Frankfurt - Montreal
Der erste Tag (08.09.2021)

Veröffentlicht: 09.09.2021
Wie geahnt war die Nacht um 3 Uhr zuende. Es ist immer wieder ein komisches Gefühl, in einem anderen Bett aufzuwachen - vor allem nach so langer Zeit. Geschlafen habe ich gut, meine Wohnung ist zwar an einer vielbefahrenen Straße, aber das Schlafzimmer nach hinten raus. Morgens gab es erstmal Rootbeer mit Cookie. Das Zeug liebe ich inzwischen sehr. Ich hab auch in Deutschland immer ein paar da, aber hier sitzt man an der Quelle. A&W machen das beste, finde ich, aber das gab es nicht in dem kleinen Laden, wo ich einkaufen war.
Da das Appartment nur 2 Minuten von einer Metrohaltestelle entfernt ist, gibt es keine Überlegung mit dem Auto nach Montreal reinzufahren. Parken ist im Gegensatz zu amerikanischen Großstädten hier ziemlich günstig, aber ein Day Pass kostet nur 10 CAN-Dollar - umgerechnet 6,68 Euro. Dafür kann man Bus und Metro nehmen so oft man möchte bis 24 Uhr. Auch hier ist im öffentlichen Verkehr Maskenpflicht, als ich sie im Bus später einmal vergesse aufzusetzen, wird das freundlich vom Busfahrer erwähnt. Kanadische Tugend eben: friendliness.
Mein erster Weg führt mich zum Bagelshop St. Viateur in Mont Royal. Ich habe bei Netflix die Episode "Montreal" von "Somebody feed Phil" gesehen und will da unbedingt hin. Der Typ nervt zwar manchmal, aber die Sendung ist wirklich gut. Phil hat nicht zuviel versprochen, der Bagel ist ein Erlebnis. Klassisch mit Creamcheese, Lachs, Tomate, Zwiebeln und Kapern könnte man süchtig danach werden, auch wenn der Preis mehr als sportlich ist. 11 Dollar. Lustig ist, dass die Frau an der Bestellannahme noch nie was von Phil gehört hat. Als ich sie kopfschüttelnd anschaue, entschuldigt sie sich lachend. Sie hat wohl kein Netflix. Ich empfehle ihr allerdings in Deutschland keine Bagels zu essen. Sie will wisssen was stattdessen. Ich erwähne unsere Brötchenvielfalt. Aber ich glaube nach dem Bagelbekenntnis glaubt sie mir nicht so recht. Wer keine gescheiten Bagels hinbekommt, der versagt auch bei Brötchen lese ich in ihren Augen.
Der Stadtteil Mont-Royal sieht aus wie ein Künstlerviertel, mit vielen kleinen Geschäften und ist natürlich nicht Downtown. Nachdem ich die ewig lange Straße hinuntergeschlendert bin, nehme ich den Bus zur nächsten Metrostation und fahre nach Mac Gill. Dort ist die Uni (William Shatner war hier eingeschrieben) und dort ist wirklich die Innenstadt. Ich wandere zwischen den Hochhäusern umher und staune immer wieder, wie hoch das geht. Bei uns ist ja nur Frankfurt einigermaßen vergleichbar. Und ich finde es faszinierend, aber nicht auf Dauer. Ich bin kein Großstadtmensch.
Das Bier, welches ich in einem irischen Pub draußen drinke, kommt aus Belgien. Die Bedienung fragt mich nach der Impfung. Ich zeige ihr meine Luca App und sie kann das Ding natürlich nicht scannen. Sie lacht. Immerhin glaubt sie mir. Kommen ja sowieso nur Touristen mit Impfung rein im Moment.
Ich nehme wieder die Metro, diesmal in Richtung Notre Dame de Montreal und zum Old Port. Notre Dame ist zwar wesentlich kleiner als das französische Vorbild, aber dafür ist sie auch noch ganz. Den Hafen finde ich nicht wirklich interessant. Und ich merke wie ich immer müder werde, obwohl es erst 3 Uhr ist. Also mache ich mich auf zur letzten Station für heute.
"Ma Poule Mouillée" heißt eigentlich mein nasses Huhn, bedeutet aber Angsthase und ist ein portugiesisches Lokal. Hier soll es mit das beste Poutine geben, das kanadische Nationalgericht aus Pommes, Soße und Käse - mit einem portugiesischen Twist. Leider stellt sich heraus, dass man nicht vor Ort essen kann, und so nehme ich das Essen eben mit. Wozu habe ich einen Backofen? Und tatsächlich, das Gericht ist wirklich einmalig. Selten so was leckeres gegessen. Der Twist sind Hühnchen und Chorizo, und alleine das Hühnchen ist das Kommen wert. Auf der Heimfahrt mit dem Bus sehe ich, dass die nicht mal KFC übernommen haben. Das heißt hier PFK - Poulet Frit Kentucky. Unglaublich.
Ich freue mich total darauf, dass morgen mein Roadtrip richtig beginnt. Übernachten werde ich Quebec. Was zwischendrin passiert? Mal schauen...
