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"...to learn how to love and forget how to hate."

Veröffentlicht: 28.07.2025

Bus
Ankara → Göreme
Turkey
Unterkunft
Airbnb-Bungalow
Ferienwohnung · Göreme · Airbnb
Tour
Green Tour
Tour
Attraktion
Underground City Kaymakli
Kaymaklı, Turkey
Attraktion
Göreme
Göreme, Turkey
Attraktion
Kappadokien
Cappadocia, Turkey
Hätte ich mal meine türkischen Vokabelkarten nicht so schnell weggegeben, ohne mir wirklich was davon zu merken. In Ankara sind Touristen rar und die kosmopolitische Szene praktisch nicht vorhanden. Englisch sprechen auch die Jüngeren kaum bis gar nicht. Und so lächel ich mich verlegen durch das Lamacun-Restaurant, den Supermarkt und den Baklava-Stand und die Regel bestätigt sich: Je weniger ausländische Touris, desto freundlicher und geduldiger die Menschen.

Im Istanbuler Abfahrtsbahnhof habe ich für eine knappe Stunde Christian aus dem Hostel in Sofia wiedergetroffen, der noch einige Zeit in Bulgarien verbracht hat. Er landete gerade in Istanbul mit dem Zug, während ich abreiste. Fliegender Wechsel, Staffelstabübergabe. Ich gebe ihm ein paar Tipps, meine Metro-Karte mit Restguthaben und ein paar türkische Vokabelkarten, die mir ein freundlicher Kadiköy-Hipster in seinem Café verkauft hat. Der Name des Cafés "Dino" hatte mich.

Allerdings hatte ich es mir in meinem Istanbuler Prenzlberg Kadiköy ziemlich gemütlich gemacht, alle auf Englisch zugequatscht und mich auf Englisch zuquatschen lassen. Jetzt in Ankara komme ich mit meinem standard Merhaba und dem dahingenuschelten "Teschekülehr" nicht viel weiter. Nach meinem Bummel kehre ich schnell zum Hotel zurück und nehme mir vor, nach ein paar Grundwörtern zu recherchieren. Nein, Max kann heute nicht mit raus spielen, der muss Vokabeln lernen.


Wenn ich in Istanbul Einheimischen erzählt habe, dass ich einen eintägigen Zwischenstopp in Ankara plane, wurde ich nur skeptisch angeschaut. Jetzt nach einem ersten Ortskontrollgang wird mir klar warum. Hier gibt es außer der Festung und ein paar archäologischen Museen nichts zu sehen. Alles was eine Hauptstadt außer politischen Gebäuden noch so ausmacht - also Internationalität, Sehenswürdigkeiten und linksgrünversüffte Exilsuchende vom Umland - hat Ankara nach Istanbul ausgelagert. Aber ein Bonn ist die Stadt dafür erst recht nicht. Es gibt noch mehr und noch größere Atatürk-Portraits und Nationalfahnen als in Istanbul und mit einer übergroßen TIE-Fighter-Statue im Stadtpark wirkt Ankara wie Erdogans imperiale Spielwiese. Überall hängen Portraits der "Märtyrer" für die Demokratie, die den Coup von 2016 verhindert haben. Ein vom Panzer überrolltes Auto steht im Glasfenster als Mahnmal auf einem Platz.


Wir sind in Nevsehir angekommen, ein Halt vor meinem Zielort Göreme, bekannt als Mekka aller Instagram-Influencer und Kulisse für Ballonfahrten im Sonnenaufgang. Ich bin zwar kein Instagirl- oder Boyfriend und auch nicht sonderlich scharf auf eine Ballonfahrt mit dieser ganz besonderen Art von Touris, aber Kappadokien liegt auf dem Weg und zum Wandern macht die Landschaft einiges her.

Hier und jetzt im Bus scheint das aber keinen meiner Mitreisenden zu kümmern, denn außer mir scheinen in Nevsehir alle aussteigen zu wollen. Ich schaue vor den Bus und mein Rucksack liegt draußen auf dem Boden. Hä? "Göreme?", schaue ich den Busfahrer fragend an, der die letzten Koffer auspackt. "Autobus!", er winkt unpräzise mit der Hand in die Luft. Eine Geste die "Istanbul", "Hamburg" oder auch "Da drüben um die Ecke." bedeuten könnte. Ich bin komplett verwirrt. Soll ich jetzt umsteigen, hab ich den falschen Bus genommen oder mich verbucht? Aber im Ticket steht ganz klar, dass Göreme meine Station ist und nichts mit Umsteigen. Ich frage einen jüngeren Türken, der im gleichen Bus saß. Er versteht nicht viel, aber immerhin so viel, dass er mich zum Infostand bringt und kurz mein Problem beschreibt. Der Servicemitarbeiter sieht sich mein Ticket an und ist ähnlich verwirrt wie ich. Soll mich das jetzt beruhigen oder nervös machen? Er fragt, um welchen Bus es geht und ich deute auf den, der gerade am Abfahren ist. Schnell rennen wir raus und er spricht mit den vier älteren Busfahrern. "Göreme?". "Göreme!". "Göreme.". Ich darf jetzt also doch mitfahren und nehme hinter den vier Herren in landestypischer Busfahreruniform (dunkle Hose, weißes Hemd und Krawatte) Platz. Ich vermute stark, dass sie wegen "dem einen westlichen Touri", der weiter als Nevsehir wollte, nicht ihre Feierabendfahrt verlängern wollten und die Sprachbarriere vorgeschoben haben, um die halbstündige Abzweigung nicht machen zu müssen. Naja, ich gönne ihnen die dreiste Nummer und es ist ja auch dank der beiden hilfsbereiten Türken nochmal gut gegangen. Einer der Fahrer schenkt mir den Rest einer unerträglich süßen, aber dafür eiskalten Orangenlimo. "Orange Juice!", kommentiert er lachend mehr an seine Kollegen gerichtet. Ahja. Im Gegenzug biete ich ihnen meine Ankara-Metro-Karte mit Restguthaben an, einer kann die anscheinend gebrauchen. "Sir, Göreme. Have good trip." "Tesekküler. Iyi aklamsar." Schönen Abend noch, ihr Schlitzohren.


Ich werde mit dem Minibus abgeholt zur "Green Tour". Die rote und grüne Tour sind neben Ballonfahren und Ballonbeobachten in Kappadokien so etwas wie die Standard-Touri-To-Dos. Die grüne Tour verspricht zumindest eine Wanderung, ein inklusives Mittagessen und ein Felsenkloster. Ich füge mich also ein. Als letztes wird ein deutsches Pärchen eingesammelt, dessen Gespräch sich zu einem klassischen Urlaubsstreit entwickelt und mir während der einstündigen Fahrt zum ersten Sightseeing-Punkt etwas Unterhaltung bringt. Anscheinend will er, dass sie sportlicher wird. Sie hat aber chronische gesundheitliche Beschwerden und will nicht mit auf die 3,5 km "Wanderung" kommen. Er prahlt auf Schwäbisch, wie er auf dem Land aufgewachsen ist, um 4 Uhr früh Heu geerntet und ihn das abgehärtet hat. "Was, wenn jetzscht ä Krieg ausbricht.... Schatz, du muscht ä bisl archaischer werden." Sie legt ihm mehrere Gründe vor, warum das mit dem "archaisch werden" in ihrem Zustand nicht so einfach ist. Er ignoriert die Signale und die Stimmung ist noch vor der ersten Station "Underground City Kaymakli" im Keller. "Ich hab des doch net so ernst gemeint."
Instinktiv suche ich nach Verbündeten im Geiste und werde bei einem weiteren Alleinreisenden in der Gruppe fündig, der sich mit seinem Akzent als Schotte outet. Ich spreche ihn im Minibus an, während wir weiterfahren, um die nächste Tour-Station abzufrühstücken: "You're from Scotland, right? My favourite country!". Darryn aus bei Glasgow wirkt für einen Solo-Reisenden relativ bodenständig und unscheinbar, eben typisch schottisch. Aber für einen um die 30-Jährigen stellt er sich als unglaublich weitgereist heraus. Südamerika, Afrika, Südostasien, Tasmanien, Australien, Neuseeland, überall war er unterwegs. "Name any country, I've been there", könnte er sagen, wenn er das raushängen lassen würde. Tut er aber nicht, es kommt eher über mein Nachfragen zu Tage. Zusätzlich ist er ein wandelndes Geschichtslexikon, von dem ich mehr über Byzanz und das Urchristentum lerne, als von unserem Guide, der die Erklärungen zu den in den Sandstein gebauten Kirchen sehr allgemein hält.
Gemorpht zu Statler und Waldorf aus der Muppetsshow grenzen Darryn und ich uns - natürlich ganz selbstironisch - als "traveler" von den anderen Selfie- und Fotofetischisten ab.

Die nächsten zwei Tage durchqueren wir Täler mit einzigartigen Canyons und Felsformationen, in denen wir nahezu die einzigen Wanderer sind, während die anderen Touris mit Jeep-Safaris, Quadtouren und Rooftop-Parties beschäftigt sind oder für stundenlange Fotosessions in Reih und Glied auf kostenpflichtigen Aussichtsplattformen stehen. Viel eindrucksvollere Aussichtspunkte erlaufen wir uns umsonst und entdecken dabei immer wieder kleine Café Oasen, byzantinische Kirchen und mehrstöckige Felsenwohnungen, durch die wir klettern wie Indiana Jones in Jäger des verlorenen Schatzes.


Am letzten Tag in Göreme wache ich um 5 Uhr morgens durch das Geräusch eines Flammenwerfers auf. Müde krieche ich aus meinem Airbnb-Bungalow. Direkt über mir, vielleicht 10 Meter entfernt, fliegt ein Ballon. Die Tage zuvor waren alle Ballonfahrten wegen Wind abgesagt. Dadurch kam ich auch gar nicht in die Verlegenheit, über eine Buchung der mindestens 100 Euro teuren Fahrten nachzudenken.

Ich ziehe mich schnell an und laufe auf einen Hügel. Der Himmel im Sonnenaufgang voller Ballons und auf den Anhöhen von Göreme stehen die Menschen, beobachten und jubeln und winken den Ballonfahrern zu. Kleine Kinder stehen neben ihren Eltern, reiben sich verschlafen die Augen und freuen sich über das bunte Treiben über ihnen. Mein Zynismus der letzten Tage verfliegt und ich versöhne mich innerlich mit meinen Mittouristen. Sollnse machen mit ihren Ballons, den vorgekauten Touren und den seelenlosen überteuerten Restaurants mit Sunset-Dachterassen. Dann kommt sich niemand in die Quere und alle sind in ihrem Habitat glücklich..

Auf einen Blick

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Dauer
4 Tage
Wetter
Sommer
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichKulturellAbseits der Pfade
  • Zwischenstopp in Ankara
  • Ankunft in Göreme
  • Green Tour mit Wanderung und Mittagessen
  • Underground City Kaymakli
  • Sonnenaufgang mit Heißluftballons
NaturKulturGeschichteAbenteuerTransit
  • Heißluftballonfahrt100 €
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