Abenteuer Otervika Beach (Bleik)
Die Norweger haben wirklich so ein Ding mit besonderen Toiletten entlang ihrer Touristenwege… Auf dem Weg nach Bleik begegnet uns eine wirklich schon architektonisch...


Veröffentlicht: 07.08.2022


























Die Fähre legt am Abend des 20.7.22 in Gryllefjord auf der Insel Senja in Nord-Norwegen an. Ein paar Minuten später kommen wir auf dem kleinen modernen Campingplatz „Senja by heart“ an, bei dem wir umsonst waschen und den Trockner benutzen können. Das erste Mal seit langem sitzen wir abends länger draußen, weil es zunächst noch trocken bleibt - wie schön!
Unsere erste Wanderung am 21.7.22 führt uns auf den Sukkertoppen. Aber wir brauchen einige Zeit um uns zum losgehen zu überreden, denn es regnet wieder einmal und der Gipfel hängt in dichten Wolken… Wir schlendern kurz durch das kleine Dorf Hamn, das überwiegend aus einem Resort besteht, aber dennoch sehr schön ist. Dann geht es los und siehe da, der Sukkertoppen (übersetzt Zuckerhut/Zuckerspitze) macht seinem Namen alle Ehre und ist ein wahres Blueberry-Paradise! Überall entlang der ersten Etappe dieser Wanderung gibt es herrliche Blaubeeren - das fängt schon mal fantastisch an :) Am ersten Aussichtspunkt hat man schon eine schöne Aussicht über Hamn. Aber es geht noch besser: wir steigen ein Stück weiter hoch um eine Vesper-Pause zu machen und freuen uns über die erneut klare und grandiose Sicht. Ab hier geht es hauptsächlich felsig und baumlos weiter (und durch den obligatorischen Matsch). Uns kommen schon Wanderer entgegen, die vor dem Gipfel umdrehten, weil es zu steil und rutschig an einer Stahlkette entlang geht. Wir überlegen kurz, denken dann aber, dass wir inzwischen schon so einiges gesehen haben und gelaufen sind und uns das hier auch nicht mehr umhaut. Der Weg nach oben ist noch okay, wobei es immer steil am Abgrund entlang geht. Erneut haben wir Glück auf dem Gipfel und die Nebelwolken haben sich verzogen, um uns die verdiente Aussicht zu liefern und die ist der Wahnsinn! Wir küren diese Wanderung innerlich zur schönsten unseres ganzen Norwegen-Trips. Der Weg bergab ist wirklich nichts für Leute mit Höhenangst und uns an der lockeren Stahlkette ohne weitere Absicherung und bei Nässe den kurzen Weg abzuseilen stellt uns vor eine kleine Herausforderung, aber auch diese ist schnell geschafft. Innerhalb von Minuten sind wir wieder von Wolken und Nebel umhüllt und sehen nur ca. 10 Meter weit. Der restliche Rückweg ist deutlich angenehmer, als alles was wir die vorigen Wochen hinter uns gebracht haben, und wir nehmen uns am Ende Zeit so viele Blaubeeren zu sammeln, wie wir tragen können ;)
Für die Nacht fahren wir weiter über den Viewpoint am Bergsbotn bis zum Ersfjord, wo ein weiteres Klo der besonderen Art steht: ganz in Gold (aber leider nur von außen). An dieser Stelle haben sich viele Camper versammelt, denn die weitere Strecke ist wegen Bauarbeiten gesperrt und man muss den ganzen Weg um drei Viertel der Insel wieder zurück fahren um auf die nächste Landzunge zu kommen. Also legen auch wir erst einmal eine Pause mit Übernachtung ein.
Am Morgen des 21.7.22 kann es dann erholt weiter gehen. Wir nehmen jetzt auch den Viewpoint Tungeneset mit schönem Blick auf die Berge mit, der gestern noch im Nebel lag. Uns steht noch eine der schönsten und klassischsten Wanderungen für das ultimative Senja-Bild bevor, nämlich auf zwei steile Bergklippen, die in direkter Nachbarschaft zu einander stehen: der Segla und der Hesten. Der Parkplatz in Fjordgard ist der gleiche und der Beginn der Wanderung ebenfalls. Wir entscheiden uns nach links zum Segla zu gehen. Als super sportliche und erfahrene Wanderer sind wir diesmal sehr gut in der Zeit und am Heia-Plateau zeigt es uns noch 800m bis zum Segla an. Wir blicken den Steinhaufen hinauf und denken: easy! Mit unserer gesammelten Erfahrung ist es wohl doch nicht so weit her, denn der Aufstieg ist ein Kampf und der Wind ist so stark, dass wir uns manchmal ducken müssen um nicht von ihm erfasst zu werden… Trotzdem ist das Panorama in alle Richtungen ein absoluter Traum! Oben angekommen halten wir Ausschau nach der berühmten Ansicht des Hesten… und bemerken schließlich, dass wir offenbar auf dem falschen Berg stehen… Was wir eigentlich sehen wollten ist der Blick vom Hesten auf den Segla und nicht anders herum. Naja, egal. Die steil abfallende Felswand des Segla ist schon sehr beeindruckend, wenn man sich über die Kante beugt und unter einem nur noch das türkisfarbene Wasser des Fjords sieht. Wir nutzen eine kurze Wind-Pause um die Drohne fliegen zu lassen, essen einen Snack und machen uns dann auf den Rückweg. Kurz überlegen wir uns an der Abzweigung nochmal auf den Hesten zu laufen, aber langsam ist es spät geworden und wir entscheiden uns lieber ein paar Kilometer mit dem Auto gen Süden gut zu machen.
In der Nähe von Finnsnes suchen wir uns einen Platz für die Nacht und machen Blaubeerpfannkuchen aus den gestern gesammelten Beeren - einfach himmlisch! Ein perfekter Abschluss für unseren Norwegen-Trip, denn morgen geht es über Narvik nach Schweden.
