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En Route to New York

Veröffentlicht: 09.01.2017

Wir sind nun auf dem Weg nach New York und haben die „Procupine Abyssal Plain“ passiert (für die Geografen unter euch!). Das Meer ist jetzt schon ganz schön aufgewühlt mit hohen Wellen. Wenn man aus dem Fenster sieht, ist das beeindruckend, obwohl es heißt , wir hätten nur moderaten Seegang. Aber das Schiff liegt sehr ruhig, es schaukelt eigentlich nicht, die Kapitänin sagt, dass wir nur am Rande des Tief fahren, das auf GB zuläuft, daher ist das Wetter mit 14 Grad plus echt noch gut, besser als bei euch, glaube ich. 2518 Seemeilen sind es noch bis New York, also noch ein ganzes Stück zu fahren.

Die Seetage sind entspannt, aber nicht langweilig, weil sehr viele Veranstaltungen angeboten werden oder die Leute einfach nur in den schönen Aufenthaltszonen relaxen, lesen. Man die unterschiedlichsten Dinge machen und muss schon einen Zeitplan haben. Heute beginnt z.B. ein Fechtkurs für Anfänger, wenn man denn mag, dann viel Sport wie Yoga, Pilates, man kann crocket, short mat bowls und paddle tennis spielen, deren Bereich überdacht und geschlossen ist. Wer sich nach Musik bewegen will, macht Line Dance mit, oder nimmt Tanzunterricht bei dem professionellen Tanzpaar an Bord. Der Spa Bereich ist sehr, sehr elegant mit allen Anwendungen, die es gibt. Wer es kreativ mag: Man kann heute morgen mit Aquarellfarben unter Anleitung malen oder was ich gemacht, einen Fotokurs in digitaler Fotografie belegen. Da lerne ich viel, habe auch Hilfe und deshalb bin ich jetzt auch im Camera Club für die ganze Reise. Das Gespräch mit den Experten hilft viel, das habe ich eben schon gemerkt. Das alles ist ohne jegliche Kosten, lediglich Einzelunterricht bei einem der 5 professionellen Fotografen oder eine Fototour mit ihm kostet extra.

Schön ist auch, dass viel Musik angeboten wird zum Zuhören. Im Pub spielt die Band Dixieland-Jazz, nach dem Mittag gibt es ein Klavierkonzert, klassisch und modern, also overcross. Gleichzeitig laufen Vorträge im Rahmen der „Insights Lectures“. Viele Leute spielen die verschiedensten Spiele im Card Room oder Puzzeln ein paar Teile an den Puzzeltischen. Oder man lässt sich die Meeresluft draußen um die Nase wehen.

Allmählich gewöhne ich mich an die fortlaufende Zeitumstellung, jeden Abend vor dem Schlafen gehen muss man die Uhr eine Stunde zurückstellen, vorgestern sogar zwei um Stunden, insgesamt sind es bis New York 5 Stunden Zeitunterschied.

Gestern war ein ruhiger Seetag, fast glattes Meer und milde Luft draußen beim Laufen. Allmählich komme ich in den Tagesablauf rein und vor allem finde ich auch alles in der Kabine in den vielen Schubfächern und Schränken wieder. Man kann das trotz der Gepäckmenge doch übersichtlich halten.

Ich habe gestern einen Vortrag mit kleinem Film über die Verleihung von Ritterorden o.ä. am englischen Königshof angehört. Der Referent ist war ein bekannter Royalty-Experte und hat schon 28 Bücher über das Königshaus geschrieben, also so etwas unser ein britischer Seelmann-Eggebrecht. Das war recht lustig, vor allem der Film, der so eine Zeremonie vom Ankommen der Leute bis zur Verleihung zeigte. Der Formel 1-Rennfahrer Hamilton war auch dabei.

Die werden eine Stunde vorher von einem Zeremonienmeister gedrillt, was sie wie und wo zu tun haben, dabei ist sogar die Anzahl der Schritte vorgegeben, das Niederknieen wird geübt und der Einsatz zum Losgehen. Es wird zwar mehrfach vorgemacht, führt aber dazu, dass die Leute immer mehr Lampenfieber kriegen, ihre Gesichter große Anspannung und manchmal auch blanke Angst zeigen, bis dann gar nichts mehr klappt. Sie müssen sich Kommandos einprägen, wie z.B. in dem Moment, wenn die Königin ihnen die Hand reicht, vorher ist nicht Reagieren verboten. Bei dem Handgeben hieß der Spruch: „Take it, shake it and let it go!“ Fand ich sehr amüsant. Auch dürfen die Männer beim Begrüßen nicht den Oberkörper beugen, sondern nur ein intensives Kopfnicken machen, das sah sehr lustig aus, wie sie das dann geübt haben. Die Ladies und zukünftigen „Dames“ machen einen kleinen Knicks. Für die ganz Aufgeregten gibt es eine Begleitung, die dann diese armen Wesen einhakt, mit denen durch die angrenzenden Räume geht und sie mit Gesprächen ablenkt , um Stress abzubauen. Ich hätte nie gedacht, dass das alles so durchgetaktet ist und geübt wird. Kein Wunder, dass sich da Menschen auch völlig überfordert fühlen, wenn sie so etwas nicht kennen. Geschäftstüchtig ist der Palast auch, wenn einen Video-Mitschnitt von dem Moment haben will, personalisiert, versteht sich, kostet das stattliche 140 Pfund.

Ich lerne also Neues über die britischen Sitten und Gebräuche. Ich hatte auch ein interessantes Gespräch, als wir im Hafen von Southampton lagen und im Ballroom eine Veteranen-Militärkapelle in roten Uniformen mit weißem Tropenhelm ordentlich auf die Pauke haute und Militärmusik machte. Der Abschluss der Aufführung war wie eine Miniausgabe der „Last Night oft the Proms“ mit2 „ Pomps and Circumstances“. Alle schmetterten das „Land of Hope and Glory“ and „Rule Britannia“ und wir, ich natürlich auch, schwangen unseren Union Jack. Da meinte mein Nachbar, dass sie wohl bald eine neue Flagge konzipieren müssten, wenn Schottland austrete aus dem UK. Das war mir bis zu diesem Moment noch gar nicht so klar gewesen, dass dann das Blaue aus der Flagge weg muss, denn es steht ja neben den anderen beiden Farben für England und Wales für Schottland. Daran knüpfte sich dann ein interessantes Gespräch über die schottische Präsidentin, der die Engländer natürlich nicht positiv gegenüber stehen. Ich lerne hier also echt dazu!

Besonders britisch ist der Afternoon Tea im Ballroom, der Kellern in weißem,kurzem Jackett und weißen Handschuhen in den drei Gängen sandwiches, scones und kleine Küchlein serviert wird. Es spielt ein Streichquartett aus vier jungen Damen, was eine schöne Atmosphäre schafft. Da ignoriere ich schon die Kalorien und verzichte auf den Lunch. Mir fällt auf, dass alle hier sehr auf die Essensmenge achten und Mahlzeiten bewusst auslassen, also nicht essen um jeden Preis, weil man es ja bezahlt hat bzw. weil es einen verführt. Das ist ja auch vernünftig. Zudem habe ich zur Kontrolle meine Waage dabei.

Heute gestaltet sich der Tag noch festlich, mit Kapitänsempfang am späten Nachmittag, formaler Kleidung, d.h. Smoking oder dunkler Anzug und dem ersten Cunard Ball. Ich berichte!

Bis bald!

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