15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung
Früh am Morgen, als sie gerade aufgemacht haben, gehe ich den großen Buddha im Todaji-Tempel besuchen, wo er mit 15m Größe als


Veröffentlicht: 16.11.2025

























Heute ist Sonntag, was bedeutet, das hier noch mehr Menschen einfallen werden als gewöhnlich, also fliehe ich nach einem starbuckigen Latte Vento (überall dieselbe Scheiße, aber der Kaffee ist gut und man hat Ausblick auf die Rehe) in die Outskirts zu einem weiteren buddhistischen Tempel, Yakushi-ji, der es in sich hat.
Gegründet und gebaut wurde er vor 1300 Jahren, ist aber bis auf die eine Pagode im 16.Jahrhundert komplett abgebrannt. Wie durch ein Wunder konnten die drei Buddha-Statuen, die zu den schönsten weltweit gezählt werden, wenn auch etwas geschwärzt, gerettet werden.
Und jetzt kommt es: Weil nur noch die eine alte Pagode erhalten war, beschloss man, alle anderen Teile des Tempels, also die Zwillingspagode, die Haupthalle, und die drei Tore im Osten, Westen und das zentrale Tor nach alten Dokumenten und mit dem Wissen vieler Tempelbauspezialisten von 1976 bis 1995 komplett wiederaufzubauen.
Auch die alte Pagode wurde zweimal völlig abgebaut und wieder zusammengesetzt, einmal von 1898-1900 und zuletzt, als man Korrosion am zentralen Pfeiler, um den die einzelnen Dächer und Etagen herumgebaut sind, gefunden hatte, von 2012-2018.
Heute habe ich gelernt, dass „Pagode“ auf Japanisch „tõ“ heißt, und die alte Pagode heißt „tõ-tõ“. (Zufällig fand ich auch heute, dass diese phantastischen japanischen Klos ebenfalls „to-to“ heißen. Wo da der Zusammenhang ist, ist mir allerdings schleierhaft.) Was ich noch gelernt habe, ist, dass Asche oder eine Art Reliquien vom Buddha in den Pagoden, hier in den Kugeln oben am Pfeiler, aufbewahrt werden, das macht sie wohl zu Pagoden.
Die drei schönen Buddha-Statuen im Haupttempel, vor allem die beiden zu Seiten des Hauptbuddhas, fand ich zu meinem Erstaunen sehr androgyn. Auch hier weiß ich wieder viel zu wenig darüber, ob das Stilmittel, Zeit-Ästhetik oder ganz bewusst so angelegt war.
Als ich da noch herumstrich, ertönten einige mächtige Glockenschläge und ich hatte das große Glück, an einer ganzen Zeremonie oder Messe oder Andacht oder wie das nun auf buddhistisch heißen mag, teilnehmen zu können.
15 kahlgeschorene Mönche kamen klappernd auf sehr hohen Holzlatschen herein und ließen sich rund um den Altar (?) nieder, ein Hauptmönch mit einer mächtigen Stimme begann einen eintönigen Gesang, in den nach und nach erst die oberen und dann die einfachen Mönche einfielen, es gibt eine ganz klare Hierarchie, Gongs und Klangschalen wurden angeschlagen, eine Art hölzerne Gebetskette wie ein Rosenkranz raschelnd zwischen den Händen gerieben, Klanghölzer und Metalltrommeln behämmert. Teilweise fielen die Anwesenden in den Gesang mit ein, mal wurde aufgestanden, dann wieder hingesetzt. Die Mönche saßen abwechselnd auf den gekreuzten Füßen und im Schneidersitz. An einer Stelle warfen sie sich große bunte Konfettis über die Schulter, von denen die meisten aber leider innerhalb der Absperrung landeten und später wieder eingesammelt wurden. Aber einige Gläubige bückten sich schnell und griffen sich einen als Glücksbringer. Das ganze dauerte mehr als eine Stunde und ich bekam etwas Kopfschmerzen von den ganzen Räucherstäbchen, aber es war wieder so ein ganz besonderes Erlebnis, von dem man weiß, dass man es nur einmal im Leben erlebt. Am Ende stiegen sie wieder in ihre Holzlatschen und klapperten davon.
Nach soviel Geistlichkeit warf ich mich dann doch in die sonntägliche Menschenmenge und ging fein essen. Die panierten frittierten Austern mit verschiedenen Pickles,, Reis, Miso, Salat und meinem geliebten Pflaumenwein Umeshu waren ein Gedicht und von der Creperie nebenan konnte ich dann auch nicht wegbleiben und nahm noch einen Eierkuchen dick gefüllt mit Schlagsahne und Schokostreuseln zum Nachtisch, um dann festzustellen: Das Leben schmeckt gut!