Thomas in der Welt
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vakantio.de/usurpator

Zu Besuch bei Khanh's Familie

Veröffentlicht: 20.11.2025

Zu jeder Reise gehört ein bisschen Abenteuer, meins startet heute, es geht Richtung Bim Son nicht weit von Ninh Binh. Ich begebe mich zeitig zum Bahnhof und kaufe mir ein Ticket, das war einfach. Die Zeit vertreibe ich mir mit meinem Billig Gameboy. Zug ist rustikal und langsam, das Essensabteil ist riesig. Khanh holt mich ab, ich falle definitiv auf. Bei ihm zu Hause gibt vietnamesische Hausmannskost und dann fahren wir zur Polizei. Ich brauche eine Art Genehmigung um mich dort bewegen zu dürfen. Offenbar dürfen Touristen nicht überall sein, ist mir neu. Wahrscheinlich ist das gar nicht nötig, aber Khanh will es, um es den Eltern seiner Schüler zu zeigen. Er ist sehr auf Regeln bedacht. Ist ein bisschen wie bei Asterix erobert Rom. Mehrere verschiedene Räume werden besucht. Der Polizist will mein Visum sehen, aber ich habe ja keins (EU Bürger können 45 Tage ohne Visum reisen). Dann will er ein Passfoto, habe ich nicht. Okay, als er das mit dem Visum irgendwie geklärt hat, möchte er ein Einreisedokument. Wieder erkläre ich, dass ich sowas nicht haben. Also bekomme ich den Wisch so, 100000 Dong Gebühr und das war es.

Zurück in der Schule kommen die ersten Schüler an. 9–11 Jahre alt, manche sind neugierig, manche schüchtern. Wir reden ein paar vorgegebene Sätze. Ich assistiere ein wenig bei den jungen Schüler. Dann versuchen Sie mir ein paar Worte vietnamesisch beizubringen und lachen sich kaputt über meine Aussprache. Was ein Spaß. Dann geht es zu den fortgeschrittenen. Jeder kann 2 Minuten mit mir reden. Es werden Videos für die Eltern gemacht. Ich finde das sehr lustig, die haben Energie. Jeder, der sich traut, bekommt zwei Bienchen von mir. Beim Gruppenfoto wildes Durcheinander. Beim Abendbrot mit Khanh bemerke ich, wie ich heimlich fotografiert werde. Das sind jetzt die Teenager. Khanh meint, ich wäre der erste Ausländer, den Sie sehen. Also gehe ich zu denen und mache Selfies. Wild, sehr wild. Vor allem die Teenie-Mädchen. Ich bin eine Attraktion und jetzt sicher auf einigen Instagram-Profilen zu sehen. Khans Familie ist sehr nett, seine Frau unterrichtet auch Englisch. Sein Vater bietet mir immer Früchte an und seine Söhne sind sehr lebendig.

Tag 19. Khanh hat frei, Tag des Lehrers in Vietnam, scheint ein wichtiger Feiertag zu sein. Der Mann hat so viel Selbstdisziplin, um 5 Uhr aufstehen um Sport machen. Er versucht, für seine Schüler ein gutes Vorbild zu sein und lehrt sie auch Respekt vor den Eltern. Hat 5 Jahre Ingenieurswesen in Hanoi studiert, ist dann zu seiner Familie zurück und hat die Schule gegründet. Als Erstes zeigt mir Khanh seinen Garten, toll. Hühner, Fische, Obst und Gemüse – alles wird probiert. Er fragt mich, ob ich einen Fisch fangen und schlachten möchte. Nein, danke. Khanh, Mai (seine Frau), seine Cousine und ich machen uns auf den Weg zum lokalen Markt zum Frühstück. Es gibt eine Art Reispfannkuchen. Dass ich auffalle, stört mich nicht. Dann fahren wir zu einem Berg mit riesiger Buddhastatue, dreiköpfig. Auch nicht so alt. Religion ist hier auf dem Vormarsch. Er erzählt mir viel über die Geschichte und die Region. Wir laufen ein paar Meter zu traditionellen Häusern. Die Menschen lassen uns rein und es wird viel erzählt. Die haben einen eigenen 200 Jahre alten Tempel, geweiht von einem König. Khanh meint es sind reiche Menschen. Ein älterer Mann zeigt mir seinen DDR-Führerschein aus Schmalkalden. Wir rauchen eine Zigarette zusammen, aber viel Kommunikation ist nicht möglich. So richtig versteht Khanh das mit der DDR nicht. Im Nachbarhaus wohnt die Schwester seiner Oma oder so. Seine Familie praktiziert, wie fast alle Vietnamesen, den Ahnenkult. Wir grüßen die Ahnen mit Räucherstäbchen. Der Schrein wird immer an den ältesten Sohn übertragen. Alle anderen Familienmitglieder müssen zu dessen Haus, um die Ahnen zu ehren. Mittag gibt es zu Hause, heute Hühnchen, das sie geschlachtet haben. Gegen 13 Uhr wird Mittagsschlaf gemacht, jeden Tag. Warum auch nicht? Ich schlafe auf dem Boden des Klassenzimmers. Ist okay. Er ist sehr stolz auf seine Teezubereitung. Grüner Tee ist nicht ganz mein Fall. Am Abend besuchen wir einen früheren Lehrer von Khanh, seine Klassenkameraden sind auch da, wegen des Feiertags. Gegessen wird auf dem Boden, es gibt Hot Pot. Authentischer wird es nicht mehr. Meeresfrüchte, Fleisch, Gemüse, Tofu, Nudeln. Ich habe vieles probiert, die legen mir auch immer wieder was hin, um mich zu testen. Angebrütetes Ei und sowas fasse ich nicht an. Dazu gibt es Bier und Reisschnaps, der haut rein. Jeder will mit mir trinken, so dass die Stimmung schnell steigt. Ich muss sie bremsen. Wenn man anstößt, dann stößt die Person, die jünger ist oder in der Hierarchie niedriger steht, unten an. Da ich älter bin als Khanhs Klassenkameraden, stoßen alle niedriger mit mir an. Außer beim alten Lehrer, da mache ich das. Ich habe erzählt, dass ich an der Uni unterrichtet habe und gelte nun auch als Lehrer. Später geht es in eine Karaokebar, ein abgeschirmter metallischer Raum und unendlich laut. Ich performe 99 Luftballons und Du hasst von Rammstein. Die sind so nett, auch wenn wir uns nicht unterhalten können. Wilde Erfahrung, aber ich verstehe, warum das hier so beliebt ist. Keine Fotos!

Mittwoch, 19.11.2025. Ich lächele den Kater weg. Zum Frühstück gibt es wieder etwas Lokales. Khanh kennt jeden hier, da viele seine Schüler sind. Die Frau im Imbiss schenkt mir eine Kokosnuss, da ich am Montag mit ihrem Sohn Englisch geübt habe. Khanh erzählt von den begeisterten Reaktionen der Eltern und Kinder. Wir fahren wieder zu viert in die nächste Stadt zum Einkaufen. Ich konnte nicht herausfinden, warum die Cousine bei denen lebt. Mit ihr geht es auf einen Markt und wir essen süße, kalte Suppe. Wir besuchen einen weiteren Lehrer von Khanh, um Geschenke zu übergeben. Im Laufe des Tages kommen immer wieder Eltern und Kinder in seine Schule und übergeben Geschenke und quatschen. Ich bekomme zum Abschied auch ein Geschenk zum Lehrertag und reichlich Essen für die Fahrt (Bun Dumplings), auch meine Wäsche haben sie gewaschen. Ich schenke ihnen eine Melone und mein UNO-Spiel. Am Abend bringt mich der Nachbar gegen einen Obolus zum Nachtbus und wartet geduldig mit mir. Sonst wäre ich verloren. Im Bus sind nur Vietnamesen und der ist randvoll mit Gepäck. Ich habe eine Dreierkabine mit einem jungen Vietnamesen und er teilt sein Essen mit mir. So erholsam sind die Fahrten nicht. Und wenig trinken, denn es gibt nur alle 2 Stunden eine Pause. Beste Erfahrung bisher auf der Reise. Besser wird es nicht mehr.

Thema Wetter: Es ist bedeckt und ab und an gibt es etwas Regen. Abends setzt Dauerregen ein. Khanh meinte, der Monsun kommt. Sehr ungewöhnlich in der Trockenzeit. Wie man an der Kleidung sehen kann, sind die Temperaturen stark gefallen. Richtig kalt geworden. Wettervorhersage ist auch viel Regen. Ich konnte meinen Wortschatz deutlich erweitern auf 7 Worte. Neu: một, hai, ba (1, 2, 3 siehe auch Trinkspruch), tạm biệt (Tschüss) und Đức (Deutschland).

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