Gartenbesichtigung im regnerischen Kyoto
29. September Dienstag war unser erster Tag an dem wir uns Kyoto ansehen wollten und leider ziemlich verregnet. Tatsächlich bahnte sich auch schon wieder ein Tropensturm seinen...


Veröffentlicht: 05.10.2026



















30. September
Am Mittwoch war das Wetter in Kyoto wieder deutlich besser und wir hatten ziemlich viel auf dem Plan, was wir an diesem Tag alles sehen wollten.
Unser erstes Ziel war der Fushimi Inari Taisha, wohl der bekannteste Shintō-Schrein des Landes. Er ist der Hauptschrein des Gottes Inari, der vor allem für Landwirtschaft, Wohlstand und geschäftlichen Erfolg steht. Also eigentlich schon der richtige Schrein für uns.
Der Schrein liegt am Fuß des gleichnamigen Berges Inari. Er ist sehr prächtig und mit unzähligen Fuchsstatuen geschmückt, die als Boten des Gottes gelten. Das eigentlich Beeindruckende ist allerdings der Weg hinauf auf den 233 Meter hohen Berg. Dieser ist von Tausenden roten Torii gesäumt, sodass teilweise der Eindruck entsteht, man würde durch einen Tunnel laufen. Insgesamt sollen es rund 10.000 sein.
Ein äußerst beliebtes Fotomotiv und dementsprechend schnell überlaufen. Aus diesem Grund standen wir bereits um sechs Uhr auf und machten uns nach einem kurzen Frühstück direkt auf den Weg. Im Nachhinein war das auch nicht die schlechteste Idee.
Die Bahn wurde unterwegs immer voller, bis wir schließlich an der Station am Schrein mit hunderten weiteren Touristen ausstiegen.
Zuerst schauten wir uns den Hauptschrein an. Als wir anschließend zum eigentlichen Aufstieg kamen, waren dort bereits hunderte Menschen unterwegs, die – genau wie wir – versuchten, ein schönes Foto zu ergattern. Bei den Menschenmassen gestaltete sich das allerdings etwas schwierig.
Je weiter wir den Pfad hinaufstiegen, desto mehr lichteten sich die Horden und man konnte den Weg tatsächlich genießen. Dort konnten auch wir noch unser obligatorisches Foto knipsen. Danach ging es bis ganz nach oben, wir genossen kurz den Ausblick und machten uns anschließend wieder auf den Weg nach unten.
Als Nächstes ging es in den Stadtteil Gion, um ein bisschen zu bummeln. Das Viertel wird auch als „Geisha-District“ bezeichnet.
Wir hatten in den traditionellen japanischen Unterkünften immer wieder Yukata zum Tragen bekommen. Dabei handelt es sich um leichte Sommer-Kimonos, die unter anderem als bequemer Morgenmantel getragen werden können. Davon wollten wir unbedingt welche mit nach Hause nehmen und wurden auch schnell in einem der vielen Läden des Viertels fündig.
Danach ging es direkt weiter, denn wir hatten eine Teilnahme an einer Teezeremonie gebucht.
Dafür wurden wir zunächst flott in echte Kimonos gekleidet und bekamen anschließend unter Anleitung Einblicke in diese traditionsreiche Zusammenkunft.
Eigentlich kommt man dabei nur zusammen, trinkt Matcha und isst Süßigkeiten.
Eigentlich.
Denn so ziemlich alles hat einen festgelegten Ablauf: von der Kleidung über die Einrichtung des Raumes und die Sitzordnung bis hin zur zeremoniellen Reinigung der Utensilien sowie der Zubereitung und dem Trinken des Tees. Alles folgt klaren Regeln.
Es ist eine regelrechte Kunstform, bei der Perfektion angestrebt wird.
Unsere Zeremonie war natürlich für Touristen ausgelegt und etwas abgespeckt. An manchen Stellen durften wir Fotos machen und hier und da wurde erklärt, was gerade passierte. Trotzdem reichte es aus, um zumindest eine Ahnung von der Bedeutung und der Komplexität dieser Tradition zu bekommen. Das hat uns wirklich beeindruckt.
Anschließend schlenderten wir noch weiter durch die Gegend und landeten schließlich in der Hanamikoji-Straße. Dort besuchten wir zunächst ein Museum über Geikos und Maikos.
Geiko ist die regionale Bezeichnung für eine Geisha in Kyoto, während eine Maiko eine Auszubildende auf ihrem Weg zur Geiko ist. Im Museum konnten wir uns ansehen, wie die Ausbildung abläuft, welche Fähigkeiten eine Geiko beherrschen muss und außerdem einer Vorführung einer Maiko beiwohnen, die traditionelle Tänze aufführte.
Draußen auf der Straße lief uns dann tatsächlich noch eine weitere Maiko über den Weg, die ausgesprochen anmutig durch die Gasse spazierte.
Danach wollte ich mir noch ein gutes japanisches Messer kaufen. Auf dem Weg zu dem Geschäft liefen wir allerdings zufällig durch eine bekannte Straße, die wir eigentlich überhaupt nicht auf dem Plan gehabt hatten.
Auf einmal standen wir nämlich in der Higashiyama-Gasse und hatten bei einsetzender Abenddämmerung einen tollen Blick auf die Yasaka-Pagode.
Dann erstand ich flott ein neues, messerscharfes Messer. Weil man ohne so etwas natürlich nicht richtig kochen kann!
Anschließend ging es schnell weiter zu unserem nächsten Programmpunkt, der zumindest thematisch ebenfalls etwas mit scharfen Messern zu tun hatte.
Wir hatten es geschafft, zum Abendessen einen Tisch bei einem renommierten Sushi-Meister zu ergattern und ein Omakase-Menü gebucht.
Omakase bedeutet ungefähr so viel wie „Ich überlasse es dir“ – und genau das macht man dann auch. Der Sushi-Meister stellt ein Menü aus dem frischen Fisch zusammen, den er für diesen Tag empfiehlt, und serviert Sushi und verschiedene Häppchen in der Reihenfolge, die er für optimal hält.
Es war wirklich ein Erlebnis.
Wir saßen direkt an der Theke und konnten beobachten, wie jedes einzelne Stück in peniblen Schritten zubereitet wurde. Übrigens gab es hier weder Schälchen mit Sojasauce noch Wasabi. Der Koch übernimmt praktischerweise auch das Würzen.
Man muss also nur noch alles genau so essen, wie es einem vorgesetzt wird, und dazu ein bisschen Sake schlürfen.
Alles hat vorzüglich geschmeckt. Wir beide hatten zuvor noch nie so gutes Sushi gegessen.
Gut gestärkt machten wir uns anschließend noch zu unserem letzten Ziel für diesen Tag auf. Isi hatte herausgefunden, dass es an diesem Abend im Bambuswald von Arashiyama eine kunstvolle Lichterinstallation gab.
Also machten wir uns kurz vor Einlassstopp noch auf den Weg dorthin und hatten den kleinen, hübsch beleuchteten Bambuswald tatsächlich fast für uns alleine.
Sehr romantisch.
Wir hatten an diesem Tag unglaublich viel gesehen und erlebt. Nach Schreinen, Tempeln, Geishas, Shopping und Sushi war die beleuchtete Bambusallee ein wirklich schöner Abschluss um diesen Tag ausklingen zu lassen.
