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Tag 26: Reggae im Ohr und Blitzkrieg im Darm

Veröffentlicht: 02.08.2016

26 25.07.2016


Uhi, lange geschlafen heute, fast schon verschlafen würde ich sagen, aber man soll ja auch bei Kräften bleiben. Mein erster Gedanke gilt mal wieder meiner Verdauung, die leider auch heute ein ziemlich liquid – aktives Eigenleben führt. Wenn ich über den heutigen Tag berichte muss ich leider auch erwähnen, dass dies beginnt, mir auf die Nerven zu gehen. Ich habe ganz offensichtlich keinen klassischen Reisedurchfall, vielmehr packt mein Körper vom Brustkorb abwärts anscheinend die gesamtasiatische Nahrungszufuhr nicht mehr so richtig, was ärgerlich ist, da überm Brustkorb noch immer Appetit und Hunger vorherrschen. Jedenfalls beschließe ich nun mal tatsächlich zu fasten und ernähre mich den ganzen Tag nur von Toastbrot und Potato – Bread.

Als wir es endlich aus dem Hostel schaffen fahren wir ins Heritage – Viertel und sehen allerlei mehr oder weniger aufregende, ältere Gebäude. Auch besuchen wir das I <3 KL Zeichen, ein mehrere Tonnen schweres Emblem, mit dem man sich fotografieren lassen kann. Ich bin gleich sehr versucht es als Kratz - und Kletterbaum zu nutzen.

Später besuchen wir den Park in KL, welcher sehr schön gepflegt ist und fast an europäische Standards erinnert. Im Orchideengarten werden Fotos noch und nöcher geschossen. Da spiele ich ja noch einigermaßen mit. Als mir dann aber im Hibiskussgarten ein Kuss von meiner Holden verwehrt wird, bin ich fast genauso verärgert wie über die Tatsache, dass ich in Koala Lumpur nun nicht mal im Park einen Koala Bären entdecken kann (vielleicht sind sie ja nachtaktiv).

Da wir wohl seit 3 Stunden nicht mehr geschlafen haben und mir – auch aufgrund der Schonkost – die Energie ausgeht, fahren wir zurück und horchen ein wenig, was unser Polster so zu sagen hat.

Später am Nachmittag trifft Gudi sich nochmals mit ihrer holländischen Freundin Nynke, die sie aus ihrer Studienzeit in Wales kennt und mit der sie immer noch Kontakt hält. Ganz schön beeindruckend, was für ein Netzwerk sich die Gute in diesen paar Monaten aufgebaut hat.

I´m proud!

Während die Damen sich also im alleredelsten Britisch austauschen und Tea Time abhalten, bleibe ich zu Hause. Nicht, dass ich keine Lust hätte Queen Victoria und ihrem blonden Ebenbild zu lauschen, aber ich muss noch einiges für die Uni tun. So sauge ich mir hochwissenschaftliches Faktentum über mittelalterliche Burgen aus den Fingern, während die Damen am Strohhalm ähnliches tun (Ich weiß man trinkt Tee nicht mit dem Strohhalm – man lasse mir bitte das Wortspiel).

Als ich fertig bin steht mir erst die eigentliche Aufgabe bevor – nämlich Gudi und Nynke zu finden. Zwar habe ich einen Plan, doch weiß jeder, der mich kennt, dass dies bei meiner Wenigkeit noch lange keine Garantie für ein erfolgreiches Erreichen eines Ziels ist. Schon nach kurzer Zeit spüre ich, bzw. meine Geldbörse, Gudis Abwesenheit nur allzu schmerzlich, da ich es ohne meinen Finanzhai schon an der ersten Straßenecke schaffe, für ein Deo rund 5€ auszugeben – ein Preis der wohl sogar in Österreich nur allzu leicht zu unterbieten wäre.

Abgelenkt von Reggae im Ohr und Blitzkrieg im Darm laufe ich nicht nur an unserem Treffpunkt, sondern auch an den holden Jungfern vorbei (Nachsatz 29.07.: diese Bezeichnungen passieren wenn man zuviel über das Mittelalter schreibt). Vermutlich der erste McDonald`s meines Lebens, den ich übersehe – ich muss wohl wirklich Magenprobleme haben.

Die wachsame Gudi holt mich zum Glück ein und führt uns zu einem der höchsten Tower der Stadt. Dort fahren wir in den 30. Stock und genießen einen Drink bei herrlichem und wirklich atemberaubendem Blick auf die KL – Twins. Diese Türme sind die achthöchsten Gebäude der Welt und werden auch auf fast schon erleuchtende Art und Weise beleuchtet. Um 8 Uhr ist Badeschluss, ja diese Skybar ist rund um ein Pool gebaut, und so werden wir hinausgeschmissen, um für die elitäre Gesellschaft Platz zu machen.

Am Abend holt Gudi und mich wieder einmal das nepalesische Bergfieber ein, eine Erkrankung die bei uns unregelmäßig auftritt und sich durch die mehr oder weniger intensive Auseinandersetzung mit bergreichen Themen kennzeichnet. Heute werden die Symptome, die sich eigentlich nur in Form von Entzugserscheinungen äußern, mit dem „Messner“ Film von 2012 bekämpft. Na dann, Gudi Nacht.


Gudis glorreiche Gesetze

Man muss wissen, dass die liebe Gudrun ein sehr strukturierter Mensch ist. Dies äußert sich in einigen Dingen, mich stört es aber nicht, da ich hingegen eine hoffnungslos verlorene und chaotische Seele bin. So regnet es heute Morgen und ich habe natürlich nichts dabei, um mich zu schützen. Eigentlich bin ich sicher, dass Gudi auch nichts eingesteckt hat, da wir nur kurz vor die Tür gingen, aber: Falsch gedacht! Grinsend streift sie sich einen durchsichtigen, billigsten Regenponcho über, mit dem sie samt Kapuze wie ein bestellt und nicht abgeholter Zwerg im Wald aussieht. Als ich anfange mich darüber zu amüsieren entgegnet sie mir nur keck: „ Lass mich, ich muss jetzt auch einmal sexy sein!“. Während ich vor Lachen fast mit dem Gesicht in der malayischen Gosse lande stolziert Gudi leicht hüftwackelnd und erhobenen aber trockenen Hauptes davon, was mich nur noch mehr zum prusten bringt.

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