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Argentinien Part I (Entre Los Rios, San Rafael, Ischigualasto und Chilecito)

Veröffentlicht: 24.06.2017

Wir waren zwar gewarnt und vorbereitet und doch traf es uns hart: Die für ihre Korruption bekannte Polizei im Grenzbundesstaat Entre Los Rios, an der Grenze zu Uruguay, fischte uns bei einer der beliebten Straßenkontrolle heraus. "Hart bleiben, verhandeln, nichts zahlen" hatte man uns zuvor in Uruguay von Landesgenossen eingebläut. "Die finden immer etwas am Fahrzeug was nicht in Ordnung ist." In unserem Fall war das zum einen der Heckgepäckträger: Nach argentinischem Verkehrsgesetz darf nichts über die Stoßstange herausragen. Wir hatten uns also hochgradig strafbar gemacht. Als wenn das nicht schon genug wäre, fehlten auch noch die erforderlichen Aufkleber: Tempolimit 110 und rote Warnbalken. Für unser Vergehen wurde eine angemessene Strafe von 8000 Pesos Argentinos (400 Euro) angesetzt, welche dann aufgrund unseres Unverständnisses aufgrund eines weiteren Gesetzes (??) und der Großmütigkeit der Beamten auf 50% reduziert werden konnte.

Die 4000 Pesos sollten wir am besten sofort und Bar zahlen. Man könne uns auch ein Taxi bestellen um zum nächstgelegenen Geldautomaten zu fahren. Das Auto dürfe so nicht wieder auf die Straße - zu großes Verkehrsrisiko. Wir begangen nun den großen Fehler den Beamten zu sagen wir haben Sie perfekt verstanden, leider sehen wir es gar nicht ein auch nur einen Peso zu zahlen. Unsere Argumente: Wir haben uns umfassend in D-land informiert und das Auto sei von der Versicherung und dem Zoll auf die Verkehrstauglichkeit in Südamerika geprüft, akzeptierten sie jedoch nicht. "Die Strafe einfach absitzen" hatten wir im Kopf. Wir gingen also abwechselnd zum Auto und zurück ins Polizeibüro, kochten uns etwas, spielten mit Vincent oder diskutierten unter uns die weitere Vorgehensweise. Nach geschlagenen 3 Stunden - wir hatten zwischendurch gedacht wir müssten wirklich 200 Euro zahlen oder die Nacht mitten auf der Autobahn bei der Polizeikontrolle verbringen - montierte Dennis den Gepäckträger ab und wir durften mit einem Strafzettel und einem Überweisungsschein, der innerhalb der nächsten 5 Tage eingelöst werden sollte, unsere Weiterfahrt antreten. Nach einer weiteren Stunde waren wir in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Santa Fe, wo wir unsere Pause für die Nacht einlegten. Am nächsten Morgen entschieden wir uns nichts weiter zu unternehmen und den Strafzettel zu ignorieren. Auf dem Campingplatz sprachen wir noch mit reisenden aus Córdoba, Argentinien, die uns rieten beim nächsten Mal nicht mit der Polizei zu diskutieren, sondern besser einen auf "ich versteh nur spanisch" zu machen, dann würden sie einen womöglich früher und ohne Strafe ziehen lassen. Guter Plan, hoffentlich wird es trotzdem kein nächstes Mal geben. Für die kommenden Wochen hielten wir bei jeder Polizeikontrolle immer den Atem an. Jedoch ist bisher, toi-toi-toi, alles gut gegangen. Und wir sind schon an etlichen weiteren Polizeikontrollen vorbei gekommen. Außer dem obligatorischen de donde vienen? Und adonde van? (woher kommt ihr und wohin wollt ihr?) oder vielleicht noch "llevan frutas?" (habt ihr Obst dabei) wurden wir nach Beantwortung der Fragen immer freundlich weiter gewunken. Zu der letzten Frage als Erklärung: Zwischen den Provinzen ist es verboten Obst und Gemüse einzuführen. Warum bleibt rätselhaft; vielleicht eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Jedenfalls muss man auf diese Frage immer "nein" antworten. Ansonsten muss man alles Obst und Gemüse abgeben und eine kleine Strafe von etwa 4 Euro zahlen.

Als nächstes fuhren wir in die Provinz Mendoza. Da es jetzt noch einigermaßen warm war wollten wir unser südlichstes Ziel für diese Reise abklappern, bevor der Herbst/Winter so richtig einsetzten würde. In San Rafael einem süßen Städtchen südlich der Hauptstadt gibt es neben unzähligen Bodegas viele Naturerlebnisgebiete zum Wandern, Raften, Reiten, … In der ersten Nacht fanden wir keinen Campingplatz der zu dieser Jahreszeit geöffnet hatte, also fragten wir bei einer der unzähligen Pousadas (kleine Zimmerappartements) nach, ob wir uns auf die Rasenfläche stellen dürften. Der erste Herr den wir fragten, ließ uns sogleich in das hübsche Anwesen mit englischem Rasen und rustikalem Gemäuer herein. Wir bedankten uns und sagten wir brauchen sonst nichts weiter außer vielleicht das WiFi-Passwort. Nach kurzer Zeit kam er nochmal wieder und sagte uns wir dürfen auch in einem der ungenutzten Appartements die Toilette benutzen, wenn wir wollen. Wieder 10 Min später kam er wieder und meinte wir dürfen uns ruhig auch auf die Terrasse setzen, er würde das Licht für uns anlassen. Nochmal 10 Min später reichte er uns dann den Schlüssel und meinte wenn es kalt wird nachts, dürfen wir ruhig auch drinnen schlafen, den Herd benutzen oder duschen. Sehr sehr nett! Die warme Dusche nahmen wir dann am nächsten Morgen in Anspruch. Als kleinen Dank kauften wir dem netten Herren einen guten Tropfen aus der Region. Weiter ging es die 50 km langen Gebirgsrundweg um einen Stausee herum. Hier entstand auch das aktuelle Hintergrundfoto für diesen Blog - "das U-Boot". So wird dieses Bild von dem See genannt, in dessen Mitte eine imposante Felsformation herausragt. Der Name kommt daher, dass der See im Sommer so viel Wasser führt, dass die herausragenden Felsen dann fast vollständig verschwinden. Der Anblick war wirklich atemberaubend. Hier, auf 1200 m Höhe verbrachten wir dann die zweite Nacht und konnten somit den Ausblick bei Abend- und Morgendämmerung bewundern.

Über Mendoza-Stadt ging es dann weiter nördlich in den Nationalpark Ischigualasto (Valle de la Luna, Mondtal) im Bundesstaat San Juan. Der Park kann nur mit Auto erkundet werden, wobei man sich hierbei einer geführten Tour anschließen muss. Das ganze läuft so, dass sich alle Autos am Eingang hintereinander aufstellen und zu einer bestimmten Uhrzeit geht es dann los und alle Autos fahren in Kolonne mit etwa 35 km/h über den huckeligen Boden dem Guide hinterher. An wichtigen Punkten wird halt gemacht und es folgt ein kurzer informativer Vortrag. So erfuhren wir wie es zu den eigentümlichen Gesteinsformationen die dem Park seinen Namen gegeben haben kam. Wohl hauptsächlich aufgrund von Erosionen und den extremen Temperaturschwankungen die hier herrschen. Im Sommer ist es hier tagsüber um die 45 Grad heiß und nachts weit unter 0 Grad. Wie gut, dass wir im Herbst hier waren bei angenehmen 25 Grad. Leider wurde es nachts zum ersten Mal richtig kalt. Wir vermuteten Temperaturen unter 0 Grad. Schön eingepackt haben wir aber die Nacht gut überstanden. Weiter über den Park zu erzählen gibt es noch, dass hier die ältesten Reptilien-Funde überhaupt gemacht wurden. Etwa 230 Millionen Jahre alt sind diese Funde und stammen von Vorfahren der Dinosaurier ab! Leider gab es hierzu nur ein unspektakuläres Museum, mit ein paar Nachbildungen.

Nach diesem Park steuerten wir Chilecito an. Ein kleines Dorf im Bundesstaat La Rioja. Hier lernten wir den argentinischen Schwiegersohn unseres potentiellen Autokäufers Heiner kennen. Er ist Automechaniker (der Schwiegersohn) und konnte sich die Begeisterung des Wagens gegenüber nicht verkneifen. Anlässlich Vincents 8. cumple meses - Monatsgeburtstages, gingen wir nach erfolgreicher Inspektion des Wagens, in eine etablierte Parrilla - ein argentinisches Steak-Haus. Einmal in Argentinien wollte Dennis schließlich auch mal Rindersteak gegessen haben. Für mich gab es eine hausgemachte Pasta. Es war ein Sonntag. Kurz nach Ladenöffnung um 12 Uhr mittags trafen wir in dem Laden ein, der sich nach kurzer Zeit mit dem Rest des Dorfes füllte. Jung und alt begrüßten sich mit Küsschen, Tische wurden zusammengeschoben, die Stimmung war trotz der frühen Uhrzeit auf Hochtouren. Dazu war die Bedienung sehr zu vorkommend und das Essen schmeckte ausgezeichnet. Vielleicht sollten wir doch Restaurant-Kritiker werden? Einen Punktabzug gab es jedoch. Auf die Rechnung mussten wir eine geschlagene Stunde warten. Hierbei wurde uns dann aber noch ein kleines Kunststück vorgeführt. Der uns bedienende Kellner wurde zu einer kleinen Dame zitiert. Er sagte ihr dann auswendig unsere Bestellung auf und sie schrieb alles blitzschnell auf einen Zettel. Dazu den entsprechenden Preis. In Windeseile wurde dann alles im Kopf addiert. Mit einem Grinsen gingen wir aus dem Laden heraus. Die Leute an den Tischen beglückwünschten uns noch zu unserem hermoso bebe (zauberhaftes Baby) und machten Fotos. Das waren wir ja mittlerweile gewohnt.
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