newzealandinspiration
„Orientierungslose Abiturienten machen sich ans andere Ende der Welt auf.“ Dieses Klischee eines neuseeländischen Backpackers erfüllen wir schon Mal komplett. Relativ spontan entschlossen wir uns Anfang August dazu, Work & Travel in Neuseeland machen zu wollen. Dass wir unbedingt ins Ausland wollten, stand zwar schon immer fest, dass es so weit weg sein würde, allerdings nicht. Von Oktober bis April 2020 waren wir also mit einem klapprigen alten Toyota Estima auf Nord- und Südinsel unterwegs, arbeiteten auf Kiwifarmen, gerieten in die Coronakrise und mussten am Ende mit der deutschen Rückholaktion nach Hause geflogen werden. Das Einzige, was wir an dieser ganzen Zeit bereuen ist aber, dass uns so viele Probleme erspart geblieben wären, hätten wir einige Dinge einfach vorher gewusst... Deshalb haben wir versucht, hier alles aufzuschreiben, was wir nur mit viel Mühe oder durch Ausprobieren herausgefunden haben. Wir hoffen, zukünftigen Backpackern damit eine Hilfe sein zu können. Außerdem teilen wir mit euch all unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Auf und Für eine unvergessliche Zeit in Neuseeland! - Anna und Celina

-Kapitel 28- Die obdachlosen Backpacker..

Wie ich schon einmal geschrieben hab, mussten wir schnell feststellen, dass Backpacker zum größten Teil Schnorrer sind, die dem Staat auf der Tasche liegen. Es ist auf jeden Fall Mal eine Erfahrung, so günstig wie möglich zu leben. Aber was ich so nicht erwartet hab ist, dass so eine Lebensweise auch sehr anstrengend, und vor allem zeitaufwendig sein kann. Jeden Tag woanders zu sein, bedeutet auch, jeden Tag zu planen wie es weiter geht. Eine Tramperin sagte zu uns „You don't have to have a plan.“ als sie uns fragte, wo wir die nächste Nacht bleiben würden. Das ist wohl die Freiheit. Ich glaube, wenn Work and Travel in einer Hinsicht nicht zu uns passt, dann weil Celina und ich uns nicht entspannen können, ohne zu wissen wo wir am nächsten Tag schlafen. Dazu kam der Druck, den wir uns selbst wegen des Geldes machten. Wir wollten immer das verdienen, was wir ausgegeben hatten, aber da wir in unsere Ausgaben das Auto hineingerechnet hatten, ging schon Mal ein großer Teil unseres verdienten Geldes dafür drauf. So kam uns alles was wir kauften zu viel vor, obwohl wir wirklich sparsam lebten.

Nach den tollen Weihnachtstagen brachen dann die Obdachlosentage an. Ich setze einfach ab jetzt immer den Hashtag #obdachlos, wenn eine Situation kommt, in der wir uns besonders arm vorkamen. Also los:
Es gibt keine normalen Campingplätze in Wellington, deshalb mussten wir die Tage auf dem einzigen kostenlosen Campingplatz, alias einem großen Parkplatz mitten in der Stadt verbringen. Wir wanderten zur Aussichtsplattform des Mount Victoria, (in dessen Wald wir uns verliefen)

Aussicht vom Mount Victoria
Aussicht vom Mount Victoria

und verbrachten eine Nacht auf einer privaten Bezahlzufahrt, die das Geld nicht wert war. In der Bestätigungsemail gab uns der Besitzer dieser Auffahrt Tipps für kostenlose Duschen in Wellington.

Wir hatten die Wahl zwischen einer Dusche auf einer versteckten Toilette im Baumarkt, oder der Dusche am Flughafen. Das machten wir dann wirklich. Wir fuhren einen Morgen in Richtung Flughafen, parkten auf den kostenlosen Parkplätzen ein Stück weiter weg, und packten uns einen kleinen Rucksack mit einem Minihandtuch und allem, was wir brauchten. Es fühlte sich ein wenig an, als würden wir etwas Verbotenes tun, als wir zwischen den Reisenden auf der Dusche in den Toiletten verschwanden. Es hat uns ziemlich viel Überwindung gekostet, doch am Ende gingen wir in dem Wissen jetzt wahrlich Backpacker zu sein, mit nassen Haaren wieder aus dem Flughafen raus. #obdachlos

duschen am Flughafen..
duschen am Flughafen..

Wir waren bei Weitem nicht die Einzigen, die die Weihnachtstage in Wellington verbringen wollten. Zwei Tage vor Silvester besuchten wir das Te Papa Museum, 

tausende bunte Schnipsel hingen in der Luft
tausende bunte Schnipsel hingen in der Luft

und kamen am Nachmittag bei unserem Parkplatz für die Nacht an. Obwohl es über 50 Plätze dort gibt, mussten wir in einer Reihe mit anderen Wartenden anstehen. Und es war sogar umsonst, denn abends waren wir unter den 10 Autos die vom Parkranger weggeschickt wurden. Sie empfahl allen, Plätze, an denen man legal und umsonst übernachten konnte, nämlich verschiedene Parkreihen an Wellingtons Hauptstraßen. #obdachlos.

Das Ding ist, dass uns nichts anderes übrigblieb. Also parkten wir an einer breiten Straße in der Nähe, und versuchten so viel Schlaf wie möglich zu bekommen. Am nächsten Morgen mussten wir nämlich vor 8 wieder weg sein, das war die Regel. Der Witz war, dass ich beim Einschlafen dachte, Celina wäre noch ewig am Handy. Dabei war es das helle Licht der Straßenlaterne, das auf ihr Gesicht schien. #obdachlos

Also klingelte um 5 vor 8 der Wecker. Ich fuhr uns im Schlafanzug zu dem Parkplatz, wo schon eine lange Wartereihe stand. Wir stellten uns in die zweite Reihe, wo wir dann vier Stunden stehen mussten. Immer wenn wieder neue Camper auf den Parkplatz kamen, und die Warteschlange sahen, drehten sie entweder um, oder fragten uns wie lange wir schon warten würden, um abzuschätzen ob es sich für sie lohnen würde. Wirkt es ein bisschen verzweifelt von 8 bis 12.30 Uhr auf einen Stellplatz eines kostenlosen Parkplatzes zu warten? ...#obdachlos

Als dann endlich jemand wegfuhr, parkten wir zwischen einer Menge zusammengehöriger Deutscher, die in Wellington ihr Leben so richtig genossen, und den ganzen Abend den Platz mit lauter Musik unterhielten. Als wir bei der Toilette unsere Teller abwuschen, meinte ein Typ, der die ganze Zeit vor uns in der Warteschlange gestanden, und manchmal mit uns gequatscht hatte: „Ihr habt ja einen tollen Platz bekommen, zwischen den ganzen Teenagern.“ Das fanden wir irgendwie ziemlich komisch, weil er uns nicht zu den 18jährigen gezählt hatte, obwohl wir wohl kaum erwachsen aussehen.

Für die Silvesternacht hatten wir in einem günstigen Hostel gebucht. Deshalb wollten wir am Silvestermorgen nichts wie weg. Die deutschen saßen in Gruppen um unser Auto herum, hörten laut deutschen Rap und zogen Joints. Als wir uns startklar ins Auto setzten, und den Motor starten wollten, hörten wir das altbekannte Geräusch einer leeren Batterie. Die Deutschen hörten es leider auch. Beschämt mussten wir nach einem Jumpstart fragen. Tatsächlich waren sie die unhilfsbereitesten bisher, obwohl es ungefähr 10 potenzielle Helfer gab. Am Ende war es natürlich trotzdem nett, dass sie es gemacht haben. Nach ein paar genervten Blicken und Rumdiskutiere war dann klar, dass die Autos zu beiden Seiten uns nicht helfen konnten, weil die eine Batterie zu schwach war, und der Typ von dem anderen mit dem Autoschlüssel unterwegs war. „Dann schieben wir es raus“ meinte der eine. 5 Minuten später waren 5 Jungs dabei unser Auto aus der Parklücke zu schieben. Dann ging es wieder zurück ins Parkhaus.

-> Fortsetzung folgt

#workandtravel#newzealand#backpacker#campen#obdachlos#travelblog
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