Sacret Valley und Ende
Der Tagesausflug zum See Humantay ist im Prinzip das gleiche wie die Rainbow Mountains Tour. Gegen 5 Uhr geht es los, überall in der Stadt stehen wieder die Kleingruppen an...

Veröffentlicht: 08.11.2025
Willkommen zurück zu meinem kleinen Reisetagebuch. Die zweite Reise nach Vietnam, 5 Wochen mit dem groben Plan, von Hanoi nach Saigon zu reisen (1600 km). Abenteuerlich wird es eher nicht, Vietnam ist für Touristen gut erschlossen, sehr sicher, und ich weiß schon grob, wie man zurechtkommt. Und mit KI-Übersetzungstools wird es noch einfacher. Bin gespannt, was ich so erlebe und wen ich alles treffen werde. Die Anreise verlief ohne große Komplikationen. Anstrengend ist es schon, 24 Stunden von Tür zu Tür. Turkish Airlines hatte meinen Flug um einen halben Tag verschoben, schlecht für den Jetlag. Der Backpack befüllt hat nur 12 Kilogramm gewogen, so wenig war es noch nie. Habe schnell gemerkt, dass hier der T-Shirt-Verbrauch steigt bei der Luftfeuchte stark. Nach 3 Tagen ist die Hälfte schon getragen.
Flughafen Hanoi, Einreise war kein Problem. Für 100 € bekommt man 3 Millionen Đồng. Nam hat mich am Flughafen mit einem Schild "Hallo Thomas" abgeholt, wie ein VIP. Mit dem Bus 30 km ins Stadtzentrum, Nam holt sein Motorrad und ich gebe schnell mein Gepäck im Hostel ab. Denkste, die haben meine Buchung zwar bestätigt, aber waren trotzdem ausgebucht. Im Hostel nebenan schnell eine Nacht gebucht, hat etwas mehr gekostet. Und leider ein Partyhostel zu Halloween, so laut und so viele angetrunkene Teens und Twens. Da ich noch keine Internetverbindung hatte, war Nam zu finden etwas stressig. Wir haben noch Phở Bò gegessen und danach in einem Café Egg Coffee getrunken. Schmeckt besser, als man denkt, trotz rohem Eigelb. Nam fährt zu seiner Familie und ich schaue mir bei einem Bier noch ein bisschen das Treiben an. Viele verkleidete Vietnamesen gehen feiern. Die üblichen Begleiterscheinungen wie Sextourismus sind da, und ich scheine Hauptzielgruppe zu sein. Aber okay, sind nicht so aufdringlich, kurzes Nein und gut ist bei den meisten. Und klar bekommt man Cannabis sehr einfach. Hanoi ist im Vergleich zu Saigon aber viel entspannter. Schon wuselig und für uns chaotisch, mit ein bisschen Grundvertrauen in die Vietnamesen passt das schon.
Der erste richtige Tag in Hanoi, Nam holt mich um 9 Uhr ab. Es geht zum Völkerkundemuseum, eine Stiftung Frankreichs (die haben aber auch einiges gutzumachen). Nam hat seinen Reiseleiterpass und kommt überall so rein. Gibt wohl (ungefähr) 52 Minderheiten in Vietnam mit eigener Sprache und Kultur, insgesamt 30 % der Bevölkerung. Nam war richtig überrascht, als ich meinte, in Deutschland gibt es nur 2 indigene Minderheiten, Dänen und Sorben, und die sind sehr überschaubar. Man hört viel Deutsch, eine Reiseleiterin hat uns angesprochen, sie war früher in Deutschland und kannte Jena und Ilmenau. Wir besuchen noch den Literaturtempel, eine alte Bildungsstätte mit buddhistischen Wurzeln. Zum Mittagessen fahren wir zu einem Restaurant mit einer Spezialität aus Hanoi: Phở Cuốn, das ist in Reispapier eingewickeltes Rinderhack. Dazu gibt es viel zu starken grünen Tee. Dritte Station ist die Jadeberg-Pagode an einem kleinen See. Nam fährt mich danach zur Train Street, da, wo der Zug sehr nah an den Häusern vorbeifährt. Er fährt nach Hause, ich trinke Bier und warte auf den Zug. Ja, ganz nett, die Menschen im Zug glotzen raus, die draußen rein. Auf dem Weg ins Hostel bin ich in ein Tattoostudio, besser gesagt ein Wohnzimmer, gefallen. Gute Qualität, hab den Preis leicht reduziert von 1 Million auf 900000, da wäre mehr möglich gewesen. Das neue Hostel ist für 5 € pro Nacht sehr gut. Auf geht's zum Weekend Night Market. Ein großer Bereich der Innenstadt wird von Freitag bis Sonntag für den Verkehr gesperrt. Habe schon größere und schönere Märkte in Südostasien gesehen. Aber gut um am Ende Souvenirs zu kaufen. Ich treffe mich mit Przemoo vor dem Markt, wir essen was und bleiben nicht lange. Nebenan ist noch eine Veranstaltung, bei der Schulkinder Gruppenchoreografien zu Popmusik zeigen. Viele kreischende Mädchen. Der Tag war ein bisschen zu voll gepackt. Offizielle herrscht hier Kommunismus, aber die Gesellschaft ist viel weiter. Man sieht die Symbole wie Hammer und Sichel oder Bilder von Ho Chi Minh dennoch viel.
Nam ist super nett und höflich, eine sehr interessante Person. Er ist 39 und wohnt mit seiner Frau und Tochter in Hanoi. Er hat in Vietnam und in Moskau bis 2022 studiert und war dann Lehrer für Physik. Das hat ihm nicht gefallen und er hat gekündigt. Jetzt will er Reiseleiter werden, Lizenz hat er schon gekauft. Mit Englisch, Russisch und Deutsch wird das bestimmt. Er hat nur ein Jahr gebraucht, um mithilfe von ChatGPT unsere Sprache zu lernen, Naturtalent. Aussprache und Wortschatz sind richtig gut. Als Dankeschön habe ich ihm ein deutsches Buch geschenkt, was er sich gewünscht hat. Der kleine Wassermann von Otfried Fischer. Er hat es als Kind auf Vietnamesisch gelesen.
3. Tag, Sonntag: Heute steht eine Schifffahrt in die Ha Long Bay an. Przemoo und ich haben das schon vor der Reise gebucht. Einen Tag vorher gab es eine Nachricht, dass es nicht genug Buchungen gegeben hat und man uns ein Upgrade anbietet. Ich weiß gar nicht, was das Upgrade war. Przemoo und ich wurden an der alten Oper abgeholt und es geht mit dem Bus 3 Stunden nach Ha Long. Meine Sitznachbarin war eine etwas verwöhnte indische Teenagerin. Strenger Schweißgeruch, so muss das sein. Und schminkt sich ewig. Ob sie dabei hübscher wird, muss sie wissen. Ein Zwischenstopp war eine Perlenfarm, war nicht nötig, aber auch nicht schlimm. Die Fahrt geht los, erstmal gibt es ein reichhaltiges Mittagessen. Die Bucht hat eine spezielle Geologie, Felsen ragen heraus. Laut Legende sind das 4 Drachen und deren Zähne oder Rückenstacheln, hab ich nicht genau verstanden. Die erste Insel wird angefahren, dort gibt es eine große Höhle. War schon gut was los, man wurde gut durchgeschoben. Wäre eine super Location für Partys. Insgesamt eine Stunde Aufenthalt. Zweite Station der Schifffahrt war eine Bucht, deren einziger Zugang durch eine Art Tunnel war. Przemoo und ich haben uns für das Kanu entschieden und sind da herumgepaddelt.
Letzte Station Ti-Top-Insel, man kann auf einen Felsen hochsteigen, aber zu viele Menschen und zu wenig Zeit. Wäre eine tolle Aussicht gewesen. Alternativ bin ich baden gegangen, sehr warm. Wir fahren zurück, Przemoo und ich trinken. Auf der Rückfahrt im Bus sitzt nun der jüngere Sohn der indischen Familie neben mir. Gesprächig, er erzählt mir indische Legenden. In Hanoi ist ein bisschen Stau, wir kommen erst 21 Uhr zurück. Ich schlage vor, am Straßenrand was zu essen. Erstaunlich, war ein Fischrestaurant. Ich habe eine Fischsuppe bestellt und eine Fischteilesuppe bekommen. Eher nicht mein Fall. Beim Bezahlen wurde es knapp, irgendwie hatten wir unser Bargeld in Bier investiert. Es fehlten 3000 Dong (10 Cent), war aber kein Problem. Przemoo hat mehr Geld geholt für mehr Bier (geschmacklich ist es okay). Hab irgendwie schlecht geschlafen.
Viele Boote sind nicht aktiv. Warum? Laut unserem Reiseleiter Tiki ist es eine Kombination aus dem unerwarteten Regen und einem Schiffsunglück im Juni mit vielen Toten. Ich hatte tatsächlich davon gelesen, es aber wieder vergessen. Macht euch keine Sorgen, die Busse in Peru sind gefährlicher. Przemoo und ich harmonieren gut.
Montagvormittag. Man braucht immer Zeit zum Planen, was kann man machen, wie wird das Wetter, Preise vergleichen. Das Internet ist voll mit Müll Informationen. Fake Bewertungen, Fake Internetseiten von Reiseanbietern die das blaue vom Himmel versprechen und Selbstdarstellern. Ein paar Mädels aus Bayern waren ganz enttäuscht von den Tipps der Influencer. Ich hab mich für eine 3-Tage-Motorradreise entschieden, den Ha-Giang-Loop. Kostet 118 € als Selbstfahrer, super Preis. Przemoo und ich treffen uns gegen Mittag am Ho Chi Minh Mausoleum. Am besten nutzt man Grab (wie Uber) oder eine ähnliche App um Motorradtaxis zu nutzen. Kostet wenig. Ho Chi kann man zwar nicht sehen, aber den Park drumherum anschauen. Wir erkunden noch ein bisschen die Stadt, trinken Tee und essen lecker. Er fliegt am Abend zurück.
Es ist Dienstag, der 5. und vorerst letzte Tag in Hanoi, und es regnet am Vormittag. Ich schaue mir noch ein paar Sachen an. Den Bach-Ma-Tempel. Den Đồng-Xuân Markt (gibt es auch in Leipzig), da gibt es alles was kriecht, fliegt oder schwimmt. Mit dem Motorradtaxi geht es zu Banana Island, eine Flussinsel, auf der die Hanoier Bananen anbauen. Ruhig und friedlich, aber nichts los. Also zu einer Pagode und dann zur Zitadelle Thong Long. Die ist 1000 Jahre alt und der alte Herrschersitz. Dafür ist es wenig beeindruckend und überall wurden Bühnen aufgebaut. Man konnte noch einen Bunker aus der Kriegszeit anschauen. Abends wurde ich vom Nachtbus abgeholt, nicht ohne eine stärkende Pho Ga. Ein bisschen Schlaf habe ich bekommen. Gut, dass ich klein bin wie die Vietnamesen. Die Boxen in den Nachtbussen sind nicht geräumig. Gegen 2:30 Uhr konnten wir in Ha Giang ins Bett.
Hier gibt es ganz wenig Hunde und die sind schüchtern. Herrlich, man kann überallhin. Nicht wie in Peru wo an jeder Ecke ein Kläffer war. Kurz zum Wetter, es regnete bisher jeden Tag. Eine Art Sprühregen, Mal mehr mal weniger, mal länger mal kürzer. Luftfeuchte ist immer 100 %. Hätte ruhig mehr Klamotten einpacken können. Aber ab morgen soll es besser werden. In der Not zieht man einen Plaste-Poncho an. Angeblich ist das die intensivste Regenphase seit 40 Jahren. Normalerweise ist Anfang November beste Reisezeit. Schade für die Vietnamesen, gut für mich. Die Preise für Aktivitäten sind sehr niedrig, da viel Konkurrenz um weniger Kundschaft. Letzte Woche gab es in Zentralvietnam einen Taifun, leider gab es viele Tote und viel Zerstörung. Touris wurden evakuiert, auch Prezmoo musste überhastet abreisen. Diese Woche kommt Taifun Kalmaegi, vermutlich Donnerstag. Ich wollte sowieso erst den Norden erkunden, vielleicht jetzt ein paar Tage länger. Bald kommt Fung Wong, richte aktive Saison.