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6. Tag 4 nach Real de la Jara

Veröffentlicht: 01.11.2024

Neuer Tag, neues Glück. Ich habe gut geschlafen und bin gegen 6 wach geworden. Habe tatsächlich alleine in der Unterkunft geschlafen. Dann habe ich gepackt. Aus dem Fenster geschaut und kein Regen, habe ich schnell meine Sachen genommen und bin los gelaufen. Nach ein paar Hundert Metern bin ich in der Wald und ich musste meine Stirnleuchte einschalten. Der Regen wurde stärker und der Weg beschwerlicher. Es ging bergauf. Ich musste heute gefühlt 50 Tore öffnen und schließen, damit keine frei laufenden Tiere entfliehen. Dann geschah das, was nicht passieren sollte und trotzdem immer passiert: Ich habe mich verlaufen. Generell ist das ja nie ein Problem und gehört dazu aber leider war das Timing sehr schlecht. Ich habe rechts ein Tor nicht gesehen, welches geschlossen war und bin weiter geradeaus auch, weil es dunkel ist und es stark geregnet hatte. 30 Meter weiter gab es einen Pfad nach rechts, welcher aber überflutet war. In der App hat das GPS nicht funktioniert und der Weg hat ungefähr gepasst. Deswegen bin ich weiter und ich bin einfach den ganzen Berg hoch im Dunkeln bei Starkregen. Es war sehr steil und zudem hatte ich vorher wieder schwarze Schweine gesehen, aber auf dem Weg nach oben habe ich aus dem Gebüsch drohenden Tiergeräusche gehört und hab das Tempo angezogen. Ob es ein Bär, Wolf oder nur ein Schwein war, kann ich nicht sagen, aber ich hatte schon ein wenig Angst und bin schnell weiter. Dadurch, dass es so geregnet hab, wurde mein Handy immer nass, wenn ich es raus geholt habe. Und außerdem hat das GPS schlecht funktioniert. Aber ich habe gesehen, dass ich nach rechts musste, aber nach dort gab es kein Weg. Also bin ich weiter in der Hoffnung,  irgendwann nach rechts abzubiegen, aber Pustekuchen. Es ging die Spitze des Berges hoch und dort habe ich wieder eine Gruppe von Tieren gesehen, die mir angefaucht haben. Ob es Hunde oder Wölfe waren, keine Ahnung. Ich bin schnell weiter. Ich war klitschnass, hatte keine Angst und keine Ahnung, in welche Richtung ich gehen sollte. Am Liebsten hätte ich mich nach Hause teleportiert. Da dies leider noch nicht möglich ist, bin ich weiter und bin einmal um den kompletten Berg herum. Immer wieder wusste ich nicht genau, wo lang und mein App hat nicht funktioniert bzw. das GPS. Ich war echt am Ende und habe überlegt, wieder zurück zur Unterkunft von heute zu gehen,aber dafür musste ich auch erstmal den Weg finden. Der Regen war so stark, meine Brille war komplett beschlagen und ich ging einfach weiter in der Hoffnung, irgendwann auf den richtigen Weg zu gelangen. Nach insgesamt 6km Umweg und 1,5 Stunden war ich mehr oder weniger wieder am Anfangspunkt, wo ich in den Wald bin. Ich war sehr wütend und zugleich froh, wieder Pfeile gesehen zu haben. Dann bin ich den selben Weg entlang und habe akribisch auf jeden Pfeil geachtet und dann rechts die Tür, die ich davor übersehen hatte. Ich war so froh, nun auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn ich durchnässt, müde und lustlos war. Es wurde hell und meine Laune besserte sich. Ich habe viele Tiere auf dem Weg gesehen, Pferde, Esel, Lämmer, Kühe. Ich wurde meist wieder richtig begutachtet. Dann bin ich noch eine Horde von Schafen und Lämmer begegnet, auf die ich noch warten musste, bis sie an mir vorbei waren. Der Regen wurde etwas weniger und ich war guter Dinge. Doch dann kam eine überflutete Brücke. In der Regel konnte man links oder rechts an einer Engstelle rüber, aber hier war dies nicht möglich. Ich habe tatsächlich in Betracht ziehen müssen, den gesamten Weg wieder zurück zu gehen, aber beschloss dann den Damm irgendwie zu umlaufen. Ich bin auf einen Hügel und dann an eine andere Stelle. Dort habe ich ein Tor im Wasser entdeckt und da habe ich mir gedacht "Da muss ich rüber". Und ja, es war richtig anstrengend und beinahe wäre ich ins Wasser gefallen, aber es hat geklappt und ich bin wieder 20 Minuten zurück gegangen, wo die Brücke und der eigentliche Weg war. Ich habe mich gefreut und bin weiter, um nach 10 Minuten über die nächste Wasserstelle zu müssen. Zum Glück gab es dort ein paar Steine und ich habe e geschafft, jedoch waren jetzt meine Schuhe samt Socken nass und ich hatte noch 8 Kilometer vor mich. Das kann ja etwas werden. Eigentlich wollte ich nach dem 8km noch einmal 20 Kilometer bis Monasterio gehen, aber nach meinem Bergumrundung konnte ich mir dies abschminken. Ich bin weiter und der Regen zog wieder an. Ich konnte es nicht erwarten. Dann musste ich nochmal einen Hügel hoch, über ein paar Bäche hüpfen und dann war ich endlich im Zielort.

Ich hatte mir hier keine Unterkunft reserviert, weil ich ja eigentlich weiter gehen wollte, aber im Reiseführer gab es 5 Herbergen. So bin ich schnell in einen Supermarkt und habe etwas eingekauft. Ich hatte Glück, denn normalerweise ist heute Feiertag und alle Läden haben geschlossen, aber hier macht jede Gemeinde ihre eigenen Regeln. Danach habe ich die Herbergen angerufen. 3 Herbergen hatten geschlossen, eine ging nicht dran und die öffentliche Herberge sagte mir, dass sie ausgebucht sind, weil alle reserviert hätten. Das machte mich ein wenig wütend, denn früher konnte man in den öffentlichen Herbergen nicht reservieren. Und normalerweise sagt man ja, dass man auf dem Camino immer ein Bett findet, aber mir wurde von den Besitzern nur ein Lo siento, zu deutsch "Es tut mir leid" angeboten, was ich sehr schade fand. So blieben mir genau zwei Optionen: Mit meinem Einkauf inklusive 2 1,5 Liter Flaschen die 20km zum nächsten Ort gehen oder ein Hotelzimmer für 60€ nehmen. Beides war nicht verlockend, aber ich entschied mich für ersteres. Ich musste aber kurz eine Pause einlegen, was gar nicht so leicht war. Alles war einfach komplett nass. So habe ich mich im Wald mit meinen Sitzkissen auf einen Stein gesetzt und meine Socken gewechselt, die klitschnass waren und habe etwas von meinem Einkauf gegessen, damit ich weniger zu tragen habe. Meine Füße waren schon ein wenig aufgeweicht und ich überlegte, ob ich den weiteren Weg noch schaffe. Witzigerweise hat ein Auto angehalten und gefragt, ob alles gut sei. So bin ich nach zehn Minuten weiter und war guter Dinge, als ich mein Endgegner für heute sah: Eine Brücke, die mindestens 1Meter mit Wasser bedeckt ist. Links und rechts keine Möglichkeit, irgendwie alles rüber zu kommen. Ich habe kurz überlegt und habe kurz überlegt, rüber zu schwimmen, aber zum einen hätte mich die Strömung mitgenommen und zum anderen hätte ich danach noch 19 Kilometer mit komplett nasser Kleidung weiter laufen müssen und da hätte ich mir bestimmt eine Lungenentzündung geholt. Also Option 2 ist angesagt. Ich bin zurück und habe in dem Hotel angerufen. Der Besitzer war sehr nett und es gab auch einen Spezialpreis für Pilger. So habe ich 30€ gezahlt für ein Doppelzimmer mit Bad, richtigen Handtücher, einen Kühlschrank und sogar einen Fernseher. Ich war so froh, wie ich endlich in den Unterkunft ankam. Ich habe mit dem Besitzer geredet und er meinte, dass das Wasser morgen weg sein wird, weil es die Nacht nicht regnen wird. Sonst muss ich wohl hier eine Nacht mehr in diesem Dorf sein. Am Ende hat sich alles zum Guten gewendet und jetzt liege ich im Bett und kann über den heutigen Tag schon schmunzeln. Ich werde heute nur im Bett liegen und einfach die Ruhe und das Bett genießen und meine Vorräte essen. Und ich werde die Unterkünfte für morgen vorbuchen. Es ist schade, wenn im Reiseführer steht dass die Unterkünfte ganzjährig auf haben, aber dann doch geschlossen sind. Wobei das auch mit dem heutigen Feiertag im Zusammenhang stehen kann. Ich denke aber heute erstmal an heute und genieße mein Hotelzimmer.


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