Pattaya – aber nicht wegen des Üblichen
Nach Aufenthalten in Phnom Penh, Bangkok und Buriram machte ich im März 2026 auf dem Weg zur Insel Koh Samed einen Zwischenstopp in Pattaya - aber nicht aus den üblichen Gründen .

Veröffentlicht: 28.06.2026




















Ende März 2026 war die nächste Insel fällig – man gönnt sich ja sonst nichts. Von Pattaya fuhr ich mit einem Fahrer von Grab, dem südost-asiatischen Äquivalent zu Uber, hinunter in die Küstenstadt Ban Phe in der Provinz Rayong. Dort liegt der Nuanthip Pier. Und von diesem aus ver-kehren Fähren und Schnellboote hinüber zum Na Dan Pier auf der Insel Koh Samed. Dort wird man von einer mächtigen, barbusigen Figur be-grüsst, die im Wasser vor der Anlegestelle steht. Es ist Phi Suea Samut, eine Meeresriesin aus der thailändischen Mythologie.
Die Insel wird auch Koh Samet geschrieben, was nichts daran ändert, dass es sich dabei um ein kleines Paradies handelt, das vom Massentourismus noch einigermassen verschont bleibt, weil es hier keinen Flughafen gibt, auf dem Billigflieger Touristenhorden ausspucken können.
Ich hatte im Dezember 2019, kurz vor Covid, fast einen Monat auf Koh Samed verbracht, um ein Buch fertigzuschreiben – vier, fünf Stunden Ar-beit am Vormittag, danach Dolcefarniente. Jetzt wollte ich unbedingt zurückkehren.
Die Insel ist nur sieben km lang und maximal zweieinhalb km breit, das heisst überschaubar. Sie besteht eigentlich nur aus einem hügeligen Innern, das man auf betonierten Strassen durchquert, und aus einer ganzen Reihe von Stränden mit feinem weissem Sand und flach ab-fallendem Meer, durch felsige Landzungen voneinander getrennt. Für die Strände gilt: Je weiter südlich, desto weniger Touristen.
An Wochenenden kann es hektischer werden. Bangkok ist nur etwa 200 Autokilometer entfernt, was bedeutet, dass viele Grossstädter hier Ent-spannung suchen.
Die ganze Insel ein Nationalpark
Der gesamte Samed-Archipel, zu dem auch mehrere kleinere Inseln ge-hören, wurde 1981 zusammen mit Kao Laem Ya (dem «Kap des Gras-berges») und dem Strand Mae Ram Phueng, beide am gegenüberliegenden Festland, zum Nationalpark deklariert. Das bedeutet, dass man bei der Ankunft eine Eintrittsgebühr von 200 Baht oder gut fünf Euro bezahlt; dafür gibt es hier keine massiven Hotel-Bunker, keine Shopping-Center, keine Kinos und – ausser an der Sai Kaew Beach, dem wichtigsten Strand, und in einigen Bars entlang der Strasse im Inselinnern – kaum nächtlichen Rambazamba.
Ich hatte an der Ao Tubtim im gleichnamigen kleinen Resort für rund 50 Euro pro Nacht einen Bungalow gemietet. («Ao» heisst schlicht und ein-fach «Strand».) Ao Tubtim ist eine ruhige, halbmondförmige Bucht etwa zwanzig Fussminuten südwestlich von Sai Kaew. Dazwischen liegen die Strände Hin Khoh und Phai. Auf einem Felsvorsprung steht die mehr als lebensgrosse Bronzefigur einer Meerjungfrau mit Kind. (Jedesmal, wenn ich daran vorbeikomme, frage ich mich, wie, rein physiologisch betrachtet, eine Meerjungfrau mit ihrem fischförmigen Unterleib ein Kind austragen kann?)
Müll – und streunende Hunde
«Ferienparadies mit fantastischen Stränden im Golf von Thailand», so be-schreiben Prospekte die Insel. Sie hat natürlich trotzdem ihre Probleme; auch an Koh Samet geht der Tourismus nicht spurlos vorbei. So fährt man mit dem Mietmotorrad an mehreren Müll-Sammelstellen vorbei, die ent-sprechend riechen. Wer auf dem Weg nach Süden die falsche Abzweigung erwischt, landet bei einer riesigen Müllhalde.
Zwar werden die Abfälle regelmässig aufs Festland gebracht und dort ver-arbeitet, sagt mir ein einheimischer Barbesitzer. Und die Behörden des Nationalparks führen sporadisch Aufräumaktionen durch. Aber vor allem in der Hochsaison sammelt sich einiges an.
Nicht jedermanns Sache sind auch die streunenden Hunde. Die gibt es zwar fast an jedem Strand in Südostasien. Aber hier, scheint es mir, treten sie besonders penetrant auf. Man sollte sich mal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, wenn die Touristinnen schlafen, dieses Themas annehmen, finde ich. Aber das würde ich natürlich nicht laut sagen.
Und dann gibt es auch das Problem des knappen Trinkwassers. Koh Samed hat keine substanziellen Süsswasserquellen und keine Flüsse, nur kleinere lokale Grundwasservorkommen, die in Trockenzeiten zudem versiegen können. Es muss deshalb Wasser vom Festland mit Tankschiffen her-übergebracht und hier mit Tankwagen ausgeliefert werden. Hotels und Privathäuser speichern das Wasser in grossen Tanks.
Die Insel erkunden
Zur Erkundung der Insel mietet man ein Fahrrad, vorausgesetzt, man ist einigermassen fit, denn die Insel ist, wie gesagt, ziemlich hügelig. Oder aber man lässt sich in einem Langboot über die Wellen von Strand zu Strand schippern, was allerdings mit Kosten verbunden ist, die mein Budget sprengen.
Ich habe mir deshalb einen Motorroller gegönnt, für sieben Euro am Tag inklusive Treibstoff. Mit dem fahren wir hinunter an die Südspitze, wo der Blick weit übers Meer schweift, dann an die Ao Prao im Westen der Insel für den Sonnenuntergang. Abends ist im Hauptort ein Foodcourt angesagt, wo man ausgezeichnet und günstig speisen kann, zum Beispiel köstlichen Fisch aus dem Kräutersud mit Koblauch und anderen Gewürzen.
