Veröffentlicht: 10.12.2018





























Nach den Tagen in La Paz zieht es uns in die Hauptstadt Boliviens. Von hier haben wir bisher viel Positives gehört. Außerdem wollen wir vor Ort unsere paar Brocken Spanisch aufbessern und einen einwöchigen Sparchkurs belegen, schließlich gilt Sucre als das Mekka der südamerikanischen Sprachschulen.
Sucre wurde 1538 gegründet und provitierte stark von seiner reichen Nachbarstadt Potosi. Dort hatten die Spanier eine gigantische Silbermine entdeckt, aus der sie unsägliche Mengen des Edelmetalls in die ganze Welt verschifften. Dies führte im 16. Jahrhundert sogar zu einer Inflation im Silberpreis. Diese sogenannte Silberinflation legte den Grundstein für die Quantitätstheorie (theoretischer Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau einer Volkswirtschaft *Klugscheiß-Modus aus*) in der Geldpolitik, hat also Einfluss bis heute (nach Wikipedia). In Sucre erinnern heute hauptsächlich die wunderbaren Prunkbauten und Kolonialhäuser an den Wohlstand im 16., 17. und 18. Jahrhundert.
Sucre ist zudem noch Sitz des Obersten Gerichtshofs
Die engen Gassen erinnern stark an eine südspanische Stadt
Dagegen wirkt Markus richtig winzig ;-)
Der Park mit seinen Figuren und den Fundstücken rund um die Anlage ist liebevoll gestaltet und es macht Spaß an den großen Figuren vorbei zu gehen. Aus Lautsprechern klingen Schreie und das Gefauche der Urzeittiere. Alles in allem ist es ganz nett. Das eigentliche Highlight des Parks ist dann aber definitiv die Cal Orck'o Klippe, auf der die Spuren allerlei verschiedener Arten von Dinosauriern zu begutachten sind. Vor sage und schreibe etwa 68 Millionen Jahren (wir haben gelernt am Ende der Kreidezeit, dem letzten Abschnitt des Mesozoikums) erstreckte sich hier ein rieisiger, seichter Meerarm des Atlantiks (spannend, weil Bolivien ja viel näher am Pazifik liegt!). Die Dinosaurier die hier lebten und durch den Uferbereich stapften oder rannten hinterließen ihre Spuren im Sand. Mit der Zeit wurden diese immer wieder mit Sedimenten überdeckt. Als sich die Anden hoben und sich das Meer zurück zog, trocknete dieser See aus und mit ihm der Schlamm. Im Laufe der Millionen Jahre haben verschiedene tektonische Erdbewegungen schließlich dafür gesorgt, dass der schlammige Untergrund des Sees zu einer senkrecht in die Höhe ragenden, 1,2km langen Steinplatte auf etwa 3.000m über dem Meerespiegel wurde. Unglaublich faszinierend und spannend!
Über 5.000 Fußabdrücke von rund 15 verschiedenen Dinoarten sind heute auf der Wand zu begutachten. Die längste Spur, mit 347m sogar ein Weltrekord, führt einmal quer über die Wand und wurde wohl von einem kleinen Fleischfresser hinterlassen. Was uns wirklich beeindruckt ist, dass Forscher anhand des Abstands der Fußabdrücke genaustens rekonstruieren können, welche Art Dinosaurier dort entlang gelaufen ist, ob das jeweilige Tier gemütlich gegangen oder gerannt ist und wie genau der Bewegungsablauf der entsprechenden Spezies war. Für so etwas ist diese Wand tatsächlich ein Segen!
2010 ist ein Teil der Wand abgebrochen und hat eine weitere Schicht an Fußspuren freigegeben. Forscher gehen davon aus, dass über 400 Schichten unter der obersten schlummern. Es kann also noch einiges entdeckt werden, auch wenn im Moment daran gearbeitet wird, die oberste Schicht wind- und wetterfest zu machen.
Am nächsten Morgen geht es für uns dann gut 10 Jahre nach dem Abi zurück in die Schule. Unsere Gruppe besteht aus vier Leuten, Markus und mir, sowie Heike aus Deutschland und Ciara aus England. Shirley macht einen super Job und geht auf jeden Einzelnen wunderbar ein. Nachmittags wechsle ich dann zu Rollando, Markus hat Einzelstunden mit Shirley.
Über den Dächern Sucres mit unserer Gruppe und Shirley (ganz links)
Wir lernen eine ganze Menge. Insbesonere in meinen Privatstunden (Laura) erfahre ich sehr viel über die Geschichte Boliviens, den gesellschaftlichen Wandel, der sich im Moment durch die neue Unabhängigkeit der Frau in Bolivien vollzieht, über die Mentalität der Bolivianer und der geographisch bedingten Unterschiede in den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Langsam erwacht in Bolivien auch wieder der Stolz auf die indigene Vergangenheit und der spanische Einfluss wird etwas abgeschüttelt. Die neue indigene Mittelschicht gestaltet das Land in architektonischer und auch politischer Hinsicht, schließlich ist der aktuelle Präsident der erste mit indigenen Wurzeln.
Weil Gönnung ja bekanntlich sein muss, gehen wir in unserer Mittagspause immer sehr gut essen. Jeden zweiten Tag zieht es uns ins La Taverna, wo wir für ungefähr 7€ ein Viergangmenü vom Feinsten genießen (selbstkochen ist fast genauso teuer, wie essen gehen!). So ein Schülerleben ist doch was schönes :-)
Samstags gehen wir dann zum Abeschied zusammen essen und bekommen noch eine kleine private Stadtführung von Shirley, die uns mit auf das Dach der Basilika San Francisco nimmt. Wir genießen die Aussicht und sind wirklich ein wenig traurig nach dieser tollen Woche unsere Sachen packen und uns auf den Weg nach Uyuni machen zu müssen. Es war eine tolle Zeit!
Nächster Halt: Chile! Mit einer Dreitagestour durch die Uyuni Salzwüste!
