Drei Erwachsene, vier Kinder und zwei Hunde
10. Tag: Wir haben heute zum ersten Mal draußen vor dem Wohnmobil gefrühstückt. Alles war ruhig, viele haben noch geschlafen. Ich war noch am Überlegen, ob ich mir später noch...

Veröffentlicht: 07.02.2024
11. Tag: Unser letzter Tag auf dem Campingplatz Marvarrosa de Corinto. Wir waren gestern Abend im dazugehörigen Restaurant mit Gaby und Ecki essen. Wir waren die ersten Gäste, aber im Laufe des Abends füllte sich das Lokal bis auf den letzten Platz. Wir saßen direkt am Kamin, und weil die Wirtin Schwierigkeiten hatte, das Feuer in Gang zu bringen, übernahm ich diese Aufgabe. Ich würde sagen, ich habe den vielen Gästen ordentlich eingeheizt …
So viele Leute auch kamen, der Tisch auf der anderen Seite des Kamins blieb frei. Er war gedeckt, aber als wäre es ein ungeschriebenes Gesetz, setzte sich niemand an diesen Platz. Wir waren schon beim Essen, als ein älteres Paar, beide um die 80 Jahre alt und fein gekleidet, in das Restaurant kam und von der Bedienung zu dem Tisch begleitet wurde. Es war ruhiger geworden in dem Lokal, die Gäste verfolgten den Vorgang, als wäre es eine Zeremonie. „El jefe“, ging ein Flüstern durch die Reihen – der Chef.
Kurze Zeit später kam er an unseren Tisch, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung wäre. Er sprach perfekt Deutsch. So kamen wir ins Gespräch, und er erzählte uns seine Geschichte. Vor einem halben Jahrhundert kam er durch Zufall nach Spanien. Er saß mit seinen Kumpels in einer Kölner Kneipe und sie überlegten zusammen, wohin sie in Urlaub fahren wollten. Es sollte dort hin gehen, wo sonst keiner hinfährt – die Wahl fiel auf Spanien. Es war wahrscheinlich Schicksal, denn Wolfgang Kopp verlor hier sein Herz, „zuerst an das Land, dann an meine Frau“, sagt er.
Der Diplomierte Kaufmann hatte nach seinem ersten Urlaub alles aufgesogen, was mit Spanien zu tun hatte, die Sprache gelernt, alles Wissen über das Land zusammengetragen und die nächsten Besuche geplant. Klar, dass er bald auch Kontakt zu Einheimischen fand. Er lernte eine Familie kennen und die hatte ihn bald als passenden Ehemann für die ältere Tochter auserkoren. Er aber verliebte sich in die jüngere Tochter, in Pepa, die damals erst 16 Jahre alt war. Die Liebe siegte und die beiden durften heiraten.
Irgendwann entschloss sich Wolfgang, ein Grundstück zu kaufen. 1000 Quadratmeter sollten es sein – es wurden 100.000. „Auf diesem Flecken Land standen Palmen und deren Spitzen berührten sich. Das erinnerte mich an die gotischen Bögen im Kölner Dom.“ 30 Palmen waren es, die hier standen – heute sind es 400. Im Laufe der Jahre hat Wolfgang Kopp hier mit seiner Frau Pepa, seiner Tochter Concha und seiner Enkelin Paula, die mittlerweile den Campingplatz leitet, ein kleines Paradies geschaffen. Zur Ruhe setzen will sich „El jefe“ allerdings noch nicht. „Ich könnte keinen Tag ohne Arbeit sein“, sagt er. Und wenn er nur am Abend mit seiner Frau ins Restaurant kommt und nach dem Rechten sieht …
