Hué und Hoi An (1)
In etwa Halbzeit. Ich komme gegen 5 Uhr in Hué an, ich hatte mit 10 Uhr gerechnet. Der Bus fährt durch die Stadt und ich hätte bequem dort aussteigen können, aber der Fahrer fährt...

Veröffentlicht: 29.11.2025































Wenn ich das Wetter als gut definiere, kann ich auch Rad fahren. Ich versuche mein Glück mit Schrotti 2. Nach einer halben Stunde kommt ein Schauer und ich muss direkt Pause machen. Erstes Ziel ist ein Leuchtturm, der die Erwartungen nicht erfüllt. Man kann übrigens so viel Regenschutz anziehen, wie man will, man wird bei der Luftfeuchte trotzdem von innen nass. Ich radele zur Old Town von Hội An und probiere das angeblich beste Banh Mi bei Madame Khanh, ganz bescheiden die Queen of Banh Mi. Zugegeben, es war wirklich gut. Ranek ist auch in der Altstadt und wir gehen in ein Café, um uns dann die kleine Innenstadt anzuschauen. Chinesische und japanische Tempel, Brücken und sowas, ein kleines Museum über lokale Kultur. Nochmal heftiger Regen und wir gehen ins erstbeste Restaurant, der Fluss ist fast am Übertreten. In Hội An ist es ein Ding, sich Kleidung schneidern zu lassen, fast alle aus dem Hostel machen das, vor allem die Frauen. Ich brauche keinen Anzug oder Hemden. Bevor es dunkel wird, geht es zurück. Ja, war nicht die beste Idee. Im Hostel wohnen ein paar Marokkaner, die sind sehr ruhig, aber heute kochen sie Tajine mit Hühnchen. Super lecker und gute Stimmung. Ralf aus Stadtroda wohnt ein halbes Jahr in dem anderen Haus von Martin. Interessante Geschichte: Kampfschwimmer, Republikflucht mit Stasi-Knast, Weltreisen, türkische Ex-Frau, Maler usw. Er verpasst den Punkt, an dem es zu viel wird mit Geschichten erzählen.
Neuer Tag. Ranek und ich haben uns einen Fahrer gebucht, der uns zu den Ruinen von My Son bringt. 7.–14. Jahrhundert, das ist mehr mein Ding. Hinduistische Ruinen der Cham Volksgruppe. Architektur wie in Angkor Wat. Nur haben diese Völker Ziegelsteine verwendet statt Stein. Diese Ziegelsteine sind 1000 Jahre alt und in sehr gutem Zustand. Kein Zement wurde verwendet, die Steine verwachsen irgendwie mit der Zeit miteinander. Hier waren es die Amerikaner, die ordentlich Bomben hineingeworfen haben. Interessanterweise haben Polen in den 80er Jahren sich an der Restaurierung probiert. Deren Ziegelsteine bröckeln aber schon, man weiß nicht mehr, wie diese Ziegel hergestellt wurden. Und auch die Sprache der Cham ist noch nicht entschlüsselt. Der Guide erzählt vom Männerüberschuss in Vietnam (tatsächlich werden auf 100 Mädchen 111 Jungen geboren). Grund ist, dass nur Jungs den Ahnenkult weitertragen. Martins Freundin kümmert sich super um das Hostel und die Gäste. Fette Ratten huschen immer wieder über die Straße. Für Martin mache ich eine Fakebuchung, um eine Bewertung abzugeben. Wirklich, die Bewertungen sind größtenteils nicht echt. Offiziell darf er gar nicht hier arbeiten und muss immer wieder Vietnam kurz verlassen und ein neues Touristenvisum bekommen. Ich wünsche denen viel Glück. Abends fahre ich ein Stück zurück nach Norden, nach Da Nang. So langsam denke ich öfter an Jena.
Vorletzter Mittwoch. Ich habe den zweiten Tag in Folge Kopfschmerzen, irgendein Infekt. Raneks Freundin liegt seit Tagen flach im Homestay, vielleicht hat er mich irgendwie angesteckt oder es war das Radfahren im Regen. Am Morgen gehe ich zum lokalen Markt und kaufe bei den Händlern Nudeln, Limetten, Bananen, Banh Brot, 10 Eier und Kräuter. Im Homestay darf ich die Küche nutzen, damit komme ich durch den Tag. Ein bisschen Sonne ist zu sehen, wie schön. Der Strand ist eigentlich super, aber sehr hohe Wellen und Baden ist immer noch nicht erlaubt. Also nur bis zu den Knien rein und bisschen am Strand rumlungern. Mein selbstgekochtes Mittag sieht gar nicht so schlecht aus. Tageshighlight sind die Marble Mountains, ein Kalksteinberg mit Marmor. Wie immer sind buddhistische Pagoden hier, mit vielen Marmorstatuen. Und Aussichtspunkte und Höhlen. Dort ist auch die Dang Am Phu Höhle, riesig, und es regnet innen. Hat irgendwas mit der Hölle zu tun, es gibt 7 Ebenen der Hölle im Buddhismus. Die Höhle geht tief und überall sind Dämonen, die Menschen quälen. Am Abend laufe ich zum Night Market und zur Drachenbrücke. Die ist wie ein Drache gestaltet, wechselt die Farben und am Wochenende speit der Drache Feuer.
Am Morgen lasse ich mich zum Lady Buddha fahren. Ein Klosterkomplex mit einer riesigen weiblichen Buddhastatue und vielen Pagoden und Tempeln. Uninformiert, wie ich bin, wollte ich zum Monkey Mountain, das ist aber zu weit um mit einem Motorradfahrer dort hinzufahren. Also eine kleine Wanderung an einem Bach, ab und zu sehen ich Affen und weiche denen aus. Die finde ich unheimlich. Zurück mit einer Fahrerin, sehr starker Wind so das ich kurze Angstmomente habe. Noch mal shoppen auf dem Markt und zum Strand. Ist gerade Flut und fast der ganze Stand ist mit Wasser bedeckt. Riesige Wellen bei dem Wind. Da Nang ist schon eine größere Stadt, viele Hochhäuser und große Hotelkomplexe. Aber auch viele verlassene Hotelanlagen und Bauruinen. Ich vertreibe mir die Zeit wieder mit zocken. Dann geht es mit dem Flieger nach Da Lat. In Hostel habe ich ausnahmsweise mal ein Einzelzimmer genommen. Ich laufe noch kurz durch die Stadt, kaufe ein und esse Pho Ga.
Fliegen war keine gute Idee. Kostet mehr als doppelt so viel wie der Nachtbus. Dazu muss man zum Flughafen kommen und braucht einen Transfer vom Flughafen Da Lat zum Hostel (30 km). Mit dem Bus hätte ich eine Übernachtung gespart und hätte den Nachmittag freigehabt, anstatt am Flughafen zu sein. Bus ist von Hostel zu Hostel, man steigt ein, schläft und kommt am Morgen an. Einziger Vorteil, man sieht Vietnam von oben. Viel Wasser und teilweise sind Gebiete nahe der Flüsse noch geflutet. Man könnte in Vietnam echt gut leben. Nur wie Martin halblegal arbeiten ist nicht gut. Auch die Sprache ist ein Hindernis, um hier heimisch zu werden. Schöne Idee, aber unrealistisch.