Tag 1: Indien schlägt zu
30.6./1.7.2016 Die Anreise nach Indien, dem ersten Stop unserer Reise war wohl das Spiegelbild von dem, was uns erwartete. In der russischen Aeroflot – kein lächeln, kein...

Veröffentlicht: 13.07.2016
2.7.2016
Unser erster Weg führt uns zurück in die Stadt, ja die Stadt die uns vorher mal wieder an den Rand des Wahnsinns gebracht hat – wir sind in Indien, wir wollen was erleben – alles auf freiwilliger Basis - meist. Das Bild ist dasselbe wie davor, nur habe ich von Beginn an den Eindruck, dass wir in eine gewisse Maschinerie geraten. Von überall quatschen uns Menschen an, aber es ist nicht wie in Delhi, wo wir die Einzigen waren, hier ist man ein kleines Rädchen einer großen Touristenshow – oder wirkt dies nur für uns so? Zu Allererst bin ich davon ziemlich überzeugt. Meine Befürchtungen und mein schlechtes Gefühl bestätigen sich leider im Areal des Golden Temples. Wieso Areal? Hier geht man durch einen Metalldetektor, darf nichts außer Geld und Pass einstecken und betritt dann ein weiteres Gasserlwerk ohne einen Tempel weit und breit zu sehen. Eigentlich hätten an dieser Stelle meine Alarmglocken ganz laut läuten müssen - hatten wohl hitzefrei.
Da die Milchkühe Kuhglocken umhaben und daher den Detektor nicht passieren dürfen (nein Spaß, aber Kameras) gehe ich alleine hinein. Es zeigt sich dasselbe Bild wie außerhalb des „Tempels“. Geschäfte, Menschen überall… und Polizisten…überall Polizei...ich gehe Barfuß durch die Gassen und denke hauptsächlich darüber nach, ob die Inder wissen, dass am Eingang des Tempels ein Goldschatz in Form meiner 70€ FlipFlops zur freien Entnahme auf sie wartet. An dieser Stelle sei erwähnt… das, was diese Flipflops in Österreich zum Neupreis gekostet haben sind in Rupien in etwa 7500rp… zum Vergleich… Tee 10rp., Essen 80-120 rp. .
Jedenfalls, ich bin auf einmal der einzige Weiße unter unglaublich vielen Indern. Ein komisches Gefühl. Schnell frage ich mich, ob ich denn alles richtig mache… Schuhe an oder aus, gehe ich in die Richtige Richtung? Ist ein Tanktop okay? Nachdem ich den ersten Tempel freundlicherweise verweigert bekomme – zu männlich – zu katholisch – dass ich das einmal höre – lande ich in einem zweiten Gebäude. In diesem werde ich freundlich empfangen und in meiner im Nachhinein betrachteten, saudummen europäischen Gutgläubigkeit lasse ich mich bequatschen und mit irgendetwas bemalen. Plötzlich zähle ich zu den Menschen, die in der Stadt mit weiß bemalter Stirn und rotem Punkt darin herumlaufen. So schnell kanns gehen. Dass der Hindu dafür am Eingang eine Spende will nehme ich ja noch hin, habe aber nur 500rp scheine in meiner Tasche. Da ich das als etwas viel empfinde gebe ich ihm 2€, er will aber meinen 5€ Schein..na seis drum… dass das mehr Geld ist als 500rp ist mir zu dem Zeitpunkt nicht klar. Ich ärgere mich zwar ein bisschen ob der Schamlosigkeit, gehe aber weiter. In einem großen Raum nochmals dasselbe Prozedere. Ich bekomme irgendwelche Bänder umgebunden (die wie verrückt abfärben) und meine Stirn wird mehr malträtiert als die eines jeden Profiboxers. Nachdem mir auch hier nochmals Geld aus der Tasche gezogen wird bin ich eigentlich nur noch verstört und angefressen. Die Religion Hinduismus wird als friedliebend angesehen, das einzige was sie in mir sehen ist offenbar Geld. Ich muss gestehen ich bin wirklich enttäuscht, da ich versuche jeden der hunderten Menschen die einen hier Grüßen bzw. etwas verkaufen wollen mit Respekt zu behandeln. Im Gegenzug versucht gleich die gesamte Kultur bzw. Religion hier mich zu verarschen. Frust! Nie wieder schimpfe ich über unsere Kirchensteuer!
Verärgert und niedergeschlagen gehen wir, nachdem sich die Damen mit Hosen eingedeckt haben nach Hause. Ein schwieriger Abschnitt der Reise. Zuhause schlägt die Depression schnell in ausgelassene Freude um… WLAN vorhanden. Doch der Schreck folgt auf dem Fuße… Nachrichten Check? Meine Vermutungen werden bestätigt: Ohne mich bricht Österreich zusammen… Präsidentenneuwahlen? Wirklich? Kurz kommt die Überlegung auf zurückzufahren und mein Land zu retten. Wird aber verworfen… muss mich erst um dieses Fleckchen Erde kümmern!
Am Abend, nach einem kurzen Schläfchen ist alles wieder gut. Wir betrachten eine tolle Zeremonie am Ganges von unserem Balkon aus und freuen uns auf einen Boattrip am Ganges, welcher um 5h früh beginnt und den wir schon reserviert haben. Zum Abendessen gibt es… no na ned… scharfes Curry. Schön langsam frage ich mich, ob sich das rächen wird.