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Ich hatte von mehreren Personen von einem sagenhaften Ort hier auf Koh Pangan gehört, einem Strand und Resort an der Ostküste gelegen, das man nur per Boot von Haad Rin aus erreichen könnte. Es sollte sich dabei um eine Art Wellnesshotel mit esoterischem bzw spirituellem Ansatz handeln, wo man nicht nur Yoga und Meditation betrieb, sondern wo man auch Entgiftungskuren und diverse alternative Heilmethoden praktizieren konnte. Allgemein war es unter dem Namen The Sanctuary, dem Heilgtum, bekannt.

Ich machte mich also auf nach Haad Rin, wo ich auch gleich die Taxiboote fand. Man hatte einen einfachen Tisch mitten auf den Strand gestellt,  an dem eine Frau Tickets verkaufte. Es herrschte reger Andrang. Gerade kämpfte sich ein Boot mit 8-10 Passagieren an Bord durch die Brandung ins offene Meer, und schon standen die nächsten Interessenten bereit.

Die Bootseigentümer hatten sich zusammen geschlossen und betrieben ein florierendes Unternehmen, mit dem sie sich eine goldene Nase verdienten, denn die einfache Passage kostete 300,- bath, gut 8,- €, was nach Adam Riese hin und zurück 16,-€ machte. Ich war im ersten Moment geschockt ob des teuren Preises und musste mir erst mal überlegen,  ob ich dafür wirklich so viel Geld ausgeben wollte. Eigentlich war mir das zu teuer, zumal ich nicht wusste, ob man in diesem Sanctuary nicht auch noch Eintritt oder eine Art Tagespauschale zahlen musste. Von einem ebenfalls wartenden Pärchen erfuhr ich aber, dass dies nicht der Fall war und dass es wunderschön sei und es sich auf alle Fälle lohnen würde. Sie würden jetzt bereits das zweite Mal rüberfahren, wussten also wovon sie sprachen. Diese Information brachte mich dann dazu, die 300 bath auf den Tisch zu blättern und in das nächste Boot zu steigen.

In Haad Rin,  wie generell an der Ostküste und anders als an der Westküste, gab es richtige Wellen, die kräftig gegen den Bug des Bootes klatschten und es immer wieder heftig in die Höhe schoben. Das war kein sanftes Schaukeln,  das war echter Wellengang. Aber für den erfahrenen Bootsführer war das natürlich kein Problem. Er manövrierte gekonnt durch die Wellen, in dem er sehr dosiert Gas gab oder dieses auch schon mal ganz wegnahm. Der Gashebel war nichts anderes als ein um seinen Zeigefinger gelegte dünner Strick, den er durch kurze Bewegungen mehr oder weniger spannte. Motor, Schraube und Steuerung bestanden aus einer kompletten Einheit. Gesteuert wurde das Boot über eine lange Stange, in deren Mitte sich der offene, schwere Motor befand und an deren anderen Ende sich die Schraube drehte. Gelenkt wurde das Ungetüm indem man die Stange entweder mehr nach links oder rechts bewegte. Ausserdem konnte man die Geschwindigkeit reduzieren,  in dem man die Stange nach unten drückte und somit die Schraube am anderen Ende aus dem Wasser hob. Der offene Motor machte einen höllischen Lärm und die Schraube spritzte das Wasser in großen weißen Fontänen auf und wir fegten in Highspeed übers Wasser, das nur so an uns vorbei rauschte. Wir passierten einen kleinen Strand,  an dem eine einzige verlassene Hütte stand - der wäre genau richtig für mich. Weiter ging die Höllenfahrt, um eine Landzunge herum öffnete sich der Blick auf die nächste Bucht, wo sich schon aus der Ferne diverse Bungalows ausmachen ließen. Zum Teil waren sie kunstvoll auf Felsen entlang der Küstenlinie gebaut, zu denen ein waghalsiger, aus Ästen gebauter, Holzsteg führte. Andere Hütten verteilten sich locker unter schattigen Palmen und Bäumen versteckt über den ganzen Hang. Wir näherten uns der Küste und unser der Bootsführer drosselte die Geschwindigkeit bis wir fast keine Fahrt mehr machten. Offensichtlich wartete er auf die richtige Welle,  die uns an den Strand tragen sollte. Im Bug des Bootes sass ein zweiter Mann, der konzentriert das Meer beobachtete und auf  ein Zeichen von ihm bretterte der Bootsführer plötzlich los in Richtung Strand. Kurz vorher nahm er die Geschwindigkeit heraus und riss dabei die Stange seitwärts so dass sich das Boot drehte und nun rückwärts von den Wellen an den Strand gespült wurde. Jetzt sollte alles sehr schnell gehen und die beiden trieben uns laut rufend fast vom Boot. 

Ich trat an den Rand,  von Rehling oder irgendeinem Haltegriff keine Spur und sprang in den Sand, geschafft. Sobald auch die anderen Passagiere das Boot verlassen hatten, brechte der Kapitän auch schon wieder durch die nächste Welle aufs offene Meer hinaus. 

Ich schaute mich um. Ich befand mich an einem circa 300 - 400 Meter langem groben Sandstrand direkt vor einem großen Resort mit Swimmingpool. Das Wasser im Pool schimmerte dunkelblau. Alles lag zum Teil in tiefem Schatten, was natürlich den Vorteil bietet, dass es nicht so heiß wird,  andererseits aber wirkt alles gleich ein bisschen düster. Dieser Eindruck wurde noch dadurch bestärkt, dass der Ort scheinbar nicht in Betrieb war. Er war zwar nicht direkt vergammelt oder vernachlässigt, auch wenn man an manchen Ecken den Eindruck haben konnte, aber er wurde zumindest auch nicht sehr gepflegt. Dazu kam noch der etwas dreckig und dunkel wirkende gelbe Anstrich der steinernen, zum grössten Teil  aus Beton errichteten Gebäude. In den Boden eingelassen waren kleine Formen von Frangipaniblüten. Aber insgesamt machte das Resort eher einen verlassenen Eindruck. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass dies der Platz war, von dem mir so viele Leute vorgeschwärmt hatten. Auf der anderen Seite wiederum deuteten die Beschriftungen auf diversen Gebäuden genau darauf hin. So sah ich zB einen Massagebungalow oder sogar ein Meditationsrondell, beide mit exotischen Namen,  an die ich mich aber nicht mehr erinnere. Schließlich fand ich die Rezeption und 2 Angstellte Thai, die aber gerade dabei waren die Rezeption zu verlassen. Von ihnen erfuhr ich, dass das Resort geöffnet war, ich also einen Bungalow mieten könne, dass aber sämtliche Wellnessangebote bzw Meditationen zur Zeit nicht erhältlich seien, Covid lässt grüßen. Die Aufschrift "Pariya" auf ihren Dienstshirts klang zwar exotisch schien mir aber trotzdem nichts mit The Sanctuary zu tun zu haben. Ich wurde zwar kurz etwas stutzig,  das alles schien überhaupt nicht mit meinen Informationen und Vorstellungen zusammenzupassen, fragte aber nicht weiter. Das hier musste "The Sanctuary" sein.

Etwas enttäuscht liess ich die beiden ziehen und begab mich weiter auf Erkundungstour, wozu ich mir ausdrücklich die Erlaubnis der beiden Angestellten eingeholt hatte. Ich stieg also die steilen Betonstufen zu einem der großen Bungalows hinauf, der zum großen Teil auf Betonpfeilern ruhte. Der Bungalow war riesig und erhob sich mächtig hoch bis in die Kronen der dichten Bäume und Palmen, die zwar viel Schatten spendeten, aber gleichzeitig den Blick aufs Meer total versperrten. Ich schaute nur kurz durch die verschlossenen Fenster in den Innenraum, der sehr stylisch eingerichtet und auch total gepflegt war, aber auf Grund des Schattens auch sehr dunkel. Um die ganze Front des Bungalows erstreckte sich eine großzügige Steinveranda, die in einem eingelassenen Jacuzzi endete, in dem sich aber kein Tropfen Wasser befand. Mir war das alles zu kalt und zu dunkel. Wieder überkam mich das Gefühl von Zweifeln am richtigen Ort zu sein. 

Ich stieg die Treppe wieder hinunter Richtung Pool,  wo sich jetzt eine Gruppe junger Israelis eingefunden hatte, und daran machte Party zu feiern. Dazu hatten sie große Lautsprecherboxen installiert, aus denen jetzt laute beats dröhnten. Ich verzog mich weg von dem Lärm und erspähte einen Weg ins grüne Nachbargrundstück. Dort befand ich mich plötzlich in einer völlig anderen Welt. Irgendwann konnte man hier in einfachen Hütten wohnen, die jetzt völlig kaputt vor sich hin moderten. Das Ganze glich eher einem Schrottplatz als einem Paradies, das Gegenteil war der Fall. Schnell fand ich einen Durchgang durch die wuchernde Wildnis zum Strand,  wo ich erst einmal tief Luft holte. Einen kurzen Moment nahm ich mir, um mich von den verwirrenden Eindrücken zu erholen, ehe ich mich wieder dem trotz allem schönen Strand widmete. Links von mir ruhten Felsen in  der Brandung und darüber wand sich ein einfacher, aber in seiner Schlichtheit schöner Holzsteg den Hang entlang. Wohin dieser Steg führte konnte ich nicht erkennen. Um dies zu erkunden folgte ich dem Weg einige Meter bis mir einige Leute entgegen kamen,  die ich fragte wohin der Steg führte. Ich erfuhr, dass man über diesen Weg zu einer Bar und einem weiteren Strand gelangen könnte. Das war jetzt nicht unbedingt etwas, was ich unbedingt sehen musste und beschloss, wieder zum Strand zurückzukehren, zumal mir auch wieder die Hitze zuzusetzen begann.

Am Ende des Stegs angelangt erregten zwei spielende und herumtollende junge Hundebabies meine Aufmerksamkeit. Sie wurden genau beobachtet von einer Thaifrau, die in einer alten flachen Holzhütte oberhalb des Strandes hockte und mich lächelnd zu sich hinauf einlud. Zunächst zögerte ich, die wollte mir sicher nur was verkaufen, aber letztendlich gab ich nach, ich wollte nicht unfreundlich sein. Ich stieg also ein paar abenteuerliche in den Fels geschlagene Stufen bis zu der dunklen, niedrigen Hütte hinauf, in der tatsächlich ein paar wenige Frauenklamotten hingen und ein Thresen darauf hindeutet, dass dies wohl mal eine Bar gewesen sein könnte. Ich trat ein, machte aber auch gleich klar,  dass ich nicht an Shopping interessiert war, was  ihrer Freundlichkeit aber keinen Abbruch tat. Während wir ein wenig über Belanglosigkeiten wie, woher kommst du etc plauderten, lagen die 4 puppies unter ihrer Bank zu ihren Füßen und blickten schläfrig auf den Strand und die Leute,  die unter der Hütte vorbeigezogen. Sie waren wirklich süße kleine Kerlchen, 2 ganz helle, ein total schwarzer und ein gemischt Farbiger. Ich erfuhr, dass sie beabsichtigte den Laden und die Bar demnächst wieder zu öffnen. Trotzdem wollte ich mich nicht länger aufhalten, wünschte ihr für die Wiedereröffnung viel Glück und zog weiter an den Strand. 

Ich hatte genug gesehen, wollte aber nicht ohne ein Bad in den wunderbaren Wellen nach Hause fahren. Also suchte ich mir ein schattiges Plätzchen und sprang ins Wasser,  der Brandung entgegen. Das Wasser bedeutete nicht nur Abkühlung für meinen aufgeheizten Körper,  sondern es machte auch richtig Spass, von den Wellen auf- und nieder bewegt zu werden. Das war richtiges Meer hier, nicht so ein  läppisches Plätschern wie im Westen der Insel. Ich genoss die bewegte See noch eine ganze Weile bis ich mich wieder für den Rückweg anmeldete und schließlich ins nächste Boot stieg. Diesmal war die Landung in Haad Rin nicht so einfach. Der Bootsführer fand einfach keinen freien Landungsplatz,  fuhr quer den Strand entlang und musste immer wieder die Antriebsstange aus dem Wasser heben, um nicht mit der Schraube in die vielen Ankerseile der anderen Boote zu geraten. Ganz am Ende der Bucht wurde er schließlich fündig und ich sprang aus dem Boot. Ich lief den Strand zurück in Richtung meines Scooters und bemerkte jetzt wie heruntergekommen dieser Teil von Haad Rin tatsächlich war. Alles war auf die feiernden Massen der fullmoon parties ausgelegt, die seit 2 Jahren nicht mehr ststtfinden durften. Ich weiss nicht wie es hier damals aussah, aber jetzt war der Zustand einfach nur erbärmlich. Ein verlassenes und verfallendes Gebäude neben dem anderen, Moder, Dreck und Abfälle wohin das Auge blickte. Eine fast schon apokalyptische Stimmung. Hier lud nichts mehr zum Verweilen ein und ich beeilte mich,  zu meinem Scooter zu gelangen und zurück nach Sritanu zu fahren.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich von dem ganzen Ausflug etwas enttäuscht war,  zu toll hatten die Empfehlungen vorher geklungen. Der Strand und das Meer an sich waren schön gewesen, aber jetzt nicht so besonders,  dass den hohen Bootspreis gerechtfertigt hätte. Und das Resort selbst kam noch ganzbund gar nicht an die vorherigen Versprechungen heran.

Als ich heute, zwei Tage später,  mit dem Bericht anfing und auf Google maps nach dem Namen der beach suchte, stellte ich fest, dass ich tatsächlich nicht im Sanctuary gewesen war, so wie ich es schon vermutet hatte. The Sanctuary ist noch eine Bucht weiter.....

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