eine-prise-nordwind

Ein Auslandssemester in Norwegen. Dies ist ein Versuch die ersten Erfahrungen sachlich und etwas unterhaltsam festzuhalten.

Abfahrt und Ankunft

Früher habe ich meine Eltern immer dafür bewundert, wie lange sie auf dem Urlaubsweg an die Ostsee hinter dem Steuer sitzen konnten. Bis zu vier Stunden unentwegt auf die Autobahn zu starren musste doch unglaublich langweilig sein, oder?

Es stellt sich heraus – das ist es sehr wohl… Vor allem wenn man allein fährt. Und um mit dem Auto nach Norwegen zu kommen fährt man lange. Klar, man kann es wohl mit dem Fahren nach Kroatien vergleichen, was sich als Urlaubsland begründetermaßen ja hoher Beliebtheit erfreut. Aber dann eine Reise dieser Länge selbst zum ersten Mal zu unternehmen - daran muss man sich erst mal gewöhnen. Jedoch auch nichts allzu Herausforderndes. Vor allem wenn man nebenbei noch ein Hörspiel laufen lässt.

Und so verging die Zeit der ersten Weghälfte Richtung Norwegen unspektakulär. Die Autobahnen sehen ja sowieso überall gleich aus. Lediglich durch den Hamburger Hafen und unter der Elbe hindurchzufahren war doch mal etwas exotischer.

Die kleine aber feine Pension die mich in Flensburg erwartete, bietete genau das was man sich erhofft. Ein Zimmer für die Nacht, saubere Duschen und WC´s. Wenig aber genau richtig.

Am nächsten Tag hieß es zeitig aufstehen, um mit genügend Puffer die Nordspitze Dänemarks zu erreichen. Die dänischen Grenzbehörden gaben sich mit meinem provisorischen Covid-Schnelltestergebnis zufrieden und ließen mich unkompliziert passieren. Dänemark hat wohl insgesamt eine gute Autobahninfrastruktur. Denn anders als erwartet durfte ich nicht eine Weile gemütlich über malerische Landstraßen durch den dünn besiedelten Norden fahren, sondern die Autobahn spuckte mich quasi direkt in den Hirtshalser Hafen aus. Naja, immerhin pünktlich mit Puffer. Ein provisorisches Käse-Ketchup-Sandwich später, hieß es herauszufinden, wie ich zu der entsprechenden Einfahrt meiner Fähre kam, was sich allerdings ohne größere Probleme dank entsprechender Beschilderung bewältigen ließ.

Die Fähre oder eher gesagt das Miniatur-Kreuzfahrtschiff bietete eine optimale Möglichkeit für eine Ruhepause. Sowie etwas Lektüre. Auf dem Außendeck war es etwas ungemütlicher. Der Skagerrak bläst einen da den Nordseewind dermaßen um die Luke, dass man sich mitunter nur in einem Anstellwinkel vorwärtsbewegen kann. Das erste Sichten des norwegischen Festlands mit seinem grauen Granit und aufleuchtenden Leuchttürmen in der Ferne gab doch eine etwas komische Gefühlsmischung.

Die Zeit, dies auf sich wirken zu lassen blieb jedoch begrenzt, da wir relativ schnell anlegten und uns unter den wachsamen Augen der Zollbeamten in lange Autoreihen stellten, um den vorgeschriebenen Covid-Test zu absolvieren. Eine Stunde später durfte ich erneut Zeuge der vielfältigen Wunder dieser Welt werden, als mir das medizinische Personal einen Zaubertrick vorführte. Bei diesem lässt man ein (gefühlt) halben Meter langes Teststäbchen in der dafür vorgesehenen Nasenöffnung verschwinden. Physisch und seelisch zutiefst traumatisiert, durfte ich mich nachfolgend an die Grenzbehörden wenden, um mir ein geeignetes Quarantänehotel zuteilen zu lassen. Meiner Bitte, sie sollten ja wohl möglichst meinen zusätzlich mitgebrachten Alkohol verzollen, begegneten sie mit Widerstreben. Anscheinend war die Menge klein genug, um nicht der Rede wert zu sein. Immerhin 16 Euro gespart.

Die 15-minütige Fahrt zum Quarantänehotel ereignete sich ereignislos. Lediglich die Straßen, der Schnee, die aufragenden Granitfelsen am Straßenrand und die mannshohen Eiszapfen die von den Wänden hingen, verdeutlichten, dass hier tatsächlich eine andere Geographie und Klimazone herrscht.

Und so wurden die Felsen und das Eis das Erste, was mich wirklich dies hat realisieren lassen. Dies ist die Umgebung, in der ich nun eine lange Zeit lang leben werde. Eine andere Kultur mit einer anderen Sprache. Alles schön und beängstigend zugleich.

15 Minuten Gefühlsduselei später wurde ich herzlichst im Hotel „Scandic Park – Sandefjord“ willkommen geheißen mit der Ankündigung, Abendessen könnte zeitlich gerade noch so passen. Das hebt doch die Geister. Ich habe an diesem Abend kein Abendessen mehr erhalten. Also doch noch Nutzung meiner eigenen Reserven. Mit anderen Worten – Käse-Ketchup-Sandwichs. Und Eier mit Gurke. Das gab es wirklich… Keine Doppeldeutigkeit.

So und jetzt heißt es die Quarantänezeit absitzen, wobei ich bis heute keine Probleme habe mich entsprechend zu vertun. Lesen, die Infos der Trondheimer Uni verfolgen und das ein oder andere Webinar mitmachen. Leute auf dem Laufenden halten (passiert ja hier gerade so viel, oh mein Gott!!!) etwas spazieren gehen und etwas Sport. Essen ist so mittelmäßig aber Abends gibt’s warm. Steht gerade neben mir und ich bin gespannt. Gestern gabs einen guten Gulasch mit Reis. Wobei… Nach den ganzen Sandwichs wär mir wohl jedes warme Gericht als göttliche Gabe erschienen. Heute gibt’s… Nudeln mit Bolognese. Nicht schlecht…

In diesem Sinne – Guten Appetit

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