Von Felsenburgen und Hängematten
Tag #79 Samstag, der 18.07. Von Ljubljana bis irgendwo zwischen Bukovje und Podkraj [Anmrk.d.Red.: Die letzten Tage waren bewegt durch das Festival und die anschließe


Veröffentlicht: 02.08.2026
























Tag #80
Sonntag, der 19.07.
Von irgendwo zwischen Bukovje und Podkraj bis Tolmin
Land: Slowenien
Es war ein toller Plan mir einen Wecker zu stellen.
Den ich erstmal gekonnt ignoriere. Und in meiner Theorie habe ich ihn einfach neu auf sieben Uhr gestellt.
Ein Trugschluss, wie ich feststelle, als ich gegen acht Uhr endgültig wach werde.
Immerhin habe ich mir ja gewünscht nochmal richtig ausschlafen zu können.
So wird es ein später Start, nachdem ich meinen Kram zusammen gepackt habe.
Im Sonnenschein, der durch das grüne Blätterdach auf die moosbewachsenen Steine und mich herabscheint.
Gemütlich geht es weiter über den Waldweg, der sich bei leichtem auf und etwas ab durch die Berge schlängelt.
Bis zu einer extremen Steigung, die mich zum Fußgänger macht.
Eine Abkürzung über die Landstraße wäre möglich gewesen, doch es ist der letzte Reisetag und da wird alles auf der Route mitgenommen.
Zumal es dadurch ja auch nochmal eine weitere Abfahrt gibt.
Meine Kopfhörer haben inzwischen arge Probleme zu laden, doch nach viel Geduld ist es so weit und ich kann mir endlich die Once Upon A Dream Playlist anmachen, um während der letzten Kilometer nochmal die Reise durchleben zu können.
Pause mache ich, als ich eine Bank im Schatten finde.
Praktischerweise befindet sich danebenliegend eine Wasserstelle, sodass ich meine Flaschen auffüllen kann.
Kurze Zeit später folge ich der Empfehlung aus dem Reiseführer und gönne mir etwas Hike & Bike Fun.
Das wird es, wie versprochen. Die Belohnung ist eine unglaubliche Aussicht in das vor mir liegende Flachland, um welches sich die Berge in einem weiten Bogen herum ziehen.
Mein Fahrrad schließe ich kurz an und gehe eine weiteres Stück zu Fuß.
So gelange ich an das Otlica Fenster.
Eine riesige Öffnung in der Felswand, die sich vor mir erhebt und durch welches sich ein spannender Blick in die Tiefebene ergibt.
Doch es wartet ein letztes langes Klettern auf mich und so muss es weitergehen.
Auf den letzten Metern werd ich noch von einer Gruppe älterer Herren überholt. Beruhigend für mich, dass sie mit elektronischer Unterstützung unterwegs sind.
Nach einem kurzen Austausch geht es ab in die Tiefe.
Die Abfahrt ist unglaublich schön und vor allem kurvenreich. Links erhebt sich die steile Felswand und auf der anderen Seite ist der Abhang zum Tal.
Die Straße ist zwar recht schmal, doch ein zügiges fahren ist zum Glück trotzdem problemlos möglich.
Perfekt, für die letzte Abfahrt.
Wieder auf der Landstraße angekommen wird zusammen mit einem Autofahrer erst noch eine Couch von der Straße geholt, die eine Fahrspur blockiert.
Freie Fahrt und Endspurt, Tolmin ist nur noch wenige Kilometer entfernt.
Angekommen!
Am Zusammenfluss von Soca und Tolminka lasse ich mich in den Sand fallen und versuche den Moment zu realisieren.
Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl, das mich überkommt.
Freude, die Strecke geschafft zu haben, Stolz auf die erreichte Leistung, Glück, dass alles gut gegangen ist, Bedauern darüber, dass es vorbei ist.
Ein wilder Mix.
Und es ist keiner da, um den Moment teilen zu können.
Kurz schaue ich mir die Vorbereitungen für das anstehende Festival an, bevor ich mich auf den Weg zum angedachten Campingplatz mache.
Um dort zu erfahren, dass alle Plätze belegt sind.
Auch für die kommenden Tage, sodass es einer Alternative bedarf.
Es gibt noch einen weiteren Campingplatz in der Stadt und dort habe ich Glück, es gibt noch ausreichend Platz.
Erstmal trinke ich in Ruhe was in der Bar und mache mich dann an den Aufbau meines Zeltes.
Mein Plan sah vor nochmal in der Bar etwas zu trinken, den nächsten Bericht zu bearbeiten und anschließend für eine Pizza in die Stadt zu gehen.
Und dann kommen Goraz und Igor.
Zwei ältere Slowenen, die sich mit bei mir an den Tisch setzen und wir kommen schnell ins Gespräch.
Es geht um die Festivals in der Stadt und deren Vorteile für die Menschen.
Zumal Igor selbst seit Jahren als Besucher beim PunkRockHoliday ist.
Meine Reise wird Thema und Fußball läuft im Hintergrund.
Zumindest in meinem Rücken, denn auch das Endspiel möchte ich ignorieren.
Viel besser ist die Unterhaltung mit den beiden Slowenen und so erfahre ich, dass über die Rezeption Pizzen nach hier bestellt werden können. Was wir auch prompt machen.
Doch da wir bereits sehr lange warten und es unter Umständen keine Lieferung mehr geben wird, macht sich Goraz selbst auf den Weg zu einer anderen Pizzeria.
Und da kurz danach unsere Bestellung ankommt haben wir bald vier Pizzen und viele Menschen um uns herum, die wir mit Essen glücklich machen können.
Das Highlight ist, dass die Aussicht darauf Jenni wieder zu sehen immens steigt.
Aufgrund einer falschen Information ihres Campingplatzes in Österreich müssen sie weiter fahren und entscheiden sich dafür durch zu fahren.
Zumal es für die Rezeption in Ordnung ist, wenn sie mitten in der Nacht anreisen.
Läuft doch.
So sehen Jenni und ich uns früher als erhofft wieder und es gibt zum Ende meiner Tour einen krönenden Abschluss.
Song des Tages:
Lamb of God - Now You've Got Something To Die For
