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Regen

Seit Tagen ist das Wetter sehr durchwachsen, heiter bis wolkig, meistens trocken, aber hin und wieder kommt auch mal ein heftiger Regenguss herunter. Der Vorteil davon ist   dass es nicht so heiß ist, dafür aber sehr schwül. Der Nachteil, es wird sehr unbeständig, man kann schlecht planen, grössere Touren müssen sowieso verschoben werden, es bleiben nur wenige kurze und meist auch spontane Aktionen. 

Oder man bleibt wo man ist,  liest ein Buch, schaut sich im Internet um oder man schreibt einen Blog ..... wenn man nicht gerade im Café oder Restaurant sitzt. Denn auch da kann man einiges erleben, indem man einfach nur beobachtet und das Leben vor sich vorüberziehen lässt. 

Da ist zum Beispiel die kleine etwa 3 jährige Tochter der Betreiber, die stolz und trotzig durch den Laden schreitet, in dem ich bevorzugt frühstücke, weil ich hier eine Kanne voll Tee bekomme. Je nachdem wie sie drauf ist,  wird man angelächelt oder bestenfalls ignoriert. Wenn sie schlecht drauf ist, kann sie auch richtig böse gucken und schmollt einen an. Inzwischen bekommen wir aber meistens ein Lächeln. Manchmal kommt sie auch zu uns und schaut was wir interessantes zu bieten haben. So hat es ihr anscheinend meine kleine zusammenfaltbare Reiselesebrille und das dazugehörige silberne Etui angetan, das sie alles neugierig und intensiv untersucht hat. Eine Weile war sie damit beschäftigt und ich fragte mich schon, ob ich die Brille jemals wieder unbeschädigt zurück bekommen würde, aber meine Sorge war völlig unberechtigt. Nach gründlicher Untersuchung gab sie mir das glitzernde Ding zurück. Ebenso konzentriert schaute sie sich einen Clip aus der Sendung mit der Maus an, den Darshi ihr auf seinem Tablett gezeigt hat, nur um sich dann wieder anderen interessanteren Dingen zu widmen. 

Mit größter Begeisterung fährt sie allerdings auf dem Scooter ihrer Mutter mit. Da steigt sie auf das Trittbrett vor der Sitzbank und hält sich an den beiden Haltern der Rückspiegel fest, gerade gross genug um über das Lenkrad zu schauen. 

Auch die SportAsse im Gym gegenüber bieten immer einiges an Unterhaltung. Man kommt locker mit dem Scooter angerauscht, natürlich mit Sonnenbrille und wireless Kopfhörer. Es dürfte kaum jemand ohne den Knopf im Ohr dort herum laufen, Gewichte heben, rudern oder boxen. Laufen tut man natürlich in den fetten Laufschuhen, aber wenn es wieder auf den Scooter geht, trägt kaum jemand die heiligen Schuhe, die werden für drinnen geschont. Ausserdem sind Schuhe was für Weicheier. Wer was auf sich hält, trotzt den kleinen Steinchen auf dem Asphalt und läuft barfuß. 

Jeden Tag hält eine mobile Küche auf 3 Rädern vor dem Obststand nebenan, ein Moped mit einer angebauten Ladefläche, einer Art umgebauten Beiwagen. Diese Dreiräder sieht man hier sehr oft. Sie dienen als Transporter für Güter aller Art,  Familienkutsche oder eben als mobiler Shop oder Schnellimbiss. Lapis, einer der Griechen im Resort in Mae Haad, schwört auf die Gemüsesuppe, die dort unter anderem angeboten werden. Was sich allerdings die Gemüsehändlerin von nebenan in ihren Teller schaufeln lässt, ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack, schon gar nicht so früh am morgen. Ich bin mir sicher einen Hühnerfuss in der braunen Brühe entdeckt zu haben, von dem anderen undefinierbaren Zeug ganz zu schweigen. 

Gestern hielt wieder einer dieser dreirädrigen und überdachten multifunktionalen Gefährte vor unserem Frühstücksbeobachtungspunkt und belieferte das gegenüber liegende Café mit leeren Kisten. Allerdings hatte es gerade heftigst angefangen zu regen, was den deutlich übergewichtigen Mann allerdings nicht davon abhielt,  seinen Auftrag zu erledigen. Seelenruhig stampfte er in seinen völlig unterschiedlichen Crocks durch die Pfützen. Als sein T-shirt schon vom Regen völlig durchnässt war, zog er es aus, wobei sein gewaltiger Bauch über den Hosenbund schwappte und trapierte es liebevoll über seinem Hund,  den er auf seinem Beiwagen festgebunden hatte. Es sollte den Hund wohl vor dem Regen schützen,  aber ob diesem das wohl so gut gefiel, wage ich zu bezweifeln. Pitschnass und unbeeindruckt vom Regen oder meinen Gedanken setzte der Mann sich wieder auf sein Gefährt,  das mickrig unter dem gewaltigen Körper wirkte. Dabei rutschte ihm die Dreiviertelhose fast über den Allerwertesten, der ihm mächtig aus der Hose quoll und in einen stark behaarten Rücken mündete. Auf jeden Fall aber schien er sich um seinen wirklich schönen Hund zu sorgen, der alles, egal ob Regen oder nasses T-shirt, unbeeindruckt über sich ergehen ließ. 

Ein weiterer Regentag, und das wird sich wohl auch erst mal nicht ändern. Zum Glück sind die wichtigsten Bedürfnisse alle in nächster Nähe zu befriedigen. Restaurant und Café befinden sich alle in unmittelbarer Nachbarschaft und das Meer sowieso, falls man mal zwischen 2 Schauern schnell ins Wasser springen will. Wir haben heute sogar unseren ersten Strandtag erlebt, sonst ist es uns zu heiss, vor allem da die wenigen Schattenplätze meistens vergeben sind. Heute hingegen war der Strand völlig leer, sogar Liegestühle waren unbesetzt und Schatten war nicht nötig,  weil der Himmel voller dunkler Wolken hing. So kam es, dass wir es uns statt in der Hängematte vor der Hütte, am Strand gemütlich gemacht haben,  samt Espresso bzw Bierchen für Darshi.

Die Farben des Meeres wechselten permanent, ebenso der Himmel, da die Wolken sich schnell bewegten.

Von Koh Samui zog ein Unwetter herauf, wir konnten den undurchdringlichen Regenvorhang sehen, der sich vor die Insel schob und diese dahinter verschwinden ließ. Im weiteren Verlauf bildete diese Regenfront sogar zeitweise eine voll ausgeprägte Windhose auf dem offenen Meer. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Gespannt verfolgten wir den Weg des Twisters, der sich nach circa 10 Minuten wieder auflöste. Statt dessen fing es jetzt aber auch bei uns an, kräftig zu regnen, weshalb wir letztendlich unseren Strandtag abrupt beenden mussten.

So langsam nimmt das alles monsunartige Verhältnisse an. Alles wird matschig,  schlammig. Die Pfützen trocknen nicht aus und auf der Straße bilden sich kleine Seenlandschaften, die den Verkehr behindern und das Laufen zu einem riskanten Unterfangen machen. Entweder man droht von den hindurchfahrenden Autos nassgespritzt zu werden oder bei dem Versuch, die Seen zu umlaufen gar verletzt zu werden. Deshalb nehmen wir gerade selbst für kürzeste Strecken den Scooter. 

Trotzdem findet das Auge auch unter diesen Umständen manchmal etwas auffälliges oder skurriles. Wie zum Beispiel die Fußspuren in der Strassenoberfläche, die wohl jemand hinterlassen hat, bevor sich der Beton verfestigt hatte. Und weil ihm dabei sein Hund gefolgt ist, haben sich dessen Pfotenabdrücke ebenfalls verewigt.

#koh pangan #sritanu#thailand
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