Gondel-Rushhour und Paradiso Perduto
Langsam aber sicher strömen jetzt die Massen nach Venedig. Die Gassen und Hauptplätze sind voll von Schülergruppen und asiatischen Touristen, die sich in die Gondeln drängeln...


Veröffentlicht: 21.03.2026







































Zum Markt neben der Rialtobrücke geht man am besten möglichst früh am Morgen oder, wenn man nur gucken will und nichts kaufen, dann um die Mittagszeit, wenn sie schon einpacken und alles abspritzen, dann sind die Möwen in Scharen unterwegs und zanken sich um die Fischreste. Der Markt ist auf jeden Fall sehenswert. Draußen stapeln sich Früchte und Gemüse in allen Farben und Größen. Warum zum Teufel gibt es außerhalb Italiens nicht diese köstlichen faustgroßen Artischocken, lila oder grün, die einem im Ganzen gedünstet auf der Zunge zergehen?
In der mit dunkelroten transparenten Planen (gegen die Möwen oder gegen die Sonne?) verhängten offenen Säulenhalle tummeln sich die Fischhändler, und hier fragt man sich doppelt und dreifach, warum man solche Fische, Muscheln und Schalentiere noch nie gesehen, geschweige denn gegessen hat und nicht mal wusste, dass so etwas existiert. In der Lagune wird ja nach wie vor gefischt und die Waren sind wahrscheinlich vor allem in der letzten Nacht aus dem Meer gezogen worden. Es wird gescherzt und filetiert, beraten und eingekauft, und die Händler lassen sich mit ihren Schätzen bereitwillig ablichten.
Dann weiter über die Lagune mit dem Vaporetto nach Burano. Diese Insel mit ihren knallbunten Häusern ist sicher einer der heitersten Orte, die ich kenne. Vor allem von Fischern bewohnt, dachte man sich, dass es in der oft nebligen oder milchigen Lagune sinnvoll wäre, den Männern sichere Anhaltspunkte zu geben, damit sie sicher nach Hause zurück finden, und so leuchten die kleinen Häuser in allen Knallfarben, was zum Markenzeichen von Burano geworden ist. Die Gebäude werden von ihren Bewohnern jedes Jahr liebevoll frisch gestrichen, so dass das ganze etwas wie ein lebendiges Spielzeugdorf wirkt.
Burano ist außerdem berühmt für seine hier in mühevoller Geduldsarbeit angefertigten Spitzen. Die Frauen werkeln meist in Heimarbeit, aber in vielen Geschäften kann sie man auch bei der Arbeit beobachten.
Am Abend, nach einer nicht geplanten Rundfahrt über die ganze Lagune über Punta Sabbioni und den Lido schaffe ich es mit Ach und Krach gerade noch in die Chiesa della Pieta, wo Vivaldi selber gewirkt hat, zu den Interpreti Veneziani mit ihrem wilden Cellisten Davide Amadei und seinem Ensemble aus lauter großartigen Kammermusikern.
Danach finde ich mich mit dem Cellisten und dem ersten Geiger im Vaporetto auf dem Heimweg und kann mich für das Konzert bedanken. Sie steigen aus in Giudecca. Davide transportiert sein antikes wertvolles Cello in einer Stofftasche!