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15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung

Veröffentlicht: 15.11.2025

Attraktion
Großer Buddha im Tōdai-ji-Tempel
Nara, Japan
Sehenswert
Park mit Rehen
Nara, Japan
Tour
Live-Verlobung im Pavillon am See
Aktivität
Essen
Ramen
$$ · Abendessen


Früh am Morgen, als sie gerade aufgemacht haben, gehe ich den großen Buddha im Todaji-Tempel besuchen, wo er mit 15m Größe als einer der riesigsten Bronze-Buddhas weltweit malerisch auf seinem Lotus-Thron sitzt. Das Internet erzählt außerdem, dass sein Gesicht etwa 5 m lang ist und die Ohren alleine 2,54m messen. Er wurde im Jahr 752 fertiggestellt und finanziert wurde das ganze durch 2,6 Millionen Spender! In der Zeit schon!


Der riesige Holztempel, in dem er zusammen mit zwei Neben-Buddhas und einigen gruselig dreinblickenden Tempelwächtern, haust, ist nach seiner Gründung mehrere Male rekonstruiert worden, zweimal total abgebrannt, so dass der arme Buddha z.B. nach 1567 ganze 120 Jahre buchstäblich im Regen stand, hat seine Form einige Male von breit nach schmal geändert und musste nach 1906, als er unter dem schweren Gewicht seines Daches schon am Zusammensacken war, völlig abgebaut und mit Stahlträgern verstärkt wieder zusammengesetzt werden, was bis 1912 dauerte. 1973 schließlich wurde das ganze Gebäude für die folgenden 7 Jahre erneut völlig eingerüstet und renoviert, weil das Dach wieder undicht geworden war und es an mehreren Stellen hereingeregnet hatte.


Von alldem ist nichts zu sehen oder zu spüren, man wägt sich in einem antiken himmelhohen Tempel mit dicken alten Holzsäulen und halsbrecherischen Dach-und Giebelkonstruktionen, alles in schönem alten Rot, aus dem 8. Jahrhundert.


Der Buddha und seine Hausgenossen sind natürlich sehr eindrucksvoll und respekteinflößend, aber was mich am meisten begeistert und jubeln lässt, ist eben dieser Raum in seiner Höhe und Weite, der so voller wunderbar genialer Handwerkskunst zeugt, dass mir der Atem stockt und das Herz lacht!


Schon das erste der beiden großen massiven Holztore, die zum Hauptgebäude führen, ist zum Weinen herrlich, ich muss immer das alte Holz ein bisschen streicheln, wenn ich an einer Tür oder einer Säule vorbeigehe.


Im Hauptgebäude selber ist ein Stand, an dem man neue Dachgiebel, die ja immer mal wieder ausgetauscht werden müssen, sponsern kann, indem man 2000yen bezahlt und dann mit Pinsel und Tintenstein (was normalerweise für Kalligraphie auf dem schönen Washi-Japanpapier benutzt wird) seinen Wunsch fürs Leben daraufpinselt, in welcher Sprache auch immer. der sehr nette Herr an diesem Schalter lässt sich dann das Handy der Maler geben und macht mit viel Liebe und Geduld ein paar Photos von Künstler und Werk, bevor er den Dachziegel dann vorsichtig an sich nimmt und zu den anderen stellt, mit denen irgendwann wieder das Dach repariert wird.


An einem anderen Stand stempeln einige Kalligraphen den Buddha in Sammelbücher oder auf extra Paperbögen und malen dann mit Pinsel und schwarzer Tinte geschwind und geschickt, die unglaublichsten Schriftzeichen daneben. Ich könnte stundenlang zugucken und bin mir ziemlich sicher, dass ich, wenn ich in Japan oder China auf die Welt gekommen wäre, ein Analphabet geblieben wäre.


Den Rest des Tages wollte ich dann eigentlich im Park zwischen den Rehen sitzend meinen japanischen Roman („Butter“ von Asako Yuzuki, große Empfehlung!) weiterlesen, aber dazu kam es nur sporadisch, denn es war zu interessant, Leute zu beobachten. Zum Beispiel das Paar, das seinen kleinen weißen Hund in ein Kleidchen gezwängt hatte, ihn auf einen Teppich am See setzte, mit einer Quietsche-Ente Töne machte, damit er in die richtige Richtung guckt und dann um die Wette photographierte. Danach wurde das Tierchen dann in eine Art Einkaufstasche gesteckt und davongetragen. Manche fahren ihre Hunde auch prinzipiell in einer Art Kinderwagen spazieren, wahrscheinlich, damit sie sich nicht die Füße schmutzig machen.


Der Tag war warm, blau und sonnig und geradezu ideal für einen Photo-Termin am See und dem kleinen romantischen Holzpavillion, den ich mir als Lese-Platz ausgesucht hatte. So erschienen dann auch nacheinander mehrere Paare mit ihrem Photographen-Team, die entweder gerade geheiratet hatten oder sich jedenfalls besonders in Schale geworfen hatten, d.h. Kimono, um sich stundenlang in verschiedenen Posen mit verschiedenen Hintergründen ablichten zu lassen, was ausgesprochen vergnüglich anzusehen war. 


Das Schönste aber war, als ich endlich meine Nase in mein Buch gesteckt hatte, als eine Gruppe junger Leute, vier Jungen und ein Mädchen erschienen und drei der Jungen das junge Paar mit vielen Witzen und Vorschlägen für Posen zu photographieren begannen, so als wären sie eben dabei, ganz normale Urlaubsphotos zu machen (ich glaube, sie waren aus Hongkong). Plötzlich hörte ich, wie alle Besucher im Pavillon anfingen zu klatschen und die junge Frau des Paares direkt hinter mir zu schluchzen begann. Als ich mich umdrehte, war sie strahlend in Tränen gebadet und guckte fassungslos auf ihren Finger, an dem ein Diamantring funkelte! Es war ganz offensichtlich eine glänzend inszenierte völlige Überraschung und wirklich geglückt!

Der Rest des Tages war dann aber wirklich mit Buch und Rehen gefüllt, und ein bisschen Ramen.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Frühling
KulturellEntspannend
  • Besuch des Großen Buddha im Tōdai-ji
  • Zeit im Park zwischen den Rehen
  • Live-Verlobung im Pavillon am See
  • Ramen am Nachmittag
Buch
KulturGeschichteNaturEssen
  • Dachziegel im Tōdai-ji sponsern2.000 ¥
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