7.1.2018: Der letzte fehlende Great Walk
Heute geht es weiter gen Norden in mir unbekannte Gefilde - ich freue mich schon lange darauf. Auf Empfehlung meines englischsprachigen Guidebooks steht zunächst der Charming...


Veröffentlicht: 11.01.2018









































Um drei dicht beieinander liegende Parkplätze mitten im Nichts scharren sich gleich mehrere spektakuläre Naturschönheiten Neuseelands. Doch dafür muss man bereit sein, sein Kfz etwas zu quälen, denn die 15 km lange unasphaltierte Zufahrtsstraße hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Schotter allein reicht nicht, sie muss auch noch eng, stark gewunden und einige steile Passagen beinhalten. Wie kann man die einzige Zufahrtsstraße zu DEN Attraktionen Karameas nur in einem so desolaten Zustand lassen? Campervans wird vom Befahren sogar abgeraten. Ein ums andere Mal entschuldige ich mich im Stillen, wenn ich den alten Toyota mal wieder mit Schwung die Schlaglochpiste hinaufjagen muss und dabei (natürlich!) auch noch zweimal von einem tennisballgroßen Stein am Unterboden getroffen werde. Doch nach etwa 25 Minuten ist es ausgestanden und der Parkplatz sogar schon recht gut besucht.
Ich entscheide mich zunächst für einen kurzen Spaziergang zum Mirror Tarn, einem Spiegelsee, solange die Sonne scheint und es windstill ist. Die Bäume spiegeln sich im See, dessen Ufer leider nur an einer kleinen Stelle zugänglich ist.
Dann sind die beiden Höhlen an der Reihe, deren Parkplatz noch einmal 3 km entfernt ist. Für beide braucht man eine Taschenlampe, da es stockdunkel im Inneren ist. In die erste geht es nur ein paar Meter hinein und sie ist sogar mit einem Geländer und gut ausgebautem Weg versehen. Die versprochenen Spinnen und Wetas entdecke ich beim Ableuchten der Wände zwar nicht, allerdings hab ich auch nicht akribisch danach gesucht.
Die zweite Höhle liegt gleich nebenan. Eine Treppe führt hinab in die pechschwarze Finsternis. Sie geht deutlich tiefer und ist sowohl in ihrer Breite als auch Höhe so riesig, dass eine Taschenlampe zum Ausleuchten (vor allem wenn die Kamera zum Einsatz kommt) kaum ausreicht. Leider stelle ich erst viel später fest, dass die meisten Fotos, die hier entstanden, unscharf geworden sind. Hätte ich mal das Stativ zuhilfe genommen. Die Stille lastet schwer auf dem einzelnen Besucher, sodass ich, kaum, dass das Ende erreicht ist, zügigen Schrittes wieder zum Ausgang laufe, wo das beklemmende Gefühl sich zum Glück unverzüglich in Luft auflöst. Der Autor meines Guidebooks zeigte sich von beiden Höhlen zwar wenig beeindruckt, aber ich fand sie ganz schön aufregend.
Am Parkplatz muss ich mir eine neugierige Weka-Ralle vom Hals halten, die sich wenig beeindruckt von meinen halbherzigen Verscheuchversuchen zeigt und hartnäckig versucht, an meinen Rucksack zu gelangen. Von einem Reisenden weiß ich, dass sie Meisterdiebe sind. Seinen Freunden haben sie neben Essen auch persönliche Gegenstände aus dem Zelt entwendet und ins Dickicht verschleppt.
Die Oparara Arch steht als nächstes auf meiner Liste. Auf dem Weg lege ich am Flussufer eine kurze Mittagspause ein und verputze mein karges Mahl. Aus irgendeinem Grund war ich der Meinung, dass eine mittelgroße Süßkartoffel und ein halber Brokkoli zwei Mahlzeiten ergeben würden. Naja, dank Banane und Schokoriegel bin ich dann doch noch satt geworden.
Der Felsbogen der Oparara Arch ist mit 219 m Länge, bis zu 79 m Breite und 43 m Höhe von beachtlicher Statur und damit der größte der südlichen Hemisphäre. Stalaktiten säumen einen Teil der Höhlendecke und bei Regen soll sich im Inneren sogar ein Wasserfall ergießen.
Die Moria Gate Arch, welche vom Parkplatz aus in entgegengesetzter Richtung liegt, ist mit 8 m Höhe, 46 m Länge und 28 m Breite zwar deutlich kleiner als die Oparara Arch, dadurch aber nicht minder spektakulär. Mit ihren unzähligen Stalaktiten und der geheimnisvollen Atmosphäre widme ich ihr mehr Zeit als der Oparara Arch. Es gibt sogar eine Höhle, die in das Felsmassiv hineinführt und hübsche Plätzchen für ein Picknick am Flussufer.
Auf dem Rückweg zum Auto passiere ich ein Pärchen, das gerade von einem kleinen Robin bespaßt wird, der auf die Schnürsenkel des Mannes einpickt. Robins sind bekannt für ihre unstillbare Neugier. Scharrt man etwas mit dem Schuh auf dem Boden herum, kommen sie in der Regel angehopst, um zu schauen, was man da wohl gesucht oder vergraben hat.
Als das Pärchen seiner Wege geht, widmet der Vogel seine Aufmerksamkeit mir. Zunächst versucht er auf meinem Knie zu landen, was ihm jedoch misslingt. Anschließend hüpft er auf meinen Schuh und pickt vorsichtig an mein Schienbein. Nach dem 4. Mal könnte er zwar netterweise die Stelle wechseln, aber ich lasse ihn gewähren und filme das Ganze stattdessen. Ich hätte mich noch ewig mit dem drolligen Kerlchen beschäftigen können, entscheide mich irgendwann aber doch fürs Weitergehen. Im Nachhinein dachte ich mir, wäre er vielleicht auf meine Hand geflattert, hätte ich sie ihm hingehalten, aber gute Ideen kommen einem bekannterweise erst hinterher.
Da glaubt man, die Highlights des Oparara Basin gesehen zu haben und dann hüpft einfach so ein kleiner Robin daher und versüßt einem den Tag.
Rückzu bin ich etwas entspannter, weil ich ja jetzt die Beschaffenheit der Straße kenne und die Berge langsam herunter rollen kann. Am Ende strotzt der Toyota vor Dreck, muss aber den nächsten Regenguss zum Sauberwerden abwarten. An der Main Road steht ein junger Mann, der auf eine Mitfahrgelegenheit wartet. Durch das geöffnete Beifahrerfenster gibt er mir zu verstehen, nach Karamea zu wollen. Allerdings wartet er gar nicht meine Antwort ab, ob ich überhaupt bereit bin, ihn mitzunehmen, sondern steigt einfach ein, was definitiv dreist ist und wären es nicht nur 10 km gewesen, hätte ich ihn dafür auch achtkant hinausgeworfen, aber für eine so kurze Strecke kann man ja mal Gnade walten lassen.
Wirklich schade, dass die Strände in der Region nicht sicher zum Schwimmen sind, andernfalls hätte ich mich wahrscheinlich zu meinem ersten Bad im Meer hinreißen lassen. So aber lade ich den Typen in Karamea ab, fahre in meine Unterkunft und setze mich dort in die Sonne.
Da ich abends keine Lust auf irgendwas aus meinen Vorräten habe, gönne ich mir ein Essen in der angrenzenden Taverne. Eigentlich habe ich große Lust auf Spare Ribs, doch werden diese leider nicht angeboten. Und so lande ich nach aufmerksamen Studieren der Speisekarte doch wieder beim Burger mit Pommes.
