Tour dei Baschenis

Trentino auf schräge Weise

Malen wie am Fließband - und eine Ausnahme

15 Kirchen mit Baschenis-Fresken haben wir bisher gesehen. Im Vergleich wird eines klar: Die Baschenis waren so etwas wie Fließbandmaler und wurden beauftragt, weil sie ein fixes Repertoire an Motiven hatten, das sie überall einsetzten (fast wie Ikonen-Maler) und so die Heiligen und biblischen Szenen auch für Analphabeten sofort erkennbar machten. Das ist für uns, die wir Kunst für einen schöpferischen Akt halten, befremdlich. Und so schätzen wir heute auch jenen Baschenis am meisten, der dies nicht machte - und außerdem der weitaus beste Maler war: Simone II. Vergleicht man seine Werke mit jenen seines Vaters Cristoforo II, fällt der andere Zugang, aber auch der Qualitätsunterschied sofort ins Auge, wobei für beide gilt, dass sie je nach Auftraggeber, Honorar und Zeitbudget (was davon welche Rolle spielte, ist nicht mehr herauszufinden) unterschiedlich viel Mühe aufwendeten bzw. selbst malten oder ihre Werkstatt pinseln ließen.

Ich habe versucht, das mit den Fotos zu diesem Beitrag zu dokumentieren: Die oberste Zeile zeigt nur Werke von Simone II: die wunderbaren Gesichter von drei alten Schriftgelehrten, eine bewegte Szene aus der Apokalypse sowie Gottvater zwischen Johannes (Adler) und Lukas (Stier), alle sind aus der Kirche in Dasindo, alle sind für die damalige Zeit und dieses abgelegene Gebirgsland (quasi hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen) sehr modern. Die nächste Zeile beginnt wieder mit Simone II und zeigt eine traditionellere Darstellung der beiden Evangelisten - daneben wirkt Johannes in den Versionen, die Cristoforo II hinterlassen hat, starr, unbeholfen und wenig inspiriert, aber Kleidung und Schreibpult machen sofort klar, wer hier gemeint ist. In der dritten Zeile dann das gleiche Spiel mit dem Evangelisten Matthäus und seinem Engel. In Summe macht eine Apsis, die von Cristoforo II freskiert wurde, aber auch was her, mit ihren lebhaften Farben und ausdrucksstarken Szenen - es ist aber besser, wenn man nicht allzu genau hinsieht.

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