19.12.2017: Unsere Reise ins ewige Eis
Heute verlassen wir Wanaka und fahren an die Westküste. Auf dem Weg zu unserem ersten offiziellen Stopp halten wir an ausgewiesenen Aussichtspunkten über den tiefblauen Lake...


Veröffentlicht: 25.12.2017
Als ich die beiden Gletscher das erste Mal besucht habe, habe ich mich mehr auf den Fox Gletscher konzentriert - noch nicht einmal den beliebtesten Wanderweg zum Franz Josef Glacier View Point bin ich bis zum Ende gelaufen, sondern habe ihn nur aus der Ferne fotografiert. Dieses Jahr ist es anders herum - das Gebiet um den Franz Josef Gletscher findet deutlich mehr Beachtung.
Auf den Robert's Point Track bin ich mittels meines englischsprachigen Guidebooks aufmerksam geworden, wo er als "best day hike in Glacierland" tituliert ist. Da der Autor nach meiner Erfahrung deutlich fitter ist als ich (stuft er eine Wanderung als "moderat" ein, kann ich mich darauf verlassen, an meine Leistungsgrenze zu stoßen und am nächsten Tag vor Muskelkater kaum laufen zu können), bin ich auf das Schlimmste gefasst, als ich bei Schwierigkeitsgrad "anstrengend" lese. Aber die Bilder locken - ich muss diesen Track einfach laufen und mit mir Eric.
Die Wetteraussichten sind optimal, als wir den Besucherparkplatz erreichen. Die meisten, die dort ihr Auto abstellen, nehmen sich nur Zeit für den ebenfalls von hier startenden anderthalbstündigen Franz Josef Glacier Walk. Den habe ich zwar auch noch auf meiner Liste, aber nicht mehr für heute. Bis zum offiziellen Einstieg sind es 1,5 km. Nach einem Kilometer kommen wir am "Peter's Pool" vorbei, einem kleinen Spiegelsee, auf dessen Wasseroberfläche sich bei Windstille klar die Berge abzeichnen.
Mit 12,3 km ist der Robert's Point Track ausgeschrieben. Das Warnschild am Einstieg weist auf sämtliche Gefahren hin und dass nur erfahrene sowie gut ausgerüstete Wanderer ihn beschreiten sollten. Wir bringen hoffentlich von beidem genug mit...
Der Weg beginnt harmlos, aber schon nach sehr kurzer Zeit begründet er das empfohlene Fitnesslevel. Es geht zunächst über eine seeeehr lange Swing Bridge, die (nach Schätzung von Eric) etwa 30 m in die Tiefe blicken lässt, über Geröllpisten, wo sich einst der Gletscher entlang geschoben hat; wir müssen durch (glücklicherweise) flache Bäche waten bzw. über Steine auf die andere Seite hüpfen; uns an einer Baumwurzel einen steilen Hang hinaufhangeln und lange, lange bergauf kämpfen. Die eigentliche Schwierigkeit sind jedoch die extrem rutschigen Passagen und davon gibt es jede Menge. Auf nassen Baumwurzeln und Steinen finden weder unsere Wanderschuhe noch die Wanderstöcke Halt. Jeder Schritt will hier gut überlegt sein und bedarf ggf. einer sorgfältigen Prüfung, bevor man sein Gewicht verlagert. Auf diesen Streckenabschnitten geht viel Zeit verloren und als wir glauben, dem Ziel nah zu sein, liegt etwa noch eine dreiviertel Stunde vor uns.
Doch die Mühe hat sich definitiv gelohnt. Von der Aussichtsplattform haben wir einen unschlagbaren Blick auf den Franz Josef Gletscher und das Tal - sogar den etwa 15 km entfernten Lake Mapourika können wir in der Ferne ausmachen. Trotz, dass wir die Zivilisation ein gutes Stück hinter uns gelassen haben - still ist es hier oben nicht. Alle paar Minuten überfliegen uns ein bis zwei Hubschrauber, die eine Runde kreisen, ganz nah ans Eis heranfliegen und dann wieder abdrehen. Ein recht kurzes und teures, dafür aber deutlich entspannteres Vergnügen. Wir haben dagegen alle Zeit der Welt die Aussicht zu genießen, vertilgen in Ruhe unser Mittagessen, schießen zig Fotos und ich komme sogar noch mit einem Pärchen aus Freiberg ins Plaudern.
Nach etwa einer Stunde treten wir den Rückweg an. Jetzt gilt es, die ganzen steilen Passagen, die wir uns vorhin hoch gekämpft haben wieder unversehrt nach unten zu gelangen. Immer öfter suche ich mit meinen Händen statt den Wanderstöcken Halt. Der Track hat es schon bei schönem Wetter in sich, bei Regen würde ich mir zweimal überlegen, ob ich mir dieses Unternehmen wirklich zutraue. Hier einmal Umknicken oder Ausrutschen kann einem den ganzen Urlaub versauen. Schneller als gedacht und tatsächlich heil geblieben erreichen wir am Nachmittag den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Zwar nicht am Ende unserer Kräfte, aber doch recht geschafft, gleichzeitig aber auch sehr zufrieden. Für heute lassen wir es gut sein und freuen uns auf eine warme Dusche sowie ein wohl verdientes Abendessen im Hostel.
