Whānau
Kia Ora from Manawatu-Wanganui

Auf Wiedersehen lieber Odhi

Wir sind wieder zurück in Auckland und das aus einem guten Grund. Unsere außergewöhnliche, ganz besondere Reise neigt sich langsam aber ganz sicher ihrem Ende. Vor unserem letzten Abschnitt steht aber noch eine große Herausforderung, der Verkauf unseres tapferen und alten Begleiters. Wenn es uns gelingt ihn an die Frau zu bekommen haben wir ein kleines Budget-Polster für weitere Erlebnisse. Klar ist uns jedoch, auch wenn wir ihn am Ende verschenken müssen, hat er uns einen super Dienst erwiesen und trotz aller kleineren Steinchen seinen Soll mehr als erfüllt. Wir haben auch versucht grob zusammen zu fassen wie viele Nächte wir in diesem Auto verbracht haben... zehn der zwölf Monate hatten wir das Auto zur Verfügung. Circa die Hälfte der Zeit war der treue Odhi unser mobiles Hotelzimmer. Einen Großteil dieser Nächte sogar für keinen einzigen Dollar. Rechnet man das mit den absolut günstigsten Übernachtungen hoch, wird einem klar, den Kaufpreis hatten wir trotz Reparatur und Wartung locker wieder raus.

Kurz bevor wir mit Pia reisten, stellten wir die Verkaufsanzeige auf einigen Plattformen online. Natürlich versuchten wir unseren Odhi bestmöglich zu präsentieren. Gar nicht so einfach, wenn man gleichzeitig noch durchs Land reist und in dem Auto lebt. 

Auch wenn das sehr unordentlich scheint, es hat alles seine Ordnung.
Auch wenn das sehr unordentlich scheint, es hat alles seine Ordnung.

Wie häufig mussten auch wir lange über den Preis nachdenken. Statt in Christchurch verkauften wir in Auckland, was preislich ein Vorteil sein sollte. Da Auckland der häufigste Startpunkt für Backpacker ist, sind die Camperpreise hier entsprechend teuer, in der Hauptsaison sogar bis zu 30%. Einen zu mutigen Preis wollten wir nicht wählen, denn die Zeit wurde knapp und der worst case wäre es gar nicht zu verkaufen. 

Zum Zeitpunkt unseres Verkaufes war der Markt noch nicht mit Angeboten überflutet. Odhi würde wohl der dienstälteste Wagen auf der Liste werden. Die 300.000 Kilometer bereiteten uns allerdings keine Sorgen. Unser Startgebot lag bei 4000 Dollar, schließlich hatten wir neue Reifen und noch eine gültige WOF. Frisch gestrichen und voll eingerichtet waren wir sicher, wir übergeben Odhi in einem besseren Zustand als wir ihn bekommen haben.

Zunächst gab es einige Interessenten, die beim wiederholen der öffentlich zur Verfügung stehenden Daten, schnell wieder abgesprungen sind. Tims langsam aufkommende Sorgen wurden nur noch von Caros Traum, Odhi per Schiff nach Deutschland zu bringen, übertroffen. 

Um sicher zu gehen, korrigierten wir den Preis nach unten auf 3.500$ und prompt weckte er die Aufmerksamkeit einiger Backpacker. Dann war da bloß noch die letzte Hürde, wo um Himmels Willen bietet man einen geeigneten Besichtigungstermin mit eventueller Probefahrt in einer 1,7 Millionen Einwohner Metropole an? Das war für uns Anti-Städter eine große Herausforderung. Zudem ist der alte Odhi nicht gerade ein agiler, junger Hüpfer was kurze Strecken und Stop and Go´s angeht. Der erste Interessent stellte dies eindrucksvoll unter Beweis. Unser geeigneter Ort war ein löchriger, schmaler Parkplatz unter einer Brücke in der Innenstadt. Der Auftritt des Parkplatzes wurde nur noch vom Interessenten übertroffen. Der schlaksige junge Franzose war einer dieser Menschen, die auch ohne Kater, sichtbar eine Brille benötigten (nichts gegen Brillenträger, ich bin ja selber einer). Während des sympathischen Kennenlernens berichtete er auch von einer ausgiebigen Feier in der vergangenen Nacht. Das Gespräch gestaltete sich locker, die Probefahrt nicht. Holter die Polter um den Block, hier und da mal abgewürgt, mit dem Linksverkehr überfordert und dabei Seitenspiegel fast entfernt. Spätestens bei der bei nahen Fahrt über eine rote Ampel und seiner Aussage, er habe noch nicht mal einen Führerschein in Frankreich, griff der bekannte Spruch "Betrunkene und kleine Kinder ...". Caro schwitze Blut und Wasser und war froh gemeinsam mit Odhi die Fahrt überlebt zu haben. 

Nachdem einige weitere Termine abgesagt wurden, wuchs unsere Unsicherheit. Die wenigen übrigen Termine mussten nun klappen! Drei Tage bevor wir Auckland verlassen wollten, hatten wir zwei Termine mit jeweils zwei deutschen weiblichen Travelbuddys. Beide Treffen waren vielversprechend und machten uns wirklich Spaß. Wir hatten das Gefühl wichtige Informationen und Erfahrungen über Fahrzeug und Reise weitergeben zu können. 

Im Anschluss an die Treffen machten wir uns große Hoffnungen und tatsächlich sagten beide zu. Jetzt bloß keinen Fehler machen und       a) den besten Preis erzielen und b) den zuverlässigen Käufer wählen.

Dann ging alles ganz schnell. Wir sagten einem Paar zu und einigten uns auf alle Randdaten. In 24 Stunden wurde sich dann mit Großputz und Zusammenpacken, einem letztem leckeren Abendessen und einer Flasche Wein ganz schön emotional von unserem treuen Ross verabschiedet.

Dann die letzte Fahrt. Erneut nach Auckland, der hüglige Stadtteil der an San Franzisco erinnert, ein überteuertes, irre schmales Parkhaus und die Begleitung zur schriftlichen Übergabe bei der Post bereiteten uns zum letzten Mal eine gehörige Anspannung. Und dann schließlich war es soweit. Eine handgeschriebene Liste mit Tipps und Tricks, eine Herzliche Umarmung und ein letztes Foto. Bye bye lieber Odhi, mögest du deinen neuen Besitzern den gleichen treuen Dienst erweisen *schnief*.

Trotz der emotionalen Situation betonte Tim "Nichts wie weg, sonst überlegen sie sich es vielleicht noch anders". Und so fanden wir uns kurz nach dem Abschied am Hafen von Auckland wieder ... auf nach Waiheke Island.

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