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Veröffentlicht: 19.05.2026

Radtour
Grodziszcze → Jesenik
Über Eiben weg

Tag #18

Montag, der 18.05.

Von Grodziszcze bis Jesenik

Alles ist grau in grau und es fängt ein leichter Nieselregen an.

Also aufstehen, damit die Sachen noch möglichst trocken eingepackt werden können.

Zum Glück bleibt es heute ansonsten trocken.

Ich bin immer noch sehr abgeschieden und so ist auch das erste Lebewesen, dass ich seh, ein Reh, dass vor mir den Weg kreuzt.

Buckelpisten wechseln sich mit Schlaglochstraßen ab.

Irgendwann will mich mein Navi im Ort dann auch wieder in eine Seitenstraße schicken. Kurzer Blick auf die weitere Strecke und da beide Wege wieder zusammen kommen, bleibe ich auf der Straße, statt der Route zu folgen. Man lernt dazu, da bevorzuge ich den Asphalt. Manchmal gibt's den sogar in glatt.

Auch landschaftlich gibt es viel Abwechslung und mir präsentieren sich wunderschöne Städtchen, und auf dem Land steigt mir der Duft von Raps und frisch gemähtem Gras in die Nase. Hilfreich, da es sonst schwierig wäre den ein oder anderen Pfad zu erkennen. Ansonsten wäre es nur Wiese.

Auf den asphaltierten Stücken komme ich gut voran. Heute ernte ich auch die gestrige Saat. Auf den ersten 50km geht es überwiegend bergab.

Der erste Einkauf alleine kommt und nimmt entsprechend mehr Zeit in Anspruch. 

Abschließen, Elektronik abnehmen, einkaufen ... Bisher war es immer super praktisch, dass Dave das übernommen hat. So konnte ich in der Zwischenzeit Bericht schreiben.

Dave ist vergangene Nacht übrigens wieder gut zuhause angekommen. Alle Verbindungen waren überraschenderweise pünktlich. Läuft doch, deutsche Bahn.

Am Nachmittag könnte ich mich dann sogar an der Sonne orientieren. Oder so. In den Wolken ist ein heller Flecken zu erkennen.

Kurz darauf zeigt sie sich sogar mal kurz und gibt einen Vorgeschmack auf wärmere Tage.

Die hoffentlich bald kommen werden.

Abwechslung bringt nochmal ein kilometerlanger Deich. Allerdings ist im Moment weit und breit kein Wasser zu sehen. 

Das kommt später und es breitet sich eine riesige Wasserfläche vor mir aus.

Unfassbar, mit welchen Eindrücken ich bombardiert werde und ich fahre gut gelaunt weiter.

Man wird genügsam bei den Wegen und es macht alles Freude, was einen halbwegs fahren lässt, ohne komplett durchgeschüttelt zu werden.

Im letzten Drittel des Tages kommen die Höhenmeter. Und ich der tschechischen Grenze immer näher.

Gegen Abend heißt es dann wieder Wasser besorgen. Und es fällt mir schwer mich zurückzuhalten, also greif ich nochmal bei den Teilchen zu.

Dann gibt es noch einen mörderischen Anstieg. Mit bis zu 22% Steigung, die es zu bewältigen gilt.

Oben angekommen seh ich dafür die Abfahrt des Todes.

Halb Treppe, halb Abflussrinne.

Zum Glück entscheide ich mich, unten sehe ich eine Joggerin, also wird da ja irgendwas sein, dafür stumpf der Route zu folgen und beginne den Abstieg.

Zu Fuß, ich mag mein Leben.

Die Bremsen leisten ganze Arbeit, dennoch rutscht schon mal der Vorderreifen weg.

Unten angekommen erwarten mich Bahnschienen, eine Absperrung und eine Böschung.

Inzwischen geht auch eine Frau hinter mir runter. Alles sehr sonderbar.

Kurzer Austausch, dann seh ich auch einen Radweg. Und den Grund für die Strapazen, die Brücke vom Radweg ist weggespült.

Also Rad einmal über die Schienen wuchten, die letzten Meter runter und weiter geht's.

Im nächsten Ort fällt mir auf, dass die Autos andere Kennzeichen haben und ich realisiere, dass ich den Grenzübergang nach Tschechien durch die vorherige Aktion verpasst hab.

Weitere Indizien bestärken mich darin im dritten Land meiner Reise angekommen zu sein.

Es gibt bessere Straßen, die Häuser sehen etwas besser instand aus, weiße Kirchen haben die Backsteine abgelöst und es gibt einen Radweg.

Der mich durch's Tal entlang eines Flusses führt.

Wunderschön und gut, um die letzten Kilometer zu machen, bis ich wieder durch einen bewaldeten Abschnitt komme.

Tal bedeutet allerdings auch hier, unten ist alles bebaut oder Landwirtschaft und Wald gibt's am Hang.

Also noch einen Berg hoch schieben und schon bin ich im Wald verschwunden.

Über Eiben weg, der selbst Komoot unbekannt ist. Oder es liegt am fehlenden Internet, dass er mir nicht angezeigt wird. 

Mir soll's recht sein.

Nachdem mein Nachtlager aufgebaut und das Abendessen verdrückt ist, hau ich mich in die Hängematte und lass nochmal die letzten Tage Revue passieren.

Mein Fazit zu Polen:

Es ist ein weites und schönes Land. Die Dörfer sind lang gezogen und meistens alle Häuser an der einen existenten Straße.

Die Menschen, denen wir begegnet sind, waren eigen und wirkten im ersten Moment abweisend. Dies scheint wohl kulturell bedingt zu sein und hat mit einem Anspruch nach Aufrichtigkeit zu tun. Wenn etwas kommt, dann ist es aufrichtig.

Wir trafen auch viele nette Menschen, die bei den Reparaturen Hilfe anboten, oder uns berieten bei der Suche nach einem Campingplatz. Okay, wir brauchten keinen Campingplatz, doch das haben wir für uns behalten und es blieb ein netter Austausch.

Die Infrastruktur ist ausbaufähig, wobei es den Eindruck macht, dass investiert wird.

Fasziniert hat mich auch die Backsteingotik. Insbesondere der Dom in Poznan.

Schön, dass es bereits eine Entscheidung gibt, nochmal her zu kommen.

Song des Tages:

Decapitated - Earth Scar (Zum Abschluss eine polnische Band)

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Frühling
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Grenzübertritt nach Tschechien
  • mörderischer Anstieg mit bis zu 22% Steigung
  • Abfahrt des Todes
  • weggespülte Brücke vom Radweg
  • Nachtlager im Wald
Hängematte
RoadtripTransitNatur
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