Sandskaer Campingplatz => Persköps Ställplats
Godmorgen vom Sandskaer Campingplatz! Nachdem wir uns gestern Abend in die Kojen zurückgezogen hatten, nahm der Regen an Fahrt auf. Das angekündigte etwas umfassendere...


Veröffentlicht: 01.08.2025


























God morgon vom Persköps Ställplats
Nach einer äußerst ruhigen Nacht erwachten wir an diesem wunderbaren Flecken Schwedens. Die Sonne schien und so entschieden wir uns, vor unserem grünen Hulk Platz zu nehmen. Der Kapitän zauberte in der Bordküche. Es gelangte der Geruch von Kaffee an meine Nase, so dass dem perfekten Tagesbeginn nichts mehr im Wege stand.
Da wir ja Zeit hatten, genossen wir all die Schauspiele, die einen Campingplatz offenbar ausmachen. Sehen eigentlich alle schwedischen Jungs aus, wie Michel aus Lönneberga? Können manche Menschen womöglich gar nicht leise gähnen? Warum genau, gehen Menschen Zähne putzend in der freien Natur auf und ab? Weshalb ist die Verweildauer in einer Dusche derart unterschiedlich? Haben die Spaziergänge mit dem Bordklo für die Herrchen (in der Regel sind es die Hausherren, die diesen Trolley wie paralysiert hinter sich herziehen) meditativen Charakter? Wir konnten all die Fragen nicht beantworten, waren uns aber einig, dass es gut so ist, wie es ist.
Auch wir nutzten die sauberen Sanitäranlagen und beschränkten anschließend unser Frühstück auf eine kleine Jause. Währenddessen beobachteten wir, dass immer wieder abreisende Campinggäste an dem Outdoor-Check-in herumfummelten. Wir trafen bereits hier die Entscheidung, dass wir den Platz aufgrund unserer unmittelbaren Nähe zur Ein-und Ausfahrt ohne weiteres verlassen werden.
Der Rückbau der Keile sowie aller weiteren Arbeiten vor Abfahrt klappt bereits immer besser. Morgen hat der Kapitän hoffentlich nur noch Lob für mich übrig. Wir winkten dem Platzbetreiber noch einmal freundlich zu und begaben uns wieder in den schwedischen Hochglanzkatalog. Es war atemberaubend schön, ohne jeglichen Zeitdruck über kleine Straßen durch diese Landschaft zu fahren. Über Växtorp und Simlångsdalen ging es vorbei an Seen, durch Waldgebiete und offenere Landschaftsabschnitte weiter nach Torup und Horred. Hier und dort mussten wir den ein oder anderen Fuchs aus dem Mittagsschlaf holen, da wir ihm ansonsten ein relativ auffälliges Muster auf dem Rücken verpasst hätten.
Dann geschah es: der Straßenbelag wechselte und wir fanden uns auf einer Schotterstraße wieder. Der Offroad-Benz juchzte vor Freude und der Steuermann sowieso. Endlich konnten sich die All-Terrain-Schlappen beweisen. Mit dem größtmöglichen Grinsen gab Kadir dem Gaul die Sporen. Steine und Felsbrocken schossen hinter uns in die Wildnis. Die PKW, welche sich eben noch hinter uns befanden, waren nicht mehr auszumachen. Da tauchte nach einer Kurve vor uns doch tatsächlich ein Auto mit deutschem Kennzeichen auf. In Kürze konnte ich das Siegel darauf gestochen scharf lesen, da sich Kadir, sagen wir mal, „bemerkbar machte“. Der Kollege hielt diesem Druck noch wenige hundert Meter stand, gab dann aber artig auf uns ließ Hulk passieren. Wir gehen davon aus, dass er zeitnah einen Lackdoktor aufsuchen wird.
In Horred kam ich gewissenhaft meiner Tätigkeit als „On-Tour-Mundschenk“ nach und gab guten Gewissens die Adresse des „Charles Gårds BBQ & Smoker“ in das Navigationsgerät ein. Vierzehn Minuten trennten uns nun also noch von der Nahrungsaufnahme, welche mittlerweile auch von allen Reisenden als notwendig erachtet wurde.
Was sich uns an dem ausgewählten Ort bot, war erneut ein Teil des kulinarischen Paradies‘. Ein riesiger Smoker, aus dem seitlich das Feuer loderte. Ein Schwede, der uns umgehend freundlich auf unsere „Nummerntafel“ ansprach und sich als Österreicher entpuppte (dass der Kollege nicht schwedisch spricht, haben wir aber erst nach etwa zwölf Sätzen bemerkt). Kadir ließ sich sogleich eines der Angebote von unserem neuen Freund empfehlen: „Mix-Platte für zwei“. Mir fuhr der Schreck in die Glieder. War ihm in diesem Moment der maximalen Reizüberflutung so überhaupt nicht mehr bewusst, dass sein Magen etwa 90% von der eigentlichen Größe entfernt ist. Ich hatte zwar Hunger, aber doch nicht für 1,9 Personen. Egal. Der Kapitän hatte entschieden und daran hat die Besatzung nichts zu kritisieren. Wir nahmen mit Blick auf die weiten Weizenfelder Platz und waren äußerst gespannt, was in den nächsten Minuten vor uns abgestellt werden würde. Um es ganz deutlich, kurz und knapp zu sagen: ein Traum!
Ja, das sehen nicht alle Menschen so (Props gehen an dieser Stelle an Danuta raus). Carnivoren können uns aber ganz sicher sehr gut verstehen. Es gab Fleisch mit Fleisch und Fleisch. Ok, ferner noch Pommes und Beans als Side-Dishes sowie etwas Coleslaw. In den nun folgenden Minuten hat kein Gespräch mehr stattgefunden. Es wurden lediglich Laute, wie „ooohhh“ und „aaahhh“ geäußert. Kadirs Magen stand ganz offensichtlich die größte Herausforderung der vergangenen zwei Jahre bevor. Ich kann alle mitfühlenden Lesenden beruhigen. Es wurde keine Zerreißprobe ;)
Nach diesem Mahl - von dem wir tatsächlich kaum etwas übrig ließen - wurde ich vom Kapitän auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Er gab den Befehl: „ Du übernimmst das Steuer. Ich muss nach diesem Essen erstmal schlafen.“ Boing! Dagegen kann und darf ich mit meinem Dienstgrad natürlich nichts sagen. Und doch versuchte ich es ganz kurz mal vergeblich.
Ich hatte während der Pause noch gemäß meiner Aufgabenbeschreibung mehrere Campingplätze angerufen und beim dritten Versuch Erfolg. Da wir morgen ein ganz besonderes Ziel haben werden (mehr als einen Hinweis, dass junge Schwedinnen dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielen, gibt es hier noch nicht), wollten wir in der Nähe von Göteborg landen. Dies war mir mit dem letzten Anruf geglückt.
Die Fahrt zum Anfasteröd Gårdsvik Campingplatz vornehmlich über Schnellstraßen und einmal quer durch Göteborg gestaltete sich problemlos. Wenige Kilometer nachdem wir die Schnellstraße verlassen hatten, erblickten wir das Wasser. Über kleine Straßen ging es immer weiter Richtung Küste. Als wir das grüne Monster vor der Rezeption parkten, huschte bereits ein Lächeln über unsere Gesichter. Der terrassenartig angelegte Platz machte einen ganz wunderbaren Eindruck auf uns. Eigentlich müsste es ja mit dem Teufel zugehen, wenn man hier einen Stellplatz ohne Meerblick erhält.
Wir bezahlten, bekamen alle Infos und der Kapitän setzte die Fuhre in Gang. Ja, in diesen Momenten hat Cheffe zu steuern. An unserem Platz angekommen, konnten wir unser Glück kaum fassen. Die sehr freundliche Frau an der Rezeption hatte offenbar viel Spaß mit uns, denn sie hatte uns den Platz der Champions zugewiesen. Meerblick und eine eigene Holzterrasse, die wie für unseren Kampf-Brocken persönlich zusammengedengelt wurde. Check. Danke Maria oder Anna oder Ulla oder wie auch immer ihr Name ist.
Nachdem wir also nach und nach unser Glück verarbeitet hatten, ließ sich der Barkeeper auch nicht mehr lange bitten. Zwei wunderschöne Gin-Tonic wurden in der untergehenden Sonne platziert, so dass wir nicht mehr an uns halten konnten. Glückselig prosteten wir uns oberhalb der Schärenküste genussvoll zu.
Da die Fleischplatte noch immer in uns arbeitete, kredenzte Smutje-Kadir heute ausschließlich salziges Fingerfood. In Verbindung mit den glitzernden Eiswürfeln inmitten der perlenden Getränke war das ein grandioser Blick und Gaumengenuss. In diesem rauschähnlichen Gemütszustand begannen wir die KI mit einem meiner Songtexte zu füttern und bastelten an verschiedenen Versionen eines neuen Welthits. Wir reduzierten dabei immer wieder die Lautstärke unseres Ausgabegerätes, denn man kann ja nie wissen, welche Produktpiraten sich unter Umständen in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Das Ergebnis ließ uns noch viel glücklicher werden.
Es folgte noch eine intensive Diskussion mit einer uns gut bekannten Frau hinsichtlich der Bezeichnung des Meeres an unserem momentanen Standort, an deren Ende wir uns auf Unentschieden einigten. Nach meiner Ermahnung, die Selbstfürsorge bitte nicht außer Acht zu lassen, putzten sich alle Bordmitglieder artig die Zähne. Nun konnten wir um Punkt Mitternacht in die jeweiligen Liegewiesen krabbeln. Doch was war das? Direkt neben unserem eigentlich hermetisch schallisoliertem Special-Force-Gerät hatte einer der Nachbarn die Kettensäge angeworfen. Ich tippte auf das Modell STIHL MS 162, ist mir deren Klang doch aus meinem Wohnort gut bekannt. Die Müdigkeit und das überaus gute Gefühl, einen wunderbaren Tag erlebt zu haben, ließ uns beide allerdings trotzdem sehr schnell einschlafen.
Morgen dann also mehr zu Gunnersviken 11 und Sandholmsvägen 9.
Sov gott, kapten
