Anfasteröd Gårdsvik => Stenungsögården
Good morning vom Anfasteröd Gårdsvik! Wir erwachten mit dem aller schönsten Blick auf diesem Camp


Veröffentlicht: 03.08.2025



















Guten Morgen vom Stenungsögården-Campingplatz
Nach einer zauberhaften Nacht erwachten wir zwischen Rezeption und Parkplatz auf unserem ergatterten Stellplatz MIT Strom. Zwischen den Autos tummelten sich so einige der Hochzeitsgäste. Das erkannten wir umgehend daran, dass die Gesichtsfarbe insbesondere bei den Herren irgendwo zwischen RAL 9022 (Perlhellgrau) und Leichenstarre lag. Aber alle bewegten sich mehr oder weniger, so dass wir uns nicht veranlasst sahen eingreifen zu müssen.
Da es etwas regnete, hatte keiner der Mitreisenden so richtig großes Interesse daran, den beschwerlichen Weg zu den sanitären Einrichtungen anzutreten. Aber was muss, das muss. Als ich von dem ersten wunderbaren Kaffee getrieben vor dem Etablissement ankam und froh darüber war, dass ich noch immer den Code für den Zugang kannte, stand ein Dreikäsehoch an der Tür und tippte in Superzeitlupe auf dem Tastenfeld herum. Seine offenbar französisch sprechende Mutter unterstützte ihn in eben solcher Genügsamkeit bei seiner Tätigkeit. Ich versuchte die Konversation mithilfe meiner sieben Unterrichtsstunden Französisch zu übersetzen (in der siebten Klasse mussten wir in den ersten beiden Schulwochen mit dem Proletariat zusammen lernen, da unser Lateinlehrer noch nicht verfügbar war). „Nicht nervös werden, mein Junge. Versuche es einfach nochmal. Der drängelnde Onkel hinter dir wird dir schon nicht weh tun. Mach ganz in Ruhe“. Und der Kleine begann erneut mit Sternchen, neun, fünf… Meine Blase und ich waren kurz davor zu platzen als es der kleine Napoleon endlich gepackt hatte. Als ich zu unserem rollenden Haus zurückkehrte, nahm der Kapitän noch einen kräftigen Schluck aus der Pastis-Pulle und machte sich anschließend auch auf den Weg.
Die Fahrt ging heute nach Askersund. Allerdings checkte ich als Bordnavigator natürlich auch immer wieder die Seiten des Alfred-Wegener-Instituts und der internationalen Wetterdienste. Ich kam zu dem Schluss, dass wir unsere Route ändern müssen. Kurzerhand tippte ich die neuen Koordinaten in das Gerät. Ich nehme es hier schon vorweg: am Ende des Tages erhielt ich vom Kapitän für diese Entscheidung einen dankbaren Blick. Nicht geschlagen, ist halb gelobt. Vor diesem Hintergrund war das so etwas wie der Ritterschlag für einen einfachen Bediensteten an Bord eines solches Dampfers.
Wir tankten in dem kleinen Ort Åmål und nutzten den Stopp gleichzeitig für den Mittagstisch bei Mickans Grill. Eine kleine Butze mit wenigen Sitzplätzen und zwei um diese Uhrzeit sichtlich bemühten, aber auch geforderten Damen. Unsere Wahl fiel auf zweimal „Kebabmeny“. Einmal mit Bröd, einmal mit Strips. Die Ergebnisse waren hervorragend. Da alle Plätze im und am Bistro belegt waren, nahmen wir an einem wohl extra für uns gebauten Tisch samt Bänken aus Granit Platz und genossen diese typisch schwedische Kost. Wir ließen uns auch von den mitleidig aus einem Kofferraum dreinblickenden Hunden nicht beeindrucken. Das Essen schmeckte uns. Da Kadir gut zu Vögeln ist, hatten am Ende auch einige Krähen noch etwas von seinem Bröd.
Wieder am grünen Biest angekommen, steuerte eine Familie direkt auf uns zu. Die Frage des voluminösen Oberhauptes „Where are you going?“ beantworteten wir gleichzeitig mit dem Spruch des serbischen Grenzers aus dem letzten Jahr: „We are going to war“. Umgehend entkräfteten wir das aber natürlich, zumal es in diesen Zeiten alles andere als witzig ist. Geglaubt hätte uns das mit unseren Crocs und Birkenstocks wahrscheinlich ohnehin niemand. Wir tauschten uns kurz mit dem Burschen und dem Rest seiner Familie über geplatzte Reifen und Schlaglöcher kurz vor dem Nordkapp aus und dann ging die wilde Fahrt weiter.
Der Kapitän höchstselbst lenkte die Tarnkappen-Karre nach der geänderten Streckenführung in Richtung Karlstad. Der Campingplatz Bomstadbaden sollte es für heute werden. Direkt am Nordufer des Vänern(Sees) gelegen, schien er für unsere Zwecke optimal. Bei der Zufahrt erblickten unsere Augen sofort die Tennis- und Padel-Plätze. Hier könnten wir perfekt unseren täglichen sportlichen Aktivitäten nachgehen, nachdem wir im hauseigenen Fitnessstudio die dicksten Scheiben hatten auflegen lassen.
Beim Ckeck-in erlebten wir mehrere Überraschungen. Die erste war, dass es noch mindestens einen Platz und „selbstverständlich mit Strom“ gab. Dazu konnten wir uns sogar einen Platz aussuchen. Unsere Wahl fiel auf die 401. Von dort hatten wir sowohl zum Strand als auch zum Bistro einen Weg von etwa 35m zurückzulegen. Ferner waren die von der sehr eloquenten Angestellten angepriesenen VIP-Duschen ebenfalls nur ca. 41m entfernt. Check. Die größte Überraschung war dann jedoch die Tatsache, dass die wirklich sehr sympathische und redegewandte (jüngere) Frau Depeche Mode nicht kannte. Keine Ahnung, wie wir auf diese Band kamen, aber wir konnten uns beide nicht erinnern, ob und wenn ja, wann wir mal jemanden getroffen haben, der/ die diese Band nicht kennt. Also einfach so gar nicht. Noch nie gehört. Nie gesehen. Sie suchte noch parallel im Netz und blieb bei ihrer Aussage.
Alle Handgriffe sind mittlerweile wieder vollständig automatisiert und so hatten wir unser Grundstück in Windeseile eingerichtet. Das Willkommensbier schmeckte vorzüglich in der Sonne. Ja, Sonne. Hier gab es den schon erwähnten anerkennenden Blick für mich. Ich hatte uns den sicheren Regen erspart. Uns er neuer Nachbar aus dem Emsland hatte uns übrigens gleich überaus freundlich begrüßt, so dass wir schon mit einer unvermeidbaren Freundschaft rechneten. Aber er und seine Frau hatten genug mit dem mitgeführten Pudel zu tun, für den sie eigens eine Outdoor-Liegewiese mit Sonnenschutz mitführten. Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Wir verlagerten unsere Sitzplätze an den Strand des Sees. Auch wenn wir schon deutlich schönere Strände gesehen haben, fühlten wir uns bei dem Blick in die Sonne und auf das glitzernde Wasser rundum wohl. Der Barkeeper entfernte sich plötzlich und kam wenige Minuten später mit zwei Gläsern samt durchsichtiger und perlender Flüssigkeiten zurück. Jetzt machte alles Gin.
Wir genossen genau diesen Moment in vollen Zügen und sinnierten wieder mal über den Sinn unseres Daseins und feierten unsere Freundschaft. Als der Alleinunterhalter in dem Restaurant des Campingplatzes begann, wurden wir aus unseren Gedanken gerissen. Als er dann noch „I wanna do bad things with you“ schmetterte, zogen wir uns in unser Quartier zurück. Kadir zauberte uns eine famose Bretterjause auf den Tisch, so dass wir nicht hungrig ins Bett gehen mussten. Das Bordkino hatte noch die ein oder andere Reportage im Programm, doch insbesondere meine Augen wurden immer schwerer. Wir schleppten uns die wenigen Schritte zur VIP-Nasszelle, um unseren Körpern noch etwas Pflege zu gewähren. Ein wunderschöner Tag ging zu Ende. Danke, liebes Leben.
Jute Nacht vom Rand des Vänern
