Ein Abend mit Freunden
Tag 8: Wir waren heute auf dem Markt in Almarda, einen kleinen Vorort von Sagunto. Wir kennen diesen Markt sehr gut, denn jedesmal, wenn wir sonntags hier auf dem Campingplatz...


Veröffentlicht: 24.03.2025







9. TAG: Unser letzter Tag in Sagunto. Morgen brechen wir auf in Richtung Carmona, einer 30.000 Einwohner großen Stadt, die den Anfang der Via de la Plata markiert. Davon später mehr.
An unserem letzten Tag in Sagunto hätte um Haaresbreite unser letztes Stündchen geschlagen. Icke hatte auf unserer gestrigen Radfahrt zum Markt in Almarda abseits der Straße einen Teich entdeckt, der von Schilf umstanden ist und auf dem sich unzählige Vögel tummeln. Den wollte sie heute noch einmal besuchen, ausgerüstet mit ihrer Fotokamera. Der Zugang zum Wasser war nicht einfach, es dauerte, bis wir einen schmalen Trampelpfad entlang eines Wasserkanals fanden, der uns näher heranbrachte.
Wir schlichen also so dahin, als Icke abrupt stehen blieb und mit aufgerissenen Augen ins seitliche Schilf deutete. „Wildschweine …“, flüsterte sie. „Riesengroß!“ Ich drehte mich um, als auch schon die Hölle losbrach. Schreie, Quieken, Grunzen, Getrampel – ich sah schon einen riesigen schwarzen Schatten auf mich zustürzen. Ich war vor Schreck zur Salzsäule erstarrt, genauso wie Icke neben mir. Wir hatten Glück, denn der etwa zwei Meter breite Kanal lag zwischen uns und den Ungeheuern. Aber wie tief war der? Konnten die da durchschwimmen? Oder vielleicht sogar darüber hinweg springen?
So schnelle das Getöse und der ganze Tumult begonnen hatte, so schnell war er auch vorbei. Das Ganze hatte vielleicht zehn Sekunden gedauert. Das ist nicht viel, aber es hat mir gezeigt, wie hilflos wir in Ausnahmesituationen sind. Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn uns die Tiere angegriffen hätten …
So bin ich nun nicht traurig, dass unser Weg nun mehr in städtische Gefilde führt, wo wir den Herausforderungen erfahrungsgemäß besser gewachsen sind. Morgen brechen wir auf nach Carmona. Das sind über 600 Kilometer von Sagunto aus. Wir werden eine Zwischenstation einlegen in Valdepenas – was übersetzt „Tal der Felsen“ heißt. Das hört sich doch vielversprechend an. Dort habe ich einen schönen Stellplatz ausgekundschaftet, der uns eine ruhige Nacht verspricht.
