Auf Schlür
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Welcome to Potosi

Veröffentlicht: 11.06.2025

Für die ersten Kilometer in Bolivien buchte ich zusammen mit Fereshteh einen Roadtrip Richtung Uyuni. Wir hielten an verschiedenen Lagunen, fuhren durch endlose Wüsten und das alles auf knapp 4000 Metern Höhe. Auf bolivianischer Seite kosten die knapp 40 Grad heißen Quellen nur 80 Cent anstatt 35€ und der Ausblick ist wirklich schön!
Laguna Blanca
Laguna Verde
Hot spring

Nach dem warmen Bad gab es Mittag mit einer fantastischen Aussicht auf die gefühlt unendlichen Weiten der Anden, bevor es zur roten Lagune ging, in der Abertausende Flamingos leben.

Mittagessen
Rote Lagune

Die erste Nacht verbrachten wir dann auf über 4000 Metern Höhe, meine Kopfschmerzen hielten sich zwar in Grenzen, trotzdem holte ich mir eine Tüte Kokablätter, warum soll ich diese natürliche und mit 80 Cent erschwingliche Medizin ausschlagen? Wenn man auf den Blättern etwas herumkaut und anschließend in die Wange schiebt, wird die Zunge kurz taub, Appetit, Durst und Kopfschmerzen verschwinden dann recht zügig, wie Kokain nur in gesund. 😉

Am nächsten Morgen ging es gegen 8 Uhr weiter, Schluchten, Felsformationen, Wüsten und Lagunen, ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Am Abend ging es dann noch zu einem Zug Friedhof. Hier wurden die alten Lokomotiven ausgeschlachtet, die nach dem Goldrausch nicht mehr gebraucht wurden. Den Sonnenuntergang verbrachten wir mit Rum Cola ebenfalls hier, während alle anderen Gruppen zum Sonnenuntergang schon in der Salar de Uyuni waren. Das sorgte für etwas Unruhe zwischen den Mitfahrern und unserem Guide, letztendlich hätten wir vielleicht doch nicht den billigsten Anbieter nehmen dürfen. Naja, auch wenn der Sonnenuntergang sicher schön gewesen wäre, sind wir ja morgen noch zum Sonnenaufgang dort.

Zug Friedhof

Und so ging unser Wecker bereits um 4:30 Uhr, damit wir pünktlich zum Sonnenaufgang da sind.

Und was soll ich sagen, ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Minütlich änderten sich die Farben von Lila zu Pink über Rosa, Gelb Richtung Blau und durch das Wasser auf dem Salz sieht es so aus, als ob wir auf einem riesigen Spiegel stehen.

Bei ein paar lustigen Gruppenfotos machte ich natürlich mit, ich wollte ja nicht der deutsche Spielverderber sein, aber ein Foto, wo es so aussehen soll, ob mich ein Dinosaurier jagte, da war ich dann doch raus. Festzuhalten bleibt aber, dass es ein einzigartiger Ort auf dieser Welt ist und absolut beeindruckend, die Uyuni Salzwüste ist die größte der Welt. Sie entstand vor mehreren Millionen Jahren, als sich die tektonischen Platten noch nicht untereinander geschoben hatten und noch unter dem Meeresspiegel lagen. Langsam erhob sich das Gebirge bis auf die knapp 4000 Meter, das Wasser verdunstete und das Salz blieb zurück. Die Berge im Hintergrund sind bis zu 120km (!) entfernt und man kann sie nur erkennen, da sie so hoch sind, sonst wären sie bereits hinter dem Horizont verschwunden. Das Salz ist bis zu 5 Meter dick!

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang
Sonnenaufgang
...
Figur
Unendliche Weiten
Gruppenfoto
Unendliche Weiten
Salzwüste
Morgendämmerung
Sonnenaufgang

Am Nachmittag ging es in die ehemals reichste Stadt der Welt, Potosi. Die Stadt wurde aufgrund ihrer Bergbau Vergangenheit extrem reich. Der Berg Cerro Rico beherbergt Silber, Kupfer, Blei und Zink. Silber wurde während der Kolonialzeit der Spanier in großen Mengen abgebaut, auch heute arbeiten hier noch 11.000 Bergleute. Leider arbeiten sie noch unter den gleichen Bedingungen wie vor 100 Jahren, Maschinen gibt es keine, alles wird mit 200 Kilo schweren Wagen (wenn sie leer sind) über kaputte und alte Schienen ans Tageslicht gefördert. Bei Gegenverkehr wird der leere Wagen an einer breiteren Stelle zur Seite gekippt, damit der volle, jetzt 1000 Kilogramm schwere Wagen passieren kann. Die Wagen werden von nur 2 Personen geschoben und das bei warmen und staubigen 30 Grad im Inneren der Mine.

Der Berg wird auch Menschenfresserberg genannt, da in den letzten 450 Jahren hier bis zu 8 Millionen Bergleute gestorben sind (an Unfällen und an den Langzeitfolgen).

Ich habe ja schon wirklich einige verrückte Dinge getan, aber dies sollte alles in den Schatten stellen, denn warum bin ich eigentlich hier in einer bolivianischen Bergbaustadt? Genau, weil eben in diesem Bergwerk Touren angeboten werden und zwar inklusive Sprengung, aber der Reihe nach.

Potosi
Altstadt
Zentrum Potosi

Die Nacht war mittelmäßig, da die Stadt auch auf knapp 4000 Metern Höhe liegt, hatte ich in der Nacht Kopfschmerzen und ehrlicherweise war ich doch recht nervös. Aber es nützt ja nichts, morgens ging es nach dem Frühstück und einer Portion Kokablätter Richtung Treffpunkt. Wir fuhren mit dem Bus Richtung Cerro Rico, auf der Hälfte bekamen wir unsere Ausrüstung. Hose, eine leichte Jacke, Stiefel und ein Helm mit Grubenlicht, dann ging es in einen nahegelegenen Kiosk, in dem wir Geschenke für die Bergleute kaufen konnten. Wasser, Saft, Zigaretten, Kokablätter und 96 prozentiger Alkohol, Nitroglycerin und TNT. Richtig gelesen, Nitroglycerin und TNT in einem Kiosk, das geht wohl nur in Bolivien, aber das brauchen wir nunmal, wenn wir eine Sprengung sehen wollen.

Also deckten wir uns mit Saft, Zigaretten, Kokablättern, Wasser und Sprengstoff ein und das für nicht mal 10€.

Den Alkohol lassen wir stehen, die Bergleute sollten nicht noch besoffen in dieser gefährlichen Mine arbeiten. Übrigens trinken sie 96 prozentigen, fast reinen Alkohol, damit sie auch möglichst reines Silber finden.

Es ist schon merkwürdig, mit Sprengstoff in der Tasche zurück in den Bus zu steigen und zur Mine zu fahren. Oben angekommen rauschten die ersten Loren an uns vorbei, alles sah heruntergekommen und alt aus, bei uns würden die Gegenstände wahrscheinlich nicht mal mehr in einem Museum stehen.

Ich war doch recht nervös, meine Hände schwitzig, uns wurde erklärt, dass wir, wenn uns ein Wagen entgegenkommt, in die nächste Nische müssen, da die eine Tonne schweren Wagen nicht bremsen können, wenn sie schnell bergab fahren.

Los ging es, es wird schnell dunkel, staubig und stickig, wir gingen bis zu 1,5 km tief in die Mine, ich sah lauter gebrochener Stützpfeiler, Wasser stand zwischen den krummen und kaputten Gleisen, es zischte aus den Luftleitungen und teilweise war die Mine so niedrig, dass ich nur in der Hocke voran kam, die Bergarbeiter sind deutlich kleiner und haben es daher etwas leichter.

Beruhigend
Lore

Nach ein paar Minuten kam uns der erste Wagen entgegen, wir gingen zur Seite und der Wagen fuhr ein paar Zentimeter neben uns her. Es ging noch 20 Minuten weiter, immer wieder mussten wir zur Seite und ich war schon ganz schön außer Atem.

Und dann wechselten wir die Mine, es ging durch einen kleinen Schacht, der 30 Meter schräg nach unten ging. Die Schulter passte gerade so durch, man musste auf der Seite nach unten rutschen, von der Decke fielen kleine Steine auf uns herab, es staubte und das Atmen wurde schwer, dann waren wir endlich unten, ich stand auf einer wackeligen Holzkonstruktion, während unter mir die nächste Lore durch rauschte. Es ging noch tiefer in die Mine in einen kleinen Seitenarm.

Eingang
Durchgang zur zweiten Mine
Baufällige Abschnitte

Dann holten wir den Sprengstoff aus den Plastiktüten, kneteten und Formten ihn, steckten den Zünder rein, zündeten die Lunte an, von jetzt an hatte unser Guide 2:30 Minuten Zeit um die Sprengladung zu platzieren, er war aber vorher noch zu Späßen aufgelegt, bevor er in der Dunkelheit verschwand. Zu unserer Verwunderung kam er bereits nach ein paar Sekunden zurück. Wir fragten wie weit die Sprengung denn entfernt sei? 15 Meter und das ist sicher, bis jetzt wäre nie was passiert, na dann...

Wir machten die Stirnlampen aus und warteten, 1 Minute 30, 60 Sekunden, 30 Sekunden, 10 Sekunden, jetzt müsste es gleich knallen, dann ein ohrenbetäubender Knall, gefolgt von einer immensen Druckwelle, Steine fielen von der Decke, 10 Sekunden später die zweite Explosion. Wieder fielen Steine von der Decke, aber der Schacht stand noch, wir husteten etwas aufgrund des Staubs, machten das Licht an und waren noch etwas geschockt, unser Guide begrüßte uns ganz trocken mit "Welcome to Potosi"!

Sprengstoffvorbereitung
TNT

Die Minenarbeiter können erst 24 Stunden nach der Sprengung die Erze aus dem Bereich holen, kurz nach einer Sprengung gibt es dort zu viele Gase.

So langsam ging es für uns wieder zurück, auf dem Rückweg schoben wir zu zweit noch einen vollen Wagen Richtung Ausgang. Ich war nach einer Minute außer Atem, dabei ging es noch nicht mal richtig bergauf. Zwischendurch, vor allem in den Kurven, entgleisen die Wagen häufig und müssen dann von Hand von mehreren Minenarbeitern wieder in die Gleise gehoben werden. Ich war froh, als ich nach zwei Stunden hier heile wieder raus war und auch nicht wieder zurück muss, im Wissen, dass tausende Minenarbeiter und Kinder nicht dieses Glück haben. Übrigens stirbt hier im Schnitt noch immer ein Minenarbeiter pro Tag an den Langzeitfolgen oder einem Unfall.

Verkehr
Kinderarbeit
Endlich wieder draußen

Sucre, meine nächste Station gefiel mir sehr gut. Viele Koloniale Gebäude, unaufgeregt und man konnte überraschenderweise richtig gut essen (wie schon in Potosi), Salteñas wurden meine Favoriten, es sind mit allem Erdenklichen gefüllte und gebackene Teigtaschen, die im inneren meist noch etwas flüssig sind und daher "gegessen" und "getrunken" werden müssen. Hat man viel von der Flüssigkeit auf seinem Teller, gilt man als schlechter Küsser, ist der Teller sauber kann man es. Mein Teller war natürlich immer blitzblank. :)

Markt Sucre
Markt Sucre
Saft
Straße Sucre

La Paz erinnerte mich an Medellín, in einem Tal gelegen führen viele Seilbahnen in die hoch gelegenen Randgebiete, ansonsten ist die Stadt recht unansehnlich. Aber ich war deswegen ja nicht hier. Es ging für mich auf die Death-Road, eine der gefährlichsten Straßen der Welt. War sie zumindest mal, inzwischen gibt es eine recht gut ausgebaute Umgehungsstraße. Damit es nicht ganz den Reiz verliert und ein wenig Nervenkitzel dabei ist, ging es für mich die über 3000 Höhenmeter mit dem Mountainbike runter! Wir starteten bei Schneeregen auf einer viel befahrenen Asphaltstraße, es dauerte nicht lange und wir waren alle durchgefroren und klatschnass. Dann ging es für 20 Minuten zurück in den Transporter, bevor es auf die eigentliche Death-Road ging. Einige wollten schon abbrechen, da es immer noch regnete und ziemlich kalt war, unser Guide versicherte uns aber, dass es sehr bald wärmer werden würde. Und so ging es vorbei an knapp 1km tiefen Abhängen und vielen Wasserfällen, bevor wir 3 Stunden später bei knapp 25 Grad im Dschungel ankamen.

Unvorstellbar, dass diese Straße mal LKWs, Busse und Autos nutzten, da sie an manchen Stellen nicht breiter als 3 Meter ist, dazu kommen bei anhaltendem Regen noch Erdrutsche und Steinschläge. Einem kleinen Erdrutsch sind wir gerade so entkommen, plötzlich schrie uns jemand an und forderte uns auf, anzuhalten. Wir hörten ein lautes Knacken und wussten nicht wirklich was zu tun ist. Irgendwann sagte der Guide, wir können jetzt fahren, aber auf eigene Gefahr.

Ich trat so schnell und stark in die Pedale wie ich konnte, rechts lagen tatsächlich große Steine und große Büsche auf der Straße, wenn ich jetzt zu einer Sekunde an der falschen Stelle gewesen wäre, wäre es das gewesen, aber Glück gehabt, es ist halt noch immer die Death-Road...

Auch wenn der letzte Autounfall bereits 7 Jahre zurückliegt, ist der letzte Tourist hier noch vor 9 Monaten umgekommen, bei einem Foto ist er zu nah an die Klippe gekommen und dabei gestolpert.

Death road
Death road
Death road
Buddies

Weiter ging es zum Chulita-Wrestling, hier kämpfen ausschließlich indigene Frauen, die sich nach einer in den 1920er Jahren aus Europa nach Südamerika importierten Mode mit ursprünglich für Männer entworfenen Hüten kleiden. Die Kleidung der Cholitas besteht aus der Pollera (einem Überrock), bis zu 10 Unterröcken, dem Schultertuch und dem typischen Hut.

Mein erstes Wrestling Event überhaupt, es war lustig und unterhaltsam, Fan werde ich wohl nicht.

Daniela und Chris, die ich bereits auf den Weg Richtung Uyuni kennengelernt hatte, wollten ebenfalls auf den Huayna Potosi. Ein "einfacher" 6000er, nach meinem gescheiterten Versuch im Himalaya, wollte ich es nochmal versuchen. Gott sei Dank hatten die beiden die Idee, vorher erst mal einen "kleineren" Berg, den 5320 Meter hohen Pico Austria zu erklimmen. Ich war zwar seit dem Grenzübertritt zu Bolivien vor 10 Tagen bereits auf über 4000 Höhenmetern, aber richtig akklimatisieren kann man sich nur mit körperlicher Anstrengung und da die Tour inklusive Guide, Transport und Mittagessen nur 30€ kosten sollte, war die Entscheidung schnell gefallen.

Der Aufstieg mit knapp 850 Höhenmetern war anstrengend, aber gut zu schaffen, die einsetzenden Kopfschmerzen konnten wir mit einigen Portionen Kokablättern wegkauen.

Das Mittagessen gab es oben auf dem Gipfel, wir konnten sogar den 100 km entfernten Titicacasee sehen, geschafft hatten es aber nur 5 von 8 Wanderern.

Pico Austria

Da wir den Test gut überstanden, ging es also am nächsten Tag direkt zum Huayna Potosi, bzw. bis zum ersten Base Camp auf 4700 Metern. Wir kamen gegen Mittag an, eine einfache Hütte aus Wellblech und Spanplatten. Unser Zimmer mit 20 Betten hatte alles, durchgelegene Matratzen, Kondenswasser an der Decke und absolut keinen Platz für unsere Ausrüstung bzw. Klamotten. Wir bekamen einen warmen Schlafsack, Schneeschuhe, Steigeisen, Gamaschen, eine Hose, eine Thermohose, einen Thermo Pullover, eine Jacke, Handschuhe, einen Helm und einen Eispickel. Danach ging es direkt zum nahegelegenen Gletscher um unsere Ausrüstung zu testen und die verschiedenen Arten zu üben, wie man einen vergletscherten Berg erklimmt. Die ersten mussten sich aufgrund der Anstrengung in der Höhe bereits übergeben, ich war zwar schnell außer Atem, aber sonst ging es noch.


Eiswand
Basecamp 1

Meine Nacht war durchwachsen, gefühlt habe ich nicht wirklich geschlafen, mein Puls bewegte sich fast im durchgehend dreistelligen Bereich, ich musste mehrmals in die Kälte auf Toilette, leichte Kopfschmerzen setzten ein und bei 17 Menschen auf engstem Raum war nie Ruhe.

Am nächsten Morgen gab es Frühstück bevor wir unsere Rucksäcke für den Aufstieg zum Highcamp packen mussten.

Mit dem oben genannten Equipment wog mein Rucksack fast 15 Kilo, damit musste ich nun knapp 700 Höhenmeter überwinden. Es war anstrengend, das Highcamp noch einfacher ausgestattet und noch enger. Die Toilette lag außerhalb der Hütte hinter einem Vorhang, der vereiste Weg zur Toilette machte den Weg in der Nacht zu einem nicht ungefährlichen Abenteuer.

Highcamp

Bevor wir bereits um 18 Uhr ins Bett gingen, gab es noch eine einfache Suppe, trockenes, versalzenes Hähnchen mit geschmacklosem Kartoffelpüree und eine Art Gemüse. In der Nacht konnte ich überraschenderweise besser schlafen als in der Nacht davor. Allerdings war sie sehr kurz, denn um 1 Uhr hieß es bereits Frühstück und fertig machen. Das Anlegen des Equipments war schon anstrengend, aber das war noch gar nichts. Auf dem Rückweg von der Toilette ist eine Frau ohnmächtig geworden, Glück im Unglück konnte sie sich vorher noch hinknien und ist nicht den Abhang heruntergestürzt. Die Guides kamen umgehend mit einer Sauerstoffflasche, alles ist nochmal gut gegangen, die Wanderung war für sie allerdings beendet, bevor sie überhaupt richtig losging. In mir machte sich Nervosität breit, was mache ich hier schon wieder???

Auf geht's

Egal, weiter, jetzt war ich schon so nah am Ziel. Die ersten zwei Stunden kamen mir vor wie fünf. Und wir hatten gerade mal 200 Höhenmeter überwunden. Uns kamen bereits Leute entgegen, die umdrehten, wir überholten Leute, die sich wieder und wieder übergeben mussten oder einfach nur im Schnee lagen.

Die Temperaturen lagen bei -5 Grad, mit Wind noch kälter, aber es ging weiter, es musste weitergehen. Wir machten häufig Pause, ich hatte das Gefühl, dass wir nicht richtig vorwärts kommen, zwischendurch konnten wir El Alto sehen, durch die orangenen Lichter sah es aus, als ob es im Tal brennt. Wir konnten auch die Milchstraße sehen, endlich, in der Atacama-Wüste und in der Uyuni Salzwüste war mir die Sicht verwehrt, da es Vollmond war.

Milchstraße
El Alto/La Paz

Wir waren nun über 3 Stunden unterwegs und unser Guide sagte, jetzt kommt ein flacher Teil, den Teil der Wanderung suche ich aber heute noch. Mein Wasser war mittlerweile gefroren und mein Mund von den ganzen Kokablättern trocken. Wir bekamen etwas warmen Tee von unserem Guide, danach ging es für kurze Zeit wieder. Unser Guide zeigte auf etwas im Dunkeln, da oben ist er, mir stockte der Atem, als ich die ganzen Lichter am Berg sah, fragte mich, wie ich da hoch kommen soll, einfach weiter, immer weiter.

Irgendwann sahen wir, dass die Sonne in den nächsten Sekunden aufgeht. Wir legten uns in den Schnee und staunten einfach! Nach der kurzen Pause ging es weiter.

Sonnenaufgang
Kurze Pause
Fast da

Das ich jetzt den Weg sehe, macht es nicht besser, an der Seite ging es steil runter. Der "Weg" ist etwas platt getretener Schnee, gerade so breit, dass zwei Schuhe nebeneinander passen. Ich hatte zwar keine Kopfschmerzen und mir war auch nicht schlecht, aber nach 4 Schritten war ich außer Atem.

Uns kamen bereits die ersten Leute auf ihrem Weg nach unten entgegen und traten losen Schnee auf den “Weg”, ab jetzt ging es zwei Schritte nach oben und ich rutschte einen zurück.

Aber nach 5 Stunden ist es geschafft, ich stehe auf dem 6088 Meter hohen Huayna Potosi! Was ein schöner Ausblick.

Wir machten ein Gruppenfoto und ich ein Foto mit Arminia Shirt, es sollte für den 24.05 nichts dem Zufall überlassen werden.

Geschafft
Endlich

Der Abstieg ist natürlich deutlich leichter als der Aufstieg, aber meine Kraft lässt nach und da ich jetzt den "Weg" und den Abgrund sehe macht es mich noch langsamer, aber auch das ist irgendwann geschafft. Im Highcamp setze ich mich erschöpft auf eine Kiste und kann mich keinen Zentimeter mehr bewegen, irgendjemand reicht mir eine Cola. Nach ein paar Minuten realisiere ich, dass wir noch 2 Stunden 500 Höhenmeter runter zum Basecamp wandern müssen, ich habe starke Zweifel, das ich das mit einem 15 Kilo Rucksack schaffe.

Beim Packen helfen uns unsere Guides, einige schaffen es nicht mehr ihren Rucksack zu packen, aber es hilft nichts, wir müssen runter, über vereiste Flächen und verschneite Wege, aber überraschenderweise wird es mit jedem Meter den wir weiter nach unten kommen besser. Nach über 2 Stunden kommen wir unten an und müssen dann 2 Stunden über eine staubige Piste Richtung La Paz fahren, abends gibt es noch ein kleines Abendessen bevor ich erschöpft ins Bett falle.

Abstieg

Am nächsten Tag ging es dann direkt weiter auf die peruanische Seite des Titicacasees nach Puno. Ich schaute mir die schwimmenden Schilfinseln der Uros an. Da das Schilf, auf denem die Uros leben im Wasser langsam vergammelt, muss in regelmäßigen Abständen neues Schilf oben draufgelegt werden, dabei muss alles was auf den Inseln gebaut ist angehoben werden, also auch die Häuser. Man fühlt sich auf den bis zu 5 Meter dicken Inseln wie auf einer großen Luftmatratze, man merkt die Wellen der vorbeifahrenden Boote deutlich. Puno selber ist einen Spaziergang Wert, die Promenade am Titicacasee ist nett, es gibt eine kleine Altstadt, ein paar Aussichtspunkte und einen interessanten Markt, wo Ratten, Meerschweinchen und Schafsköpfe verkauft werden, allerdings liegt das meiste hier auf einer Plastikfolie auf dem Boden, das habe ich so auch selten gesehen.

Die knapp 40 km entfernte Insel Taquile, konnte ich leider nicht besichtigen, da die Fähre nur morgens fährt und ich zu spät war.

Schilfinsel auf dem Titicacasee
Schilfhaus
Markt von Puno

Per Nachtbus ging es weiter nach Cusco, die wohl schönste Stadt in Zentral- und Südamerika, aber auch die touristischte.

Wir buchten direkt eine Tour für den Salkantay Trek, der uns einmal um den gleichnamigen Berg und Machupicchu herumführen sollte.

In der Früh ging es um 4 Uhr los, gefolgt von einer nicht wirklich anstrengenden Wanderung zu unserer ersten Unterkunft.

Wir wanderten noch zu einem Sehenswertem See und wurden auf dem Rückweg ganz schön nass.

Laguna Humantay
Laguna Humantay

In der Kälte trockneten unsere Klamotten leider nicht wie gewünscht, also mussten wir am nächsten Morgen in die noch feuchten Klamotten steigen. Das Wetter meinte es zunächst gut mit uns und wir konnten den Salkantay das ein oder andere Mal erblicken. Nach dem Mittagessen setzte für ein paar Stunden allerdings teilweise kräftiger Regen ein, sodass ich das erste Mal mit einem Regenponcho wandern war, es war zwar nicht wirklich angenehm, aber er hielt meinen Rucksack und mich einigermaßen trocken. Die zweite Nacht war nochmal kühl, bevor es am dritten Tag immer weiter bergab ging und wir den Regenwald erreichten. Die einzelnen Etappen waren nicht wirklich schwer zu wandern, zumindest nicht für mich, der Huayna Potosi war ein wirklich gutes Training, denn eine Teilnehmerin hatte bereits aufgegeben und der ein oder andere musste schon wirklich auf die Zähne beißen. Am Nachmittag ging es für uns noch in eine schöne heiße Quelle, bevor es am nächsten Tag wieder mal um 5 Uhr raus ging. Der vierte Tag war wirklich schön, erst ging es auf dem Inka Trail bergauf mit der ersten Aussicht auf Machupicchu und ich muss sagen, dass es schon aus der Ferne absolut beeindruckend aussieht, vor allem mit den riesigen, steilen grünen, Klippen im Hintergrund.

Dritter Tag im Regen

Für uns ging es aber nochmal 2 Stunden bergab und dann nochmal 2 Stunden unten im Tal um Machupicchu herum.

Da seit Covid der Zugang nochmal deutlich beschränkt wurde und es mittlerweile drei Routen gibt, ist beim buchen der Wanderung leider keine Eintrittskarte mehr enthalten, es sei denn, man bucht drei bis vier Monate im Voraus, das hat bei mir mit einem Tag vorher nicht wirklich geklappt.

Daher hieß es für uns am nächsten Tag um 4 Uhr wieder früh aufstehen, um uns um 04:30 Uhr in die Schlange zu stellen.

Um 6 Uhr öffnen die Türen, allerdings bekommt man hier noch nicht das Ticket, sondern eine Nummer. Nachmittags muss man dann nochmal wiederkommen, um sich dann das richtige Ticket zu kaufen.

Da wir Route 2 haben wollten, musste unsere Nummer kleiner als 250 sein, da für diese Route nur 250 Tickets pro Tag verkauft werden, mit Nummer 78 war es kein Problem, das frühe Aufstehen hatte sich also gelohnt.

Wenn man Route 1 nimmt, kommt man "nur" zu einem Aussichtspunkt, von dem man fotografieren kann, aber nicht in die eigentliche Anlage kommt.

Route 3 beinhaltet keinen Aussichtspunkt, man kann aber durch die Anlage gehen.

Route 2 beinhaltet beides und ist daher natürlich am beliebtesten.

Für uns ging es am nächsten Tag um 05:30 Uhr die 400 Höhenmeter zu Fuß Richtung Eingang.

Morgens ist noch nicht ganz so viel los, aber leider ist es meistens auch bewölkt, so auch heute. Gegen halb neun verzogen sich aber die meisten Wolken und wir hatten einen beeindruckenden Blick auf Machupicchu! Es war noch schöner und beeindruckender, als ich es mir vorgestellt hatte, einfach fantastisch. Die Wolken, welche in den umliegenden Bergen hingen, versetzten dem ganzen noch einen mystischen Anblick, einfach beeindruckend.

Machupicchu
Klippen

Zurück ging es dann mit dem Zug Richtung Cusco, die Zugfahrt durch das Tal war wahrscheinlich die bislang schönste Zugfahrt, die ich je gefahren bin. Bei 70€ für 1½ Stunden aber auch nicht gerade ein Schnäppchen und dazu hatte ich die Hälfte der Fahrt verschlafen.

Zurück in Cusco ging es noch ins Heilige Tal (Urubamba-Valley), welches aber vollkommen überlaufen ist, zumindest wenn man eine Tour bucht, denn alle fahren die exakt gleiche Route zur exakt gleichen Zeit an. Warum man das ganze nicht etwas entzerrt, bleibt mir ein Rätsel. Landschaftlich wieder absolut beeindruckend und auch die Inkastätten und Terrassen für den landwirtschaftlichen Anbau waren beeindruckend.

Cusco
12-eckiger Stein
Urubamba-Valley
Salzterrassen
Cusco
Cusco

Meine vorerst letzte Station in Peru und Südamerika sollte Arequipa sein, alle schwärmten von der weißen Stadt. Weiß ist die Stadt und der Hauptplatz auch richtig schön, allerdings habe ich schon weißere Städte gesehen (Popayán in Kolumbien) und auch ähnliche schöne Plätze. Für mich lag das Highlight in einer letzten Wanderung, die in einen der tiefsten Schluchten der Welt ging, teilweise ist sie vom Fluss bis nach oben 4km hoch! Zudem sind hier noch zahlreiche Kondore zu sehen, die zweitgrößten Vögel der Welt. Nachdem wir ein paar Tiere gesichtet hatten, ging es für uns 1200 Meter hinab in die Schlucht und nach einer Stärkung zu einer Art Oase.

Um am nächsten Morgen der Sonne zu entgehen, brachen wir bereits um 5 Uhr früh auf und konnten uns auf halber Strecke den Sonnenaufgang anschauen.

Colca-Valley
Condor
Condor
Plateau


Am letzten Tag ging es zum Rafting in den örtlichen Fluss, für 15€ konnte ich mir das nicht entgehen lassen und es hat richtig Spaß gemacht.

Somit endet meine Zeit nun in Südamerika und ich fliege von Arequipa über Lima nach Cancún, bevor es dann weiter nach Brüssel und Bielefeld geht.

Ich freue mich richtig darauf, alle wiederzusehen, auf gutes (fleischloses) Essen und natürlich auf das Spiel auf der Alm und das Wochenende in Berlin!

Rafting
Jumping

Die beiden Spiele haben schon die Lust auf die nächste Saison gesteigert, etwas, was die letzten 5 Jahre nicht wirklich da war.

Was in der Woche vor dem Finale in Ostwestfalen los war und vor allem in Berlin, war einfach großartig, einmal im Leben halt.

Im Radio gab es auf allen Sendern nur ein Thema, überall hingen Fahnen aus den Fenstern, auf dem Jahnplatz ein großes Plakat und auch die ostwestfälische Wirtschaft hat es sich nicht nehmen lassen ihre Zentralen mit großen Trikots zu schmücken und dann war natürlich auch noch der Hermann standesgemäß gekleidet.

Hermann

Am Freitag war dann auch halb Bielefeld bereits auf dem Weg nach Berlin, die Boote auf der Spree waren ausnahmslos mit Arminen besetzt und auch sonst waren die Stuttgarter nicht zu erblicken. Am Samstag ging es auf dem Alexanderplatz weiter, bevor es dann etwas weiter abseits noch eine Stärkung gab, um dann endlich ins Berliner Olympiastadion zum Finale zu gehen!

Trotz der Niederlage ein einmaliges Erlebnis mit 30.000 Arminen und einer wahnsinnigen Mitmachquote, die wir so nicht gewohnt sind, auch weit nach Spielende waren noch alle im Stadion, Gänsehaut.

Sonntag gab es noch einen würdigen Abschluss, erst vor der Zwiebel und dann vor dem Rathausbalkon.

Nach zwei Wochen Heimaturlaub, freue ich mich jetzt aber auch auf die letzten 3 ½ Monate und die erste Zeit davon erst mal in Zentralasien bzw. Kasachstan und Usbekistan.

Einmal im Leben
Gedenkstätte
Choreo Teil 1
Teil 2
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Antworten

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