Hanoi 2025
Willkommen zurück zu meinem kleinen Reisetagebuch. Die zweite Reise nach Vietnam, 5 Wochen mit dem groben Plan, von Hanoi nach Saigon zu reisen (1600 km). Abenteuerlich wird es...

Veröffentlicht: 12.11.2025



































Nach dem Frühstück soll es um 9 Uhr soll es losgehen. Eigentlich sind sie gut organisiert, aber es fehlen einheimische Fahrer und der Start verzögert sich. Von meinem 110 ccm Motorrad bin ich wenig begeistert. Hupe geht nicht, Licht geht nicht, Bremslicht immerhin geht. Es ist ein halbautomatisches Motorrad, bisschen komisch. Insgesamt hat es 4 Gänge, der Erste wird nicht genutzt. Ich soll bergauf einen niedrigen Gang verwenden wegen der Leistung, bergab das gleiche wegen der Motorbremse. Jeden Morgen geht es zum gemeinschaftlichen Tanken. Zu Beginn habe ich ein bisschen Probleme, mitzuhalten. Ich kenne die Maschine nicht und auch die Strecke nicht, und die anderen haben stärkere Maschinen. Nach dem ersten Tag bin ich drin, hab den Dreh raus, wann ich wann schalten muss und wie ich die Kurven zu nehmen habe. Ich bin der einzige aus unserer Truppe von 15 Motorrädern, der selber fährt (und Rückspiegel hat). Alle anderen haben einen einheimischen Fahrer (die bekommen 10 € am Tag). Die Gänge muss man richtig reintreten und quasi immer Vollgas fahren
Wir fahren bergauf und dann bergab, immer und immer wieder, nur Serpentinen. Für wahre Motorradfans ein Traum. Sind auch viele Touris mit ihren Maschinen auf eigener Achse unterwegs. Circa jede Stunde wird an einem Aussichtspunkt gehalten. Die Fahrer rauchen ihre Tabak Bong und es werden Fotos gemacht. Einmal halten wir an einem Ort, wo gezeigt wird, wie man traditionell Stoffe aus Hanf herstellt. Man zieht die Haut ab, trocknet sie, drischt sie, dann werden sie verknotet und gesponnen. Ganz schön aufwendig und in Frauenhand, die Preise sind viel zu niedrig für die Arbeit. Dort sitzt auch eine sehr alte Frau mit deformierten Händen, die trotzdem in aller Ruhe die Stoffe bemalt. Ich grusel mich vor ihr. Abends sind wir in einer großen Unterkunft. Ich hatte Zeit, auf dem lokalen Markt T-Shirts zu kaufen, war nötig. Alle Mahlzeiten sind üppig und sehr gut, es werden viele verschiedene Gerichte in der Mitte des Tischs serviert und jeder nimmt sich mit seinen Stäbchen. Dazu gibt es happy water (Reiswein) nach einem Trinkspruch, der geht BOI HA MI oder so. Mit einem Korsen trinke ich das Zeug wie Wasser, relativ schwach. Die Fahrer spielen die ganze Zeit Billard. Später gibt es Karaoke, alle tauen auf, sogar ein paar Vietnamesen. Macht echt Spaß, die Spanier bringen alle zum Tanzen mit Despacito, Macarena und Co.
Zweiter Tag, das gleiche Spiel. Berg hoch, Berg runter, Pause. Kinder winken uns zu, tolle Landschaft. Wir fahren am Tag irgendwas zwischen 150 und 200 km. Wetter ist alle drei Tage top, kein Regen und sogar so viel Sonne, dass ich einen Sonnenbrand bekomme. Erste größere Station ist der größte Flaggenmast in Indochina an der Grenze zu China. Viele Stufen, gute Aussicht. Highlight heute war eine Bootstour auf einem Bergsee. Meine Truppe ist lustig, viele Deutschsprachige sind dabei. Eine Rentnerin aus der Schweiz/Neuseeland hat viel zu viel Energie, sie hält alle auf Trab. Ihre Tochter ist manchmal peinlich berührt. Auch eine FAZ Journalistin ist dabei. Es kommt auch immer wieder vor, dass auf der Strecke Erdrutsche zu sehen sind, die werden umfahren. Schwierig sind Baustellen, da wird die ganze Straße blockiert und nur alle 30 min geöffnet. Ein riesiger Block an Motorrädern startet gleichzeitig, keine Ordnung. Das sind die stressigsten Momente, häufig wird man angestupst. Und ein paar Ziegen waren auf der Strecke bockig. Gut, die Räder haben eh alle schon Schrammen.
Tag drei der Tour. Man merkt, dass die Fahrer zurückwollen. Es wird nur noch gefahren und Pause gemacht. Die Fahrer sind auch ruhiger geworden und rauchen nur noch ihre Bong. Hätten ein bisschen mehr über die Gegend und die Geschichte erzählen können. Kurz nach dem Start sind wir an einem Unfall vorbeigefahren. Ein Touri ist mit seinem Motorrad eine Klippe heruntergestürzt. Ich denke, dem geht es gar nicht gut. Wir sind gegen 16 Uhr zurück und können noch duschen und essen. Die Tour hat sich wirklich gelohnt, nächstes Mal besser mit Fahrer. Beim Selberfahren kann man die Landschaft nicht wirklich genießen, volle Konzentration. Ein junges vietnamesisches Mädchen taucht im Hostel auf und möchte Englisch üben. Da bin ich doch dabei, sie war schon wirklich gut. 43 Klassenkameraden und die üblichen Probleme von Teenagern sind Thema. Kurz bevor es losgeht, werde ich Teil der Fake Review Methoden. Für eine gute Bewertung gab es ein gratis T-Shirt. Ja, her damit! Mit dem Bus geht es nach Sa Pa, kommen gegen 2 Uhr an und der Ort ist leer. Mein treuer Begleiter, der Regen, ist wieder da.
Samstag. Sa Pa ist ein Bergstädtchen mit kolonialem Flair, Marketingspruch: "City in the Fog". Wie passend, nur Regen. Was machen? Bisschen herumlaufen, Wäsche waschen lassen (40000 Dong pro Kilo) und Tagebuch schreiben. Abends hat mich der Hunger rausgetrieben. Bin mal in so einen Massagesalon gegangen, hab mich für ein Kräuterbad entschieden, war okay. Gibt eine Steinkirche und ein altes koloniales Gebäude, welches heute eine Bergbahnstation beinhaltet. Das erste Mal in Vietnam sehe ich bettelnde Kinder, und gleich die krasseste Art. Ein Junge, vielleicht 2 Jahre, hält einen Säugling im Arm und sitzt im Regen. Das ist hart zu ertragen. Der Staat will das nicht, auch wegen eines schlechten Images, hier wird es wohl für die Indigenen toleriert. Es muss sich für die Eltern lohnen, sonst gäbe es das nicht. Leider gibt es genug, die offenbar Geld geben, und das damit am Leben halten. Ich kaufe nichts von Kindern und gebe nichts, um Kinderarbeit nicht zu fördern. Wenn die im Hostel oder Restaurant der Eltern helfen, kein Problem.
Am Abend gab es eine gut produzierte Show auf dem Main Plaza. Laser, Nebel, Projektionen, Tänze, Musik. Und es hat nichts gekostet, weil man durch den Regen nicht alles perfekt hinbekommen hat. Dafür wurde sich mehrfach entschuldigt und die, die ein Ticket gekauft hatten, haben ihr Geld zurückbekommen. Es gibt 5 Stämme in Sa Pa, jeder hat einen Tanz vorgeführt. Bin ja nicht so ein Freund von Ethnokultur, hab mir aber 3 Tänze angeschaut. Der erste war klar ein Werbungstanz. Beim zweiten wurde Wissen über Landwirtschaft weitergegeben. Samstags gibt es auch den Love Market. Junge Menschen von den umliegenden Bergdörfern kommen nach Sa Pa, um Partner zu finden, durch Tanz und Musik. Interessant, was sich für Traditionen entwickeln und wie man unbewusst merkte, dass man den Genpool in den Dörfern frischhalten muss. Aber diesen Samstag war keiner, vielleicht wegen der Show.
Sonntag, ich überlege, abzureisen, aber gebe Sa Pa noch eine Chance. Immerhin ist es nur nebelig, eine Verbesserung. Bánh mì zum Frühstück und dann geht es auf den höchsten Berg Indochinas mit 3143 Metern. Der nette Hostelchef hat mir Tickets gebucht. Zuerst geht es mit einer Kettenbahn etwas nach oben. Dort gibt es im Sommer einen Blumenteppich. Und es gibt ein künstliches Dorf, in dem alle 5 Stämme ein Haus nach ihrer Art aufgebaut haben. Es gibt Tänze für Touris und Souvenirs und sie spielen ein "Ball durch den Ring" Spiel mit uns. Alles ganz niedlich gemacht. Dann geht es mit der österreichischen Seilbahn über eine Schlucht nach oben auf 2900 Meter. Eine dritte Bahn fährt bis ganz hoch, ich nehme den Fußweg, der durch einen großen buddhistischen Tempel führt. Der ist schon beeindruckender. Natürlich gibt es auf einem großen Berg ein Kloster. Und klar, Sie haben den größten Bronzebuddha in irgendeiner Kategorie. Viel Wind, geringe Sichtweite. Ganz schön anstrengend, die 200 Höhenmeter. Oben machen alle Fotos. Aha, noch einmal der größte Flaggenmast an der Grenze zu China. In den 70ern hat China überraschend Vietnam überfallen. Seither gibt es ein Misstrauen und man markiert gerne, wer das Sagen hat. Runter war weniger Nebel und man konnte aus der Seilbahn die Reisterrassen sehen.
Ich treff mich mit einem Amerikaner vietnamesischer Herkunft in einem Hmong-Restaurant (einer der Stämme). Schmeckt interessant. Michael ist gesprächig und hat einen interessanten Blick auf die USA bezüglich Rassismus gegen Asiaten und andere. Er war 4 Jahre Soldat und sieht die Kriege der USA sehr kritisch. Abends wollten wir auf den Nachtmarkt, aber sein Bus wurde gestrichen und er musste was Neues organisieren. Der Nachtmarkt war eher nach meinem Geschmack, viel Essen, wenig anderer Kram. Abends buche ich ein Busticket nach Hanoi. Man hätte hier vieles machen können. Wandern, Radfahren, Motorradtouren zu den Dörfern und Märkten. Aber alles Matsch und die Vorhersagen sind schlecht. Die Sachen kann ich auch woanders machen. Indigene, Berge und Reisfelder gibt es überall.
Montag, 10. November, Regen wie vorhergesagt. Die Busse fahren immer zu unpassenden Zeiten, nie mal von 22 bis 06 Uhr. Ich stehe in meinem Urlaub früher auf als sonst. Der Bus ist komisch, alles rosa und mit Herzen dekoriert und nur Doppelkabinen. Die grüne, bergige Landschaft zieht vorbei, beruhigend. Wir kommen erst gegen 15 Uhr in Hanoi an. Ich hätte auch direkt weiterfahren können, aber ist mir zu stressig. Außerdem muss ich noch Dinge erledigen, die man auf dem Land nicht so einfach hinbekommt. Hygieneartikel kaufen, 11 Mio. Dong besorgen, Sonnenschutz kaufen, Hostel suchen, Bus buchen. Es ist ein 3 € Hostel, da kann ich mich nicht beschweren. Es gibt einen Aufenthaltsbereich, hat nicht jedes Hostel. Ich geselle mich zu einer bunten Truppe Reisender, viele lustige Reisegeschichten und am Ende ist da das Thema ungewöhnliches Essen. Mit Elefant und Rinderhoden war ich eher Mittelfeld. Gewonnen hat der Filipino, mit Abstand. Das erzähle ich lieber nicht.
Mit dem Geld klappt diesmal alles, meine 2 Visa-Kreditkarten funktionieren, die Maestro will keiner. Und ich habe zur Not 1000 € Bargeld mit. Am Automaten ist das Limit 5 Mio., was nicht so viel ist. VPBank hat keine Gebühren, andere auch gerne bis zu 5 %. Beim Geldwechseln bekommt man in Hanoi den Tageskurs, wenn man am richtigen Ort wechselt (1 Euro = 30400 Dong). In den kleinen Orten nur 29000 Dong. Ich kann nur zwei Worte Vietnamesisch: Xin chào und cảm ơn, Hallo und Danke. Das reicht schon. Ab und an bekomme ich was Kleines geschenkt, zum Beispiel eine Süßigkeit. Sie freuen sich wirklich, Respekt lohnt sich. Morgen geht es nach Mai Chau ins ländliche Vietnam, bin gespannt.