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Ein Auslandssemester in Norwegen. Dies ist ein Versuch die ersten Erfahrungen sachlich und etwas unterhaltsam festzuhalten.

Quarantäne - Hui oder Pfui?

Nun könnte man meinen, Quarantäne wäre auf jeglicher Hinsicht etwas Ätzendes. Und unter je nach Betrachtungsweise kann ich dem auch zustimmen. Nur bringt diese Sichtweise nichts mit sich, außer schlechte Laune. Manche Leute können schlechte Laune gut ab, bzw. konkreter gesagt, sie haben sich eher daran gewöhnt. 

Für mich ist das nichts. Schlechte Laune würde mir nur die Laune verderben. Quarantäne bringt es mit sich, viel Zeit für sich zu haben. Warum diese Zeit also nicht nutzen und sich dem widmen, wofür man im Alltagstrouble nicht die Zeit aufbringen kann (/möchte)?

Und in diesem Sinne gehen die Tage tatsächlich kurzweilig vorbei. Nach dem, zugegebenermaßen, späten Aufstehen gegen 9 gibt`s erstmal eine kalte Brause. Zuhause in Deutschland stand bis zuletzt nur ein Sparduschkopf zur Verfügung, der Wasser mit grundsätzlich nicht weniger als 20 °C zu Verfügung stellte. Mit dem riesigen Duschkopf hier und der vom skandinavischen Winter gekühlten Leitung, kommt man hier endlich wieder in den Genuss (un)angenehmerer Temperaturen. Einmal abgetrocknet und angezogen, gibt es (mir auf jeden Fall) einen unglaublichen Kick. Man hat die erste Tageshürde genommen - alle weiteren können kommen. Mit diesem Wissen und der sich mittlerweile ausgebreiteten wohligen Wärme, kann der nächste Routinepunkt angetreten werden - Achtsamkeitstraining. Es folgt das holen des Frühstücks, welches um diese Zeit schon vor der Tür steht und eine rudimentäre Tagesplanung. Auf den Tagesplan kommen Punkte wie Lesezeit, Norwegisch lernen, schreiben (nicht bloß für diesen Blog), sich auf das Semester vorbereiten und noch einiges mehr.

Das Frühstück hier im Scandic Park Hotel ist immer ähnlich aufgebaut. 2 Brötchen oder ein paar Scheiben Brot, mit verschiedenen Aufstrichen, Belägen, einem Getränk und einem Dessert.

Frühstück 1
Frühstück 1
Frühstück 2
Frühstück 2
Frühstück 3
Frühstück 3

Neben der gewöhnlichen Butter (Smör - nur mit dem ECHTEN NORWEGISCHEN GESCHMACK ... schmeckt so wie jede Butter), gibt`s noch Konfitüre und echten Kochschinken sowie einen Käse der geschmacklich eine Mischung aus Gouda und Maasdamer zu sein scheint. Als potentiell gewöhnungsbedürftig stellt sich die Auswahl an Fischprodukten dar. Makrele in Tomatensauce oder eine salzige Kaviarpaste. Die (hakengefischte!!!) Makrele ist ziemlich gut. Auch gibt es meistens eine Art Schmelzkäse in der Tube und manchmal auch Mayonnaise zum Frühstück. Über die ganzen Verpackungen und Tuben müssen wir nicht reden. Besonders in dieser Hinsicht durfte ich heute Morgen staunen. Eine (!) Scheibe Käse, eingeschweißt in einer Verpackung. Immerhin handelte es sich dabei um eine Art des Norwegischsten was sich wohl in ganz Norwegen wohl finden lässt (neben Elchen). Geitost (dt. Ziegenkäse) ist ein bräunlicher Käse der geschmacklich schwer zu beschreiben ist, ich mich aber der durchaus der allgemeinen Meinung anschließen würde, dass es eine Art fester Schmelzkäse mit Karamellnote ist. Die Ziegennote nicht zu vergessen, die ist aber nur dezent. 

Insgesamt doch also immer etwas Abwechslung beim Frühstück. Anders beim Mittag. Das ist nochmal das Gleiche wie beim Frühstück. Nun habe ich gehört, dass das essen von warmen Mahlzeiten zum Mittag hierzulande immer noch nicht ganz "In" ist. Die Norweger sind stolz auf ihre zuhause vorbereiteten und zur Schule/Arbeit mitgenommenen Brotpakete. Dass auch Hotels traditionsbewusst dieser Praxis nachkommen, zeigt wohl, wie stolz dieses Völkchen auf seine Lebensart ist (oder wie sehr die Hotels an warmen Mahlzeiten sparen wollen).

Abends gibt es dann warm. Und das auch ziemlich abwechslungsreich. Gestern gab es bspw. Gebratenes Bauchfleisch mit Kartoffeln, einer kräftigen Sauce und einer gebutterten Mais-Broccoli-Kichererbsen(?)-Beilage. Bis auf dass das Bauchfleisch zur Hälfte aus Fett bestand, ganz schmackhaft.

Abendessen 1
Abendessen 1
Abendessen 2
Abendessen 2
Abendessen 3
Abendessen 3

Neben dem Essen gibt´s natürlich auch noch die Tage und neben den ganzen Vorbereitungen für die Uni, gibt`s ja auch noch Sandefjord selbst. Und Endlich. Endlich mal wieder eine ordentliche Winterlandschaft mit gefrorenen Teichen, Schneedecken und von Eis verbuckelten Gehwegen. Da nehme ich gerne die tauben Finger in Kauf. 

Ansonsten ist Sandefjord eine schöne kleine norwegische Stadt wie man sie sich vorstellen würde. Typische Holzhausarchitektur, zwischendrin aufragende Felsen, ein Hafen mit vielen kleinen Booten und malerische Promenaden. Insgesamt eine schöne Atmosphäre um sich schon mal ein wenig auf das Land einzustellen.

EInkaufsallee
EInkaufsallee

Ich bin abgeschwiffen. Um mit die eingangs gestellte Quarantänefrage kurz und bündig zu beantworten - sie kann ein wunderbares Mittel sein um sich noch einmal komplett zu resetten. Gerade in einer Situation, in der sich der folgende Lebensabschnitt grundlegend von den bisherigen unterscheidet. Ich würde sogar meinen, ich bin dankbar für diese verpflichtende Auszeit. Es gibt mir noch einmal Raum, um Klarheit zu schaffen, weshalb ich hier bin und wo ich hin will.

Mit diesem philosophischen Schlussgedanken ein herzliches "Ha det!".


Kommentare

Jutta
Kulinarisch: Scheint dir ja als Vegetarier nicht so schwer zu fallen. Ansonsten freue ich mich, dass es Dir gut geht.Bleib neugierig! In Liebe Oma Jutta

Leanne
Ich bin sehr stolz auf dich. Ich freue mich hier bald mehr von dir lesen zu dürfen<3

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