Flammendes Inferno
Ohnein-ohnein-ohnein - es regnet! Dicke Tropfen hämmern heute Morgen auf das Wohnwagendach. Es gießt, prasselt, schüttet, schifft, pladdert wie aus Eimern Eulen und Meerkatzen...


Veröffentlicht: 30.12.2025

















































Vor unserem mobilen Heim hat sich eine dick eingepackte vielköpfige Mannschaft in patschnassen Schutzanzügen aufgebaut. Die Köpfe bedecken klobige Helme mit yediritterartigen Gesichtsgittern, die Ohren verbergen riesige Mickimausmuscheln. Sieben Augenpaare schauen uns durch beschlagene Schutzbrillen an.
Nein, das sind keine Außerirdischen. Die unerschrockene kommunale Grünpflegebrigade hat sich zur Landschaftsgestaltung versammelt. Bewaffnet mit dröhnenden Heckenscheren, kreischenden Rasenmähern und markerschütternd geräuschvollen Motorsensen, tropfend vor Nässe, doch keinen noch so stürmischen Schlechtwettertag fürchtend, müssen sie jetzt diesen Picknickplatz mähen.
Und Château Mistral steht im Weg.
Ich reibe mir die Augen, um mich dem Unausweichlichen zu stellen, nämlich ohne Koffein fremdsprachig zu kommunizieren. Doch Team Motorsense sendet den eloquenten, polyglotten, multilingualen Kollegen zur Verhandlung: "Wir arbaitöön, ten minitz, parking à 100 mètres, gutt." Die Verständigung in einem abenteuerlichen Mischmasch aus deutsch, englisch und französisch klappt, wir räumen das Feld sofort und damit unseren wunderbar stillen Schlafplatz.
Ich bleibe im Wohnwagen, winke den starken Kerlen zum Abschied und lasse mich bis zum nächsten Plätzchen durchrütteln. Hier trällert nur die Nachtigall ihr Lied und eine vorwitzige Waldmaus nutzt die Gunst der verregneten Ruhestunde und wagt sich aus dem Versteck, denn die lauten Männer haben jede Menge bestes Körnchenfutter freigelegt.
Das Rätsel der "Croix Pattées" führt uns in das "Massif de la Serre", eine kleine Bergkette aus Granitgestein im Franche-Comté. Der Tourismus ist hier erst sehr spärlich präsent und deshalb ist man wohl auf die Idee gekommen, sich eine bisher unentdeckte Nische zu eröffnen.
An vielen Ortseingängen wurden Schilder montiert, die auf diese speziellen Kreuze neugierig machen, von denen es in dem kleinen Mittelgebirge ganze 43 gibt. Im Deutschen nennt man sie Tatzen- , Templer- oder Hansekreuz, wir kennen es vor allem als Eisernes, mit den typischen, sich verbreiternden Balkenenden.
Das Wetter lädt immer noch nicht zu einer Paddeltour ein, also machen wir uns auf den Weg, die verschiedenen Kreuze und damit kleine, versteckte, verschlafene Dörfer zu entdecken.
Weshalb es hier eine so stattliche Anzahl dieser Glaubensbekenntnisse gibt, bleibt das Rätsel der Ahnen im Nordjura. Wir können aber davon ausgehen, dass genügend Granit zu deren Herstellung in der Umgebung gefunden wurde.
