Mauritius einmal schlicht, einmal luxuriös
Bevor ich wieder nach Südostasien reiste, wechselte ich von La Réunion auf Mauritius. Diese Destination für Luxus-Badeferien lässt sich auch mit kleinem Budget geniessen.

Veröffentlicht: 13.06.2026

















Am 15. Dezember 2025 flog ich von Mauritius nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Mit rund zehn Millionen Einwohnern ist Kuala Lumpur bedeutend kleiner als die südostasiatischen Megastädte Jakarta, Manila, Bangkok oder Ho-Chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon, hat aber mindestens ebenso viel zu bieten wie diese.
Im Kuala Lumpur City Centre oder kurz KLCC dominieren Hochhäuser das Stadtbild. Fast so berühmt wie der Eiffelturm in Paris sind die Petronas Towers, inzwischen auch schon fast dreissig Jahre alt. Sie sind ein Denkmal für Mahathir Mohamad, Langzeit-Regierungschef des Landes, der von 1981 bis 2003 und nochmals 2018 bis 2020 malaysischer Premierminister war und, geboren 1925, inzwischen mehr als einhundert Jahre alt und noch immer am Leben ist.
Mahathir Mohamad betrieb in den 1980er- und 1990er-Jahren ein staatlich gelenktes Modernisierungs- und Industrialisierungsprogramm, und Kuala Lumpur sollte seinen Rückstand als Banken- und Dienstleistungszentrum zu anderen asiatischen Metropolen wie Singapur, Hongkong, Shanghai oder Bangkok aufholen.
Die Türme auf dem Areal des ehemaligen Rennplatzes nahe dem alten Stadtzentrum wurden von der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Petronas finanziert, die dort auch ihren Hauptsitz einrichtete. Sie sollten zu einem selbstbewussten Symbol für Malaysias Modernität und Leistungsfähigkeit werden, aber mit ihrer Form von zwei überdimensionierten Minaretten auch die muslimische Identität des Landes symbolisieren. Zudem mussten die Petronas Towers höher sein als der Sears Tower in Chicago, das damals höchste Gebäude der Welt. Die Petronas Towers hielten mit 452 Metern den Weltrekord bis 2004, als sie vom 508 Meter hohen Tapei 101 in der taiwanesischen Hauptstadt übertroffen wurden.
Etwa zwei Kilometer südwestlich der Petronas Towers steht der Fernsehturm Menara Kuala Lumpur, auch simpel KL Tower genannt. Der Bukit Nanas, auf den der Turm etwa zur selben Zeit wie die Petronas Towers gebaut wurde, ebenfalls unter der Ägide von Premierminister Mahatir Mohamada, ist ein Hügel mit altem Baumbestand. Der Turm ist zwar «nur» 421 Meter hoch, doch von der Aussichtsplattform mit Restaurant geniesst man eine gigantische Aussicht, und die Menschenschlange, die diese geniessen will ist bedeutend geringer als vor den Petronas Towers.
Überraschenderweise finden sich in der Eingangshalle persische Muqarnas-Gewölbe, traditionelle, kunstvolle Deckenverzierungen, die man sonst in Moscheen, Palästen oder Mausoleen findet. Muqarnas sehen aus wie Decken voller künstlicher Stalaktiten, wie man sie aus Tropfsteinhöhlen kennt.
Alte kleinräumige Quartiere
Doch Kuala Lumpur besteht keineswegs nur aus Hochhäusern, auch wenn sich das Stadtbild kontinuierlich verändert. Vielmehr gibt es noch ganze Stadtquartiere mit traditionellen Strukturen und ein- bis vierstöckigen Häusern und einigen Strassenzügen mit kolonialer Architektur.
So ist der Zentralmarkt, auf Malaiisch: Pasar Seni, unbedingt einen Besuch wert. Er liegt nur wenige Gehminuten von der geschäftigen Petaling Street entfernt, dem Kern von Chinatown. Der Pasar Seni wurde 1888 als Wet Market angelegt, also als Markt für Fleisch, Fisch und Gemüse. Das heutige hellblaue Gebäude im Art-Déco-Stil wurde in den 1930er-Jahren gebaut. Der Wet Market wurde später verlegt, als Kuala Lumpur rasant wuchs.
In den 1980er-Jahren sollte das markante Gebäude, das lange leer stand, einem Hochhaus weichen, doch eine Denkmalschutz-Initiative rettete den Markt. Seit 1986 wird in den renovierten Hallen statt Lebensmitteln das kulturelle Erbe Malaysias präsentiert, das man sich in einem angenehm klimatisierten Ambiente zu Gemüt führen kann.
Verschiedene malaysische Kulturen präsentieren sich in verschiedenen Abteilungen: In der malaiischen Zone sind vor allem handgefärbte Batik-Stoffe und traditionelle Kleidung zu haben, in der chinesischen Zone Schnitzereien, Jade und Tee, in der indischen Zone Saris in allen denkbaren Farben, Gewürze und Schmuck. Im oberen Stockwerk lädt ein grosser Food Court zum Verkosten von malaiischer, chinesischer und indischer Küche.
Weitere Essbuden, die lokale Snacks anbieten, stehen neben dem Hauptgebäude in einer überdachten Fussgängerzone namens Kasturi Walk. Dort gibt es auch handgemachte Souvenirs, Handtaschen und Uhren (nein, der Gucci-Bag und die Rolex sind definitiv nicht echt!), T-Shirts und Fummel, Flip-Flops und Sneakers.
Eine Strasse voller Essen
Doch zum Abendessen gehe ich am liebsten in die Jalan Alor im Quartier Bukit Bintang südlich des KLCC. Bukit Bintang ist das primäre Handels- und Unterhaltungszentrum der Stadt. Einkaufszentren, Hotels, Bürogebäude und Supermärkte dominieren die Hauptstrassen. In den Nebenstrassen findet sich alles für den abendlichen Ausgang.
Die Jalan Alor, tagsüber eine normale Durchgangsstrasse, wird am späten Nachmittag für Fahrzeuge gesperrt und verwandelt sich in eine Gastro-Meile unter freiem Himmel. Dutzende Garküchen und Restaurants stellen Tische und Stühle auf den Asphalt. Junge Leute versuchen, aus der vorüberziehenden Menschenmasse Gäste in ihre Lokale zu locken.
Ich habe jeden Abend die Qual der Wahl zwischen malaysischen, chinesischen und thailändischen Gerichten. Gekocht, gebraten und frittiert wird oft auf offenen Kochstellen direkt an der Strasse oder aber in ebenfalls offenen Küchen im Hintergrund der Restaurants. Durch die Strasse wabern Gerüche von gebratenem Fleisch, flüssiger Schokolade, Meeresfrüchten und Durian, die nicht ohne Grund auch «Stinkfrucht» heisst.
Gesättigt bewege ich mich von der Jalan Alor in Richtung der Changkat Bukit Bintang. Auf dem Weg reiht sich ein Massagesalon an den anderen; Frauen und Männer versuchen, Passanten anzulocken, indem sie andeuten, dass hier, wenn gewünscht, mehr geboten wird als nur eine ordinäre Massage.
Doch mich zieht es weiter zu jenem Abschnitt der Changkat Bukit Bintang, die als Zentrum des Nachtlebens fungiert. Zweistöckige, oft im Kolonialstil erbaute Häuserreihen, in denen sich Bars, Pubs und Diskotheken eingenistet haben, dominieren die Strasse. Während man sich, auf einem Open-Air-Barstuhl sitzend, einen oder zwei Schlummer-Whiskys gönnt, wird man von jungen Frauen angesprochen, viele von ihnen aus afrikanischen Ländern, aus Vietnam, Kambodscha oder den Philippinen, deren Geschäftsgrundlage ältere Männer bilden.
Tempel und Denkmäler
Wieder seriös zu und her geht es beim Tugu Negara oder Nationaldenkmal. Es erinnert an die Soldaten, die ihr Leben im Kampf für die Unabhängigkeit und den Frieden des Landes gelassen haben – insbesondere während des Zweiten Weltkriegs und des malaiischen Ausnahmezustands, der Malayan Emergency von 1948 bis 1960. Die Malayan Emergency war ein bewaffneter kommunistischer Aufstand der die Malayan National Liberation Army (MNLA), die überwiegend aus ethnischen Chinesen bestand, gegen die britische Kolonialherrschaft.
Die Terroraktivitäten erreichten 1951 ihren Höhepunkt, als der britische Hochkommissar Sir Henry Gurney ermordet wurde. 1955 war der Aufstand grösstenteils beendet; 1957 gewann Malaya die Unabhängigkeit; der Notstand wurde offiziell Ende Juli 1960 beendet. Auf dem Granitsockel des Denkmals ist neben dem malaysischen Staatswappen, das «Stärke durch Einheit» postuliert, eine Widmung für die «heroischen Kämpfer für die Sache des Friedens und der Freiheit» auf Englisch und, in arabischer Schrift, auf Malaiisch eingemeisselt.
Ein weiteres Wahrzeichen der malaysischen Hauptstadt neben Petronas Towers, Zentralmarkt und Fernsehturm befindet sich rund 15 Kilometer nördlich des Stadtzentrums: die Batu Caves, eine Reihe von Kalksteinhöhlen, die vor rund 400 Millionen Jahren entstanden sind. Heute sind sie eine der bedeutendsten hinduistischen Pilgerstätten ausserhalb Indiens.
Am Eingang der Anlage steht die fast 43 Meter hohe, goldene Statue des Kriegsgottes Murugan. Direkt dahinter beginnt der Aufstieg zur Haupthöhle, der „Kathedralenhöhle“. Besucher müssen hierfür 272 Stufen überwinden, die im Jahr 2018 in unterschiedlichen Farben gestrichen wurden. Die Stufen führen in ein Höhlensystem mit einer Deckenhöhe von bis zu 100 Metern, in dem sich mehrere Schreine befinden.
Für zahllose frei lebende Javaner-Affen, auch Langschwanz-Makaken genannt, sind die Treppenanlagen und Felswände, aber auch die Essensreste der Pilger ein idealer Lebensraum. Die Affen haben keine Angst vor Menschen, und wer seinen Satay-Spiess, sein Sandwich oder auch seine Sonnenbrille nicht sorgfältig hütet, riskiert, dass sich ein Primat anschleicht, mit einem schnellen Griff die Sachen behändigt und sich flink aus dem Staub macht. Fast meint man, den Dieb höhnisch lachen zu hören.
