Irlands Südwesten - Cliffs of Moher und Kenmare
Tag 18 (22. Juni): Galway - Cliffs of Moher (90 km - 900 hm / Σ 1460 km - 13210 hm) Die ersten 10 Kilometer raus aus Galway hat es viel Verkehr und zahlreiche Ampeln. Die...


Veröffentlicht: 28.06.2025
Am Morgen scheint tatsächlich die Sonne und auch während des Tages gibt es sonnige Abschnitte, und vor allem - es bleibt trocken. Für heute haben wir uns den Ring of Beara vorgenommen, Dabei handelt es sich um eine 140 km lange Panoramaküstenstraße, die die Beara-Halbinsel im Südwesten Irlands umrundet. Der Wild Atlantic Way folgt ebenfalls zu weiten Teilen dieser Route. Dennoch hat es wenig Verkehr, was auch daran liegt, dass der Ring of Beara für Reisebusse ungeeignet und für Fahrzeuge über 2,8 Tonnen sogar gesperrt ist. Die fahren alle auf dem bekannteren Ring of Kerry. Für uns mit den Fahrrädern eindeutig die richtige Wahl, auch wenn wir nicht die gesamte Runde machen sondern nur 90 km.Wir radeln die ersten 20 km recht gemütlich an der Küste entlang. Von hier kann man sehr gut die beeindruckende Südküste des Ring of Kerry mit den hohen grüne Hügeln sehen. Bei uns geht es nach 20 km auf einem kleinen Nebensträsschen steil nach oben. Bei mehr als 13% müssen wir absteigen und die schweren Räder schieben. Als Belohnung gibt es von oben einen unglaublichen schönen Blick auf die Bucht und die Berge. Wir können ob der Schönheit der Natur nur staunen. In Ardgroom gibt es nach 35 km ein gemütliches Café. Wir wechseln nun über einen kleinen Pass nach Castletownbere auf die Südseite. Dort sieht man gleich vorgelagert die Isle of Bere, auf der rund 200 Menschen leben. Auf der Südseite ist die Straße breiter, doch auch hier ist nur wenig Verkehr. Es ist landschaftlich nicht mehr so spektakulär, auf der gut ausgebauten Straße kommen wir gut voran. In Glengariff endet der Ring, wir müssen auf die N 71 und uns die Straße mit viel Autoverkehr teilen.
Es hatte die ganze Nacht über stark geregnet, und bei der Wettervorhersage ging man davon aus, dass es fast den ganzen Tag weiter regnen würde. Große Ernüchterung bei uns, denn unsere letzte Etappe in Irland war zwar nicht so lange aber dennoch fordernd. Wir haben es heute nicht so eilig beim Frühstück, stehen dann abfahrbereit kurz vor 10 Uhr an den Rädern. Mit unserer Abfahrt lässt der Regen tatsächlich nach und kommt auch nur in kurzen Abschnitten mit Nieselregen zurück. Der Himmel ist wolkenverhangen, von der Landschaft ist nur wenig zu sehen. Durch den Regen ist die Luftfeuchtigkeit hoch, so dass wir erstmals auf dieser Tour richtig ins Schwitzen kommen. Und wir müssen kurbeln, auf schmalen Wegen geht es mit zwei steilen Anstiegen von Null auf 270 m hoch. Der zweite Anstieg ist teilweise so steil, dass wir die Räder nur mit Mühe nach oben schieben können. Die Strecke ist vermutlich für Schwerlastveloverkehr gesperrt. Plötzlich geht der schmale Weg in eine breite, neu asphaltierte Straße über. Als uns ein großer Holzlastwagen entgegenkommt, klärt sich die Frage, für wen die Straße so gut ausgebaut ist. Wir kurbeln weiter nach oben durch diese verlassene Gegend, nur hin und wieder ein Farmhouse, ansonsten Einsamkeit und Stille. Auf den ersten 40 km haben wir 800 hm gemacht, das war ein hartes Stück Arbeit! Nach 45 km kommen wir in einen kleinen Ort, doch hat leider das Café geschlossen. 3 km weiter in Crookestown bekommen wir bei McSwineys QuikPick einen Kaffee und ein Scone, wir genießen das auf der Bank vor dem Supermarkt, sehr zur Freude der Kunden. Bis Cork sind es noch knapp 30 km, eher flach, doch gehören die kurzen, knackigen Anstiege in Irland immer dazu. Nach 75 km erreichen wir Cork, unser Schottland-Irland-Abenteuer ist nach mehr als 1800 km geschafft. Juchhu! Morgen radeln wir noch zum Fährhafen und setzen von dort nach Roscoff in die Bretagne über.
Ja, die letzte Etappe in Irland hat uns nochmals alles abgerungen! Und der Tag spiegelt unsere Irlandtour wider: Regen, steile Anstiege und Abfahrten, Gegenwind, manchmal, eher selten. Rückenwind, grüne und üppige urwüchsige Natur, Schafe und Kühe, viel Landwirtschaft, Häuser mit riesigen grünen Gartenflächen, vor jedem Haus mindestens zwei Autos parkiert. Wir verlassen die grüne Insel um viele neue Eindrücke reicher. Wir konnten uns vor der Tour nicht vorstellen wie unterschiedlich und vielfältig Landschaft und Natur sind. Keine Tagesetappe glich der anderen. Jeden Tag wurden wir aufs Neue überrascht. Wie schon in Schottland haben wir nur freundliche Menschen getroffen, hilfsbereit und daran interessiert, woher wir kommen und wohin wir unterwegs sind. Die Iren sind enorm geduldig, beim Warten an der Ampel oder in einer Warteschlange und strahlen Zufriedenheit und Lebensfreude aus, was sich auch beim gemeinsamen Musizieren im Pub zeigt.Völlig ungezwungen setzt jede und jeder mit in die Melodie ein oder stimmt ein neues Lied an. Einen wunderschönen Abschluss , der unsere Wahrnehmung bestätigt hat , erlebten wir auf der Fähre von Cork nach Roscoff. Ein junger Mann hat virtuos mit seiner Handorgel aufgespielt und mehrere Frauen und Männer unterschiedlichen Alters haben ihre irischen Volkstänze getanzt, und das über drei Stunden lang! Wir haben dabei hautnah erlebt, dass die Musik tief in der Kultur und Identität Irlands verwurzelt ist und eine zentrale Rolle für die Iren spielt. Sie ist weit mehr als nur Unterhaltung; sie ist ein Ausdruck von Geschichte, Gemeinschaftsgefühl und Nationalstolz. Ūberrascht hat uns auch der Umgang der Autofahrer mit uns Radfahrern, überholt wurden wir nur mit dem Abstand von 1m50, auf den auf grossen Verkehrsschildern immer wieder hingewiesen wurde. Auf den vielen kleinen Nebenstrassen fuhren sie so lange hinterher bis sich die Gelegenheit bot, gefahrlos zu ūberholen. Und fast alle unser Wege waren asphaltiert und sehr gut zu befahren, es gab kein „Schlagloch-Trauma“ und keine Platten! Wir hatten saubere, schöne Unterkünfte mit hilfsbereiten GastgeberInnen und erstaunlich gutes Essen -Fish and chips geht immer- und natürlich Guinness, das wir sehr mochten.