noch fahrbar. Wir fahren auf Nebenstraßen durch eine Landschaft, die sich deutlich vom Norden unterscheidet, es gibt mehr Siedlungen und kultiviertes Gebiet mit Wiesen, Weiden und Feldern. Und damit auch etwas mehr Verkehr. Man muss allerdings die irischen Autofahrer sehr loben für ihre Rücksichtnahme, an engen Stellen halten sie an und warten bis wir vorbei sind oder sie passieren können. Zweiter Stopp in schöner, immergrüner Umgebung bei Hathy's und einer leckeren soup of the day. Gestärkt nehmen wir die letzten 30 km und zwei Pässe in Angriff. Auf dem Weg zum Gap of Dunloe ist es teilweise zu steil für uns, also besser ein kurzes Stück schieben. Auf der Passhöhe eröffnet sich ein Blick auf eine wunderschöne Landschaft mit den höchsten Bergen Irlands, die alle fast unwirklich grün sind. Es ist einfach unbeschreiblich, welche urwüchsigen Naturbilder uns begegnen, wir sind immer wieder überwältigt. Dass es hier oft regnet, sieht man an der Höhe der Farne am Wegesrand. Entlang unserer Route fließen idyllische Bäche, esc gibt kleine Wasserfälle oder wir blicken in wilde Berghänge. Wir kämpfen beim steilen Anstieg nun auch noch mit Nieselregen und vor allem Gegenwind. Wie schon erwähnt schaffen wir es mit letzter Kraft auf die Höhe und dann nach Kenmare. Beim Abendessen kommen wir ins Gespräch mit einem irischen Paar, das regelmäßig zum Radfahren an Flusswegen nach Deutschland geht. Hier ist es ihnen 'too hilly'. Den Abend lassen wir im Murphy's bei traditioneller irischer Instrumentalmusik und Guinness ausklingen. Herrlich!