13. Civitavecchio, das Kontrastprogramm
Mit schwerem sehr Herzen habe ich heute meine Pilgerwanderung beendet. Das hat zwei Gründe: ich kam vorgestern unterwegs im Wald, eineinhalb Kilometer vor der nächsten...


Veröffentlicht: 28.04.2025









Um mein Ziel heute zu erreichen, (das knapp 500 Meter hohe Tolfa), war Geduld angesagt Zwischendrin waren mir schon Zweifel gekommen, ob es eine gute Entscheidung war, dieses Wanderziel zu wählen.
Erst geht es zwischen heruntergekommenen Häusern hindurch und dann, immer an der Straße entlang, bergauf. Nach etwa 6 Kilometern wird der Blick aufs Meer
frei. Wer sich für große Luxusliner, Hafenanlagen und das riesige Kohlekraftwerk Torrevaldaliga Nord interessiert, wird von diesem Blick über den Hafen hinweg aufs Meer begeistert sein. Mein Favorit ist es nicht, wenngleich das alles schon beeindruckend aussieht.
Es dauert aber nicht lange und ich tauche in eine Landschaft ein, die mich als Naturfreund sehr begeistert: rings um mich herum schönster Vogelgesang. Das Naturschutzgebiet der Tolfaberge gilt als das einsamste Gebiet im Latium und Rückzugsort für viele Tierarten. Es gibt nur zwei Orte und nur diese eine Straße, die neben mir noch zahlreiche Autos benutzen.
Aber dann wird's spannend. Ich komme an Esel-, Pferde- und Kuhweiden vorbei. Mal sind es naturnahe kleinteilige Weideflächen, mal weitläufige karge Flächen mit zahlreichen eingewachsenen Felsen. Die Rinder sind weiß und tragen große Hörner. Es sind Chianina, mit einem Stockmaß bis bis zu 1,80 Metern die größte und auch die älteste Rinderrasse Italiens. Was für ein wunderbarer Anblick.
Es gibt schöne Blicke auf bewaldete Hügel auf der einen Seite und eine weite Sicht über eine Ebene Richtung Nordosten.
Ich erreiche nach 20 Kilometern Fußmarsch Tolfa. Eine Besiedelung ist hier bereits in der Bronzezeit belegt.
Der mittelalterliche Teil des Ortes schmiegt sich an einen Berg und wird von der Ruine der Burg Frangipane überragt. Damit gleicht Tolfa vielen anderen Orten Italiens. Was aber hier auffällt, es hat sich eine kulturelle Tradition erhalten, die manchmal andernorts fehlt. Und diesen Stolz erlebt man an allen Ecken, auf Schildern, Veranstaltungshinweisen und Infotafeln.
Man sollte mehr Zeit mitbringen, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besuchen. Leider habe ich nur eine Stunde Zeit und kann sie nicht aus eigener Betrachtung schildern. Eine Sache erscheint mir aber erwähnenswert: Einmal um Jahr gibt es das Buttero, ein Rennen der berittenen Viehhirten der Maremma. Sie hegen ihre Rinder mit dem Lasso, wie wir es aus Western kennen. Der Reitstil ist ein ruhiger, ohne Härte. Der Sattel erinnert in seiner Höhe und in seinem Aufbau an den iberischen Sattel. Diese Pferderasse habe ich übrigens bereits in der Herberge in Marmore gesehen.
Die Hirtentradition der Maremma wird in Tolfa mit großem Stolz betrieben und so nennen due Einheimischen den Ort auch "Tolfa, die Stadt der Pferde".
Ich begebe mich wieder auf den Rückweg, dieses Mal mit dem Bus. Apropos "Bus". Busse verkehren hier sehr häufig, wie ich auch in anderen Regionen meiner Pilgerreise. Es gibt blaue Schilder, dort muss man sich nur beim Busfahrer bemerkbar machen und man wird mitgenommen. Das ist alles was ich weiß.
Nähere Informationen, wie der Fahrplan und die Info, ob das Ticket beim Busfahrer, im Tabacco oder online gekauft werden muss, scheinen streng gehütete Geheimnisse zu sein. Keiner weiß es so recht. Blöd nur, davon hängt ab, ob man mitgenommen wird.
Schließlich habe ich mit drei anderen (ortsvertrauten) Reisenden zufällig den richtigen Bus gefunden. Mehr Glück als System, nachdem wir drei unterschiedliche Auskünfte bekommen haben.
Zurück in Civitavecchia erwartet mich ein besonderes Spektakel. Heute ist der letzte Tag des Festes der Heiligen Fermina mit einem geräuschvollen Umzug, mit Landsknechten, Trommlern, Blasmusik, mittelalterlichen und Renaissance-Trachten, mit vielen Geistlichen und der Figur der Fermina, die am Ende der Prozession auf einem Podest durch die Stadt getragen wird.
Ich mach mich im Trubel auf, um in einer Trattoria was zu essen. Leider kein Platz mehr für "solo per una". Macht nichts, man setzt mich zu den Köchen, Spaghetti und ein Glas Wein stehen vor mir, so schnell kann ich gar nicht schauen.
