Persköps Ställplats => Anfasteröd Gårdsvik
God morgon vom Persköps Ställplats Nach einer äußerst ruhigen Nacht erwachten wir an diesem wunderbaren Flecken Schwedens. Die Sonne schien und so entschieden wir uns, vor...


Veröffentlicht: 02.08.2025
















Good morning vom Anfasteröd Gårdsvik!
Wir erwachten mit dem aller schönsten Blick auf diesem Campingplatz und dankten Anna, Ulrika oder Agnetha noch einmal für diesen Stellplatz. Der Betrieb der Motorsäge war mittlerweile eingestellt worden und die Familienmitglieder unserer niederländischen Nachbarn duellierten sich bereits im „Lautestes-Gähnen-2025-Contest“. Die Camper-Zombies mit ihren Trolleys schlurften auch hier über den Platz. Nur langsamer, da der Platz ja in Terrassen angelegt ist. Das alles störte uns aber keineswegs. Wir tauchten in unsere übliche perfekt durchstrukturierte Morgenroutine ein. Kaffee aus der hauseigenen Rösterei, kurze Business-Checks und Telefonate. Die Spuren der vergangenen Partynacht beseitigen, heißt den Innenraum des Ungetüms fegen, wischen und polieren, Abwasch erledigen und zwischendurch noch Selbstfürsorge. Diese steht aber selbstverständlich erst an zweiter oder dritter Stelle.
Nachdem wir mit mindestens einer Träne im Augenwinkel die letzten Verbindungen zu unserer Terrasse gekappt hatten, rollten wir bergab zur Ausfahrt. Wir erfuhren, dass dieser Platz nie wieder vergeben werden soll. So glücklich war man über unsere Anwesenheit.
Fürs erste steuerten wir Smögen an, welches uns von Kadirs Bekannten wärmstens empfohlen wurde. Es sei zwar relativ touristisch, aber dennoch überaus lohnenswert. Gesagt getan. Die Fahrt dorthin erfolgte über Schnellstraßen, doch als wir diese verlassen mussten, überwältigte uns die Schönheit der schwedischen Schärenküste. Glitzerndes Wasser, auf denen Boote jeglicher Art in allen möglichen Richtungen unterwegs waren und aus dem sich hier und dort Gesteinsformationen erhoben. Dazu bunte bzw. vornehmlich rote Holzhäuser, wie sie nicht skandinavischer sein könnten. Der Kapitän bugsierte den olivgrünen Fels auf den ersten großen Parkplatz am Ortseingang. Ich erledigte meine Aufgabe der Parkschein-Organisation zu seiner Zufriedenheit, so dass wir uns zu Fuß auf den Weg nach Smögen-Downtown machten. Ich nehme es hier schon vorweg: unsere Schrittzähler-Apps kamen mit den Strichlisten quasi nicht mehr nach. Hatten wir in den vergangenen Tagen kaum mehr als 1000 Schritte gemacht, wurden es am heutigen Tage sage und schreibe 7764.
Smögen entpuppte sich als exakt das, was uns vorhergesagt wurde. Ein schmuckes Örtchen inmitten der Felsenküste mit diversen Souvenirshops und Restaurants am Wasser. Bevor wir uns für eines der Restaurants entschieden, schritten wir natürlich alles einmal ab. Die Wahl fiel nach kurzer Debatte auf eines der Fischrestaurants und trotz drohenden Regens auf Plätze im Außenbereich. Ich bat den Leiter der Kulinarikabteilung, die Auswahl der Speisen zu übernehmen. So gab es kurze Zeit später für uns Räksmörgås und Calamari. Was soll ich sagen? Es kann nicht wirklich bessere Krabbensandwiches auf diesem Erdball geben. Unfassbar. Als es dann doch vermehrt regnete, machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz. Hatten wir doch noch ein weiteres Ziel vor der Brust.
Da es sich für mich um eine Herzensangelegenheit handelte, nahm ich auf dem Chefsessel Platz. Ich steuerte unseren Militaria-Benz in Richtung der Insel Tjörn. Das bedeutete, dass wir wieder zurück in Richtung Göteburg fahren mussten. Kurz nachdem wir das Festland über eine Brücke verließen, lenkte ich den Allradler zu einem Campingplatz, damit wir uns dort einen Platz sichern konnten. Vorbei an den Grundstücken der Göteborger High-Society schlängelten wir uns über kleine Straßen erneut an die Küste. Natürlich waren alle Plätze mit Stromanschluss vergeben, so dass ich mit der sehr freundlichen Dame in eine kleine Verhandlungsrunde eintrat. Es geht ja immer was. Das muss man der Person gegenüber aber manchmal erklären ;) Wir erhielten also den aller, allerletzten Platz mit Stromanschluss. Ich bezahlte und wies darauf hin, dass wir unser rollendes Haus in ein bis zwei Stunden abstellen werden.
Vorher hatten wir noch ein ganz besonderes Ziel anzusteuern. Vor mehr als vierzig Jahren organisierte unser damaliger Klassenlehrer Brieffreundschaften mit gleichaltrigen schwedischen Mädchen. Diese wohnten damals in Skärhamn auf der Insel Tjörn. Für alle jüngeren Lesenden: es gab eine Zeit, in der schrieb man sich Briefe und in den dazugehörigen Umschlägen konnte man beispielsweise Fotos mitschicken. Die von Anne, Maria, Ulla, Ulrika und Jeannette damals versendeten Bilder ließen unsere Vorfreude auf den Besuch der Schülergruppe nicht kleiner werden. Und da wir uns in den Tagen in Bremen-Huchting derart gut verstanden hatten, organisierten Acki, Jörch, Kornemann, Nils und ich eine Reise per Fähre von Kiel nach Göteborg. Glücklicherweise wurden wir dort abgeholt und durften in den jeweiligen Familien wohnen. Alles was auf der Hin- und Rückreise sowie in Skärhamn passierte, gehört nicht in diesen Blogbeitrag. Ich kann jedoch sagen, dass es für uns alle nachhaltig war und bis heute wirksam ist.
Nun stand ich also vor dem Haus in Sandholmsvägen 9. Ich klingelte und ja, ich hatte einen etwas höheren Puls als üblich. Würde mir Anne höchst persönlich oder ein anderes Familienmitglied öffnen? Gut wäre es, wenn es sich nicht um die Reinkarnation von Thor handeln würde… und es geschah… nichts. Leider so gar nichts. Ich ging zum Nachbarhaus und sprach die beiden Herren an, welche auf der Terrasse saßen. Einer der beiden erklärte mir, dass er selbst Tourist und seit fünf Tagen im Land sei. Der andere war entweder schon beim 17. Getränk des Tages oder er konnte einfach nicht besser hören bzw. sprechen. Leider.
Ich kehrte zum Fahrzeug zurück und nahm in dem Ziel meiner Begierde eine hinter die Gardine huschende Person wahr. Ich entschied mich, nicht noch einmal zu klingeln. Menschen haben sicher einen Grund, wenn sie einer fremden Person nicht öffnen möchten. Ferner stand da ein Military-Special-Force-Ungetüm vor ihrer Haustür. Da kann man dieses Verhalten schon auch nachvollziehen.
Ich fuhr unser Mobil zur nächsten Adresse, in die Straße Gunnarsviken 11. Dort wohnte damals Maria, bei der Jörg untergekommen war. Ich erstellte für ihn einen kleinen Film, klingelte hier aber nicht. War Marias Mutter doch schon damals etwas touchy unterwegs. Zumal der Kapitän und ich noch ein weiteres Musikprojekt in der Pipeline hatten und dafür die Zeit auf dem Stellplatz gerade ausreichend schien.
Ich lenkte das grüne Monster also zurück zum Stenungsögården. Dort angekommen nahmen wir die Feierlichkeiten einer Hochzeit wahr. Das brachte uns auf die Idee, dort mal kurz in Crocs und Flip-Flops vorbeizuschauen. Es hätte der Veranstaltung ganz sicher eine ganz besondere Note gegeben.
Am Ende saßen wir jedoch an dem offenbar extra für uns bereitgestellten Tisch samt Stühlen und genossen den vom Barkeeper gezauberten Pastis. Also eigentlich erst, nachdem wir als Willkommensgetränk die Pfützen des verbliebenen Gin-Tonic aufgebraucht hatten. An diesem Abend erblickte ein weiterer Welthit das Licht der Welt. Wir konnten uns kaum von allen den Versionen und Remixes lösen. Doch leider war es dann doch irgendwann soweit und die Müdigkeit übermannte uns. Noch schnell zum 1,7km entfernt gelegenen Waschhaus und bloß nicht den Zugangscode während des Fußmarsches vergessen. Nur so viel: einem von uns beiden ist genau das gelungen bzw. lief Kadir aus nachvollziehbaren Gründen einfach los und kam unverrichteter Dinge mit sehr sorgenvoller Miene zurück. Aber auch diese Prüfung haben wir überstanden. Es war Zeit, sich zu verabschieden und den Tag noch einmal individuell Revue passieren zu lassen.
Gute Nacht, Captain
