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Grenzen gibt es nur im Kopf!

Veröffentlicht: 13.08.2020

Unser letzter ganzer Tag beginnt, man merkt es sofort: die Unterwäsche geht zur Neige und das Kaffeepulver reicht nur noch für 2 mickrige Tassen. Da man zu Hause Bohnen braucht, kauft man natürlich nichts mehr nach, wem sollte man als Urlaubsmitbringsel schon ein angefangenes Päckchen Kaffeepulver kredenzen?

Das Grenzgebiet war gestern so schön, dass wir heute noch eine Runde hier drehen wollen. Start ist in Bayrisch Eisenstein. Übrigens sind die Bayern viel sparsamer als wir oder wie erklärt sich, dass die ihren Ortsnamen nicht mal auf dem Ortsschild ausschreiben? Bayr. Eisenstein... Bitte, wenn ihr meint.

Wir haben die Tour nicht als Karte sondern nur eine Beschreibung in Worten und Mario ist der Ansicht, dass laut Beschreibung Schilder dort sein müssen und somit dürfte es keine Probleme geben. Wir haben Wasser und ein Paar debrezciner dabei, leider haben wir unterwegs vergessen, einen Bäcker zu suchen, um Brötchen zu kaufen, daher versorgen wir uns am Bahnhofskiosk noch mit Butterkeksen (sonst gab es da nur Zigaretten, Oblaten oder Keramik, was als Vesper noch weniger Sinn macht...Butterkeks mit debrecziner ist da noch die beste Variante.)

Der Weg macht von Anfang an total viel Spaß! Die Strecke ist auf Asphalt und Schotter abwechslungsreich sonnig und schattig. Das besondere an der Route ist, dass man mehrfach wechselt zwischen Deutschland und der Tschechei. Es sind viele Höhenmeter und das macht die Sache richtig interessant. Eine mögliche Variante ist wie folgt beschrieben: „ab hier führen die letzten 1,7 km bei zum Falkenstein sehr steil bergauf der Abstecher ist nur für extrem durchtrainierte Mountainbikefahrer zu empfehlen“. Als wir an die besagte Abzweigung kommen, beschließen wir, es einfach zu probieren, zur Not kann man ja umdrehen, wir sind froh, es probiert zu haben, da es wirklich kein Problem mit den eBikes ist. Es war nicht sicher,wie der Untergrund ist und da Petra nur ein Tourenbike hat, wäre das eventuell ein Problem gewesen. Aber der Schotterweg geht super. Oben werden wir überrascht, da es dort glücklicherweise das Schutzhaus Falkenstein auf 1315 m gibt und dort ist heute Kaspressknödelsuppe das Tagesessen! Glück gehabt, es gibt sogar noch ein Schattenplätzchen für uns. Die Sonne scheint heute mal wieder unerbittlich und es ist nur im Schatten auszuhalten. Noch ein paar Meter Fußmarsch bis zum Gipfelkreuz, Ausblick genießen, weiter geht’s.

Auf einer Hochebene, stehen ganz besondere Bäume, die sofort in einem Harry Potter Film mitspielen könnten.

Es geht bergauf und bergab, ständig im Wechsel, wenn Wegweiser an Kreuzungen sind, kurz anhalten, schauen, weiter geht die Fahrt. Irgendwann fehlt uns die Orientierung und wir merken, dass wir falsch seien müssen. Umdrehen. Zurück zur letzten Kreuzung und statt links eben rechts abbiegen. Wieder geht es einen langen Kurs bergab. Mist. Der Weg endet. Nur ein Fußweg führt weiter, das kann aber nicht sein. Auf dem Navi den nächsten Punkt auf unserer Route zu suchen ist unmöglich, da es in dem Waldgebiet leider kein Internet gibt. Das einzig logische ist wieder umzudrehen. Wieder den Berg rauf und zurück zu der Kreuzung an der wir vorher dachten, dort liege unser Abbiegefehler. Lag er nicht, wir waren beim ersten mal richtig und haben uns nur verwirren lassen, da es bis zum nächsten Etappenziel weiter war als wir erwartet hatten. Die Laune ist etwas angespannt: wenn man wesentlich mehr Anstiege fährt als geplant, stimmt die Kalkulation mit dem Akku nicht mehr. In der Ferne ist nun schon zum dritten Mal Donnergrollen zu hören und wir sind immerfort nicht 100% sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wir treffen glücklicherweise einen Arbeiter im Wald, den wir nach dem Weg fragen, dieser bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Kurs sind. Obwohl Mario Petra genau erklärt, dass die Wolke, die vor uns bedrohlich groß am Himmel prangt und sich schnell aufbaut eine klassische Gewitterwolke ist, beschließt Petra, trotzdem ab und zu anzuhalten, um Bilder zu machen. Es ist so wunderschön hier und man muss es festhalten!

Das aufziehende Gewitter wird immer bedrohlicher, doch da wir sehr oft die Richtung wechseln, können wir nicht einschätzen, ob es uns treffen wird oder nicht. Kurz gesagt, wir haben Glück im Unglück. Unser letzter „Aufstieg“ zum Sattel „pod polonem“ wird begleitet von leichtem Nieselregen. Die schwarze bedrohliche Gewitterfront liegt weit hinter uns. Nun beginnt die letzte rasante Abfahrt von 1180 m.ü.NN nach 724 m.ü.NN hierbei steigert sich der Nieselregen in einen wahren Wolkenbruch. Aber es gibt schlimmeres, als am Ende der Tour nass zu werden!

Zu Hause geht’s unter die warme Dusche, eigentlich war noch ein letztes Mal Schwimmen im See auf unserem Plan, aber dazu haben wir dann doch keine Lust mehr.

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