Den letzten Tag in Saigon wollte ich ruhig angehen. Sehr viel der städtischen Sehenswürdigkeiten hatte ich ja schon abgelaufen, lediglich China-Town wollte ich noch einen kleinen Besuch abstatten. Aber am Morgen stand zunächst noch die Bezahlung meiner Unterkunft an. Ich kommunizierte mit der "Hausverwaltung" per Mail, dass dies bei der Haushälterin erfolgen sollte, die ab 9.00 Uhr vor Ort sei. Okay, ich streifte also nach meinem Morgenkaffee zu ihr in die Lobby. Mein Vietnamesisch ist eher sehr schlecht ausgeprägt, sodass die Kommunikation etwas holprig verlief. Ich wunderte mich zwar etwas, dass ich etwas weniger bezahlen musste als meine Buchung vorsah, aber wirklich böse war ich darüber nicht ... Eine 3/4-Stunde später klopfte sie an meine Tür, hatte einen Berg von Gepäck des nächsten Gastes dabei und irgendwie verstand ich, dass sie wohl meinte, dass ich heute auschecke. Wie die übliche Art in Asien lächelte sie zwar viel, aber wirklich inhaltlich verständigen konnten wir uns zur Sachlage eher weniger. Sie verstand aber, dass ich mal mit ihrem Chef sprechen wollte. Der hatte meine Buchung versemmelt und einen Tag eher meine Abreise eingetragen. Nach etwas Hin und Her und einigen Fotos von meiner tatsächlichen Buchung, die wir im Dreieck zwischen der Haushälterin, dem Chef und mir in vielfältiger Kommunnikationsweise besprachen, konnte er den Fehler entdecken und der neue Gast wurde ein Stockwerk tiefer in einem Zimmer unter gebracht...Nach dem Hin und Her war es dann schon kurz nach Mittag als ich losspazierte. China-Town lag etwas entfernt von meiner Unterkunft und statt eines Taxis wollte ich mal ein paar Eindrücke im lokalen einheimischen Busverkehr mitnehmen. Meine Linie hatte ich mir rausgesucht und wartete geduldig. Ich konnte dabei die Einheimischen beobachten, wie es mit dem Busverkehr funktioniert. Man muss die passende Linie von Weitem sehen und seinen Mitfahrwunsch durch Winken, Rumfuchteln und Schritte vom Gehweh auf die Straße anzeigen. Okay, so versuchte ich das als meine Linie kam... Allerdings zunächst mit wenig Erfolg, der Fahrer glotzte mich zwar an, fuhr aber geradlinig weiter. Ich kam mir schon etwas veräppelt vor. Hatte ich irgendetwas falsch gemacht? ... Einen Versuch wollte ich noch unternehmen und wartete noch einmal ca. 10 Minuten und dann klappte das Prozedere auch. Ich sprang also in den Bus; sowohl beim Ein- als auch beim Aussteigen hält der Bus nicht komplett an, sondern man steigt ein und aus in ein - mal mehr und mal weniger - langsam fahrendes Gefährt; wie mir die Kassiererin mit Handzeichen und einigen hastigen Worten auch verdeutlichte.Dann beobachtet ich aus dem Bus bei der 45-minütigen Fahrt das städtische Treiben etwas. In Chinatown angekommen, stellte ich fest, dass es hier alles noch etwas hektischer im Verkehr von statten geht als im Altstadtbezirk. Das Überqueren der Straße ist teilweise ein Abenteuer, wenn dir auf einer mehrspurigen Fahrbahn 7 bis 10 nebeneinander fahrende Mopeds/Roller entgegen kommen. Ein Fußgänger-Überweg mit Zebrastreifen heißt nicht, dass dort irgendwer davor anhält. Also muss man einfach mit gleichmäßigem Schritt über die Straße gehen, die Zweiräder weichen schon aus; so zumindest jedes Mal meine Hoffnung. Wenn Du ängstlich deinen Schritt verlangsamst, knallen sie in dich rein, da damit nicht gerechnet wird. Bei den ersten Versuchen dabei schnellte der Blutdruck doch etwas hoch bei mir, aber irgendwie funktioniert es und die Traube der Mopeds umsteuert einen. Also am besten Augen zu und durch ;-) ...In Chinatown findet man sporadischer englische Schilder, dafür aber viele chinesische Schriftzeichen. Ich schlenderte also etwas durch die Straßen, kehrte in einigen Tempeln ein und besuchte die katholische St. Francis Xavier Kirche. Die Tempel und auch die Kirche sind schon sehr sehenswert und anders durch ihren chinesischen Einfluss als das bisher Besuchte. Insbesondere in den Tempelanlagen dominieren unterschiedlichste Gerüche die sinnlichen Wahrnehmungen durch die massigen Räucherstäbchen in verschiedenen Größen ... Ich schlängelte mich dann noch durch einige Nebenstraßen und beobachte auch noch etwas das jeweilige Markttreiben mit vielen kleinen Geschäftchen für den täglichen Bedarf... Nach der Stippvisite in Chinatown verließ ich dieses Viertel wieder und im Altstadtbezirk kam mir nun das Verkehrsgewusel auch nicht mehr so deftig vor wie noch vor zwei Tagen... Heute früh ging es dann recht zeitig los zu meinem Flieger nach Hue; meiner nächsten Station. Ich schaute und stellte fest, dass es eine gute und schnelle Verbindung zum Flughafen mit der örtlichen Buslinie gibt und verwarf die Taxiidee, die nicht zügiger am Ziel gewesen wäre. Zudem hatte ich am städtischen Busfahren in Saigon auch irgendwie Gefallen gefunden. Also gings ab ein paar Meter zur Bushaltestelle, ich kannte ja nun das Prozedere, und schnell war ich eingestiegen für die 40-minütige Fahrt zum Flughafen. Während der Fahrt gab es auf einmal eine Vollbremsung, ich hörte den Busfahrer schreiend schimpfen und an der nächsten Ampel öffnete er die Tür, sprang über seinen Sitz und rannte los, schrie einen Rollerfahrer durch die geöffnete Tür an und konnte nur durch die Kassiererin des Busses zurück gehalten werden, ihm an die Kehle zu gehen. Sie hielt ihn mit beiden Armen am Oberkörper fest. Schon eine sehr surreale Szene; aber Busfahrer in Saigon wäre auch wiederum kein Traumberuf für mich ... Gern hätte ich verstanden, was er ihm zugerufen hat... Nebenbei: Auch auf die Anmietung eines Rollers in Saigon würde ich stets verzichten...Aber ich kam heil am Flughafen an und dort funktionierte alles prima und auch verhältnismäßig fix bei der Abfertigung. Trotzdem gab es natürlich wieder eine halbe Stunde Verspätung des Fliegers. Im beschaulichen Flughafen in Hue angekommen, orderte ich mir ein Grab-Taxi und 30 Minuten später stand ich schon auf dem Balkon meiner Herberge für die nächsten beiden Nächte und muss mich nur noch entscheiden, welches der beiden Kingsize-Betten ich heute nutze...Nach 30 Minuten Ankommen und etwas Ausspannen gings noch einige Stunden bei verbliebenem Tageslicht auf eine kleine Besichtigungstour durch meine neue Umgebung; zunächst einige Kilometer an der Promenade des Parfüm-Flusses entlang mit den zahlreichen Drachenbooten und dann noch etwas durch die Innenstadt mit den vielen kleinen Lädchen und Tempeln. Das ist alles etwas beschaulicher und weniger hektisch in dieser alten Kaiserstadt als in Saigon, die bis 1945 auch Hauptstadt Vietnams war, aber hat sehr viel Charme... Mal schauen, was es heute noch bei der Nahrungssuche in der örtlichen kleinen Kneipeszene zu erleben gibt...
Auf einen Blick
Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
2 Tage
Begleitung
Allein
Stimmung
KulturellEntspannend
Highlights
Chinatown in Saigon mit Tempeln und chinesischem Einfluss
Busfahrt zum Flughafen in Saigon
Ankunft in Hue und Spaziergang an der Promenade des Parfüm-Flusses
Themen
StadtKulturTransitGeschichteArchitektur
micha2025planlosinsuedostasienFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.