Murano
Murano, die Glasbläserinsel, wo die meisten Leute immer nur für eine kurze Zeit hinfahren, ein Glastier kaufen und vielleicht eine Vorführung in einer der vielen Werkstätten...


Veröffentlicht: 17.03.2026













































Am Morgen mache ich mich auf zur Fondazione Querini Stampalia, um mein Lieblingsgemälde in Venedig zu besuchen, die „Darbringung Christi im Tempel“ von Giovanni Bellini.
Wie immer komme ich dabei auf Abwege, entzücke mich wieder an kleinen Details an den Hauswänden und Türen rechts und links und finde mich plötzlich vor einem mir neuen Museum mit einer Privatsammlung zum Thema Karneval in Venedig. In 5 kleinen Räumen, alle in dunklen Farben gehalten, finde ich Skulpturen aus Porzellan und Keramik, Figuren aus der Commedia dell’Arte, alte und neue Gemälde, zwei originale Kleider, Drucke und ein Theater aus Papier mit Durchblick in die Tiefe. Alles ist liebevoll zusammengetragen und wunderschön ausgestellt. Im letzten Raum stoße ich beinahe laut jubelnd auf noch nie gesehene Werke von Chagall, Picasso und Miro.
Als nächstes mache ich Halt an der alten Werkstatt, wo bis heute Gondeln restauriert werden, man kann von der anderen Seite des kleinen Kanals vor der Osteria al Squero bei einem Campari Soda mit Cicchetti gut zusehen. Heute wird neue grüne Anti-Algenfarbe außen auf den Gondelboden aufgetragen, dann wird sie ganz und gar poliert und sieht wieder aus wie neu.
Hier ertönen immer wieder laute Hupen, denn die Werkstatt liegt an einer bewegten Ecke, an der mehrere Kanalkreuzungen eng beieinander liegen. Am Morgen herrscht hier ein ziemlich wilder Verkehr von Booten der Müllabfuhr, Gemüselieferanten, Paketservices, Baumaterialien, Bierfässer etc. und immer wenn eines der Boote um die Ecke biegen will, wo man nicht so gut hineinsehen kann, wird kräftig gehupt, und wer am lautesten ist, hat anscheinend dann Vorfahrt. Auf einigen Müllbooten sitzen riesige Stofftiere am Bug und auf der Fahrerkabine.😊Wenn sie unter den niedrigen Brücken durchfahren, müssen die Bootsleute die Köpfe einziehen.
Als ich schließlich endlich zur Fondazione gelange erfahre ich von der ziemlich patzigen Dame am Eingang, als ich schon fast am Bezahlen bin, dass das eigentliche Museum bis Mai geschlossen ist und nur drei Sonderausstellungen, die mich nicht interessieren, zu besichtigen sind. Auch auf der Website war davon kein Wort zu finden. Ich ziehe frustriert wieder an und schreibe eine wütende Email ans Museum, worauf auch sofort reagiert wird, man will das weitergeben an die zuständige Stelle.
Als Ausgleich finde ich endlich eine Kirche in Venedig, die mir ziemlich gut gefällt, San Zaccaria, mit einem herrlichen Bellini an der Wand, der mich ein wenig trösten kann. (San Marco ist natürlich das allerschönste Gebäude auf der ganzen Welt, aber die anderen venezianischen Kirchen finde ich ziemlich scheußlich).
Schließlich gelange ich noch auf einigen Umwegen an der einzigen venezianischen Brücke, der Ponte di Misericordia, die kein Geländer hat, vorbei nach Cannaregio, wo ich eigentlich essen wollte, aber das Paradiso perdito hat am Dienstag geschlossen und das Bacareto da Neni finde ich leider nicht mehr. So lande ich schließlich in einem Restaurant im alten jüdischen Ghetto neben der Grundschule und beobachte beim Essen die Eltern und vor allem die Großmütter, die die Kinder nach dem Unterricht abholen. Fast alle haben so kleine bunte Roller vor der Schule geparkt, keines ist angeschlossen! Anscheinend wird hier wirklich nicht geklaut, oder nur von doofen Touristen.
Die Häuser im Ghetto sind höher als im Rest der Stadt, bis zu 7 Stockwerke hoch, weil bis zur Öffnung durch Napoleon, der den Juden gleiche Rechte verlieh wie den übrigen Bewohnern, hier auf relativ engem Raum ziemlich viele Menschen unterkommen mussten, im 17.Jahrhundert waren es etwa 4000-5000, vor dem Faschismus noch etwa 1500. 289 von ihnen wurden deportiert, nur 7 kamen zurück. Heute sieht man hier vor allem viele amerikanische Touristen, teilweise orthodoxe, durch die Straßen wandern. Man kann mehrere Synagogen besichtigen, es gibt eine „Schul“, koschere Bäckereien und Restaurants und mehrere Souvenirläden mit jüdischen Artikeln und Kuriositäten, z.B. Rabbis auf Gondeln aus Glas mit Menora in der Hand. Ansonsten ist das heute ein völlig normaler Stadtteil mit ganz gemischter Bevölkerung. Alles ist friedlich, nichts wird besonders auffällig bewacht. Man hat das Gefühl, dass heutzutage hier Menschen verschiedener Religionen harmonisch zusammenwohnen, wie erholsam!