Reisetag von Kambodscha nach Vietnam
Es galt es also nun Abschied zu nehmen aus Kambodscha und der Grenzübertritt nach Vietnam stand noch an. An der Grenze angekommen, war es im Gegensatz zur Einreise in Kambodscha...


Veröffentlicht: 27.02.2025





















































Den ersten Tag in Saigon ließ ich erst einmal ruhig angehen. Ich hatte mir am Abend vorher ein paar gefüllte Croissants besorgt und Kaffee gab es auf dem Zimmer, sodass ich gut ausgeschlafen erstmal gemütlich im Bett gefrühstückt und nebenbei mit Bud Spencer und Terrence Hill im Fernsehen den Tag begonnen habe...
Um gegen 9.30 Uhr schlich ich mich dann aber doch mal los auf meine geplante Tagestour. Sehr viele (historische) Sehenswürdigkeiten gibt es für drei komplette Tage in der Stadt nicht zu sehen, sodass ich es insgesamt entspannt angehen konnte. Trotz dessen hatte die Stadt einen gewissen Flair. Meine Unterkunft liegt zentral im Distrikt 1, sodass ich fast alles mit ein paar wenigen Kilometern zu Fuß erreichen kann. Zuerst steuerte ich den Wiedervereinigungspalast an. Auf dem Weg dahin kam ich an einem netten Skulpturen-Park vorbei, der gar nicht auf meinem Radar stand. Dort schlenderte ich erst einmal etwas an den Figuren vorbei und guckte nebenbei auch etwas dem z.T. sportlichen Treiben der Einheimischen zu. Google leitete mich danach zu einem Nebeneingang des Wiedervereinigungspalastes, wo ich durch den netten Wächter darauf hingewiesen wurde, dass ich falsch sei. Also dann einmal um das gesamte Gelände herum und nach knapp 15 Minuten kam ich dann zum Eingang. Es gab wieder für ein paar (zehntausende) Dong einen deutschen Audio-Guide, prima. Dieser Palast war Sitz des Präsidenten von Südvietnam (nach dem Ende der französischen Kolonialherrschaft, einer Zerstörung des vorherigen Palastes am selben Ort durch zwei abtrünnige Piloten der südvietnamesischen Luftwaffe und dem Neubau des Palastes; so die Kurzfassung). Im Palast wurden insbesondere die Entscheidungen während des Vietnam-Krieges (hier wird der als "Amerikanischer Krieg" bezeichnet) getroffen. Das imposante geschichtsträchtige 4-geschossige-Gebäude mit unterirdischer Bunker-Anlage enthält sehr viele Konferenz-, Besprechungs-, Arbeitszimmer der Entscheidungsträger Südvietnams und war somit auch Kommandozentrale im Vietnam-Krieg...
Weiter gings danach zum "Kriegsreste-Museum". Auf dem Weg dorthin fiel einem Mann mit zufällig vorhanden Schuhmacherwerkzeugkoffer auf, dass meine Jesus-Latschen schon ziemlich mitgenommen aussahen. Erst dachte ich durch das wilde hektische Rumfuchteln, dass ich irgendetwas unbemerkt eingetreten hätte im Schuh oder irgendeine unbemerkte Verletzung. Aber nein. Schon hatte er meinen ersten Latsch in Bearbeitung und guckte, klebte, säuberte und kippte irgendwas auf den Latsch drauf. Ein zweiter Kollege kam herbeigeeilt und machte eifrig sich am zweiten Latsch zu schaffen. Ich guckte mir kurz amüsiert das Treiben an. Kollege zwei lachte als er dann noch Sand aus einer Ritze des Schuhs rausschüttete (wohl noch vom Strand in Koh Rong) und wollte mir nun die Schuhe mit neuen Sohlen - hergestellt aus ausgeschnittenen alten Autoreifen - besohlen. Das erschien mir dann doch nicht mehr sinnvoll. Ich drückte den beiden Kollegen wieder einige Zehntausende in die Hand für die Show-Einlage, schlüpfte wieder in meine Latschen und ging weiter. Eine wesentliche Verbesserung des Tragegefühls ging mit der Aktion nicht einher...
Von da hatte ich nur noch knapp 100 m bis zum "Kriegsreste-Museum"; ein ungewöhnlicher Name wie ich fand. Hier wird zunächst noch ein Haufen amerikanische Kriegstechnik aller Art ausgestellt. Im Innern verbirgt sich danach aber eine darüber hinausgehend interessante Ausstellung zum Kriegsgeschehen und auch seinen Folgen. Verschiedene Fragestellungen sind so in den westlich-amerikanischen Sphären nicht unbedingt so dargestellt oder zu erfahren. Die einzelnen Ausstellungen auf den Etagen zeigen u.a. thematisch und auch bildgewaltig "amerikanische Kriegsverbrechen", Spätfolgen der Einsatzes von Chemie-Waffen (u.a. Agent Orange) oder auch eine Darstellung der verschiedenen Anti-Kriegsbewegungen gegen den Vietnam-Krieg in den unterschiedlichsten Ländern der Welt. (Die Foto-Ausstellung zeigt auch sehr drastische Bilder und einige Zahlen waren mir bisher unbekannt; gerade die Menge an eingesetzten Bomben und Kriegsmaterial der USA )...
Auf meiner Runde gings dann weiter zur Kathedrale Notre Dame, die ich strahlend von vielen Bildern kannte. Aktuell wird diese allerdings umfangreich saniert, sodass sehr viel nur unter den Gerüsteten erahnbar ist. Nur wenige Meter ist das "Alte Postamt". Ein großes Gebäude im Kolonialstil, das auch noch seiner alten Funktion nachkommt. Hier kann man also noch Postkarten und Brief versenden und so tat ich das auch und versendete in analoger Form auch noch Nachrichten ... dann schlenderte ich weiter über die naheliegende "Booking Street" zunächst zur alten Oper und zum Rathaus. Beides ist nicht von Innen zu besuchen. Es sind imposante Gebäude im französischen Kolonialstil. Als letztes Stand noch ein Besuch auf dem Ben-Thanh-Markt auf dem Plan. Langsam brach auch die Dunkelheit schon durch. Der Markt hat für die Stadt eine gewisse - auch historische - Bedeutung. Überdacht auf einer riesigen Fläche kann man da alles Mögliche an nützlichen und weniger nützlichen Dingen erwerben. Überall befinden sich auch schmale Gänge mit Unmengen von Menschen; auch sehr vielen Touristen. Insoweit ist auch eben genau auf den Touri sehr viel zugeschnitten, sodass ich für mich da jetzt keinen besonderen Flair ausmachen konnte und mich auch schnell wieder den Menschmassen entzogen habe; ohne irgendwelchen Klimbim mitzunehmen ... Das war dann doch ein recht volles Programm bei wieder warm-hitzigen Ü-30-Temperaturen und so gings dann erstmal auf die Suche nach einem leckeren einheimischen Restaurant, was ich auch nach einer gewissen Zeit des Schlenderns fand. Dort und zu späterer Stunde in meiner Herberge ließ ich den Tag gemütlich ausklingen, denn am nächsten Tag sollte schon um 6.00 Uhr der Wecker klingeln ...
